Der Mako Mori Test

Hei, hallo und herzlich willkommen,

wenn in einem Buch oder in einem Film nur eine einzige weibliche Hauptfigur auftaucht, kann diese feministischer dargestellt werden, als wenn wir den Bechdel-Test kritisch anwenden? Mako Mori aus dem Film Pacific Rim soll dieser eine besondere Charakter sein.

Warum? Darüber möchte ich heute mir Dir sprechen.

Kurze Vorgedanken

Pacific Rim ist ein Science-Fiction-Film des Regisseurs Guillermo del Toro (der unter anderem auch Hellboy oder auch Crimson Peak gedreht hat). Wenn Du Dir die Castliste ansiehst, wirst Du feststellen, dass es nur eine einzige Frauenrolle gibt. Eben die von Mako Mori (gespielt von Rinko Kikuchi).

Während meiner Recherche zum Bechdel-Test bin ich eher zufällig über den Mako Mori Test gestolpert. Und die MacherInnen behaupten, dass man mit deren drei Fragen einen weitaus besseren weiblichen Charakter schaffen kann.

Jetzt muss ich gestehen, dass ich den Film selbst vor einiger Zeit im Fernsehen zwar gesehen, mich aber nicht mehr an alle Details erinnern kann. Für mich hatte er jedoch definitiv Elemente der legendären Serien wie Saber Rider oder auch Voltron (also Kämpfe mit riesigen Robotern austragen).

Da ich den Film für diesen Beitrag nicht noch einmal sehen konnte, werde ich mich erst einmal allgemein auf die Punkte beziehen. Sobald ich den Film gesehen habe, werde ich den Beitrag entsprechend erweitern.

Es kommt auch das Thema „Charakterbogen“ (engl. character arc) auf. Diesen habe ich noch nicht besprochen, werde ich aber zeitnah nachholen.

Die Fragestellung

Auch dieser Test hat lediglich drei Fragen, die positiv beantwortet werden sollten:

  1. Mindestens einen weiblichen Charakter,
  2. hat sie ihren eigenen erzählerischen Charakterbogen,
  3. wird diese nicht von der Geschichte eines Mannes unterstützt.

Die Fragen finde ich, um einiges schwerer zu beantworten, weil sie mehr Arbeit benötigen. Daher schauen wir sie uns einzeln ein wenig genauer an.

Erster Punkt: Mindestens einen weiblichen Charakter

Zu diesem Punkt muss ich wohl nicht viel sagen. Um den Mako Mori Test zu bestehen, benötigt es eine Frau in der kompletten Geschichte, mindestens. An sich ist das keine schwierige Aufgabe, doch reicht es nicht, nur irgendeine Frau in die Geschichte loszuschicken. Idealerweise erschaffst Du einen weiblichen Charakter, der Ecken und Kanten hat.

Es kann passieren (und passiert auch), dass man eher ein Klischeecharakter erschafft, die eher einem Kerzenständer ähnelt. Das bedeutet, man stellt die Heldin irgendwohin und könnte dort versauern. Sie hat keine weitere wichtige Rolle in dem Buch oder in dem Film.

Hier gilt ganz klar, je lebendiger der Charakter ist, desto besser ist es für sie. Und am Ende auch für Deine eigene Geschichte. Denn mit guten Charakteren schreibt sich der Roman häufig von selbst.

Zweiter Punkt: Sie hat ihren eigenen Charakterbogen in der Geschichte

Hier scheitern durchaus viele. Kennst Du Hermine Granger? Viele behaupten, dass sie in den ganzen Büchern keine wirkliche Entwicklung durchgemacht haben. Irgendwo bleibt sie immer der Nerd aus dem ersten Jahr.

Und letztendlich stimmt es eigentlich. Am Anfang war sie eine hochnäsige Person, die mehr Wissen als alle anderen hatte. Sie war durchaus freundlich und konnte ziemlich zickig sein. Wie sieht es mit dem Ende der Reihe aus? Da ist sie eine durchaus hochnäsige Person, die mehr Wissen als alle anderen hat. Sie ist durchaus freundlich und kann immer noch ziemlich zickig sein.

Dagegen haben Ron und Harry sich durchaus weiterentwickelt. Anfänglich war Ron eher ein Mitläufer. Am Ende wurde er zum Selbstläufer. Und zu Harry schreibe ich an dieser Stelle nichts, immerhin ist er der Held seiner Geschichte.

Daher ist es wirklich sehr wichtig, wenn Du über eine Heldin schreibst, gönne ihr bitte auch eine eigene Entwicklung. Und zwar auch im Zusammenhang mit der Geschichte.

Dritter Punkt: Sie wird NICHT durch die Charaktergeschichte des Mannes unterstützt

Unglaublich aber wahr, Frauen dürfen ihre eigene Geschichte haben. Und vor allem, sie dürfen sich gelegentlich auch alleine retten. Denn häufig werden Frauen nur als Projektionsfläche und Rettungsobjekt für die Geschichte des Mannes verwendet. Eine höherwertige Funktion hat sie nicht in der Geschichte.

Im Grunde genommen ist das reine Verschwendung von Potenzial. Warum nicht die Heldin ihre eigene Geschichte erzählen lassen? Und vor allem, warum soll sie immer von dem Ritter in der schimmernden Rüstung und auf dem weißen Pferd unterstützt oder gar gerettet werden? Sie kann das gerne allein machen.

Natürlich darf ein Mann sie gerne bei der einen oder anderen Gelegenheit unterstützen. Und das bedeutet nicht, dass sie nicht auch mal von ihm gerettet werden darf. Aber lass sie gerne ihre eigene Geschichte erzählen. Und gleichzeitig darf er seine eigene erleben.

Gegenseitig Unterstützung ist gerne gesehen. Aber nicht zum Nachteil Deiner Heldin (wie es fast immer passiert). Denn sie ist sicherlich nicht die Heldin Deiner Geschichte geworden, weil sie eine naive Person ist. Sie ist die Heldin, weil sie das Zeug hat, sich und alle anderen zu retten und zu verändern. Dann lass das auch zu.

Der Bechdel-Test vs. dem Mako Mori Test?

Jetzt könnte ich argumentieren, welcher der beiden Tests nun besser ist. Jedoch haben beide ihre Vorteile. Und aus diesem Grund möchte ich hier keine Gegenüberstellung schreiben, sondern eine Ergänzung.

  1. Es spielen mindestens zwei Frauen eine wichtige Rolle.
    Davon darf gerne eine der Frauen eine Hauptrolle innehaben, die andere eine Nebenrolle.
  2. Mindestens die Hauptrolle hat eine eigene Charaktergeschichte.
  3. Beide Frauen reden miteinander.
  4. Ihre Gesprächsthemen drehen sich nicht um Männer.
  5. Die Charaktergeschichte des Mannes (des Helden) sorgt dafür, dass er nicht die weibliche Hauptfigur unterstützt oder rettet.

Die einzelnen Punkte werde ich an dieser Stelle nicht weiter erläutern, da ich das bereits getan habe.

Auf alle Fälle bin ich überzeugt, wenn man beide Tests zusammenwirft und das Beste aus ihnen herausholt, dass man am Ende auch das Beste aus der Geschichte holen kann.

Abschlussgedanken

Ich behaupte, wir sind in einer Zeit angekommen, in denen wir starke Charaktere gebrauchen können. Das betrifft nicht nur die männlichen Helden, sondern insbesondere die weiblichen Heldinnen.

Gerade in der heutigen Zeit habe ich das Gefühl, das wir mehr starke und positive Heldinnen brauchen, als jemals zuvor. Und ich behaupte, mit dem kompletten Test schaffen wir es auch.

Setzen wir uns also hin und schreiben die besten Geschichten, zu denen wir in der Lage sind.

Pacific Rim

Um die Rolle der Mako Mori besser zu verstehen, solltest Du Dir den Film Pacific Rim ansehen. Einmal, um die Geschichte zu kennen. Und dann mindestens ein zweites Mal, bei dem Du Dir dann die Rolle der Heldin genauer anschaust. Vergleich dann auch die Punkte aus dem Test mit ihrer Rolle. Stimmen sie überein oder gibt es noch Potenzial nach oben?

Weitere Geschichten

Schau Dir weitere Filme mit starken Heldinnen an und lies Bücher mit Heldinnen in der Hauptrolle. Inwiefern könnte der Test dort Anwendung finden? Und wo würdest Du sagen, hätte noch mehr geändert werden können, damit die Rolle und dadurch auch die Geschichte, anders verlaufen könnte.

Deine Heldin

Und wie sieht es mit Deiner Heldin aus? Kann sie einige der Punkte erfüllen? Und wenn nicht, wo könntest Du ansetzen, um das zu ändern? Möchtest Du das überhaupt? Und wenn nein, warum nicht? Melde Dich für meinen kostenfreien Newsletter an.

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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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12 Antworten zu Der Mako Mori Test

  1. Melanie schreibt:

    Halloi-Hallo,
    ein ganz toller Artikel! Wenn ich so darüber nachdenke, fällt mir auf, dass ich in letzter Zeit fast nur Bücher oder Filme gesehen habe, wo Frauen keine tragende Rolle , sondern mehr eine Zier waren. Reingebracht um noch schnell die Frauenquote zu erfüllen, aber ohne jegliche Geschichte. Traurig ist das.
    Liebe Grüße, Melli

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    • Frau Schreibseele schreibt:

      Hallo Melli,

      das ist in der Tat häufig ein Problem. Nur um Frauenquoten zu erfüllen, bringen keine Charaktere. Man sollte anfangen Frauen wie Menschen zu behandeln, dann würden solche Test sofort ihre Existenzberechtigung verlieren. Denn man muss nicht mehr darüber nachdenken, ob man starke Frauencharaktere geschaffen hat, sie sind einfach da. Vielleicht klappt das ja eines Tages doch noch 🙂

      liebe grüße zurück

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  2. Der bechdel Test ist wirklich schlecht.
    Das Musikvideo zu Sir mixalots Baby got back erfüllt ihn beispielsweise mit folgenden Dialog:

    Water for Elephants beispielsweise ist mit seiner Liebesgeschichte sicherlich eher auf ein weibliches Publikum ausgerichtet als auf Männer, besteht aber den Bechtel Test nicht.

    Conan der Zerstörer, eher kein Film, der auf Frauen ausgerichtet ist und deswegen sogar in dem Comic oben angedeutet, besteht den Bechdel Test. Street Fighter besteht den Test mit der schönen Begründung „Chun-Li and Cammy discuss clothing and hair on two separate occasions“

    Und auch beide Sex and the City Filme (1, 2)bestehen den Bechdel Test: Sie sind auf ein weibliches Publikum ausgerichtet und es kommen viele Frauen vor, ich bezweifele jedoch, dass die klassische Feministin glücklich damit ist.

    Lara Croft: Tomb Raider mit einer sehr starken weiblichen Hauptrolle in einem Aktionfilm besteht den Bechdel Test nicht, ebenso wenig wie „Das Schweigen der Lämmer“ mit einer starken weiblichen Hauptfigur, schließlich redet die Ermittlerin die ganze Zeit über den Mörder.

    Die starke Schwäche des Tests ist eben, dass er nicht darauf abstellt, ob interessante Frauen in dem Film vorkommen, sondern ob diese sich noch so belanglos unterhalten und nicht über Männer reden. Die Qualität spielt in der Bewertung keine Rolle, es wird auf eine rein abstrakte Wertung abgestellt.

    Die nach diesem Test vorgehende Person dürfte zwar die neuen Star Wars Teile (1,2,nicht 3) sehen, die alten Star Wars Teile (1, 2, 3)  aber nicht, trotz einer wesentlich überzeugenderen Leia.  Was eigentlich alles über den Test sagt.

    Interessanter ist es, inwiefern weibliche Figuren andere Erzählungen erfordern

    Ich hatte mir in einem Artikel mal Gedanken dazu gemacht, was sich ändern würde, wenn Harry Potter weiblich wäre:

    https://allesevolution.wordpress.com/2010/11/19/warum-ist-harry-potter-mannlich/

    Ich meine, dass sich ein Roman dieser Art mit einer weiblichen Heldin fast zwangsläufig zu einem anderen Roman geführt hätte, weil man die Geschlechter nicht einfach austauschen kann. Die Handlungen müssen für ein stimmiges Bild zu dem Geschlecht passen, dass die Figur hat oder aber es muss zumindest erklärt werden, warum die Figur anders handelt.

    Wir würden deutlich mehr von den Gefühlen der Figur lesen müssen, damit sie stimmig ist und auch der Statuszuwachs bzw. die Ablehnung der anderen Schüler würde sie vermutlich anders treffen.

    Wir würden bei den Herausforderungen, denen die Figur sich stellt, vielleicht noch eine größere Charakterentwicklung erwarten, da mehr Gefühle darzustellen wären. Die Liebesgeschichten würden anders ablaufen und die Figur müsste auch ihr Verhältnis zu einer weiblichen Hermine anders darstellen, insbesondere, wenn dieser ein Streber wäre. Es würden uns viele Behandlungen gegen die Figur wesentlich härter vorkommen als bei einem männlichen Harry Potter. Man müsste sich auch anders mit der Frage beschäftigen, ob die Figur gut aussieht und dies würde zu anderen Reaktionen führen. Hermine war zwar anfangs auch nicht hübsch und konnte sich dann plötzlich für einen Ball zurechtmachen und wunderschön sein, aber wäre sie die Hauptfigur hätten wir die „Wandlung“ näher beschrieben bekommen müssen und die Reaktion und ihre Gefühle dazu wären auch darzustellen gewesen.

    Das Frauen auf Harry stehen, der der Quidditch-Held und der Auserwählte ist, kommt in dem Buch eher noch zu kurz, erklärt aber hinreichend warum Frauen ihn wollen. Wir hätten natürlich auch mehr zu sich entwickelnden Körpern lesen müssen, vielleicht auch etwas zu Perioden (wobei wir ja auch nichts von Harrys ersten feuchten Träumen lesen, aber das dürfte auch weniger bedeutsam in seiner Entwicklung sein). Würde uns eine weibliche Figur isolierter vorkommen als eine männliche Figur, wenn sie im wesentlichen eine Freundin, einen Freund und eine Aufgabe („Rettung der Welt vor dem Schurken“)  hat?

    Die Motive des männlichen Freundes müssten auch wesentlich mehr hinterfragt werden. Warum will er nichts von ihr, ist sie nicht schön genug? Oder will er etwas von ihr und warum bleibt er dann passiv (was ihn unattraktiver macht). Die Gruppendynamik würde sich verändern oder komplizierter dargestellt werden müssen. Würden wir uns Fragen, warum die Männer, die etwas von ihr wollen sie nicht mehr beschützen und versuchen ihr zu helfen? Was würde es für ein Licht auf die Männer und auf sie selbst werfen, weil sie keine Männer anzieht, die dies wollen? Bei einer männlichen Figur können ihre Bewunderinnen wesentlich passiver sein und er kann sozial weniger eingebunden sein, wenn sein Status durch seine Taten außer Frage steht. Es müsste dargestellt werden, was an den Jungs begehrenswert ist und sie müssten wahrscheinlich schon deswegen in ihre gemeinsamen Abenteuer eingebunden werden.

    Gleichzeitig müsste ihr Tatbeitrag auch wieder in einem gewissen Verhältnis zu ihrer Schönheit stehen, was dann je nach dem die Story schwieriger zu balancieren macht. Ist sie sehr hübsch muss der Mann mehr Status haben, damit es passt. Dann aber müssen auch die anderen Charaktere entsprechend darauf reagieren. Ist sie nicht hübsch, dann sinkt ihr Status und ist nicht durch Taten aufbesserbar, was dann zu einer gewissen Mittelmäßigkeit auch eines potentiellen Partners führt, was der Geschichte einen anderen Charakter verleiht. (Bei der Twilight Reihe ist dies beispielsweise dadurch gelöst, dass Edward die Gedanken von Bella nicht lesen kann und sie daher für ihn etwas besonderes ist. Dadurch kann Edward einen sehr hohen Status haben, der auf seinen Fähigkeiten als Vampir beruht und die Story erscheint dennoch „echt“. Bella ist zudem vergleichsweise passiv im Vergleich zu Harry Potter ).

    Auch diverse andere Rollen, zB die Lehrer, die Harry übel mitspielen, hätten eine vollkommen andere Dynamik, wenn sie so auf dem armen Mädchen rumhacken. Die Rivalität mit Draco hätte anders ausgefochten werden müssen als in dem Buch. Es hätte auch die Snape-Figur geändert werden müssen: Bliebe sie männlich, dann müsste er in einer weiblichen Hauptfigur ja jetzt seine frühere Geliebte erkennen. Würde sie weiblich wären ihre Behandlungen dennoch einem Mädchen gegenüber grausamer und müssten wahrscheinlich auch besser erklärt werden.

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    • Frau Schreibseele schreibt:

      Hallo Christian,

      danke für Deinen interessanten und sehr ausführlichen Beitrag.
      Das der Bechdel-Test für Dich Schrott ist, damit kann ich leben. Doch sehe ich das ein wenig anders. Der Grund ist ganz einfach. Schon allein an der ersten Frage scheitern unglaublich viele, viele Filme. Und sogar Bücher. Natürlich ist der Bechdel-Test kein Allheilmittel. Aber er ist ein guter Anfang. Wenn schon an der ersten Frage die Filme scheitern und nicht in der Lage sind, zwei Frauenfiguren ins rennen zu schicken, was lernen wir dann über die Rolle der Frau in diesem Film? (Da der Bechdel-Test für die Filme konzipiert wurde, bleibe ich jetzt einfach mal dabei.)

      Immerhin sind gut 50 Prozent der Weltbevölkerung Frauen (je nach Statistik mal ein paar Prozent mehr oder weniger). Doch wenn in einem ganzen Film nur eine einzige Frau vorkommt? Sry, dann stimmt da etwas nicht. Und häufig lassen sich weitere Frauen ohne Weiteres dazufügen, ohne das die Geschichte wirklich darunter leiden muss.

      Deswegen plädiere ich auch mit einem kritischen Umgang mit dem Test, damit eine zweite Frau nicht dazu benutzt wird, um eine Alibirolle zu werden. Daher ist der Mako Mori Test durchaus besser geeignet, um eine starke Frauenrolle zu analysieren. Daher sollten die Beispiele, die Du aufführst, mal mit diesem Test durchgespielt werden. Dann müssten sie diesen durchaus bestehen (also Lara Croft oder auch Clarice Starling).

      Die Mischung der beiden Test finde ich persönlich aber passend, um eine starke Frauenrolle zu kreieren, zugleich aber auch, um mehr Präsenz der Frau in der Geschichte zu zeigen (eben die Hälfte der Weltbevölkerung). Trotzdem scheint es für manche ein Unding zu sein, dass Frauen stärker dargestellt werden. Das halte ich für einen Fehler.
      Das erinnert mich an die Diskussion, um den „Black Panther“ Film. Dieser spielt in Afrika und dementsprechend sollte man meinen, dass dort mehr afrikanischstämmige Schauspieler auftreten (was zum Glück auch passiert, es werden wohl aktuell nur zwei weiße Personen dort eine Rolle haben). Trotzdem regen sich viele auf, dass dort nur afrikanischstämmige SchauspierlerInnen auftreten (man stelle sich bloß vor). Warum ich das erwähne? Wenn die Rolle nicht weiß und männlich ist, fällt das auf und sorgt für Irritationen. Und man regt sich auf. Das bedeutet für mich, dass die Rolle des weißen Mannes so normal geworden ist, dass dieser die Norm ist. Warum sonst sollte sich eine Leserin mal aufgeregt haben, dass in einem Rolle die meisten tragenden Rollen von einer Frau gespielt werden?
      In dieser Hinsicht haben wir noch eine Menge zu tun. Wobei der Bechdel-Test oder der Mako Mori Test alle ihre Daseinsberechtigung sofort verlieren würden, wenn Frauen genauso wie Männer behandelt werden würden, also wie Menschen. Mit Ecken und Kanten, mit Liebe und Hass und so weiter. Solange aber das nicht möglich ist, warum auch immer, solange finde ich solche Tests als Hinweisschild leider noch für notwendig.

      Zu Deinem Beitrag über Harry Potter als Mädchen. Er ist durchaus interessant. Danke für das kopieren. Aber ich sehe da den einen oder anderen Punkt durchaus etwas kritischer. Zum Beispiel das Aussehen. Warum müssen überhaupt Frauen und Männer über ihr Äußeres definiert werden? Das erhöht noch verringert den Status, wenn Frau Harry Potter hübscher oder nicht hübscher wäre, als sonst wer. Das sehen leider nur sehr viele. Und damit schaffen wir uns Probleme, die nicht sein müssen. Zumal ich häufig an Herrn Harry Potter bemängele, dass wir nicht mehr über sein Innenleben erfahren. Das Innenleben hat nichts mit dem Geschlecht zu tun (wird aber gerne so hingestellt, ich weiß). Denn ich will als Leserin überhaupt erfahren, was in den Köpfen der Charakter vor sich geht. Dabei ist es mir egal, ob dieser Charakter Weiblein oder Männlein ist. Denn ich behaupte jetzt ganz dreist, auch Männer haben Gefühle. Und die will ich ebenfalls in einem Roman lesen.

      Natürlich können sie anders gelagert sein, von mir aus, sie müssen noch nicht einmal vielschichtig sein, aber auch Männer können panische Angst haben, sich unendlich verlieben oder einfach nur ganz blöd auf dem Schlauch stehen. Alles ist in Ordnung. Hauptsache, es ist realistisch.

      Ansonten, vielen Dank für Deine Zeit und Deine Antwort.

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      • „was lernen wir dann über die Rolle der Frau in diesem Film?“

        Nichts. Ein Film mit nur einer Frau kann natürlich auch dieser eine sehr starke Rolle zu billigen. Und wenn eine zweite Frau dazu kommt, dann muss das die Lage nicht verbessern.

        „Zum Beispiel das Aussehen. Warum müssen überhaupt Frauen und Männer über ihr Äußeres definiert werden?“

        Weil „gutes Aussehen“ ein Sammelbegriff dafür ist, dass wir evolutionär vorteilhafte Merkmale aufweisen und damit einen guten Sexualpartner abgeben. Wir sind nun einmal auch nur Wesen, die durch Evolution, gerade auch sexuelle Selektion entstanden ist. Das wir hübsche Menschen anders bewerten ist ja in unzähligen Studien belegt.

        „Das sehen leider nur sehr viele“

        Eben. Unterbewußt wahrscheinlich sogar nahezu alle.

        „Das Innenleben hat nichts mit dem Geschlecht zu tun (wird aber gerne so hingestellt, ich weiß)“

        Klar hat das innenleben auch etwas mit dem Geschlecht bzw eher mit Hormonen zu tun. Sieht man an Fällen wie David Reimer und Co. Oder an Transsexuellen.
        Wenn sich jemand Geschlechtsuntypisch verhält, dann wirkt die Figur oft unstimmig, es sei denn man thematisiert das gerade.

        „Dabei ist es mir egal, ob dieser Charakter Weiblein oder Männlein ist. Denn ich behaupte jetzt ganz dreist, auch Männer haben Gefühle. Und die will ich ebenfalls in einem Roman lesen.“

        Natürlich haben alle Menschen Gefühle. Aber du willst doch wohl nicht leugnen, dass Männer und Frauen im Schnitt anders sind? Unterschiede in der Persönlichkeit im Schnitt sind sehr sehr groß, sieht man zB in dieser Studie
        https://allesevolution.wordpress.com/2012/10/09/messungen-weltweiter-geschlechtsunterschiede-in-der-personlichkeit/

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      • Frau Schreibseele schreibt:

        Hallo Christina,

        da werden wir nicht zusammenkommen. Denn ich sehe das alles ein wenig anders. Denn ich bin der Meinung, dass ein Film, eine Serie oder auch ein Buch das Unterbewusstsein zumindest marginal beeinflussen. So haben viele Berichte erklärt, dass junge Mädchen und Frauen, nachdem sie intensiv Twilight gelesen haben, ein falsches Bild von der Liebe entwickelt haben. Weiterhin scheint 50 SOG ebenfalls einen Einfluss auf die Literatur zu haben, da immer mehr und mehr dahin gehen, dass Frauen immer dämmlicher werden.

        Weiterhin ist die Frage, WAS ist gutes Aussehen. Es gab Zeiten in Europa, da galten mollige bis dicke Frauen als schön. In Afrika ist das teilweise noch heute so. In Japan sind große Frauen nicht gern gesehen (etwas, was ich über Sailor Moon gelernt habe) und so weiter. Jede Gesellschaft, jedes Land, jede Zeit hat ihr Schönheitsideal. Was ist also bitte schön Schön? Zudem finde ich Menschen, die dem aktuellen Schönheitsideal entsprechen gelinde gesagt, total langweilig. Dagegen finde ich Menschen, die eher als unattraktiv gelten, durchaus sexy (eine zeitlang fand ich Hugo Weaving anziehend und seien wir mal ehrlich, dem gängigen Schönheitsideal entspricht er nicht, oder auch Benedict Cumberbatch, Tom Hiddleston und so weiter).

        Daher halte ich es für sehr fragwürdig Schönheit als Sexualantrieb zu betrachten. Denn wäre das so, würden keine „hässlischen“ Menschen jemanden für sich finden. Und ich kenne da einige Beispiele von Frauen und auch Männern, die eben nicht als attraktiv gelten würden und doch ihr Glück gefunden haben. Sowie die kulturellen Unterschiede.

        Zudem gab es mal eine, scheinbar scheinbar zu wenig beachtete Studie, damals als der Hype um die Buchreihe „Frauen kommen von der Venus, Männer vom Mars“, dass Frauen als auch Männer untereinander wohl sogar unterschiedlicher sein sollen, als Frauen zu Männer oder Männer zu Frauen. Natürlich gibt es Unterschiede. Aber sollten wir uns nicht auch auf das konzentrieren, dass uns einigt?
        Zudem, was ist genau Geschlechtertypisch? Ich kenne Frauen, die sind zickig drauf. Und ich kenne Männer, die sind reine Zicken. Dann kenne ich Frauen, die können mit der Bohrmaschine umgehen und Männer nicht. Das hat alles nichts mit dem Innenleben zu tun. Und ich bin der Meinung, dass man durchaus die Gefühle eines Mannes genauso beschreiben darf, wie die einer Frau.
        Vielleicht anders, aber man darf das.

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      • Oh, Schönheit ist weniger Unterschiedlich als man denkt und folgt auch einem recht gleichen Trend.

        Du sprichst eher Details an.

        Zu „Schlank als Schönheitsideal weltweit“ empfehle ich ich diese Studie: https://allesevolution.wordpress.com/2015/09/07/hueft-taillen-verhaeltnis-und-schlankheit-als-weltweite-schoenheitsideale/

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      • Frau Schreibseele schreibt:

        Vielleicht kommt es auch auf die persönliche Ansicht an. Aber danke für den Link.

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  3. Ryek Darkener schreibt:

    Testergebnis:

    1. Es spielen mindestens zwei Frauen eine wichtige Rolle.
    Ja.
    2. Davon darf gerne eine der Frauen eine Hauptrolle innehaben, die andere eine Nebenrolle.
    Es gibt weitere weibliche Nebenrollen.
    3. Mindestens die Hauptrolle hat eine eigene Charaktergeschichte.
    Ja.
    4. Beide Frauen reden miteinander.
    Ja.
    5. Ihre Gesprächsthemen drehen sich nicht um Männer.
    Ja. Also nein. 😉
    6. Die Charaktergeschichte des Mannes (des Helden) sorgt dafür, dass er nicht die weibliche Hauptfigur unterstützt oder rettet.
    Ja. Also nein. Jein. Die Frage ist ambivalent. In der Geschichte ist nicht der Mann der Held, aber er unterstützt durchaus die weibliche Hauptfigur(en) (die Heldin(en)). Der Antagonist ist männlich.

    Bin ich wirklich der einzige Mann, der Geschichten schreibt, in denen überwiegend Frauen den Helden-Part übernehmen? Mit allen Konsequenzen, die das mit sich bringt? 😉

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    • Frau Schreibseele schreibt:

      Hallo Ryek,

      in einigen Genres scheinen Frauen in der Tat sehr unterrepräsentiert zu sein. Besonders würde ich da wohl Science-Fiction und Fantasy nennen. In Krimis haben sie eher eine längere Tradition, was ihre starke Rolle betrifft. Und jeder Autor und jede Autorin, die sich um starke Frauenrollen bemühen, sind gerne gesehen ❤

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