Rassismus: Die Minderheiten sind … anders

Hei, hallo und herzlich willkommen,

das Thema für den Folgenden ist mir in erster Linie durch die Serie „Stargate“ aufgefallen. Das ist die Serie mit dem MacGyver Darsteller. Dort gibt es den Außerirdischen Teal’c. Er ist ein sogenannter Jaffa (eben eine außerirdische Rasse) und zudem ist er der Einzige, mit einer dunklen Hautfarbe, der eine größere Rolle spielt.

Kurze Vorgedanken

Es hat sich eingebürgert, dass in so gut wie jeder Serie und jeden Film mindestens eine Frau und meistens ein Mann von irgendeiner Minderheit mitspielen. Gelegentlich werden beide „Ausnahmerollen“ sogar von einer Frau gespielt, damit dieses Thema abgearbeitet wird.

Gelegentlich tauchen mehr Personen von Minderheiten auf. Das könnte man schon als revolutionär sein. Aber die Umsetzung ist nicht immer gelungen (ich schreibe das jetzt einfach Mal so).

Daher dreht sich der heutige Beitrag um die Umsetzungen der Rollen der Minderheiten. Und dabei richte ich mich wieder an den bekannten Aufbau Inhalt, Problem, warum das geschrieben wird und wie man es anders schreiben kann.

Der Inhalt

Wenn nicht-menschliche Rassen aufgeführt werden, dann entscheiden sich viele Autor*innen dafür, diese von der menschlichen Rasse eindeutig zu unterscheiden. Und ich persönlich finde das völlig in Ordnung. Immerhin soll und vor allem, darf es einen deutlichen Unterschied geben, wenn man es mit zwei unterschiedlichen Rassen zu tun hat.

Jedoch kann es dann passieren (und passiert es dann häufig), dass dann reine homogene Gruppen erschaffen werden, aufseiten der nicht-menschlichen Völker. Bei den Elben in Herr der Ringe hatte jede der Gruppe die gleiche Haarfarbe. Oder kannst Du Dich erinnern, dass bei Galadriel ein dunkelhaariger Elb war? Ich zumindest nicht.

Bei Menschen werden selten bis gar keine homogene Gruppen aufgebaut und das hat seinen guten Grund. Es gibt sie nicht. Irgendwo ist immer eine Frau bei reinen Männergruppen zu finden. Oder auch jemand nicht weißer Herkunft.

Jedoch ist dies bei Fantasyvölkern oder Aliens durchaus gang und gäbe. Und es kann durchaus passieren, dass die anderen Rassen dann mit einer dunklen Hautfarbe gezeigt werden.

Dadurch kann es passieren (wie bei Stargate), dass dann bei den Menschen keine der wichtigen Rollen mehr mit einem dunkelhäutigen Menschen besetzt wird. Immerhin ist die Quote ja erfüllt. Erzähltechnisch finde ich das aber nicht gut. Denn so kann durchaus der Eindruck geweckt werden, dass die Fremden eine andere Hautfarbe haben.

Ich habe im Internet gelesen, dass der Roman „The Way of Kings“ von Brandon Sanderson ein ähnliches Problem hat. Dort taucht eine nicht-menschliche Rasse auf, die sogenannten Parshendi. Und sie werden wohl als ein Volk mit dunkler Hautfarbe beschrieben. Das Buch liegt auf meinem SuB und ich werde es nächstes Jahr definitiv lesen und dann den Beitrag hier aktualisieren.

Die Gegner der Parshendi sind die Menschen – mit einer hellen Hautfarbe. Soviel ich weiß, sind die Parshendi nicht unbedingt die Bösen (für diese Aussage übernehme ich keine Garantie). Aber sie sind ein nicht-menschliches Volk. Und der Unterschied zu den Menschen ist einfach nur der, dass sie eben eine dunkle Hautfarbe haben.

Das Problem

Jetzt wirst Du Dich vielleicht fragen, warum, bitte schön, ist das überhaupt ein Problem. Ist doch schön, wenn andere Völker dargestellt werden. Und zudem kann es ja auch noch schön sein, dass sie eben die dunkle Hautfarbe haben. So tauchen wenigstens nicht nur weiße Charaktere auf. Egal in welchem Zusammenhang.

Auf den ersten Blick mag das stimmen. Doch schauen wir genauer hin. Es ist fast genauso wie, als würden nur die Gegner eine dunkle Hautfarbe haben. In solchen Fällen haben nur die anderen, die Fremden eine andere Hautfarbe und nicht die Menschen. Gerade in Filmen und Serien wird das dann genutzt, um die Quote zu erfüllen. Und somit benötigt man keine weitere Person mit einer anderen Hautfarbe mehr.

Das zeigt im Grunde genommen, dass Aliens oder Fantasyvölker homogene Gruppen sein sollen. Aus irgendwelchen Gründen haben sich dort nur Lebewesen herausgebildet, die einheitlich aussehen und allesamt die gleiche Hautfarbe besitzen.

Das Fremde ist hier vielleicht nicht immer böse, aber es ist dunkel. Und wird aller Wahrscheinlichkeit ein Geheimnis besitzen. Das ist durchaus wieder sehr klischeehaft. Das Fremde ist dunkel, könnte eventuell irgendein Geheimnis haben und ist eventuell sogar der Gegner.

Warum wird das geschrieben

Schön wäre es, wenn man einfach sagen könnte, weil die Autor*innen rassistische Gedanken haben. Aber ich denke, das ist in den wenigsten Fällen so. Eher vereinzelnd. Und das dürfte man als glücklicherweise beschreiben.

Es dürfte eher so sein, dass viele einfach dieses Bild übernommen haben und damit arbeiten. Ohne es kritisch zu hinterfragen. Irgendwann wurde diese Idee quasi eingeführt und heute wird sie immer noch genommen, um darüber zu schreiben.

Die Idee dahinter ist sehr simpel. Wer fremd ist, muss schnell erkannt werden. Und vor allem, dass alle zu einer Gruppe gehören. Es könnte ja sein, dass die Seher*innen oder Leser*innen es noch nicht mitbekommen haben, dass ein bestimmtes Merkmal zu einer bestimmten Rasse gehört.

Und viele Autor*innen sind weiß. Ich würde glatt behaupten, dass das durchaus einen Zusammenhang hier geben könnte. Denn wenn ich selbst weiß bin, was ist dann das Andere für mich? Genau, jemand die oder der nicht weiß ist. Somit kann es passieren, dass dann die fremde Rasse, die mir selbst fremd ist, eine nicht weiße Hautfarbe hat.

Dass es anders gehen kann, in meinen Augen sind die Vulkanier das beste Beispiel dafür.

Wie Du es anders schreiben könntest

Wenn Du über andere Rassen schreibst, dann konzentriere Dich auf ihre Geschichte, anstatt einfach nur auf ihr Aussehen. Es wäre schon einmal ein Anfang, wenn Du Dich dafür entscheidest, auf allen Seiten keine homogenen Gruppen aufzubauen.

Du musst nicht immer nur menschenähnliche Rassen erschaffen. Schau Dir die ganzen Science-Fiction Filme an, die es gibt. Dort findest Du Rassen, die nicht einmal annähernd menschlich sind. Und sie funktionieren. Dadurch kann man ganz leicht den Unterschied schon einmal zeigen.

Wenn Du aber lieber menschenähnliche Rassen erschaffen willst (was in der Fantasygeschichte häufiger der Fall ist), dann erschaffe Gruppen, mit anderen Eigenschaften und Traditionen. Damit kannst Du einen weitaus größeren Unterschied hervorrufen, als über das Aussehen.

Überlege Dir daher, wie die Unterschiede auf dieser Ebene sein können. Das erfordert durchaus mehr Arbeit, das stimmt. Aber es wird sich auf Dauer sicherlich lohnen. Denn gerade Leser*innen werden sich eher an die Unterschiede im Verhalten erinnern, als an eine mögliche Hautfarbe.

Abschlussgedanken

Wie so oft heißt es, achte auf Deine Charaktere. Hier heißt es zudem, achte auf Deine Rasse. Natürlich bedeutet es ein wenig mehr Arbeit, wenn Du Dich auf die Hintergründe konzentrierst. Aber ich bin mir auch hier ganz sicher, die Arbeit wird sich definitiv lohnen.

Unterschiede

Überleg Dir, wie Du die Unterschiede zwischen zwei verschiedenen Rassen darstellen kannst. Dazu kannst Du Dir Serien oder Filme aus Deinem Genre angucken. Aber auch bei unseren eigenen Völkern. Denn schon innerhalb eines Landes (zum Beispiel Deutschland) können die Unterschiede sehr stark sein. Zwischen zwei Ländern (Deutschland und Japan) noch stärker.

Diese Überlegungen kannst Du dann in Deine Geschichte übertragen und dadurch die Erschaffung von homogenen Gruppen vermeiden.

 

Merken

Merken

Merken
Melde Dich für meinen kostenfreien Newsletter an.

Advertisements

Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
Dieser Beitrag wurde unter Rassismus abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Rassismus: Die Minderheiten sind … anders

  1. nikeleonhard schreibt:

    Als Herr der Ringe Fan, muss ich ein bisschen widersprechen: Tatsächlich gab es im Umfeld von Galadriel keine dunkelhaarigen Elben. Aber das liegt daran, dass es sich hier um die letzten Hochelben handelt, deren Aussehen laut Tolkien besonders „fair“ (im Sinne von „hell“) ist. Hier einen dunkelhaarigen Elb zu fordern, wäre ungefähr so, wie in einem Himba-Dorf nach jemandem mit hellen Haaren zu suchen. Im Umfeld von Elrond tummeln sich dagegen Elben aller Haarfarben. Das Gleiche gilt im Hobbit für die Gefolgschaft des Waldkönigs.
    Ich bin aber auch nicht der Meinung, dass ein fremdes Volk besonders diversiviziert dargestellt werden muss. Dem Außenstehenden fällt nämlich immer zuerst das auf, was den größten Gegensatz zu sich selber bildet und das Hirn erstellt daraus automatisch die Kategorie des Fremden. Das erklärt die immer wieder kehrende Aussage von Europäern, Asiaten/Afrikaner/Indianer sähen alle gleich aus. Die hat nämlich nichts damit zu tun, dass es hier so viele Haar- und Augenfarben gibt. Für jemanden, der in Asien oder in Afrika aufgewachsen ist, gilt genau das Gleiche. Die können Europäer schlecht auseinander halten, weil in ihren Augen alle gleich aussehen.

    Wichtiger wäre für mich, mit dieser Alibi-Besetzung Schluss zu machen. Ein Alien in einer Gruppe von Menschen und das ist dann auch noch dunkelhäutig, schwul oder weiblich. Darin sehe ich viel eher die Meta-Aussage, dass die Norm straigt, männlich, weiß ist. Schlimmer noch: Offensichtlich musste dieses Alien Alienmaßstäben auch noch Besonderes leisten, um Bestandteil des Teams werden zu dürfen. Warum sonst gibt es nicht mehr davon in der näheren Umgebung. Das fällt mir nicht nur bei Stargate auf, wo mir, selbst in den Nebenrollen kaum Frauen oder dunkelhäutige Menschen geläufig sind (erst recht keine Aliens), sondern auch bei Star Treck (allerdings kenne ich die neueren Entwicklungen dort nicht. Ich bin kein Trekki und habe es nur bis Deep Space 9 verfolgt). Deutlich besser gefällt mir die Umsetzung in Babylon 5; aber da wird auch die Entwicklung verschiedener Völker nachvollzogen, weshalb jedes durch mehrere Charaktere (re)präsentiert wird. Dadurch wird nicht nur das Fremde mehrdimensional; die Bruchlinien und Spannungen innerhalb der einzelnen Völker werden auch viel offensichtlicher.

    So etwas lässt sich aber längst nicht in jeder Geschichte umsetzen. Deshalb bin ich inzwischen der Meinung, dass es manchmal besser ist, auf das „Fremde“ zu verzichten. Eine Gruppe Wikinger auf dem Weg nach Vinland wird genug andere Probleme haben, um den Leser zu unterhalten. Da muss man als Autor nicht auch noch zwanghaft eine Frau, einen Schwulen oder einen Asiaten mit ins Boot setzen, obwohl eine Zeitreisende gute Chancen gehabt hätte, bei einem Besuch in Ribe oder Haitabu mindestens eine/r Vertreter/in aller drei Gruppen zu begegnen.

    Gefällt mir

    • Frau Schreibseele schreibt:

      Hallo Nike,

      danke erst einmal für Deinen sehr ausführlichen Kommentar. Jetzt könnte ich darauf herumreiten und sagen, weiß und blond, so sehen die Lichtelben aus. Aber darauf will ich jetzt nicht unnötig herumreiten, warum Tolkien das jetzt geschrieben hat (er hat es geschrieben, er ist verstorben, daher will ich nicht ZU lange darüber herziehen). Aber es fällt halt doch auf, dass dort eben nur eine Gruppe von Elben herumläuft. Elrond hingegen ist ja selbst dunkelhaarig. Da funktioniert es, meiner Meinung nach, sehr gut, dass eine nicht ganz homogene Gruppe (hier zumindest in der Haarfarbe) auf einen Haufen sich zusammenfindet.

      Danke für Deine Impulse. Denn durch Deinen Kommentar habe ich noch einiges dazu gelernt. Und zwar mit der Norm, warum es so wenige „Aliens“ in den vielen Serien gibt. So habe ich das ganze noch gar nicht gesehen. Deswegen plädiere ich ja eher für eine durchgemischte Gruppe von Aliens, Fabelwesen und Menschen (Genreabhängig), damit so etwas nicht passiert. Also, dass der Mensch (männlich, weiß, was auch immer) die Norm ist und alles andere abweichend.

      Und ja, auch wenn Babylon 5 einige Schwächen hatte, es war trotzdem eine wirklich tolle Geschichte. Gerade auch, weil es hier keine Alibialiens bei den Streitmächten gab und jedes Volk eine genügend Anzahl von Vertreter*innen in der Geschichte hatten, die ihren Anteil trugen.

      Ich gebe Dir recht, lieber sollte man auf die „Fremden“ verzichten, wenn sie sich gar nicht einbringen lassen, als sie mit absoluten Zwang reinzuprügeln. Das würde (und tut es zuweilen auch) eher albern wirken. Aber für die, die es jedoch wollen, sollen es ruhig machen.

      Gefällt 1 Person

  2. Pingback: Klischee, Erzähltradition und Rassismus in Fantasy und Science Fiction | Nike Leonhard

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s