Wir basteln uns eine sexy Heldin oder einen sexy Helden

Hei, hallo und herzlich willkommen,

egal ob Du einen Liebesroman schreibst, einen Krimi, eine Fantasygeschichte oder was auch immer, eine Heldin oder Helden kann da gerne eine (entscheidende) Rolle spielen. Da viele LeserInnen bemängeln, dass sie sich kein Bild von den Charakteren machen können, machen wir sie uns heute.

Kurze Vorgedanken

Okay, eines vorneweg, die Überschrift sollte Dich in erster Linie einfangen, weiter den Beitrag zu lesen. Denn ich bin der Meinung, dass „sexy“ reine Auslegungssache ist (auch wenn Studien das Gegenteil beweisen – wollen).

Das Aussehen kann durchaus auch vom Genre abhängig sein. So werden bei einem Liebesroman ganz andere Ansprüche gestellt, als an einem Krimi. Oder die Heldin bzw. der Held sieht in einem Fantasyroman anders aus, als in einer Science-Fiction-Geschichte.

Daher gehen wir einen Schritt nach dem anderen vor.

Eine Beschreibungscheckliste

In den meisten Fällen sehen wir zuerst einen Menschen, bevor wir mit diesem direkten Kontakt haben. Und da nicht jeder Roman damit beginnt, dass sich die Charaktere im Internet kennenlernen (und das auf Dauer auch langweilig wäre, wenn das so geschrieben werden würde), ist es in meinen Augen durchaus wichtig, das Äußere der Charaktere zu kennen.

Es gibt eine Übersicht an Punkten, die Du nach und nach abarbeiten kannst, wenn Du es sehr detailliert liebst. Dazu gehören folgende fünf Unterpunkte:

  1. Das äußere Erscheinungsbild,
  2. die soziale Situation,
  3. die Eigenschaften,
  4. Verhaltensweisen
    und
  5. Handlungen.

Dann gehen wir mal auf den ersten Fragekatalog ein und ich führe alle Punkte auf, die mir einfallen, die man dazu fragen kann.

Das Äußere

Was willst Du über das Äußere Deiner Figur alles mitteilen?

  1. Das Geschlecht (neben weiblich und männlich kannst Du auch an Transgender denken oder zwischenzeitlich gibt es auch die Möglichkeit gar kein Geschlecht im Pass eintragen zu lassen, Zwitterwesen, und wenn Du über ein Fantasyvolk bzw. Aliens schreibst, dann kannst Du noch kreativer sein)
  2. Alter (eventuell weitere Daten wie Geburtstag, Sternzeichen, etc.),
  3. Körperbau (hier geht es um die Fakten, wie der Körper Deiner Figur gebaut ist)
  4. Aussehen (hier darfst Du Dich ein wenig in Details verlieren, also Besonderheiten wie Tätowierungen, Narben und all diese Dinge)
  5. Gesicht (da wir meistens den Menschen ins Gesicht schauen, ist es durchaus besonders wichtig, wenn Du hier ein wenig detaillierter bist, es geht nicht nur darum zu sagen, sie/er hat blaue Augen und grüne Haare, sondern wie sieht das Kinn aus, die Wangenknochen, die Ohren und all diese Dinge)
  6. Figur (hier darfst Du subjektiv Deine Figur beschreiben, muskulös, mollig und so weiter)
  7. Kleidung (Kleider machen Leute, beschreibe daher genau, wie Deine Figur aussieht, was sie gerne trägt, was sie nicht gerne trägt und all diese Dinge, zur Kleidung zählen auch Schuhe, für mich zudem Schmuck und andere Accessoires wie auch Rucksäcke, Handtaschen und so weiter).

Das ist eine der Gründe, warum ich gerne mit Bildern arbeite, sie erleichtern mir persönlich die Arbeit. Du kannst auch detaillierte Bilder suchen. Zum Beispiel, wenn Deine Figur tätowiert ist, kannst Du ein Bild suchen, welches für Dich als Vorlage dient.

Für die Kleidung kannst Du ein Ankleidezimmer kreieren. Schneide aus Katalogen oder sammele in Onlineshops Beispielkleidung für Deine Figuren. Und wenn Du magst, kannst Du für jede Szene die entsprechende Kleidung zusammenstellen, damit Du zumindest vor Deinem geistigen Auge siehst, in welcher Kleidung Deine Figuren laufen. Beschreiben musst Du sie nicht immer bis ins letzte Detail.

Es mag eine unnötige Spielerei sein und ist sie vielleicht auch. Aber ich selbst mal solche spielerein (und mache sie nicht immer, nicht das wir uns hier falsch verstehen) und nutze sie daher auch gerne mal.

Das Soziale

Was willst Du uns über die soziale Situation Deiner Figur sagen? Da gibt es einiges. Denn wenn Deine Figur aus der unteren Schicht kommt, dann erzählt sie eine andere Geschichte, als wenn sie das Kind von MillionärInnen ist. Aber auch die Erziehung sagt einiges aus. Wenn jemand andauernd zu Bestleistungen getriezt wird, sieht die Welt anders, als wenn man in einer Familie groß wird, die einen mit Liebe geführt hat.

Du musst nichts über die Familie oder die Herkunft Deiner Figur sagen, solltest aber schon wissen, woher sie/er kommt. Dadurch bestimmt sich auch das Verhalten der Figur. Überlege Dir also genau, woher Deine Figur kommt und was es über den Charakter aussagt bzw. aussagen könnte.

Hier sind die wichtigsten Punkte:

  1. Beruf (gerne auch die vergangenen Berufe, Ausbildung, Studium und auch der Berufswunsch, und wenn es nicht geklappt hat, warum nicht, und wenn doch, wie die Figur zum Beruf steht, ist sie/er glücklich oder hat sie/er sich etwas anderes darunter vorgestellt?),
  2. gesellschaftliche Stellung (wenn Deine Figur auf dem Bau arbeitet, sieht sie/er die Welt anders als jemand in der obersten Führungsetage, dementsprechend ist auch der Einfluss, welche die beiden auf die Welt haben oder zumindest meinen zu haben),
  3. soziale Beziehungen (dazu zähle ich die Ursprungsfamilie, die gegenwärtige Familie (sofern vorhanden), Freundschaften, KollegInnen, Ex-KollegInnen, Beziehungen, Ex-Beziehungen, Vorgesetzte, Untergebene, Feindschaften und so weiter und so fort …).

Das Verhalten

Zu den äußeren Verhaltensweisen zählt alles, was man sieht und beschreiben kann. Wenn jemand andauernd Hand-Kung-Fu betreibt, während sie/er redet, dann ist das durchaus auffällig. Genauso wie jemand, der/die andauernd die Arme verschränkt. Mit solchen Verhaltensweisen kannst Du mehr über eine Figur sagen, als wenn Du versuchst, diese Dinge zu beschreiben. Denn es gibt Körpercodes, die fast überall auf der Welt gelten (mit regionalen Unterschieden). Verschränkt jemand die Arme vor dem Körper, gilt dies als reserviertes Verhalten, komm mir nicht zu nahe, bleib weg.

Das erleichtert Dir nicht nur die Arbeit, sondern setzt das berühmt berüchtigte „Show, don’t tell“ um.

  1. Eigenarten (was macht also Deine Figur besonders, eben eigenartig aber auch einzigartig),
  2. Gewohnheiten (wie läuft der Tag ab, was macht Dein Charakter immer wieder),
  3. Verhaltens- und Handlungsweisen (was tut Deine Figur in besonderen Situationen),
  4. Sprache und Sprechweise (ist die Sprache eher einfach gehalten oder benutzt Deine Figur gerne Fachwörter und so weiter und so fort).

Das Seelische

Das psychische Verhalten ist nicht so offensichtlich wie eben das physische Verhalten. Wie können nicht sehen, dass jemand Angst, sondern nur eine Reaktion, wenn die Person diese auch zeigt. Wenn jemand beim Anblick einer Tarantel hysterisch herumbrüllt und in den Wald rennt, ist es sehr eindeutig, dass die Person wohl vor der Spinne Angst haben dürfte. Zeigt sie aber, auf dem ersten Blick, keine Reaktion, können wir nur noch mutmaßen. Dann müssen wir genauer hinsehen und genauer beschreiben.

  1. Interessen (wofür interessiert sie sich, Sport, Musik, Bücher, Filme und so weiter),
  2. Gefühle (natürlich die der Figur zu bestimmten Themen, wobei Du Dich ruhig auf die Themen zu Deiner Geschichte konzentrieren kannst und nicht zu abstrakten Themen, die mit Deinem Roman nichts zu tun haben, ansonsten wird es schlicht zu viel),
  3. Denkweisen (wie denkt Deine Figur zu bestimmten Dingen),
  4. Einstellungen (politische, religiöse und so weiter),
  5. Problemorientierungen (wie löst Deine Figur Probleme, wenn sie diese löst, logisch mit dem Verstand, mit dem Bauchgefühl oder eher emotional).

Die Ergänzung

Hier sind noch einige Fragen, die Du zu Deinen Figuren stellen kannst, wenn Du Deinen Roman schreibst. Diese Fragen sind als Hinweise gedacht, wie Du etwas über Deine wichtigen Figuren mitteilen willst, weniger, was Du über sie herausfinden möchtest.

Fragenkatalog:

    1. Wie geht Deine Figur mit den anderen Personen im Roman um (immer aus der Sicht der aktuellen Figur bitte beschreiben) – gegebenenfalls kannst Du Dir auch hier überlegen, wie die entsprechenden Figuren darauf reagieren?
    2. Welche Angaben möchtest Du zum Beruf Deiner Figur machen (eventuell auch zu den vergangenen Berufen) und zu den Finanzen?
    3. Inwiefern sind das äußere und das psychische Verhalten Deiner Figur durch die Gesellschaft und durch die Persönlichkeit bedingt?
    4. Was möchtest Du über die Biografie Deiner Figur mitteilen, in welchem Rahmen und warum gerade diese Details (also was sollen diese mir als Leserin mitteilen?)?
    5. Welche Informationen zu Vorlieben und Abneigungen möchtest Du mitteilen und warum gerade diese, welche Auswirkungen haben sie für die Geschichte (sind sie also wirklich notwendig – wobei die Notwendigkeit sich auch daraus erschließen kann, die Figur besser zu beschreiben)?
    6. Was möchtest Du und über die Lebensbedingungen der Figur mitteilen?
    7. Was zeigst Du uns über die Verhaltensweisen? Was sagt die Figur in welcher Situation? Sind die Aussagen eventuell doppeldeutig (durchaus wichtig bei Krimis oder Figuren die etwas zu verbergen haben)? Wie verhält sie sich in bestimmten Situationen?
    8. Wie und was zeigst Du uns über die Einstellung Deiner Figur (zu Problemen, Fragen, Politik, Frauen, etc.) und warum könnte das wichtig sein
    9. Welche charakterliche Eigenschaften willst Du hervorheben und warum gerade diese? Zeigen sich die anderen auch oder warum ist das keine gute Idee?

 

Ein paar Schreibübungen

Eine Übersicht ausfüllen

Du kannst zu folgenden Punkten Notizen machen:

  • Größe
  • Haarfarbe / Haarlänge / Haarstruktur (sind sie gesund oder haben sie Spliss, sind sie gewellt oder glatt)
  • Augenfarbe, Augenformen
  • Gesicht (Lippen, Kinn, Wangen, Ohren, etc)
  • Größe
  • Statur (dick, dünn, muskulös, klein geraten, etc.)
  • geschlechtsspezifische Details (hat die Dame größe oder kleine Brüste, wie ist das Gesäß, wie gut bestückt ist der Mann – auch wenn es keine EroRom werden soll, solltest Du auch solche Details wissen, gerade wenn die Hose doch mal ausbeulen sollte oder die Oberweite der Dame eine Rolle spielen könnte, weil sie ein zu enges Hemd angezogen hat)
  • besondere Details wie Narben, Tatoos, Sommersprossen etc.
  • Hände und Füße (sind sie besonders geformt, besonders normal, was auch immer)

Wenn Du mit diesen Details fertig bist, dann kannst Du Dich um die Gaderobe und den Schmuck kümmern:

  • Kleidung
  • Schuhe
  • Schmuck (Ringe, Armbänder, Ketten, Ohrringe, Uhr/en)
  • Schminke (gilt zwischenzeitlich auch für Männer 🙂 )
  • Haarstyling
  • Zubehör (z.B. Taschen)

Dein Charakter im Aussehen

Nimm Dir ein Blatt Papier (gerne aus Deinem Schreibblock) oder eine Seite aus Deinem Schreibprogramm und überlege Dir, wie Deine Figur aussieht.

Stell Dir vor, sie oder er steht vor Dir und Du darfst Dich um sie herumlaufen und jedes noch so kleine Detail an Kleidung, Haaren, von mir aus Bart und so weiter betrachten. Auch wenn es Deiner Figur nicht gefallen würde, so auseinandergenommen zu werden, hier ist es legitim.

Und dann nutze die Seite und schreib einen Bericht darüber, wie Deine Figur aussieht. Ganz objektiv und so genau wie nur möglich. Aber bleib auf der einen Seite.

Warum?

Du sollst Dich letztendlich auf das Wesentliche konzentrieren. Jeder noch so kleine Kaffeefleck muss jetzt nicht in der Beschreibung auftauchen, weil man das gegebenenfalls waschen kann. Es geht hier um Merkmale, welche Deine Figur durch die ganze Geschichte trägt.

Ja, ich weiß, Haare können geschnitten werden oder wachsen und das gilt auch für Bärte. Und Tätowierungen sind in einigen Stunden gestochen. Aber ich denke, Du weißt, worauf ich hinaus will.

Also beschreib als Erstes Deine Figur aus DEINER Perspektive. Wie Du sie also siehst. Dann nutze die Perspektive von ein oder zwei Figuren aus Deinem Roman. Wie sieht der Held oder die Heldin (sofern Du nicht gerade diese Person beschreibst) die Figur. Achte dabei aber darauf, dass Du die Beschreibung so gestaltet, wie der Charakter sie / ihn wirklich sehen würde.

Wenn Du es also mit einer eher oberflächlichen Figur zu tun hast, dann wird diese Deinen aktuellen Charakter nicht so tiefgründig beschreiben. Das ist ein Fakt.

Und dann nimmst Du noch die / den AntagonistIn und beschreibst Deine Figur aus deren Sicht. Natürlich ebenfalls so, wie Du sie konzipiert hast und diese die Menschen sieht.

Diese Sachen solltest Du auf keinen Fall wegschmeißen. Denn es ist nicht nur gut zu wissen, worauf die jeweiligen Figuren achten, wenn sie zum ersten Mal auf die anderen Charaktere treffen. Sondern Du könntest durchaus (vermutlich in einer eher geschnittenen Version) diese Beschreibung auch in Deinem Roman schreiben.

Wichtiger Hinweis: Nutze diese Technik für alle Deine Figuren. Damit kennst Du auch Deine Nebencharaktere, auch wenn Du sie nicht so detailliert aufführen wirst. Es geht hier um das Hintergrundkennen, weniger um die Verwendung in Deinem Text am Ende.

Dein Charakter in Bewegung

Nun schicke Deine Figur aufs Parkett (das darfst Du auch gerne wörtlich nehmen). Damit meine ich, wie benimmt sich Deine Figur in Aktion.

Als Beispiel: Wenn Du eine adlige Person hast, dann lass sie auf eine Festlichkeit gehen, wo Du sie beobachten kannst. Wie läuft sie, bewegt sie sich, redet sie und so weiter. Alles, was Dir auffällt. Benutze Metaphern, beschreibe genau bis ins letzte Detail.

Auch hier gilt, nur in diesem Text darfst Du bis zum Abwinken alles aufschreiben. Ob Du es am Ende in Deinem fertigen Text machst, das ist etwas anderes. Da kannst Du es dann gerne kürzen.

Hierbei geht es um einen Text, der sich in Bewegung befindet. Denn Deine Figur bewegt sich. Also folg ihr und sie zu, was am Ende dabei herauskommt.

Und ich schlage vor, maximal drei bis vier Seiten und dann sollte auch Schluss sein.

Auch hier kannst Du wieder einen Deiner anderen Charaktere in die Übung mit einfließen lassen. Wenn Du gerade einen Liebesroman schreibst und Deine Heldin beschreibst, wie sieht Dein Held sie. Was beobachtet er, was Dein Bösewicht nicht sieht. Und was sieht Dein Bösewicht, was Dein Held vielleicht sogar ignoriert?

Hier geht ebenfalls, alles aufschreiben, gerne auch überarbeiten und nicht die Texte wegwerfen. Vielleicht inspirieren sie Dich zu einer besonders schönen Szene oder Du kannst sie direkt in Deinem Roman verwenden.

Unterschiedliche Charaktertypen

Es kommt natürlich auch auf Deinen persönlichen Geschmack an, was für Charaktere Du letztendlich erschaffst. So kann es sein, dass Du auf Männer mit Brustbehaarung stehst oder auf Frauen mit großen Brüsten.

Gerne darfst Du auch Deine persönlichen Präferenzen in der einen oder anderen Geschichte ausleben. Immerhin schreibst Du sie ja. Aber ich würde Dir empfehlen, auch andere Geschmäcker zu bedienen. Gerade dann, wenn Du Liebesromane schreibst. Da sollte für jede Leserin etwas dabei sein.

Abschlussgedanken

Gut, der Sex-Appeal ist ein wenig schwächer ausgefallen, als selbst gedacht. Aber um einen sexy Charakter zu erschaffen, benötigt es überhaupt eine gute Grundlage. Daher gönn der Arbeit an Deinen Charakteren ein paar Minuten und länger. Und der Rest erledigt sich sicherlich von selbst.

Bearbeite die Aufgaben im Text

Im Text hab ich einige Aufgaben gestellt, die sind für Dich zum Bearbeiten. Dabei wünsch ich Dir viel Spaß.
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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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Eine Antwort zu Wir basteln uns eine sexy Heldin oder einen sexy Helden

  1. Wortflow - freie Lektorin schreibt:

    Hat dies auf Lektorat und pre-made Buchcover-Design rebloggt und kommentierte:
    Lesenswerter Blogartikel über die Kreation von interessanten Charakteren.

    Gefällt mir

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