[Klischee] Die glorreiche Vergangenheit

Hei, hallo und herzlich willkommen,

früher war alles besser. Diese geflügelten Worte hört man regelmäßig, wenn man über die Gegenwart schimpft, weil alles gerade auseinanderzubrechen droht. Als Antwort kommt gelegentlich dann schon einmal, früher hatten wir einen Kaiser. Damit ist Kaiser Wilhelm II, den man nachsagt, dass er den Zweiten Weltkrieg ausgelöst hat.

Kurze Vorgedanken

Was bei uns Menschen geht, klappt natürlich auch in Fantasy oder auch in Science-Fiction Geschichten. Eben die Tatsache, dass früher alles besser war. Früher gab es ein Volk mit unglaublich hoher Technologie. Oder es hatte Innovationen eingeführt, die schon fast an Magie grenzt.

Doch dann ist dieses Volk entschwunden und mit ihnen ist die Technologie und was auch immer sie erfunden haben, nicht mehr nutzbar. Man hat nur noch Relikte davon und weiß teilweise nichts mehr damit anzufangen. Oder man kann diese Dinge nutzen, aber man kann sie nicht neu herstellen.

Warum das ein Problem sein könnte, weil es klischeehaft ist, darüber möchte ich heute mit Dir reden.

Die Klischeevölker – Eine Erklärung

„Der Herr der Ringe“ hat ihn. „Das Rad der Zeit“ ebenfalls. Aber auch „Mad Max“. Und per Zufall hab ich auch gesehen, dass „Game of Thrones“ ebenfalls einen hat. Ein Volk mit einer glorreichen Vergangenheit.

Schauen wir uns „Das Rad der Zeit“ mit einem Beispiel genauer an (da ich die Serie am besten kenne). Dort gibt es das sogenannte „Zeitalter der Legenden“. In diesem Zeitalter konnten die Aes Sedai Dinge, die nahezu unmöglich zu sein schienen. Denn sie waren nicht nur in der Lage Frieden zu schaffen, sondern sogar den Tod zu heilen, solange noch ein Funken Leben in dem Körper existierte.

Eintausend Jahre später wissen die Aes Sedai nicht mehr, wie das alles umgesetzt werden konnte. Es gibt noch Relikte aus dieser Zeit, die sie anwenden können. Aber eine Reproduktion ist nicht mehr möglich. Das Wissen ist scheinbar auf ewig in der Zeit verloren gegangen.

Meistens ist ein globaler Krieg oder ähnliche Katastrophe dafür schuld, dass solche wunderbare Gesellschaftsformen untergegangen sind. Und mit ihnen ihr ganzes Wissen. Daher wirken ihre Erfindungen wie Magie auf die spätere Generation (selbst in einer Science-Fiction Geschichte).

Man kann sagen, dass in Fantasygeschichten die Magie früher mächtiger, tolle, größer und besser war. Und in Science-Fiction Geschichten gab es Elektrizität, medizinische Ausrüstung, bessere Fahrzeuge, Technologien um zu den Sternen zu reißen und so weiter und noch viel mehr.

Warum wird das verwendet?

Es muss ja einen höheren Sinn haben, warum sich nicht nur ein Autor bzw. eine Autorin dieser Idee bedient, sondern Dutzende und mehr. Schon Tolkien hat sich dieser Idee bedient mit den Elben und ihrer großen Vergangenheit.

Und genau hier könnte auch gleichzeitig das Problem liegen. Tolkien hat es geschrieben, also schreiben das viele auch. Gerade die, welche sich als legitime ErbInnen von ihm sehen (oder als solche bezeichnet werden). Und wenn Tolkien darüber geschrieben hat, dann kann es natürlich nicht schlecht sein.

Das kann durchaus auch für Science-Fiction Geschichten gelten, auch wenn hier die AutorInnen nicht als ErbInnen von Tolkien bezeichnet werden. Aber er gilt in vielen Bereichen durchaus als literarisches Vorbild. Und aus diesem Grund werden seine Ideen in vielerlei Hinsicht gerne genutzt.

Der praktische Hintergrund

Aber auch wenn sich viele aller Wahrscheinlichkeit bei Tolkien bedient haben mögen, so gibt es doch durchaus einen praktischen Hintergrund dafür. Denn wir kann man eine Welt besser darstellen, als den großen Unterschied zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart?

Gerade wenn Du eine dystopische Geschichte schreibst, ist das sehr praktisch. Denn wir kennen unseren eigenen Stand der Technik und wissen, was Strom ist, teilweise auch, wie eine Glühbirne funktioniert oder eine Mikrowelle bedient. Sehen wir dann diese Geräte in einem Film oder lesen darüber in einem Buch, können wir uns denken, dass etwas passiert ist, was dieses Wissen verschütt gehen ließ.

Mit solchen Beschreibungen kannst Du nicht problemlos erklären, wo wir uns befinden (in einer zukünftigen Welt), sondern sogar noch eine Charakterisierung einbauen. Und das ganz ohne Probleme. Nur ein paar Geräte einbauen, mit denen Dein Charakter nichts anzufangen weiß und die Reaktionen darauf beschreiben und Du hast schon die erste Miete gezahlt.

In Fantasygeschichten hingegen kannst Du diesen Unterschied nutzen, um zu zeigen, was alles verloren gegangen ist. Damit kann man durchaus auch zeigen, mit welchen Widrigkeiten Deine HeldInnen da eigentlich zu kämpfen haben. Und das sie trotzdem gewinnen können.

Immerhin ist meistens ihre Magie eingeschränkter oder ihr Wissen um das, was sie da eigentlich tun. Daher scheint es durchaus manchmal ungewöhnlich, dass sie trotzdem den nächsten Tag überleben, geschweige den Sieg davon tragen.

Warum ist das überhaupt ein Klischee?

Nicht alles, was man in Geschichten immer wieder verwendet, muss automatisch ein Klischee sein. Aber es kann sehr schnell zu einem werden. Schauen wir uns dieses Beispiel ein wenig genauer an.

Aus einer Idee wird dann immer ein Klischee, wenn sie andauernd in den verschiedensten Varianten benutzt wird, aber Menschen sehr wahrscheinlich so nicht reagieren würden. Zudem können wir fast hellseherisch voraussagen, wie die Geschichte ausgeht, wenn ein bestimmtes Klischee verwendet wird.

Wissen geht nicht so schnell verloren, wie man glauben mag oder uns weismachen will. Auch wenn Völker in der Vergangenheit isoliert waren (und es gibt durchaus historische Beispiele auf der ganzen Welt und durch die komplette Geschichte hindurch), so haben sie sich weiterentwickelt. Viele durchaus im Einklang mit der Natur, andere nicht.

Natürlich gibt es durchaus Beispiele von verlorenem Wissen. Denn noch heute Rätseln ArchäologInnen, wie die Pyramiden gebaut wurden. Doch es sind eher vereinzelte Dinge, die auf Dauer verloren gegangen sind. Wobei wir gerade dabei sind, dem Wissen auf die Spur zu kommen (es gibt Beiträge, welche den Bau der Pyramiden erklären und andere, dass man kurz davor ist, dieses Geheimnis zu entschlüsseln).

Aber das sind eher Einzelfälle. Noch heute wissen wir, wie die ersten Bogen erstellt wurden, und haben es weiter entwickelt. Zudem kamen immer wieder neue Erfindungen dazu. Und damit auch Wissen. Und das alles wurde detailgetreu aufgeschrieben, damit die nachfolgenden Generationen davon profitieren können. Ja, auch hier ist einiges verloren gegangen. Aber eben nicht alles.

Menschen mögen Einzelheiten vergessen, aber nicht das große Ganze. Und wenn, dann werden sie Mittel und Wege finden, um an dieses Wissen wieder ranzukommen. Oder sie gehen weiter und suchen neue Wege, um wieder auf den alten Stand der Dinge zu kommen, den sie vor der Katastrophe hatten.

Das gilt aber auch für die Magie. In Fantasygeschichten werden Hexen und Zauberer als Menschen (oder zu welcher Rasse sie auch immer gehören) bezeichnet, die alles aufschreiben, um ja nichts zu vergessen. Und zudem wird dieses Wissen auch geschützt in irgendwelchen Katakomben gepackt, damit die Bücher nicht beschädigt oder gar zerstört werden. Und dann ist auf einmal alles weg?

Nehmen wir also an, das Wissen wurde allesamt gesammelt und in einem „Elfenbeinturm“ gepackt. Dann kann das durchaus vernichtet werden. Klar, eine schöne magische Explosion und dann ist alles verbrannt. Aber meistens müssen die Hexen und Zauberer vieles davon lernen, um es anwenden zu können. Ich kann mir schwerlich vorstellen, dass alle andauernd mit einer riesigen Bibliothek durch die Welt ziehen, um ihre Magie zu wirken.

Und wenn dieser „Elfenbeinturm“ vernichtet wurde, natürlich wird ein Teil des Wissens verloren sein. Denn sehr wahrscheinlich werden auch viele der Menschen sterben, welche dieses Wissen angesammelt oder erfunden haben. Doch nicht alle. Wie sonst sollten die kommenden Generationen gelehrt und unterwiesen werden?

Das ist ein positiver Aspekt an Star Wars. So gut wie alle Jedis wurden ermordet, bis auf wenige Ausnahmen. Obi-Wan Kenobi ist einer der Jedis, der überlebte und am Ende die nächste Generation unterweisen konnte, damit das alte Wissen nicht ausstirbt (er und Meister Yoda).

Häufig können wir aber sagen, wie die Geschichten dann letztendlich enden werden. Jemand hat Zugang zu diesem alten Wissen. Dabei ist es egal, ob es die Technologie oder die Magie ist. Sie oder er weiß, wie man damit umgeht, und kann es gegen die Gruppe der HeldInnen verwenden. Und unsere Heldin oder unser Held muss sich dem entgegenstellen, um die Welt und den Tag zu retten. Dabei hat sie oder er immer noch keine Ahnung, was für Auswirkungen die verlorene Technologie/Magie hat, kann aber dagegen angehen. Und danach ist das Wissen immer noch verloren.

Natürlich ist es durchaus interessant, über das verlorene Wissen zu schreiben. Aber es wirkt auf Dauer doch eher unglaubwürdig. Gut, von mir aus, lassen wir es einhundert oder zweihundert Jahre so laufen. Doch irgendwann muss man doch darauf kommen, dass da früher mal was war. Gerade dann, wenn man von dem alten Wissen umgeben ist. Dann muss man doch darauf kommen, dass da etwas verloren ist. Nun kommt es darauf an, sich dieses alte Wissen wieder anzueignen.

Es mag sein, dass es lange dauert, bis das alte Wissen entschlüsselt wurde, aber auf Dauer bleibt kein Geheimnis verborgen. Denn nicht nur das Leben findet einen Weg, das Wissen ebenfalls.

Lass es uns anders schreiben

Gut gehen wir mal davon aus, dass die Technologie verloren ist, erst einmal. Man wird es doch vermissen? Gerade dann, wenn man noch davon umgeben ist. Daher wird man sich aufmachen und versuchen, das alte Wissen wieder hervorzuholen.

Genauso, wie es heute in der Archäologie passiert. Warum wollen wir wissen, wie die Pyramiden aufgebaut sind? Will heutzutage jemand sich wirklich hinstellen und eine Neue erbauen? Nein, man will es einfach nur wissen. Man möchte dem Geheimnis schlichtweg auf dem Grund gehen.

In der Geschichte könnte jemand die Ergebnisse des alten Wissens sammeln. Dabei ist es egal, ob es Mikrochips sind oder alte Artefakte. Dein Charakter könnte versuchen selbst herauszufinden, wie man diese Dinge anwendet oder jemanden übergeben, die oder der sich damit auskennen könnte. Natürlich wird dann Dein Charakter in die Geschichte hineingezogen, damit die Welt gerettet wird.

Auf der gegnerischen Seite finden wir dann eine oder mehrere Personen, die jedoch aus eigensüchtigen Gründen versuchen, das alte Wissen zu unterdrücken. Denn nur so können sie ihren Herrschaftsanspruch überhaupt wahren. Würden sie zulassen, dass dieses wieder zum Leben erwacht, wären ihre Tage gezählt.

Aber gehen wir einen Schritt weiter. Vielleicht wurde die Technologie oder die Magie mit Absicht vernichtet? Weil sie zu gefährlich waren? Oder, weil sie die Welt wirklich zerstört haben? Dann könnte eine einzelne Person oder eine Gruppe von Personen entschieden haben, dass alles vernichtet wird, um die Welt zu beschützen.

Dein Volk lebt daher im Einklang mit der Natur, vielleicht in einer Welt des Mittelalters und scheint zufrieden zu sein. Doch Deine Heldin oder Dein Held ist der Meinung, dass das purer Blödsinn, vielleicht sogar Wahnsinn ist. Und aus diesem Grund macht sie oder er sich auf die Suche nach dem alten Wissen und findet diesen.

Sie oder er meinte es nur gut, als sie/er sich auf die Suche machte. Das Endergebnis ist aber genau das Gegenteil.

Abschlussgedanken

Natürlich kannst Du über die verlorenen Reiche und das verlorene Wissen schreiben. Leg los. Doch ich hoffe, dass Du nun selbst kritischer mit Deinem Material umgehst. Vielleicht fällt Dir nun ein, wie Du mit dieser Idee kreativer umgehen kannst.

Klischees bedeuten durchaus, dass wir uns in vertrauten Gefilden befinden. Aber als AutorInnen dürfen wir unsere LeserInnen gerne da herausführen. Solange wir sie sicher wieder nach Hause bringen.

Recherche

Lies Dir bitte entsprechende Bücher oder schau Dir die Serien bzw. Filme zu dem oben genannten Thema durch. Wie geht man dort damit um? Ist es so klischeehaft, wie ich es beschrieben habe? Oder ist es sogar schlimmer? Haben die AutorInnen sich sogar etwas Interessantes einfallen lassen, um das Klischee zu umgehen?

Deine Geschichte

Wenn Du an einer entsprechenden Geschichte schreibst oder schreiben möchtest, wie könntest Du diesen Punkt umgehen, damit daraus kein Klischee wird? Manchmal musst Du nur ein paar Punkte ändern, um die Kurve zu kriegen. Aber da musst Du ein wenig genauer hinschauen.

Dazu lade ich Dich heute ein.

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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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