Rassismus: Wenn die Charaktere zu Völkerstereotypen werden

Hei, hallo und herzlich willkommen,

vor einigen Jahren lief eine Reportage über Filme, welche die Ureinwohner Amerikas zeigten (allgemein auch als Indianer bezeichnet). Dabei blieb mir eine Szene aus einem Film im Kopf hängen, leider nur nicht der Titel des Films.

Es ging dabei um einen Ureinwohner, der ein Soldat war und sich betrank. Dann lief er durch die Straßen, eben betrunken und benahm sich nicht stolz und wild, wie man es erwartete. Beziehungsweise, wie das Völkerklischee es ihm eigentlich vorgeschrieben hätte.

Und um diese Völkerklischees geht es in dem heutigen Beitrag.

Kurze Vorgedanken

Russen trinken. Italiener sind Machos. Amerikaner sind dumm. Engländer sind höflich. Japanerinnen quieken beim Sex.

Jedes Volk wird mit irgendwelchen Klischees und Stereotypen in Verbindung gebracht. Denken wir an ein Volk, an eine Gruppe von Menschen, sei sie religiös oder politisch, fallen uns sofort unendlich viele Stereotypen zu denen ein. Einige von denen mögen wahr sein, andere hingegen nicht.

Manche Stereotypen sind sehr offensichtlich (die des edlen Wilden zum Beispiel), andere hingegen kommen eher unterschwellig. So zum Beispiel, dass alle Asiaten in irgendeiner Kampfkunst bewandert sind.

Der Aufbau des Beitrages richtet sich nach dem bekannten Schema nach Inhalt, Problem, warum das geschrieben wird und wie man es anders schreiben könnte.

Der Inhalt

Wie oben schon angefangen zu schreiben, kann es schnell passieren, dass man in Stereotypen verfällt, beschreibt man irgendein Volk auf der Erde. Diese Bilder haben sich in unsere Köpfe regelrecht festgefressen, dass es vielen schwerfällt, aus diesen auszubrechen und etwas anderes zu schreiben.

Glaubst Du nicht?

Dann mach doch mal mit mir folgendes Experiment. Schnapp Dir einen Zettel und schreib die Punkte auf, an die Du denkst, wenn Du das Wort „Indianer“ liest.

Wenn Du jetzt sehr selbstkritisch warst, dann könnten dort Worte stehen, die abseits der Klischees sind. Aber wenn Du das kleine Experiment ohne Selbstkritik gemacht hast, könnten auf Deinem Zettel unter anderem folgende Worte stehen:

  • Federschmuck
  • edler Wilde,
  • wilder Barbar (der nur hinter dem Skalp der Weißen her ist)
  • Verträgt kein Feuerwasser
  • ist friedlich
  • kennt kein Besitz
  • lebt im Einklang mit der Natur
  • ist sehr friedfertig

Und so weiter und noch viel mehr. Das bedeutet nicht automatisch, dass Du rassistisch bist. Es bedeutet nur, dass diese Stereotypen immer noch aktuell sind und es uns häufig schwerfällt über diese hinwegzukommen. Denn man gibt uns im Fernsehen oder auch teilweise in Romanen kein anderes Bild von den Ureinwohnern.

Und wenn doch, fällt es uns schwer mit diesem Bild klarzukommen, weil die Stereotypen so stark sind, dass wir eher neigen, zu diesen zurückzukehren.

Ich erwähne deswegen die Indianer, weil sich hier die härtesten Stereotypen halten. Und sie sind häufig auch sehr offensichtlich. Spätestens dann, wenn ein Ureinwohner mit einem Traumfänger arbeitet, können wir schon ahnen, dass hier ein Stereotyp zum Tragen kommt.

Denn dieser stammt ursprünglich von Ojibwe-Kultur und wurde erst in den 1960er und 1970er von anderen Stämmen übernommen. Jedoch wird immer gerne getan, als hätten alle Stämme etwas mit diesem Gegenstand zu tun, was nun einmal nicht stimmt.

Aber auch andere Kulturen haben ihre Stereotypen. Und diese sind nicht immer so schön offensichtlich, wie die oben Aufgeführten. Wenn wir es mit Asiat*innen zu tun haben, können wir nur darauf warten, dass sie in einer Serie oder in einem Film anfangen ihre asiatischen Kampfkünste zu zeigen.

Es mag sein und ist wohl auch teilweise so, dass viele Asiat*innen wissen, wie man sich verteidigt. Darüber will ich nicht diskutieren. Aber scheinbar besitzen alle Asiat*innen eine geheime Kampfkunst, die sie den Gegner*innen überlegen machen.

Sind sie aber auf der falschen Seite, dann ist der Held oder die Heldin durchaus in der Lage, unsere*n Asiat*in zu besiegen. Besonders dann, wenn sie oder er eine weiße Hautfarbe hat.

Das Problem

Das große Problem dürfte wohl schon klar sein. Wenn wir andauernd die gleichen Stereotypen vorgesetzt bekommen, dann verfestigt sich dieses Bild und wir sind nicht mehr in der Lage darüber hinaus zu denken.

Immer wenn wir jemanden sehen, deren oder dessen kultureller Hintergrund eine wichtige Rolle spielt, rattert unser Gehirn die Stereotypen und Klischees ab. Wenn diese Vorurteile erfüllt werden, dann fühlen wir uns gut. Denn unser System A (Schnelles Denken, Langsames Denken von Daniel Kahnemann) muss nicht überwunden werden, damit System B anfangen muss zu arbeiten.

Und dadurch verfestigen sich die Bilder, die von diesen Gruppen von Menschen haben.

Jetzt wirst Du vielleicht sagen, die aufgeführten Beispiele sind ja nicht so schlimm, wo ist das Problem? Das Problem ist ganz klar, dass es auch negative Stereotypen gibt, die sich dadurch verfestigen.

Du kannst das oben angeführte Experiment mal mit einem Afroamerikaner durchführen. Was für Wörter landen auf Deinem Blatt? Ich befürchte, diese sind nicht immer ganz nett, oder?

Und diese Bilder bleiben in unserem Kopf, weil wir nicht immer selbstkritisch genug sind, um das alles zu hinterfragen. Ich gestehe, bei mir ist das auch so. Wenn ich mir eine Serie oder einen Film ansehe, dann lasse ich mich berieseln. Und dann hinterfrage ich nicht immer alles, was ich sehe. Daher haben diese Bilder einen ungemein starken Einfluss auf uns.

Zudem ist es auch ein Zeichen einer gewissen Faulheit. Denn wir sehen einfach nur Stereotypen und keine richtigen Charaktere. Denn Stereotypen sind nur Ansammlungen von Punkten und zeugen nicht davon, dass sich der Autor oder die Autorin wirklich mit diesem Charakter auseinandergesetzt hat.

Hier wird schlichtweg der einfache Weg gegangen und der heißt, packen wir ein paar Stereotypen zusammen und das war es auch schon.

Warum wird das geschrieben?

Wie schon geschrieben, es handelt sich hierbei um den einfachen Weg, um Charaktere zu erschaffen. Anstatt sich zu überlegen, wie der Charakter sein könnte und wie der kulturelle Hintergrund ihn oder sie noch runder macht, wird hier ein wenig gezimmert und das war es auch schon.

Damit werden gerade Minderheiten in eine Ecke gestellt, aus der sie nicht herauskommen. Die weißen Charaktere dürfen alles sein, was auch immer sie sein wollen. Dagegen haben die Minderheiten eine bestimmte Rolle zu spielen. Und die ist ihnen gegenüber sowohl als Minderheit als auch als Charakter / Mensch nicht fair.

Denn gerade Minderheiten werden anhand dieser Stereotypen immer gemessen. Wenn sie diese erfüllen, dann heißt es, na typisch, der oder die ist halt so, weil eben der kulturelle Hintergrund so und so ist. Wenn aber mal außerhalb der Box geschrieben wird, dann sind wir erst einmal irritiert.

In manchen mag sich auch ein gewisser Widerstand regen, weil wir es nicht gewohnt sind, dass die Charaktere der Minderheiten anders reagieren, als wir es letztendlich wollen. Das ist völlig in Ordnung. Aber dann sollten wir offen sein für die neue Erfahrung, die uns dieses Erlebnis schenkt.

Denn so lernen wir etwas über die Menschen und auch über uns. Denn dort, wo wir irritiert sind, haben wir es aller Wahrscheinlichkeit mit einem Stereotyp zu tun. Und da heißt es, genauer hinsehen. Hier können wir etwas lernen.

Wie Du es anders schreiben könntest

Wenn Du über Minderheiten schreiben möchtest und nicht weißt, welche Stereotypen zu dieser Gruppe gehören, bedeutet das eins: Recherche, Recherche und noch mehr Recherche. Es ist völlig in Ordnung, wenn Du nicht weißt, welche Elemente aus Deinem Charakter ein Stereotyp macht. Aber es gibt das Internet und Du kannst es jederzeit benutzen, um das alles herauszufinden.

So hab ich mal vor einiger Zeit auf einer englischsprachigen Seite gelesen, dass Menschen mit afrikanischen Wurzeln angeblich nicht schwimmen können. Da hatte aber wer eine Geschichte darüber geschrieben, ohne das zu wissen. Der Rest ist Geschichte, schreib ich mal an dieser Stelle.

Daher recherchiere vorher, was es für Elemente gibt, die Du eventuell umschiffen könntest, und notiere Dir alles.

Weiter gilt immer und immer wieder, schreib Charaktere, keine Klischees, keine Stereotypen. Schau Dir den Hintergrund Deines Charakters an und frag Dich, was könnte dies für Deine Figur bedeuten? Häufig ist die Geschichte so voller Potenzial, dass man daraus schon fast ein Regenbogen von einem Charakter machen könnte (in Bezug auf die Vielfalt). Doch wenn man sich dann nur auf dem Stereotyp konzentriert, macht man das schlichtweg alles kaputt.

Natürlich haben kulturelle Wurzeln durchaus einen gewissen Einfluss. Aber jeder Mensch kann sich entscheiden, wie sie oder er das eigene Leben führen möchte. Und da kommst Du als Autor*in ins Spiel. Lass Deinem Charakter diese Entscheidung und erschaffe ein Individuum, fernab des Stereotyps.

Eine weitere Möglichkeit wäre, dass Du immer schön das Gegenteil von dem schreibst, was der Stereotyp verlangt. Asiat*innen sind gut in asiatischen Kampfkünsten (wie Kung-Fu oder Judo oder was auch immer)? Dann streich das und lass sie eine andere Kampfsportart machen. Wie wäre es mit Kickboxen oder ein exzellenter Umgang mit Schusswaffen? (Oder noch banaler, lass sie oder ihn doch einfach mal weglaufen, weil sie oder er gar nichts beherrscht.)

Damit könnte Dein asiatischer Charakter immer noch gefährlich und tödlich sein, aber sie oder er verlässt die Sphären des Stereotyps. Und es wäre definitiv mal was ganz anderes.

Abschlussgedanken

Wenn man ein wenig aufpasst, ist man leicht in der Lage, Stereotypen, die sich so gut wie immer auf die Minderheiten in einer Geschichte beziehen, zu umgehen. Natürlich, klar, es ist einfacher, wenn man mit Klischees und Stereotypen arbeitet. Sie sind bekannt und auch vertraut. Und unendlich langweilig.

Daher versuch einfach mal dem Stereotyp zu durchbrechen und schau, was es Dir am Ende bringt. Es werden sicherlich einige Leser*innen erst einmal irritiert sein. Aber wenn am Ende ein interessanter Charakter herauskommt, dann werden sie Dir das sicherlich verzeihen.

Stereotypen in Filmen

Filme sind schneller zu sehen und gerade Hollywood bedient sich einiger Stereotypen. Daher kann ich Dir empfehlen, sie Dir anzusehen.

Schau Dir die Charaktere an, die aus den Gruppen der Minderheiten kommen. Welche Rolle spielen sie und wie werden sie dargestellt? Was davon kommt Dir so vertraut vor, weil Du diese Punkte immer und immer wieder gesehen hast.

Notier Dir einfach die Punkte und recherchier dann, ob es sich hierbei nicht um Stereotypen handelt oder zumindest handeln könnte. Wobei man sagen kann, wenn ein Punkt immer und immer wieder aufgenommen wird, handelt es sich dabei sehr wahrscheinlich um ein Stereotyp.

Ändere diesen Punkte

Jetzt erlaub Dir mal Gedanken darüber zu machen, wie Du dem Stereotyp ändern könntest. Was wäre also, wenn der Martial Arts Kämpfer eine andere Kampfsportart beherrschen würde. Das als Beispiel. Wie würde das auf Dich wirken? Und wie würde das die Geschichte beeinflussen?

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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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2 Antworten zu Rassismus: Wenn die Charaktere zu Völkerstereotypen werden

  1. nikeleonhard schreibt:

    Hi,
    guter Artikel, aber darf ich eine inhaltliche Anmerkung machen, die nur ganz am Rande mit dem Thema zu tun hat? „Martial Arts“ ist der Sammelbegriff für alle! Kampfsportarten. Dazu gehört Karate genauso wie Krav Maga, Kendo oder Kung Fu. Und natürlich auch Kickboxen. Was man in Filmen meistens sieht, ist irgendeine Spielart von Kung Fu oder Karate.
    Aber ein Asiate, der einfach mal was anderes macht, als Kampfsport – und sei es einfach nur, wegzurennen – wäre wirklich mal eine erfrischende Abwechslung. Vor allem, wenn er außerdem kein diszipliniertes Computergenie ist. 😉

    Gefällt mir

    • Frau Schreibseele schreibt:

      Hallo Nike,

      wups, darüber habe ich gar nicht nachgedacht, also über die wahre Bedeutung hinter Martial Arts. Da es im Fernsehen immer mit den asiatischen Filmen in Verbindung gebracht wird, habe ich es selbst automatisch mit den „klassichen“ asiatischen Kampfrichtungen in Verbindung gebracht. Wobei, ich informiere mich gerade (auch wenn Wikipedia nie als Quelle angegeben werden sollte). Laut denen soll Martial Arts in der Tat nur mit den asiatischen Kampfkünsten in Verbindung gebrahct werden. Aber ich verändere trotzdem den Teil noch einmal, sicher ist sicher 🙂

      https://de.wikipedia.org/wiki/Martial-Arts-Film

      Lieben Dank. Und ja, der zweite Teil stimmt. Asiat*innen sind immer die Computer- und/oder Mathegenies.

      Gefällt 1 Person

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