Die Heldinnenreise

Hei, hallo und herzlich willkommen,

vielleicht kaum zu glauben, aber neben der Heldenreise gibt es auch noch eine Heldinnenreise. Zwischenzeitlich habe ich selbst drei Bücher dazu (die ich noch eingehender durcharbeiten werde).

Jedoch zeigt sich bei der Heldinnenreise eine Sache, die mir bei der Heldenreise noch nicht so aufgefallen ist. Jede der Reisen ist anders beschrieben worden. Daher habe ich mich hier für eine der vielen Versionen, die ich entdeckt habe, entschieden.

Kurze Vorgedanken

Die Heldenreise habe ich 2015 bereits auf meinem Blog beschrieben. Bei der Heldinnenreise handelt es sich jedoch nicht um Heldenreise, welche von einer Frau durchgeführt wird. Sondern sie hat ihre eigenen Stationen und ihre eigenen Aufgaben. Und sie kann auch jederzeit von einem Mann erlebt werden.

Ursprünglich stammt die Heldinnenreise von Maureen Murdock. Laut ihrem Buch fragte sie Joseph Campbell (der Entdecker der Heldenreise), wie die Heldenreise für Frauen aussehen würde. Sie soll die Antwort, dass Frauen diese Reise nicht benötigen. Sie seien perfekt (zumindest erinnere ich mich an diese Antwort). Jedoch war Maureen Murdock der Meinung, dass psychologisch gesehen Frauen von einer eigenen Reise im Rahmen ihrer Heilung sehr profitieren würden. Aus diesem Grund fand sie ihren eigenen Weg.

Maureen Murdocks Heldinnenreise hat zehn Stufen. Jedoch scheint sich, zumindest laut meinen Recherchen, acht bis neun Schritte für einen Roman etabliert zu haben. Und diese möchte ich Dir im Folgenden vorstellen.

Noch ein kleiner Hinweis: Im Beitrag zur Heldenreise habe ich durchgehend die männliche Version benutzt (außer ich habe direkt über Frauen geschrieben). Als Ausgleich benutze ich hier durchgehnd die weibliche Version, außer wenn ich direkt über Männer schreibe. Natürlich können auch Männer die Heldinnenreise ebenfalls durchmachen. Es kommt nicht auf das Geschlecht, sondern auf die Geschichte an.

Allgemeines zur Heldinnenreise

Warum sollte ich überhaupt diese Plotstruktur benutzen?

Aus dem Grund, warum Du alle anderen Plotstrukturen verwenden kannst oder solltest. Wenn diese Struktur zu Deiner Geschichte passt oder sie Dir zusagt, verwende sie. Wenn nicht, dann lass es. So einfach kann das manchmal sein.

Die Heldinnenreise hat ein ganz anderes Ziel, als die Heldenreise. Es geht mehr um das Innenleben, als um den Kampf gegen Drachen und Monstern. Natürlich können diese Punkte ein Teil ihrer Geschichte sein. Aber sie gehören nicht so sehr zur Heldinnenreise wie zur Heldenreise.

Es geht hier vielmehr um ihre Gefühle, ihr Innenleben und das sie emotional wächst und eine andere wird. Bei der Heldenreise ist dies nicht zwangsläufig ein Thema (kann es aber sein, nicht das wir uns missverstehen). Der Held erschlägt den Drachen im Außen, um zum Ziel zu kommen. Die Heldin hingegen bekämpft die inneren Geister, um an ihr Ziel zu kommen.

Zudem ist es eine der wichtigen Aufgabe, ihre eigene Dualität zu finden.

Was ist ihre Dualität?

Es geht darum, dass sie eine Wahl treffen muss. Zwischen dem Abenteuer und der Gemütlichkeit ihres Heims. Zwischen der Liebe und der Karriere. Oder ob sie Mitglied in einer Gruppe wird oder ihren eigenen Weg geht.

Dabei ist es wichtig, dass es nicht nur eine Entscheidung zwischen zwei Möglichkeiten ist, bei der es am Ende egal ist, welchen Weg sie geht. Es muss hier etwas ganz Essenzielles für sie sein. So sehr, dass eine falsche Entscheidung der große Verlust ist und es daher wichtig ist, dass sie die richtige Wahl trifft.

Da es sich hierbei um eine Geschichte handelt, muss es sich natürlich um eine wirklich wichtige Entscheidung handeln. Ansonsten hat Deine Heldin nichts zu verlieren. Und warum sollte es mich als Leserin interessieren, was aus Deiner Heldin wird, wenn sie sich jederzeit umdrehen kann, um zu gehen?

Daher such Dir zwei Punkte aus, zwischen denen sich Deine Heldin unbedingt entscheiden muss. Damit erhöhst Du die Spannung und das Konfliktpotenzial.

Die Stufen der Heldinnenreise

Aber kommen wir jetzt zu den Stufen der Heldinnenreise. Erst einmal ein Bild, welche auf der Reise von Maureen Murdock beruht.

Die ursprüngliche Reise hat zehn Schritte, die ich Dir hier erst einmal ganz kurz vorstellen möchte.

  1. Die Heldin wird von dem Weiblichen getrennt:
    Damit wird die eigene Mutter oder ihre Rolle als Frau in der Gesellschaft gemeint.
  2. Identifizierung mit dem Männlichen und Versammlung der Verbündeten für ein neues Leben:
    Hierbei geht es häufig darum, dass ein neuer Pfad gewählt werden muss. Es geht um den Unterschied zwischen den Rollen, welche sie beschreibt und den Kampf gegen eine Rolle oder Gruppe, welche droht sie einzuschränken oder dafür sorgt, dass sie in zu männliche Sphären gedrückt wird.
  3. Pfad oder Versuche und das Treffen mit Monstern und Drachen:
    Die Heldin begegnet Versuchungen und trifft auf Menschen, die versuchen, sie von ihrem Pfad abzuhalten oder gar zu vernichten (die Drachen und Monster können in einer Geschichte real sein, in der realen Welt sind sie meistens Metaphern).
  4. Hier geht es um die Knochenarbeit für den Erfolg, um die Hindernisse zu überwinden:
    Hier würde die Geschichte der Heldin, wenn sie die Heldenreise bestreitet, beendet werden.
  5. Das Erwachen der Heldin wird durch ein Gefühl der spirituellen Trennung bzw. dessen Tod begleitet, weil sie das Gefühl hat, dass der neue Weg begrenzt ist.
    Der Erfolg im neuen Leben erscheint nur temporär, illusorisch, flach oder erfordert ein Verrat an sich auf Dauer.
  6. Initiation und Abstieg der Göttin:
    Die Heldin begegnet Krisen in dem Sinne, dass der neue Weg unzureichend ist, und fällt daher in Verzweiflung. All die Strategien, die man als „männliche“ bzw. als reife Strategien bezeichnen kann, sind gescheitert.
  7. Die Heldin sehnt sich nach einer Wiedervereinigung mit dem Femininen, sie kann jedoch nicht mehr zurückkehren, da der alte Status zu begrenzt war.
  8. Die Heldin heilt die Trennung zwischen Mutter und Tochter und holt sich einige ihrer ursprünglichen Anfangswerte, Fähigkeiten und Eigenschaften wieder, betrachtet sie aber aus einer völlig neuen Perspektive.
  9. Die Heldin heilt das Männliche in sich.
    Dadurch schließt sie auch Frieden mit der männlichen Seite, wie die Welt es ihr empfiehlt, dies in sich zu sehen.
  10. Die Heldin integriert das Weibliche und das Männliche in sich und begegnet die Welt oder ihre Zukunft mit einem neuen Verständnis von sich selbst und der Welt bzw. dem Leben.
    Die Heldin sieht die Welt durch andere Augen und kann mit den komplexen Anforderungen umgehen, welche die Welt an sie heranträgt. Auch wenn diese größer sind als sie selbst, ihr Leben oder die Geografische oder das kulturelle Milieu.

Das war erst einmal die klassische Übersicht der Heldinnenreise nach Maureen Murdock. Vielleicht hast Du bemerkt, dass es sich ein wenig abgehoben liest, was ich da geschrieben hat. Zur Hintergrundinformation kann ich sagen, dass Maureen Murdock die Heldinnenreise als spirituelle und auch psychologische Reise für Frauen erschaffen hat.

Vielleicht hat sie gedacht, dass man daraus eine Geschichte bzw. einen Roman schreiben könnte. Jedoch gehe ich selbst davon aus, dass das nicht ihre eigentliche Motivation war.

Nun möchte ich Dir die Heldinnenreise mit den Schritten vorstellen, mit der Du Deinen nächsten Roman theoretisch schreiben könntest.

Die literarische Heldinnenreise

1 – Die Illusion der perfekten Welt

Aus diversen Gründen ist unsere Heldin der festen Überzeugung, dass sie in einer perfekten Welt lebt. Das kann viele Bilder haben. So ist sie der festen Überzeugung, dass ihr nichts geschehen kann (zum Beispiel in einer Fantasywelt). Oder ein Prinz daher kommt, um sie zu retten.

Oder sie glaubt, sie sei mit den Jungs auf einer Augenhöhe und wird von diesen respektiert und gleichwertig behandelt (Fakt ist, dass dies nicht immer und überall so ist, in manchen Bereichen ist das subtil, in anderen Bereichen geht man mit dem Unterschied zwischen Frauen und Männern sehr offensiv um).

Egal, was für ein Thema Deine Geschichte hat, am Anfang ist die Welt Deiner Heldin eben einfach perfekt. Wie bei der Heldenreise empfiehlt es sich am Anfang zu zeigen, wie die Welt Deiner Heldin aussieht. Das Perfekte ist eben noch ein Zusatz zu der gewohnten Welt.

Je perfekter ihre Welt ist, desto tiefer kann der Fall sein und desto größer die Veränderung am Ende der Geschichte.

2 – Der Verrat oder die Bewusstwerdung

Unsere Heldin wird sich nun bewusst, dass ihre perfekte Welt nun doch nicht so perfekt ist. Irgendetwas passiert, sodass Deine Heldin erkennen muss, dass sie nur geglaubt hat, dass ihre Welt so wunderbar rosarot ist. Aber nun muss sie erkennen, dass es dem nicht so ist.

Es kann sein, dass sie selbst auf die Lösung kommt und erkennt, dass das Leben sie verraten hat (zumindest sieht sie es so). Eine andere Möglichkeit ist jedoch, dass man ihr zu verstehen gibt, dass sie eben nicht in der perfekten Welt lebt, wie sie es bisher geglaubt hat.

Wenn sie der festen Überzeugung war, dass sie mit den Jungs mitspielen durfte, dann könnte es sein, dass man ihr ganz klar sagt, dass dem nicht so ist. Sie ist eine Frau und daher spielt sie lediglich in der zweiten Liga mit. Man will sie schützen, daher sagt man ihr das endlich. Natürlich erst dann, wenn sie sich aufgeopfert hatte und alles für ein Projekt oder ein Unternehmen gegeben hat. Und nun könnte sie gekündigt worden sein.

Es ist aber auch möglich, dass sie es zufällig gehört hat, wie die großen Jungs über sie geredet haben. Im Sinne von, dass sie so blöd ist und wirklich glaubt, mit denen mithalten zu können.

Hat sie jedoch geglaubt, dass sie in einer sicheren Welt lebt, dann wird sie ebenfalls eines Besseren belehrt. Entweder sie wird verletzt oder ihre Heimat wird angegriffen (besonders in Fantasygeschichten kannst Du das nutzen). War es immer so, dass ein Prinz sie retten sollte, dann muss sie erkennen, jetzt gibt es (noch) keinen Prinzen, der ihr hilfreich zur Seite steht.

Was auch immer Teil ihrer perfekten Welt war, jetzt darfst Du sie gerne so richtig tief fallen lassen.

3 – Das Erwachen und die Vorbereitung für die Reise

Nachdem unsere Heldin erkennen musste, dass das Leben sie betrogen hat, beschließt sie etwas zu unternehmen. Die aktuelle Situation ist für sie so unerträglich geworden, dass sie nicht mehr bleiben kann, wo sie gerade ist. Also macht sie sich auf den Weg, um etwas Neues für sich zu finden.

Jedoch versucht ihre Umgebung sie davon abzuhalten. Unsere Heldin soll nicht das sichere Schloss verlassen, um sich in Gefahr zu begeben. Der Job ist doch sicher, was macht es schon, dass sie nicht mit den großen Jungs spielen darf. Alles ist besser, als arbeitslos zu sein. Und der Prinz wird sicherlich eines Tages kommen.

Doch dieser Verrat, den sie erleben musste, er ermutigt sie, die Reise anzutreten. Denn sie kann es nicht ertragen, dass man sie so verraten hat. Denn sie glaubte ja, dass sie das perfekte Leben führte. Und nun muss sie erkennen, dass alles mehr Schein als Sein war.Sie ist auch der festen Überzeugung, dass sie alle Mittel hat, um die Reise anzutreten. Jedoch sucht sie im Äußeren nach den Lösungen für ihr Problem. Daher wissen wir, dass sie noch nicht wirklich am Ziel ihrer Reise ist.

4 – Die Abstammung – Das Tor der Beurteilung wird betreten

Deine Heldin muss sich mit den „Regeln“ ihres Lebens auseinandersetzen. Das kann bedeuten, dass sie sich für Dinge, die sie bisher gelernt hat, schämt. Das kann ihre Identität sein, ihre Sexualität, ihre eigene Moral sein. Weiterhin kann es passieren, dass Dinge, die für sie bisher immer klar waren, nun über Bord geworfen werden müssen. Sie weiß nun auch nicht mehr, wer sie ist und wie ihre Identität aussieht.

Das bedeutet also, dass sie alles hinterfragt, was sie bisher gelernt hat. Denn immerhin hat das alles, sie in diese Situation gebracht, in der sie sich gerade befindet. Und die sieht ja nicht sonderlich rosig aus. Man kann also schreiben, dass sie gerade an einer gewissen Identitätskrise leidet.

In diesem Moment muss sie alles hergeben, was sie hat. Ihre Erfahrungen, ihre Kontrolle, ihre Waffen (wobei Waffen bitte nicht immer wörtlich zu betrachten sind, es kommt hier natürlich auf die Geschichte an). Jetzt ist sie quasi nackt.

5 – Das Auge des Sturms

Unsere Heldin erlebt einen kleinen Erfolg, der ihr das Gefühl gibt, dass sie es doch wieder geschafft hat. Sie ist nun der festen Überzeugung, dass sie wieder auf der Straße der Siegerinnen ist und nun alles gut geht.

Der Spruch „Im Auge des Sturms“ kommt daher, dass im Zentrum eines Orkans fast Windstille herrscht. Das bedeutet, dass man dort nichts von der zerstörerischen Kraft dieses Naturphänomens mitbekommt.Und genau in diesem Zentrum befindet sich unsere Heldin. Um sie herum tobt noch der Sturm ihrer eigenen Geschichte. Sie selbst glaubt aber, dass alles in Ordnung ist und sie sich nun keine Sorgen mehr machen muss.

Daher kann es auch passieren, dass sie hier entspannt und sich nicht mehr umschaut, was noch alles theoretisch passieren könnte. Denn sie ist ja der festen Überzeugung, jetzt ist alles gut und sie ist am Ziel.

6 – Der Tod – Alles geht verloren

Doch dann geht auf einmal alles schief und sie verliert das, was sie sich aufgebaut hat. Der Sturm bricht nun über sie herein und sie muss erkennen, dass doch nicht alles so perfekt gelaufen ist, wie sie es die ganze Zeit gehofft hatte.

Nun verliert sie endgültig alles und muss erkennen, dass es für sie keine Hoffnung gibt (natürlich nur in diesem Moment). Daher kann es hier passieren, dass sie sich zurückzieht und sich fragt, warum soll sie sich überhaupt noch Mühe geben.Hier befinden wir uns an einem sehr tiefen Punkt ihrer Entwicklung. Es scheint alles aussichtslos und ziemlich düster für unsere Heldin. Du kannst hier einen starken Kontrast zu ihrer vorherigen Situation schreiben. War sie vorher eine strahlende Chefin eines Unternehmens, dann könnte sie jetzt verheult in ihrer nicht aufgeräumten Wohnung sitzen. Lebte sie zuvor in einem Palast, könnte sie jetzt in einer kleinen Hütte leben.

7 – Unterstützung

Jede Heldin und jeder Held sollte im Idealfall immer die Reise allein unternehmen. Ansonsten wären sie nicht die Heldinnen ihrer Geschichte. Das bedeutet aber nicht, dass sie nicht bis zu einem gewissen Grad Unterstützung annehmen dürfen.

Hier kann es sein, dass ihr jemand symbolisch in den Hintern tritt und sagt, dass sie sich zusammenreißen soll, um ihre Ziele zu erreichen. Oder der Charakter gibt ihr etwas in die Hände, damit sie ihre Reise zu Ende gehen kann.Was auch immer die Figur Deiner Heldin in die Hände gibt, es darf nur zur Unterstützung sein. Deine Heldin muss erkennen, was sie da bekommen hat und sie muss es dann letztendlich umsetzen. Die unterstützende Kraft kann sich danach wieder zurückziehen und ihr eigenes Ding durchziehen.

Der unterstützende Charakter muss danach nicht zwangsläufig sterben. Es reicht aus, wenn sie oder er für sich entschieden hat, es ist genug und die Heldin soll ihr Ding durchziehen. Entweder sie schafft es oder sie hat es nicht verdient, am Ende glücklich zu sein.

8 – Wiedergeburt – Der Moment der Wahrheit

Jetzt zeigt es sich, ob Deine Heldin von dem unterstützenden Charakter etwas gelernt hat oder nicht. Denn nun muss sie das Geschenk, dass sie erhalten hat, weise anwenden. Das bedeutet, sie muss es in ihr Leben integrieren und damit ihr wahres Ziel erreichen.

Sie steht auf und zeigt es der Welt, dass man sie ernst nehmen soll. Unsere Heldin ist da und sie steht ihre Frau. Das ist sogar ein sehr wichtiger Aspekt, wie ich finde. Denn sie versucht nicht mehr, jemand anderes sein, irgendeine Mischung aus Weiblein, Männlein, was auch immer. Sie besinnt sich auf das, was sie als Frau ist und nimmt dann diese Kraft, die sie dadurch hat, endlich an.In dieser Phase behauptet sie sich und sieht endlich ihr wahres Ziel.

9 – Rückkehr in ihre perfekte Welt

Hier kann noch einmal ein Wendepunkt einhergehen. Das bedeutet, dass unsere Heldin ihre Frau gestanden hat und dann erkannte, dass das, was sie die ganze Zeit suchte, doch nicht das ist, was sie wirklich braucht. Daher kann sie noch einmal einen anderen Weg gehen und dort dann ihr Glück suchen und letztendlich auch finden.

Das bedeutet also, dass sie der Welt, der sie die ganze Zeit hinterher gelaufen ist, endgültig den Rücken kehrt und ihre wahre perfekte Welt findet. Sie kann endlich erkannt haben, dass sie einem Schein hinterher gelaufen ist.Nun hat sie endlich die Kraft zu erkennen, worauf es wirklich ankommt und kann daher ihre wahren Ziele und Wünsche verfolgen und das Leben führen, was sie wirklich will.

Ein Beispiel: Der Teufel trägt Prada

Die Heldinnenreise ist (noch) nicht so bekannt, wie die Heldenreise. Und ob Hollywood sich bewusst dieser Reise annimmt, ich bin mir da nicht so sicher. Aber ich möchte Dir anhand eines Beispiels zeigen, wie die Reise aussehen kann. Vielleicht wirst Du danach noch weitere Filme oder Bücher sehen, die ebenfalls danach geplottet wurden.

Es handelt sich hierbei um die Geschichte „Der Teufel trägt Prada„. Solltest Du weder das Buch gelesen noch den Film gesehen haben, wichtiger Hinweis, ich spoilere.

  • Die Illusion der perfekten Welt
    Andy (unsere Heldin) kommt direkt von der Universität und erhält eine Assistenzstelle bei einer der einflussreichsten Chefredakteurinnen in der Modebranche, Miranda Pristly. Auch wenn sie „nur“ die zweite Assistentin ist, so steigt sie doch gleich sehr hoch hinauf. Immerhin hat sie von Mode im Grunde genommen keine Ahnung.
  • Der Verrat oder die Bewusstwerdung
    In diesem Fall wird sich Andy bewusst, dass dieser Job sehr viel von ihr abverlangt. Sie muss sehr viele Überstunden leisten und die Anforderungen ihrer Chefin immer gerecht werden.
  • Das Erwachen und die Vorbereitung für die Reise
    Um ihrer Aufgabe gewachsen zu sein, besorgt sie sich Unterstützung von Nigel. Er kleidet sie neu ein und zeigt ihr, wie man sich in dieser Welt bewegt und benimmt. Dadurch steigt die Anerkennung in der Redaktion. Denn sie zeigt, dass sie bereit ist, an sich zu arbeiten.
  • Die Abstammung – Das Tor der Beurteilung wird betreten
    Hier zeigt sich, dass die Lehren ihres bisherigen Lebens nicht in dieser Redaktion greifen. Andy kann nicht wie jede andere Person daher kommen und die Welt verändern. Sie muss sich selbst verändern, will sie Erfolg haben.
  • Das Auge des Sturms
    Als Andy endlich den Respekt ihrer Chefin bekommt, glaubt sie, dass sie endlich am Ziel ihrer Träume gelangt. Zumal sie diese auch noch zu einer Modenschau nach Paris begleiten darf, im Gegensatz zu der ersten Assistentin Emily. Wenn das nicht das perfekte Leben ist, was sie die ganze Zeit haben wollte.
  • Der Tod – Alles geht verloren
    Ihr Lebensgefährte Nate merkt jedoch an, dass Andy nicht mehr die Frau ist, in die er sich einst verliebt hat. Daher gehen sie getrennte Wege. Weiterhin erfährt Andy, dass man an Mirandas Stuhl sägt und eine neue Chefredakteurin an ihrer Stelle eingesetzt werden soll. Als Andy Amanda darauf ansprechen will, ignoriert diese sie.
  • Unterstützung
    In diesem Fall ist die Unterstützung in vielen kleinen Dingen auszumachen. Einerseits Nigels Reaktion auf Mirandas Verrat. Denn er hatte sie so viele Jahre unterstützt und sie kommt nicht einmal auf den Gedanken, ihn als Chefredakteur einzusetzen.
    Aber auch Miranda, die ihr klar macht, dass Andy eigentlich eine Heuchlerin ist. Denn diese sagte, sie könnte niemals so handeln, wie Miranda es getan hat. Doch sie erwiderte daraufhin, dass sie es bereits getan hat, als sie Emily bei dieser Reise ersetzte.
  • Wiedergeburt – Der Moment der Wahrheit
    Als Andy sich von Miranda trennt und sogar den Anruf von ihr verweigert, ist sie auf den Weg zu ihrer eigenen Wiedergeburt. Denn sie hat erkannt, in was für eine Welt sie gelandet ist und will nicht mehr ein Teil davon sein.
  • Rückkehr in ihre perfekte Welt
    Danach bewirbt sich Andy bei einer New Yorker Zeitung. Nach einem relativ positiven Kommentar von Miranda bekommt sie auch die Stelle. Damit ist sie in ihrem perfekten Leben angekommen, der bei einer Zeitung ist, aber eben nichts mit Mode zu tun hat.
    Weiterhin schließt sie Frieden mit Nate und letztendlich sogar mit Miranda.

Bei der Heldinnenreise geht es mehr um eine emotionale Entwicklung im Inneren des Charakters. Sie wächst, sie reift und sie wird dann zu der Frau (oder auch zu dem Mann), die sie immer sein will.

Hier finden keine legendären Schlachten statt oder unsere Heldin bekommt keine realen Waffen in die Hand. Ihr Geist und ihr Verstand, ihr Wissen und ihr Mut sind die einzigen Waffen, die sie wirklich braucht (oder andere Charaktereigenschaften, die sie für ihre Geschichte braucht).

Ich würde sogar behaupten, dass die ruhigeren Geschichten, die sich eher um die Entwicklung der Charaktere drehen, aller Wahrscheinlichkeit in die Struktur der Heldinnenreise passen. Man muss nur genauer hinsehen und schauen, was man dort findet.

Abschlussgedanken

Vielleicht ist schon eine Geschichte in Deinem Kopf entstanden, wo Du die Heldinnenreise probeweise einsetzen könntest. Ich lade Dich herzlich dazu ein, es einfach zu probieren. Ein paar Stichpunkte für jeden Abschnitt reichen für den Anfang. Danach kannst Du sehen, ob Du weiter mit dieser Methode arbeiten möchtest oder nicht.

An dieser Stelle verrate ich Dir was, nachdem ich mich noch einmal eingehender mit dieser Plotmethode beschäftigt habe, habe ich erkannt, dass ich damit meine aktuelle Novelle überarbeiten möchte. Denn ich habe einige Schwächen erkannt, die ich mithilfe dieser Plotmethode nun korrigieren möchte.

Und wie ist es bei Dir? Hast Du Lust darauf, damit zu arbeiten?

Eine eigene Analyse

Schnapp Dir einen Roman oder einen Film, bei dem Du Dir gut vorstellen könntest, dass dieser nach der Heldinnenreise gearbeitet ist. Dann überleg Dir, welche Punkte die Elemente der Geschichte widerspiegeln. Das ist eine reine Übung. Wenn Du nicht alle findest, ist es in Ordnung. Genauso, wenn Du sie nicht in der oben angegeben Reihenfolge findest.

Deine Geschichte

Nun überleg Dir eine eigene Geschichte, die Du dann mit der Heldinnenreise plotten könntest. Als Vergleich kannst Du noch die Heldenreise nehmen und sehen, wie sich die Dynamik ändert. Und wenn Du möchtest, kannst Du die Geschichte dann schreiben.

  • Maureen Murdock: Heroine’s Journey
  • Valerie Estelle Frankel: From Girl to Goddess – The Heroine’s Joruney Through Myth and Legend
  • Victoria Lynn Schmidt: 45 Master Characters – Mythic Models for Creating Original Characters (die Helden- und Heldinnenreise sind nur ein Teil des kompletten Buchs)

Anmerkung: Es handelt sich bei den Links um keine Affiliatelinks

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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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2 Antworten zu Die Heldinnenreise

  1. chickinwhite schreibt:

    Wow! ich glaube, die Heldinnenreise passt auf mein Buch wie kaum eine andere Plotariante…
    Ich werde mir beim Überarbeiten das Konzept im Hinterkopf behalten.
    Dankeschön 🙂

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