Dein Preissystem

Hei, hallo und herzlich willkommen,

in letzter Zeit beobachte ich, wie sich immer mehr Selfpublisher*innen emanzipieren und nicht mehr bereit sind, ihre Werke zu verschenken. Auf der einen Seite.

Auf der anderen Seite gibt es Autor*innen, welche einen günstigen Preis oder eben das Verschenken ihrer Werke als Marketingmittel sehen. Darüber möchte ich mir heute ein paar Gedanken machen.

Kurze Vorgedanken

Natürlich kann ich noch nicht aktiv mitreden, da mein erstes Werk noch auf die Veröffentlichung wartet. Das ist mir bewusst. Dieser Fakt bedeutet aber nicht, dass ich mir nicht trotzdem einige Gedanken darüber machen kann, wie ich das Selbst mit dem Preissystem angehen würde, wenn es dann bald so weit ist.

Eine wichtige Grundlage für die Gedanken Deines Preissystems dürfte sicherlich der sein, dass Du Dich fragst, was Du Dir wert bist. Da ich darüber bereits einen Beitrag verfasst habe, möchte ich an dieser Stelle nur kurz darauf eingehen.

Dann mache ich mir Gedanken darüber, wie ein Preissystem aussehen könnte und auch, ob günstige Preise oder das Verschenken der Bücher nicht doch noch irgendwo einen Sinn hat.

Was bist Du Dir Wert?

Vor einiger Zeit gab es ein Bild auf Facebook, auf dem eine Autorin erklärte, warum sie ihre Bücher nicht mehr für 99 Cent oder gar für umsonst herausgibt. Das ist auch durchaus verständlich.

Viele Autor*innen sehen das Schreiben als Hobby an. Und daher sind sie der Meinung, dass man hier sowieso mehr Geld ausgibt, als man letztendlich einnimmt. Das mag stimmen. Denn betreibe ich ein Hobby (sagen wir mal Sport oder das sammeln von etwas), gebe ich natürlich in erster Linie Geld aus. Der Gewinn ist für mich eine emotionale oder auch körperliche Befriedigung (beim Sport halt).

Für sie ist es durchaus verständlich, wenn sie mit den Büchern keinen Gewinn machen (wollen). Dass diese Einstellung dann auf andere Autor*innen Auswirkungen hat, darüber kann man gerne diskutieren. Denn verschenken die Hobbyautor*innen ihre Werke, wird das durchaus auch von den Autor*innen verlangt, die das als Beruf sehen. Und damit beißt sich die Katze durchaus in den eigenen Schwanz. Denn Leser*innen können nicht erkennen, ob das Buch als Hobbyprojekt geschrieben wurde oder als Grundlage für das eigene wirtschaftliche Überleben.

Doch auch Autor*innen, welche das Schreiben als Beruf ansehen, scheinen sich nicht immer mit dem nötigen Selbstwert zu betrachten. Zumindest sehen das zwischenzeitlich viele Kollegen/Kolleginnen, wenn diese Autor*innen ihre Bücher für 99 Cent oder eben für umsonst verkaufen.

Um ein halbwegs vernünftiges Preissystem für Dich zu finden, kannst Du Dir den entsprechenden Beitrag noch einmal in Ruhe durchlesen. Dann plane für Dich, wie viel Dir wirklich Deine Geschichte Wert ist. Und dann leg erst einmal ein Preis fest.

Das bedeutet nicht unbedingt, dass Du diesen Preis dann auch wirklich nehmen musst. Aber wenn Du weißt, wie viel Du theoretisch verlangen möchtest, fällt es Dir leichter mit möglichen Preisaktionen oder Preisreduzierungen und so weiter umzugehen.

Dein Preissystem

Jedes Buch hat eine bestimmte Investition erlebt, bevor es veröffentlicht wurde. Das fängt damit an, dass Du Dir die Idee ausgedacht hast (egal wie Du dazu gekommen bist), dann hast Du die Charaktere erfunden, den Plot erarbeitet und dann Tag für Tag geschrieben.

Du hattest materielle Investitionen. Vielleicht hast Du Dir ein Programm gekauft oder sogar mehrere. Dann hast Du vielleicht ein Lektorat und Korrektorat in Anspruch genommen, ein Coverdesign, die Herstellung der Datei von jemand anderen vornehmen lassen und so weiter.

Versuch mal auszurechnen, wie viel Dich ein Buch kostet, bis zum Tag der Veröffentlichung. Wenn Du das Schreiben professionell betreiben möchtest, solltest Du mindestens dieses Geld einnehmen. Ansonsten machst Du Verluste und am Ende könnte es vielleicht sogar so weit kommen, dass Du Dir eine weitere Veröffentlichung gar nicht mehr leisten kannst. Und seien wir doch ehrlich, das wäre sicherlich mehr als nur Schade.

Gehen wir einfach mal davon aus, dass die Veröffentlichung Deines Buches runde 4.000 Euro kostet. Und nehmen wir weiter an, Du würdest für Dein Buch 4,99 Euro verlangen und würde am Ende netto mindestens 1 Euro bekommen (die Summen sind nur Beispiele und entsprechen nicht der Realität). Dann müsstest Du 4.000 Bücher verkaufen, um auf null zu kommen. Denn jetzt hast Du 4.000 Euro Schulden.

Würdest Du Dein Buch nun verschenken und 4.000 Leser*innen laden sich das Buch herunter, welchen Umsatz hast Du gemacht? Wenn Du jetzt sagst, 0 Euro, dann hast Du bedingt recht. Denn im Grunde genommen sind es Minus 4.000 Euro. Du hast keinen Gewinn gemacht, aber durch die Veröffentlichung immer noch einen Verlust auf dem Konto.

Daher ist es natürlich fraglich, ob es eine gute Idee ist, wenn man die Bücher verschenkt. Auch wenn Du weniger für die Veröffentlichung Deines Buches bezahlen magst, so dürftest Du Dich am Anfang trotzdem erst einmal in einem Minus befinden.

Aus diesem Grund sollte man erwarten, dass Autor*innen durchaus Gelder für ihre Werke verlangen.

Weiterhin hat das auch etwas mit Respekt zu tun. Nicht nur für die eigene Arbeit, sondern auch für die der anderen Autor*innen. Gerade die SP-Szene hat sich da leider ein ziemliches Ei gelegt, als sie anfingen, ihre Bücher zu verschenken. Denn damit wuchs die Erwartungshaltung der Leser*innen, regelmäßig Bücher geschenkt zu bekommen.

Diese gleiche Erwartungshaltung erlebe ich selbst nicht so stark bei Verlagsbüchern. Hier ist immer noch dieses Gefühl, dass Verlagsbücher etwas wertvoller sind. Weil sie eben in Verlagen veröffentlicht sind. Man kann also sagen, dass ein halbwegs vernünftiger Preis signalisiert, dass man es hier mit einem Buch von Qualität zu tun bekommt (was natürlich dann auch damit bewiesen werden sollte, dass es professionell ist).

Daher kann man durchaus sagen, dass es vernünftig ist, einen etwas höheren Preis für Bücher zu verlangen. Wobei das durchaus abhängig von der Seitenzahl und eventuell vom Genre sein darf. Aber das ist ein Thema, welches Du dann mit Dir ausmachen kannst.

Niedriger Preis – ist der gut?

Darüber kann man sich streiten. Ich habe schon von einigen gehört, dass niedrige Preise oder gar umsonst ein gutes Marketingmittel ist. Denn, wie heißt es so schön, Geschenke erhalten die Freundschaft.

Auf der anderen Seite habe ich schon gehört, dass die ersten Anfeindungen gibt, wenn man dazu steht, dass Bücher für weniger Geld verkauft werden. Oder eben umsonst. Da frage ich mich natürlich, ob meine Hutschnur zu eng sitzt oder was das soll.

Warum könnte ein niedriger Preis gut sein? Machen wir uns einfach mal ganz unabhängig dazu ein paar Gedanken.

Gerade am Anfang haben wir Autor*innen einfach keine Leser*innen, oder nur wenige. Das ist erst einmal ein Fakt. Natürlich sollte man vom ersten Tag daran arbeiten, potenzielle Leser*innen zu werben, indem man schon für sich Werbung macht. Aber die große Masse dürften wir nicht sofort erreichen.

Daher sind günstige Preise durchaus als Lockmittel zu betrachten, um sich die notwendige Fanbase aufzubauen. Oder von mir aus, das kostenfreie Buch. Denn wenn einige Hundert Menschen Dein Buch herunterladen, dann könnte sich darunter doch jemand befinden, welche das Buch liest und dazu die notwendige Rezension schreibt.

Vor Kurzem habe ich mir ein Buch für die SPPerlen ein kostenfreies Buch heruntergeladen. Und zwischenzeitlich habe ich es gelesen und für so gut befunden, dass ich mir durchaus vorstellen kann, die weiteren Bänder zu kaufen. Wäre der Preis nicht kurzfristig heruntergesetzt gewesen, ich hätte es mir auch geholt. Aber es hätte sicherlich etwas länger gedauert.

Jetzt könntest Du sagen, dass ich eine Ausnahme bin. Immerhin rezensiere ich jetzt auf einem Blog solche Bücher. Da ist es natürlich notwendig, wenn ich ein entsprechendes Buch in die Finger bekomme, dass ich es auch lese. Mag stimmen. Aber immerhin habe ich es in die Finger bekommen, habe es auch gelesen und werde es rezensieren. Und wenn ich damit alleine bin, dann ist es eben so. Aber vielleicht motiviere ich jetzt einige andere dazu, sich ebenfalls das Buch zu holen. Und wie geschrieben, die anderen fünf Bücher werde ich mir nach und nach holen.

Man könnte also sagen, dass solche Aktionen doch nicht unbedingt schlecht sind. Aber ich kann verstehen, wenn jetzt einige Leute in die Tischplatte beißen. Denn das ist ja nicht deren Ziel, dass SP Autor*innen weiterhin ihre Bücher verschenken.

Doch gibt es nicht einfach irgendeine Alternative, mit der alle gut leben können?

Band 1, Kurzgeschichten und der Newsletter

Es gibt, zumindest in meinen Augen, durchaus einige Methoden, mit denen Du stabile Preise für Dein Buch haben kannst, ohne gleich die Leute zu, ich schreib es jetzt mal so, vergraulen.

Band 1

Diese Methode lohnt sich natürlich nur dann, wenn Du eine Reihe schreibst. Band 1 kann ein dünneres Band sein, sodass Du Deine zukünftigen Leser*innen einlädst, Deine Welt kennenzulernen.

Damit meine ich, dass Band 1 um die 100 Seiten lang ist und es daher nicht so weh tut, wenn Du dafür 99 Cent verlangst. Damit verdienst Du immer noch Geld, aber die Ausgaben sind hier ein wenig geringer. Und Du lockst damit Deine zukünftigen Leser*innen Dich und Deine Arbeit kennenzulernen.

Alternativ kannst Du ein Band 0 schreiben, als eine Art Prolog, welche locken kann, aber nicht notwendig ist, um Deine restlichen Bücher zu verstehen. Das wäre dann für günstiges Geld zu bekommen oder eben umsonst.

Diese Preispolitik würden Deine restlichen Bänder nicht angreifen. Denn so gut wie alle Leser*innen fangen mit Band 1 an zu lesen (Ausnahmen gibt es bestimmt). Und wenn Du sie erst einmal hast, dann werden sie sicherlich auch Deine restlichen Bänder kaufen, um mehr von Dir zu lesen.

Kurzgeschichten

Diese Idee passt sowohl für eine Reihe als auch für Einzeltitel. Und zwar kannst Du zu der Welt oder zu den Charakteren entweder nur eine Kurzgeschichte oder gar ein ganzes Band von Geschichten schreiben.

Gerade bei Einzeltitel fällt es sicherlich vielen schwer, da an der Preisschraube zu drehen. Denn wie soll man hier mit Band 1 oder Band 0 arbeiten? Es gibt ja eben nur eine einzige Geschichte. Und daher eignet sich die Kurzgeschichte, um auf Dich aufmerksam zu machen.

Die Kurzgeschichten kannst Du dann sowohl auf Deiner Internetseite als auch auf Buchplattformen anbieten. Das bedeutet natürlich durchaus, dass es dann ein Lektorat oder zumindest einige Beta-Leser*innen gelesen haben sollten. Willst Du das für Dich nutzen, muss dieses Produkt so perfekt wie nur möglich sein. Vergiss das bitte nicht. Daher ist es hier wichtig, keine halben Sachen zu machen.

Dein Newsletter

Wenn Du noch keinen Newsletter hast, dann wird es Zeit, Dir einen anzuschaffen. Darüber werde ich noch einmal gesondert bloggen. Aber über Deinen Newsletter landest Du direkt im Postfach Deiner Leser*innen. Und hier kannst Du sie erwischen.

Schick Deine Newsletterleser*innen kleine Geschenke. Zum Beispiel die erwähnte Kurzgeschichte, das Prolog Deines Romans oder auch Band 0. Fordere sie aber auch gleichzeitig höflichst auf, dass sie Deine Geschichte auf den verschiedensten Plattformen bewerten.

Hierbei handelt es sich ja um einen Tausch. Sie kriegen etwas von Dir geschenkt und indirekt bezahlen sie Dich. Eben mit einer Rezension.

Abschlussgedanken

Es gibt kein Patentrezept, welche Werbemethode funktioniert oder welcher Preis letztendlich richtig ist. So habe ich von Leuten gehört, dass sich Bücher gut verkauft haben, für die sie gar keine Werbung gemacht haben. Und andere Werke hingegen verkauften sich mäßig. Aber die Werbung dafür war der Hammer.

Das gilt letztendlich auch für Dein Preissystem. Ich selbst würde empfehlen, dass Du Dir eine Preiskategorie suchst, mit der Du glücklich bist und Deine Arbeit nicht mehr verschenkst. Wobei das sogar noch mehr ein Wunsch ist, als eine Empfehlung. Denn letztendlich, Du entscheidest.

Aber vielleicht macht es Dir auch Spaß, Dir andere Methoden zu überlegen, wie Du die Leser*innen an Dich binden kannst. Die oben aufgeführten Beispiele waren eine kleine Auswahl, was möglich ist. Ich bin mir sicher, Dir wird noch so einiges einfallen.

Deine Einstellung

Mach Dir ruhig schriftlich Gedanken darüber, wie Du selbst zu dem Thema Preissystem, Preisaktionen und Derartiges stehst. Würdest Du Deine Bücher verschenken wollen (ich meine übrigens nicht Rezensionsexemplare, das ist etwas anderes)?

Wenn ja, wieso? Und wenn nein, wieso nicht?

Deine Idee

Welche Ideen hast Du neben dem Preismarketing noch? Angefangen von den Kurzgeschichten hinzu den günstigeren Preisen des ersten Bandes oder dem Newsletter. Das sind einige Möglichkeiten, die Du hast. Aber sicherlich fallen Dir noch weitere Sachen ein, mit denen Du arbeiten kannst.

Versuch dabei Deine Persönlichkeit in den Ideen wiederzufinden. Denn es bringt nichts, andere zu kopieren, wenn Du nicht dahinter stehst, weil das einfach nicht Du bist. Daher überleg Dir etwas und such dabei Deine individuelle Persönlichkeit.
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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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