Der große Bechdeltest

Hei, hallo und herzlich willkommen,

1985 stellte Alison Bechdel (eine amerikanische Comiczeichnerin und Autorin) einen einfachen Test vor, welcher zeigen soll, wie ein guter Film mit Frauen aussehen soll. Dabei werden nur drei einfache Fragen gestellt, welche über die Geschichte und insbesondere die Rollen der Frauen entscheiden. Das ist der sogenannte Bechdel-Test.

Darüber und über die Erweiterung dieses Test möchte ich heute mit Dir sprechen.

Kurze Vorgedanken

Drei einfache Fragen, und Du kannst in Deiner Geschichte überprüfen, ob die Frauenrolle dort wirklich gut umgesetzt wurde oder nicht. Zwar gibt es zwischenzeitlich durchaus Kritik an diesen drei Fragen. Aber wenn man es selbstkritisch einsetzt, dann haben sie durchaus ihren Wert.

Doch dieser Fragebogen hat durchaus potenzial, denn es gibt zwischenzeitlich Erweiterungen. So gibt es den Test für Frauen (die ursprünglichen Fragen), für nicht-weiße Menschen und für quere Personen.

Und letztendlich kann man diesen Fragebogen auf so gut wie jede Gruppe anwenden, die man als Minderheit bezeichnet. Man muss die Fragen nur ein wenig anpassen.

Zwar ist der ursprüngliche Fragebogen für Filme geschrieben worden, das bedeutet aber nicht, dass man ihn nicht auch für Romane anwenden kann. Vielleicht ist es nur notwendig, ihn ein wenig anzupassen und abzuändern. Aber das mindert, meiner Meinung nach, nicht die Bedeutung.

Der Frauenfragebogen

Unglaublich aber wahr, in Filmen kommt es sehr häufig vor, dass Frauen nicht miteinander sprechen. Es passiert sogar, dass es noch nicht einmal mehr als nur eine Frau auftaucht. Dabei machen sie (je nach Statistik die Du befragst) zwischen 50 und 52 Prozent der Weltbevölkerung aus. Schaut man sich aber die Filme an, dann mag man glauben, dass sie nur eine unbedeutende Minderheit sind.

Und auch in Romanen kann es passieren, dass die Frauenrollen eher als marginal bezeichnet werden können. Letztes Jahr habe ich einen Roman gelesen, in dem eine einzige Frau in der Nebenrolle ein paar Sachen sagen durfte. Ansonsten gab es noch eine Königin aus der Geschichte und eine Mutter, die keine Rolle spielte. Das waren alle Frauenrollen in diesem Roman.

Das bedeutet nicht, dass diese Filme oder diese Romane eine schlechte Geschichte haben. Nur die Frauenrolle wird schlecht repräsentiert. Und damit habe ich persönlich durchaus meine Probleme.

Die Fragen

Welche Fragen können für die Frauenrolle nun interessant sein? Das sind die Folgenden:

  1. Spielen zwei oder mehr Frauen eine bedeutende Rolle?
  2. Sprechen mindestens zwei Frauen miteinander?
  3. Reden sie über andere Themen, als nur über Männer bzw. männliche Themen?

Liest sich erst einmal ganz einfach, aber schauen wir uns diese drei Fragen genauer an.

Schauen wir uns erst einmal Frage 1 an. Zwei Frauen sollen eine bedeutende Rolle haben. Die Ergänzung bedeutend kommt von mir. Denn es wurde, zurecht, angeführt, dass es theoretisch ausreichen müsste, überhaupt zwei Frauen durch den Film bzw. über die Buchseiten laufen zu lassen und damit hat es sich.

Mit dem Wort bedeutend soll gemeint sein, dass sie zumindest wichtige Nebencharaktere sind. Würde man sie wegnehmen, soll der Plot zumindest schweren Schaden erleiden, wenn es nicht sogar dahin geht, dass er nicht mehr funktioniert.

Daher wäre es schön, wenn Du mindestens zwei starke Charaktere erschaffst, die, wie die Männer, ein Teil der Geschichte sind. Auch wenn das irgendwie bei einigen immer noch ein Akt der Unmöglichkeit zu sein scheint.

Die nächste Schwierigkeit, die viele haben, ist die simple Tatsache, dass man zwei Frauen miteinander reden lassen sollte. Es heißt zwar immer, dass Frauen gerne gemeinsam auf die Toilette gehen. Aber in Filmen und auch häufig in Romanen sieht es nicht danach aus (unabhängig der Tatsachen, dass Toilettenszenen nicht so häufig thematisiert werden).

Jetzt könnte man sagen, gut, ich nehme mir irgendeine Szene und lasse zwei Frauen miteinander sprechen. Und hei, ich bin großzügig, es darf sogar ein wichtiges Gespräch sein. Und für den Rest des Romans lasse ich sie wieder getrennt arbeiten.

Könnte man machen und ja, das machen viele auch. Leider. Daher ist das noch nicht ganz zielführend. Es ist wichtiger, dass die Frauen auch miteinander arbeiten sollten.

Das bedeutet, dass die beiden Frauen beste Freundinnen sein könnten und sie daher regelmäßig miteinander agieren. Oder sie arbeiten miteinander und müssen sich austauschen. Es könnte auch sein, dass sie sich neu kennenlernen und dann eben beschnuppern müssen.

Das bedeutet, dass sie durchaus längere Gespräche miteinander führen sollten und zudem mehrere Male. Denn seien wir ehrlich, in Deinem Leben unterhältst Du Dich bestimmt auch öfters mit Frauen, oder? Und zwischen kurzem Small Talk und langen, intensiven Gesprächen ist alles dabei. Warum also nicht in Deinen Geschichten?

Und nun zum letzten Punkt im Fragebogen. Es gibt scheinbar so viele Vorstellungen darüber, worüber Frauen sprechen, wenn sie allein sind, dass es schon fast albern wirkt. So glauben durchaus viele Männer, dass sie immer und überall im Mittelpunkt stehen. Selbst wenn sie nicht da sind. Also in Gesprächen zwischen zwei Frauen.

Natürlich sprechen Frauen auch über Männer. Die Betonung liegt aber auf auch. Bei einigen Geschichten hat man das Gefühl, dass man ein andauernd an der Stelle setzen muss. Aber ich kann garantieren, dem ist nicht so.

Lass also Deine Frauen über andere Themen sprechen als eben Männer oder männlich orientierte Themen. Dazu zähle ich, was könnte Dein Charakter für eine Krawatte kaufen. Oder wie läuft es mit der Firma des Mannes.

Wieder könnten wir diese Frage austricksen, indem wir die Frauen über den Haushalt oder Schminke reden lassen. Klar, auch darüber reden Frauen, würde uns aber im Roman nicht wirklich weiterführen.

Daher ist es durchaus wichtig, dass Deine Frauen sinnvolle Gespräche führen, welche Deine Geschichte weiterbringt. Die eine Frau hat eine wichtige Information, welche die andere nutzen könnte. Oder sie trägt diese Information an eine andere Frau weiter. Oder von mir aus, an einen der Männer.

Sie dürfen auch in der Geschichte über Belangloses sprechen. Das ist klar. Aber das dürfen auch die Männer. Gleichzeitig dürfen Frauen auch über wichtige Dinge sprechen.

Fazit

Natürlich rettet der Bechdel-Test Deine Geschichte nicht davor, trotzdem sexistisch zu sein. Aber ich glaube, dass er helfen kann, aufmerksamer zu werden. Wie gehst Du als AutorIn oder wie gehen die anderen AutorInnen mit den Frauen um? Ist es ein guter Umgang oder muss man da noch ordentlich nachhelfen?

Ich denke, dass der Test hilft, ein wenig kritischer zu sein. Und wenn man dann noch ein wenig weiter über die Rollen der Frauen und Männer nachdenkt, wird es sicherlich eine gute Geschichte werden.

Der „Racial“ Test

Der Test wurde zwischenzeitlich auch für nicht weiße Menschen (Color of People) abgeändert, der Racial Bechdel Test. Da ich die drei Fragen oben schon ausführlich behandelt habe, gibt es hier eine Kurzversion.

  1. Kommt mehr als eine Person mit einer anderen Hautfarbe vor?
  2. Reden die nicht weißen Personen miteinander?
  3. Reden sie über etwas anderes als über weiße Menschen?

Sehr häufig scheitert es schon an der ersten Frage. Denn es kommt durchaus ein Quotenschwarzer vor, aber das war es schon. Zwischenzeitlich hat sich das gebessert, aber man hat immer noch das Gefühl, dass die Weißen immer noch eine Mehrzahl der Menschen auf der Erde stellen. Das, dem nicht so ist, ich denke, das muss ich nicht schreiben.

Sollte es mehr als zwei farbige Personen geben, dann reden sie nicht immer miteinander. Ihre einzigen Gesprächspartner sind die anderen Weißen. Ich schreibe nicht, dass sich die ganzen Farbigen verbrüdern sollen. Aber warum bitte schön dürfen sie nicht miteinander reden?

Und natürlich gilt auch hier, dass sie gerne über andere Themen als Weiße oder weiße Themen sprechen dürfen. Da ich selbst keine Erfahrungen damit habe (danke an Hollywood und den ganzen AutorInnen, die mich das nicht gelehrt haben), kann ich dazu auch nicht viel schreiben. Aber sicherlich ist es eine gute Idee, Literatur farbiger AutorInnen zu lesen. Dort wirst Du sicherlich eine Menge lernen.

Der „quere“ Test

Ursprünglich hab ich die Erweiterung des Bechdel-Tests mit queren Charakteren gefunden. Leider finde ich nicht mehr den Link zu dem Post, der mich auch zu diesem Beitrag inspiriert hatte.

Aber ich habe zwischenzeitlich herausgefunden, dass Vito Russo den Quer Test erfunden hat. Hier sind seine drei Punkte:

  1. Die Geschichte beinhaltet einen Charakter, welche man eindeutig als lesbisch, schwul, bisexuell oder transsexuell einordnen kann.
  2. Dieser Charakter wird nicht auf die Sexualität reduziert, sondern trägt ihren bzw. seinen Teil zur Geschichte bei, damit diese ein glückliches Ende hat.
  3. Der Charakter muss so in dem Plot involviert sein, dass die Entfernung von ihr oder ihm dazu führen würde, dass der Plot in sich zusammenfällt.

Mit Punkt 1 sind auch Geschichten gemeint, die nicht direkt für den LGBT-Markt geschrieben wurden (zum Beispiel Gay Romance). Damit scheitern mindestens 99 Prozent aller Filme und Romane, die veröffentlicht wurden.

Es gelten übrigens keine Charaktere, die im Nachhinein doch als homosexuell gelten. Damit meine ich, zum Beispiel, Albus Dumbledore. In den ganzen Harry Potter Romanen kam nicht einmal eine Andeutung vor, dass er eventuell, möglicherweise, vielleicht schwul sein könnte. Dies kam erst heraus, als Rowling die Reihe beendete und ihn outete. Damit haben die Harry Potter Romane den Test auch schon nicht bestanden.

Der zweite Punkt ist ein klassisches Vorurteil. Man meint, dass die LGBT-Community permanent ein Schild hochhalten, um zu sagen, hei, ich bin lesbisch/schwul/bisexuell/transsexuell. Natürlich sprechen sie darüber, aber sie definieren sich nicht nur über ihre Sexualität. Genauso wie alle anderen Menschen haben sie Familie, Freunde, einen Beruf, Hobbys, Träume und so weiter. Und das alles macht sie zu einem Gesamtpaket.

Daher ist es wichtig, dass sie mit anderen Qualitäten zum wichtigen Teil der Geschichte werden. Denn auch homosexuelle Menschen, da mögen einige staunen, sind auch nur Menschen. Ich kann es Dir garantieren.

Und auch hier gilt, wenn Dein LGBT-Charakter aus der Geschichte entfernt werden sollte, muss sie zusammenbrechen. Das bedeutet, dass Du einen so starken Charakter erschaffen hast, dass sie einfach ein fester Bestandteil der Geschichte sind. Ihre Sexualität ist dabei nur ein Teil ihrer Persönlichkeit.

Abschlussgedanken

Theoretisch könnte man diesen Test entsprechend weiter ausbauen. Zum Beispiel übergewichtige Menschen, Menschen mit Behinderungen oder sonstigen körperlichen Einschränkungen oder mit psychischen Erkrankungen. Unsere reale Welt ist voll von diesen Menschen, doch in Romanen und Filmen findet man sie kaum bis gar nicht.

Mir ist bewusst, dass es zu viel für einen Film oder einen Roman wäre, wenn man alle berücksichtigen müsste. Doch warum eigentlich? Nehmen wir an, Du hast fünf Charaktere. Davon könnten drei Männer und zwei Frauen sein (ich bin so frei). Eine Frau und ein Mann sind Farbige. Und sagen wir mal, die zweite Frau ist lesbisch. Dann kriegen die Frauen und die Farbigen noch eine starke Rolle, neben den beiden weißen Männern und schon kann die Geschichte laufen.

Mein Wunsch ist, dass Du einfach mal darüber nachdenkst und schaust, wie Du diese Punkte, oder wenigstens einige davon, in Deiner nächsten Geschichte unterbringen könntest. Ob Du es machst, das ist eine andere Angelegenheit. Aber ein Versuch ist es doch Wert, oder?

Mach den Test

Schreib Dir die Fragen auf und schau Dir einige Filme an oder lies Dir einige Romane durch. Und dann hack die Punkte ab, welche erfüllt sind und welche nicht. Zudem kannst Du Dir noch Notizen machen, wie diese Punkte erfüllt wurden.

Dein aktuelle Roman

Schau Dir Deinen aktuellen Roman an und überprüfe diesen anhand der Tests. Welche Punkte werden erfüllt und bei welchen könntest Du noch nachbessern. Und vor allem möchtest Du es?

Dein nächster Roman

Vielleicht ist Dein aktueller Roman zu weit fortgeschritten, als dass Du noch Änderungen vornehmen möchtest. Aber wie sieht es mit Deiner nächsten Geschichte aus? Könntest Du da die Punkte unterbringen?
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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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6 Antworten zu Der große Bechdeltest

  1. quakente22 schreibt:

    So genau habe ich das nie analysiert, aber mir ist schon aufgefallen, dass Frauen meistens unterrepräsentiert sind. Das hat mich als Teenager z.B. in Harry Potter gestört, wo es quasi nur Hermine gibt.

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    • Frau Schreibseele schreibt:

      Mir geht es da genauso. Meistens erkenne ich selbst nicht diese Dinge und recherchiere danach. Und dann fallen mir die Schuppen von den Augen und denke mir nur, ist ja so etwas von klar gewesen.

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  2. nikeleonhard schreibt:

    Um es vorweg zu sagen: Ich finde den Artikel gut und die drei Tests ein gutes Instrument, um sich Klischeefallen bewusst zu machen. Bin ich deshalb der Meinung, ein Roman müsse unbedingt, Frauen, Queers oder Menschen anderer Hautfarbe enthalten? Nö.
    Ein Roman lebt von seinen Figuren. Die sollten differenziert sein. Zweifelsohne sind Hautfarbe, Geschlecht und sexuelle Orientierung Möglichkeiten zur Differenzierung. Aber es sind bei weitem nicht die einzigen und manchmal ist es auch eine Frage des Settings, ob sie passen oder nicht.

    Um klarer zu machen, was ich meine, möchte das gerne an ein paar Beispielen erläutern:
    Der Film „Das Boot“ und das Buch „Brokeback Mountain“ sind reine Männergeschichten und das ist auch stimmig, weil sie in einem Milieu spielen, in dem Frauen nichts zu suchen hatten. Anders herum hätte ein Mann auch nichts in einer Geschichte zu suchen, die in einem Frauenkloster spielt. Den Bechdel Test darauf loszulassen, wäre ziemlich sinnlos.
    Das lässt sich mit Hautfarbe und sexueller Orientierung genauso für andere Milieus durchspielen.
    Ein zweiter Punkt ist, dass die Rollenbesetzung auch zur Kernaussage einer Geschichte passen muss. Du hast Harry Potter erwähnt und gemeint, dass es den Queer-Test nicht besteht. In der Aussage stimme ich zu, finde das aber aufgrund der Kernaussage unwichtig. Das Kernthema von Harry Potter ist Rassismus. Daher kommen ganz selbstverständlich verschiedene Hautfarben vor. Die Sexualität der Figuren spielt dagegen nur eine untergeordnete Rolle. Ja, Ron, Harry und Hermione pubertieren und verlieben sich. Genauso ihre Klassenkameraden. Und wahrscheinlich geht es dir wie mir: Ich habe nur Heteropärchen im Gedächtnis behalten. Klar hätte man auch noch einen schwulen/lesbischen/a- oder transsexuellen Charakter prominent einbauen können. Aber das hätte neue Diskussionsfelder eröffnet und von der Kernaussage abgelenkt.

    Wie ich oben schon gesagt habe, heißt das nicht, dass ich die Überlegungen und die Tests falsch finde. Aber eine Geschichte muss nicht alle Kriterien sämtlicher Tests erfüllen, um gut zu sein. Es ist eher, wie im richtigen Leben: Man muss nicht auf allen Gebieten perfekt sein. Es reicht, wenn man eine Sache gut macht und sich bemüht, auf allen anderen Gebieten keinen Schaden anzurichten.

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    • Frau Schreibseele schreibt:

      Hallo Nike,

      danke für Deinen ausführlichen Beitrag. Und vor allem, schön, dass wir nicht einer Meinung sind 😉 Meiner bescheidenen Meinung nach, sollte man erst einmal versuchen zu schauen, ob man nicht die ganzen Rollen unterbringen könnte. Ob es dann funktioniert, DAS ist eine völlig andere Frage (daher habe ich es als Wunsch geschrieben, zumindest bilde ich es mir ein). Denn in meinem aktuellen Projekt werde ich selbst an meinen eigenen gesteckten Zielen definitiv scheitern. Aber zumindest den Versuch sollte man durchaus wagen.

      Bei Harry Potter sehe ich das definitiv anders. Immerhin hat Rowling den schwulen Dumbledore eingeführt. Und wenn sie der Meinung ist, einen Charkater nachträglich zu outen, hätte sie das eben auch in der Geschichte machen können (vielleicht ist es ihr erst im nachhinein eingefallen?). Und wie im Test aufgeführt, Homosexuelle sollen in der Geschichte durchaus homosexuell sein, aber nicht eben darauf reduziert werden.

      Was wäre also gewesen, wenn Dumbledore schwul gewesen wäre? Er hätte trotzdem Grindelwald in den Hintern getreten, wäre der Schulleiter von Hogwarts gewesen und hätte Harry Potter beiseite gestanden. Seine Homosexualität wäre lediglich ein weiterer Teil seiner Persönlichkeit gewesen. Hätte sie das nicht gewollt, was für sie auch in Ordnung ist, hätte sie das Thema selbst erst gar nicht anbringen sollen. Irgendwie stört mich das durchaus ein wenig.

      Trotzdem bleib ich bei meiner Kernaussage 😉 Was am Ende dabei herauskommt, DAS ist dann die Frage. Und das müssen wir letztendlich für uns selbst entscheiden.

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      • nikeleonhard schreibt:

        Ich finde es vollkommen ok, dass wir anderer Meinung sind und freue mich über den Austausch. 🙂
        Um meine Position zu verdeutlichen, versuche ich es mal anders rum: Im realen Leben erkenne ich auf Anhieb, ob jemand dick, dünn, Frau, Mann, hell- oder dunkelhäutig ist. Aber ich frage nicht nach seinen sexuellen Vorlieben. Je besser ich jemanden kenne und je öfter ich die betreffende Person treffe, desto wahrscheinlicher ist natürlich, dass ich auch die irgendwann erfahre. Das kann aber ein paar Jahre dauern. Weil es schlicht egal ist.
        Deshalb bin ich vollkommen einer Meinung mit dir, was das Outing von Dumbledore angeht: Rowling hätte es lassen sollen. Es wirkt wie ein Nachklapp, eine Ausrede: „Ach, gegen Schwule hab ich übrigens auch nichts. Da, seht: Dumbledore ist schwul.“
        Nur finde ich eben, Eigenschaften sollten Relevanz besitzen. Tschechovs Flinte eben, nur auf Charaktere angewendet. Aber bei Dumbledore kommt es nirgends in der Geschichte darauf an, ob er schwul ist. Seine Sexualität ist für die Geschichte genauso relevant, wie die Schuhgröße. Kann man also lassen.
        Genauso kann man es m. E. auch lassen, in jeder Serie zwanghaft die Quotenfrau, die QuotenPoC, den Quotennerd und vielleicht auch noch eine/n Quotenschwulen/-lesbe unterzubringen. Auf mich wirkt das gezwungen, zumal ich in den meisten Fällen zu bemerken glaube, dass die nur deshalb so besetzt wurde, weil es allen recht gemacht werden sollte. Das bemerkenswerteste Beispiel in der Hinsicht war Dr. Strange, wo fast keine Asiaten auftreten, obwohl die Geschichte überwiegend in Asien spielt.
        Wobei ich dir deine Idee überhaupt nicht madig machen will. Ganz im Gegenteil. Ich hoffe aufrichig, dass du das besser hinbekommst und würde die Geschichte gerne lesen, wenn sie fertig ist.

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      • Frau Schreibseele schreibt:

        Hallo Nike,

        leider muss ich halt zugeben, dass über kurz oder lang niemals alle Ideen in einer Geschichte unterkommen werden. Je kürzer ein Roman, desto eher kann es passieren, dass man scheitert. Trotzdem bin ich halt der Meinung, dass man es zumindest versuchen sollte. Häufig lese ich, ach daran habe ich noch gar nicht gedacht (schau mal in die Kommentare zu dem Beitrag über die queeren und behinderten Charaktere, sobald ich sie alle freigeschaltet habe). Aber auch zu vielen anderen Beiträgen oder Ideen, dort heißt es, tolle Idee, daran hab ich nicht gedacht.

        Und ehrlich gesagt, häufig denke ich selbst auch nicht daran. Daher auch die kleinen Erinnerungen, dass es zumindest theoretisch alles möglich sein kann. Und wenn jemand versucht, diese alle unterzubringen, mein Respekt. Wobei gerade in längeren Geschichten da durchaus potenzial besteht.

        Dr. Strange aber als Beispiel anzuführen, kann durchaus etwas heikel sein. Denn hier gab es auch politische Entscheidung. Eigentlich ist The Ancient One ist eigentlich eher männlich und ein Tibeter. Und ich sag nur China und Tibet, das ist ein heißes Pflaster. Daher hat man, aus Geldgründen, lieber nicht einen Tibeter für die Rolle besetzt.

        Ansonsten, ja, wenn es Geschichtsrelevant ist, immer her mit den Charakteren. Aber auch ja, man sollte es zumindest versuchen, sie in die Geschichte zu bekommen. Und nicht erst im nachhinein überlegen, ach wer hätte den schwul oder lesbisch sein können 🙂 (Wobei ich mich frage, wie es jetzt in den Phantastischen Tierwesen Filmen aussieht, da könnte der junge Dumbledore auftauchen).

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