Wie kann ich eine (gute) Sex-Szene schreiben?

Hei, hallo und herzlich willkommen,

zu einem guten Liebesroman gehört für viele, dass dort auch gute erotische Szenen zu finden sind. Doch viele AutorInnen stehen mit ihren Charakteren vor der Schlafzimmertür und wollen, dass die Figuren reingehen und loslegen. Aber sie wissen nicht wie.

Kurze Vorgedanken

In einem Kommentar bat Andrea mich darum, ob ich nicht darüber bloggen könnte, wie man gute erotische Szenen schreiben könnte. Klar, denn das Thema lag mir durchaus schon länger am Herzen.

Gerade in einer Zeit, in denen es scheinbar gang und gäbe ist, dass sexuelle Nötigung, Vergewaltigung, Stalking und ähnliche Straftatbestände in Romanen vorkommen, als wäre das romantisch. Und an dieser Stelle kann ich Dir schon einmal garantieren, Tipps, wie Du solche Romane schreiben kannst, findest Du hier nicht.

Ansonsten möchte ich Dir erst einmal allgemeine Tipps geben, was Du beachten kannst. Dann Hinweise zur Vorbereitung des Schreibens einer erotischen Szene. Und dann zu guter Letzt noch, was Du beim Schreiben direkt beachten kannst bzw. solltest.

Allgemeine Hinweise zum schreiben von erotischen Szenen

Gute Charaktere

Wie bei jedem guten Roman wäre es auch bei einem erotischen Liebesroman schön, wenn Du mit runden Charakteren schreibst. Was ich damit meine? Dass sie sowohl Stärken, als auch Schwächen haben. Je mehr Du über die Charaktere weißt, desto besser kannst Du den Plot planen und zudem auch besser schreiben.

Und je tiefer Deine Charaktere gehen, desto glaubwürdiger werden sie am Ende sein. Da ich dazu bereits den einen oder anderen Beitrag geschrieben habe, werde ich mich hier nicht weiter dazu auslassen. Am Ende dieses Beitrages findest Du einige Verlinkungen dazu.

Sexuell aktive Charaktere

Jede Geschichte steht und fällt mit den Charakteren. Auch wenn das für viele selbstverständlich scheint, so wird das nicht immer angewandt. Wenn Du zum Beispiel einen Krimi schreiben willst, brauchst Du mindestens einen Charakter, der einen Mord begeht und einen Charakter, welcher dann ermittelt. Ansonsten klappt das mit dem Krimi nicht. Und natürlich gilt das auch für einen erotischen Roman. Hier brauchst Du mindestens zwei Charaktere, die Sex haben wollen (gut, mindestens einen Charakter, der selbst Spaß mit sich hat, aber das wäre dann wohl kein klassischer, erotischer Roman).

Wenn Du also über einen Charakter schreiben möchtest, der asexuell ist und sich zudem vor dem Austausch von Körperflüssigkeiten (beim Küssen und Geschlechtsverkehr zum Beispiel) regelrecht ekelt, dann wird es für Dich schwierig, sie oder ihn ins Bett zu kriegen. Klar, auch solch eine Person kann Sex haben. Sogar ihren Spaß daran finden. Doch das musst Du sehr gut darstellen, wie die Figur ihre persönlichen Ansichten ändert. Wenn Du nur schreibst, die beiden haben nun Sex, wirkt das, gelinde gesagt, nicht überzeugend. Und damit verärgerst Du wohlmöglich einige Deiner LeserInnen.

Das gilt auch für Charaktere, die eigentlich kaum, bis gar keine sexuellen Erfahrungen haben. Inwiefern können gerade solche Figuren zu kleinen SexheldInnen werden? Besonders dann, wenn sie keine Ahnung haben, was sie selbst wollen oder eben auch nicht wollen?

Natürlich kannst Du auch jungfräuliche Charaktere in Deine Geschichte schicken. Das will ich nicht sagen. Aber sie sollten zumindest für eine sexuelle Beziehung offen sein. Denn häufig lese ich Liebesromane mit erotischen Teilen, in denen zumeist die Frau eine Jungfrau ist und gelegentlich noch nicht einmal weiß, wie man Orgasmus buchstabiert.

Versuch daher Charaktere zu erschaffen, die zumindest Interesse an Sex und sexuelle Praktiken haben. Damit gewinnst Du dann überzeugende Figuren, denen man abkauft, dass sie wirklich das, was sie im Schlafzimmer (oder wo auch immer) tun, auch wirklich wollen.

Denn wollen Deine Charaktere wirklich Sex, brauchst Du Dir keine wirklichen Gedanken machen, wie Du sie dazu bringen sollst. Vor zwei Jahren wollte ich gerne einen erotischen Roman schreiben. Am Ende gab es keine einzige Sexszene, weil sich die Charaktere dazu geweigert hatten. Sie waren einfach nicht auf Sex aus. Und dazu zwingen konnte ich sie nicht, weil das nicht ihrem Typ entsprochen hätte.

Bitte keine Vergewaltigungsszenen

Was auch immer gerade los ist, aber aus mir unbekannten, und vor allem, unerklärlichen Gründen sind manche AutorInnen der Meinung, eine Vergewaltigung sei wirklich romantisch.

Daher möchte ich persönlich eines klarstellen: es ist nichts Romantisches dabei einen Charakter (dabei ist es egal, ob diese weiblich oder männlich ist, auch wenn die Betroffenen weitgehend weiblich sind) zu stalken, sie zu bevormunden, ihr Leben zu überwachen, Befehle zu geben, die gegen ihre Persönlichkeit gehen, ihr Freundschaften oder Kontakte zu verbieten, ihr den Job vorzuschreiben, sexuelle Gewalt aufzudrücken oder eben zu vergewaltigen.

Doch genau diese Punkte habe ich in einigen Rezensionen zu Büchern gefunden, die von den Verlagen (und auch von SelfpublisherInnen) Highlight der Saison angepriesen werden. Was bitte schön ist daran hipp, ein Highlight oder Sonstiges?

Dazu möchte ich mich nicht weiter auslassen, da ich dazu mich schon ausführlich geäußert. Aber ich bitte Dich höflichst, schreib keine Vergewaltigungsszenen. Sex schreiben ist schon schwierig genug. Dann die seelischen Reaktionen darauf sind dann ein eigenes Thema.

Mir ist jedoch bewusst, dass für viele Frauen Vergewaltigungsfantasien durchaus wichtig sind. Natürlich sind sich diese Frauen bewusst, dass es eben nur Fantasien sind und niemand das im realen Leben erleben wollen. Aber sie sind da. Und wir können uns gerne darüber unterhalten, woher sie kommen.

Wenn Du dieses Thema also in Deiner Geschichte aufgreifen möchtest, dann ist das in Ordnung. Aber es wäre wirklich schön, wenn Du dann auch wirklich schreibst, dass es eben nur Fantasien sind. Geschieht dies aber in der Realität, wäre es schön, wenn Du Deinen Charakteren erlaubst, dies zu verurteilen.

Wenn Du mit dem Thema differenzierter umgehst, dann ist das in Ordnung. Wenn nicht, dann … ???

Wie schreibe ich nun Erotik – die Vorbereitung?

Es gibt mehrere Schritte, um einen erotischen Roman zu schreiben. Auf diese möchte ich erst an dieser Stelle dann nach und nach eingehen.

Schritt 1: Womit fühlst Du Dich am wohlsten?

Dieser Ratschlag gilt für alle Geschichten, die Du in Deinem Leben jemals schreiben möchtest. Wenn Du Dich beim Schreiben nicht wohlfühlst, dann läuft etwas schief.

Einige haben Probleme damit, wenn sie jemanden in ihrer Geschichte brutal abschlachten wollen oder die Charaktere eben intim werden sollen. Dann können selbst die talentiertesten AutorInnen auf einmal eine Schreibblockade erleben.

Wenn Du Dich also absolut unwohl bei dem Gedanken fühlst, über den Geschlechtsverkehr zu schreiben, dann gibt es nur einen Ratschlag, lass es. Denn auf Dauer werden es Deine LeserInnen merken, wenn Du mit der Erotik Probleme hast, es aber krampfhaft versuchst, eine Sexszene zu schreiben.

Das gilt auch, wenn Du zwar erotische Szenen schreiben kannst, aber Probleme mit bestimmten Untergenres hast. Es mag sein, dass aktuell BDSM seinen Reiz hat. Wenn Du aber nicht darüber schreiben kannst, wie zwei sich den Hintern versohlen, lass es einfach.

Schritt 2: Lass Deine Charaktere über die Intimität entscheiden

Natürlich ist dieser Punkt ein wenig schwer einzuhalten. Denn willst Du in einem Publikationsverlag erscheinen, kann es sein, dass sie in die Anzahl und in die Intensität Deiner erotischen Szenen sich einmischen.

Trotzdem solltest Du Deine Charaktere handeln lassen. Wenn Du sie gut angelegt hast (also auch eine erotische Seite haben), dann ist es sehr wahrscheinlich, dass sie dann miteinander ins Bett gehen. Und diese Energie solltest Du einfach fließen lassen.

Misch Dich nicht ein und entscheide Dich, dass nach so und so vielen Seiten die Charaktere Sex haben sollen. Das wirkt befremdlich (und solche Bücher hab ich durchaus gelesen). Lass sie einfach machen, sie wissen schon, was sie tun.

Schritt 3: Gib Deinen LeserInnen, was Du ihnen versprochen hast

Deine LeserInnen investieren in Dich und Deine Geschichte nicht nur wertvolle Lesezeit, sondern auch Geld. Und einige werden Deinen Roman vielleicht sogar rezensieren. Also verwenden sie noch einmal Zeit auf Deine Geschichte.

LeserInnen wollen eigentlich nur, dass Du das Versprechen, dass Du selbst gegeben hast, auch den kompletten Roman hältst. Damit hast Du es in den Händen, ob sie am Ende zufrieden das Buch zuklappen, oder dabei extrem enttäuscht sind.

Doch was bedeutet das?

Wenn Du einen fröhlichen Liebesroman schreibst, dann kannst Du daraus keine Horrorstory am Ende machen. Es sollte durchgehend ein fröhlicher Liebesroman bleiben. Außer Du hast von Anfang an Spuren gelegt, dass es in diese Richtung geht. Schreibst Du einen Horrorroman, dann sollte es dabei bleiben.

Zwar bin ich durchaus dafür, dass Experimente gewagt werden. Doch wenn Du das machst, sorg dafür, dass Deine LeserInnen damit rechnen können, dass die Geschichte nicht durchgehend in einem Stil bleibt. Dann ist die Enttäuschung am Ende nicht so groß, wenn es passiert.

Was das mit der Erotik zu tun hat?

In sofern hat es etwas damit zu tun, dass Du in dem jeweiligen Genre eine andere Art von Erotik aufwarten kannst und solltest. Schreibst Du einen fröhlichen Liebesroman, wirst Du aller Wahrscheinlichkeit keinen schmutzigen Sex schreiben, weil es einfach nicht dazu passt. Anders sieht es bei einem Hard Boiled Krimi.

Und das wissen auch durchaus Deine Leserinnen. Das bedeutet, dass sie eben damit rechnen, dass in einem fröhlichen Liebesroman es erotisch anders zugeht, als in einem anderen Genre. Bleibst Du konsequent, sind sie durchaus glücklich dabei.

Schritt 4: Realistisch ist immer gut

Wenn Du erotische Szenen schreibst, dann kann das manchmal intensiver sein, als viele andere Szenen. Denn gerade hier kann es häufig passieren, dass man Dir als AutorIn vorwirft, dass Du nicht realistisch genug geschrieben hast.

Recherchiere daher, was theoretisch möglich ist und wie der Sexualakt funktioniert. Dann hast Du schon einmal einen ersten wichtigen Schritt getan. Häufig lese ich erotische Szenen auf Twitter (siehe bei den Linktipps unten), bei denen ich mich frage, wie das biologisch überhaupt gehen soll.

Daher schau bitte genau hin, was Du schreibst und ob das möglich ist. Wenn nicht, ändere es einfach.

Schritt 5: Erschaffe ein gemeinsames Bewusstsein

Häufig schüttelte ich in den erotischen Liebesromanen den Kopf. Dass innerhalb weniger Tage ein Bund für die Ewigkeit geschlossen wird, das akzeptiere ich zwischenzeitlich schon. Doch häufig fehlt einfach die Grundlage dafür.

Man sieht sich an und dann war es auch schon. Sie verlieben sich, landen im Bett und dann vor dem Altar.

Lass sie daher gerne immer wieder zusammenkommen, ein Gefühl füreinander entwickeln, sich öfters berühren, sich ansehen, einander näherkommen. Denn selten ist Dein Paar von Anfang an ein Liebespaar. Daher kannst Du über kleine Gesten zeigen, wie sie immer mehr und mehr zusammenwachsen, sodass sie am Ende auch wirklich zusammengehören.

Wenn sie nicht aneinander vorbeileben, sondern miteinander agieren, wirkt das ewige Liebespaar dann um einiges realistischer.

Schritt 6: Nenne die Dinge ruhig beim Namen

Das beste Stück des Mannes oder der Intimbereich der Frau. Wenn Du diese Worte einem Ratgeber verwendest und dort vielleicht noch entspannt wirken mag, ist in einem erotischen Roman eher fehl am Platz. Denn dort wollen Deine LeserInnen durchaus lesen, wie es zur Sache geht. Und da ist es für viele in Ordnung, wenn die Dinge eben direkt beim Namen genannt werden.

Entscheide Dich daher, welche Worte Du benutzen willst und benutze sie. Scheu Dich nicht, diese Worte auch zu schreiben, egal wie es sich anhören mag. In der richtigen Geschichte sind es auch die richtigen Worte.

Schritt 7: Verwende die richtigen Wörter

In einem Ratgeber habe ich mal gelesen, dass im angloamerikanischen Raum scheinbar für das beste Stück des Mannes unter anderem das Wort „dingadong“ verwendet wird. Ob das stimmt, sei dahin gestellt.

Es kommt immer auf die Geschichte an, welche Worte Du benutzt. Stell Dir mal folgende Szene vor: Ein heißer Mann verführt gerade eine wunderschöne Frau, er zieht sich sein Hemd aus und präsentiert seine wunderbar geformten Muskeln. Er küsst sie immer wieder, um sie heißzumachen. Dann greif er zu seinem Gürtel, um diesen zu öffnen, macht die Hose auf und holt ihn heraus, seinen dingadong.

Spätestens jetzt dürften so einige Deiner LeserInnen unter dem Tisch liegen und lachen. Bei einem Kinderbuch mag das noch gehen, bei einem Erwachsenenbuch eher weniger.

Recherchier daher, welche Worte Du überhaupt verwenden könntest und welche doch eher überholt sind (zum Beispiel Schwert, Prügel, Venusmund). Und dann verwende sie in Deiner Geschichte.

Schritt 8: Bring Dich selbst in Stimmung

Wer eine Kampfszene schreibt, sollte sich in eine kämpferische Stimmung bringen. Wer eine erotische Szene schreiben möchte, darf dies ebenfalls tun. Zumindest habe ich schon öfters die Empfehlung gelesen, dass man das tun sollte, um realistischere Szenen zu schreiben, egal, um was es sich handelt.

Daher gilt auch, wenn Du Dich gerade nicht danach fühlst, eine erotische Szene zu schreiben, dann lass es. Schreib einfach in fetten Buchstaben hin „Insert Sex Scene here – Füge eine Sexszene hier ein“ und schreib weiter, als hätten Deine Charaktere gerade Sex gehabt.

Und wenn Du Dich dann bereit fühlst, kehre zu dieser Szene zurück und leg los.

Schritt 9: Nutze die Geschichte Deiner Charaktere und ihren Erfahrungsschatz

Auch wenn Deine Figuren eine Erfindung aus Deinem Kopf sind, so erschaffst Du für sie einen Hintergrund. Also die Elemente, die vor der ersten Seite Deines Romans geschehen ist. Und dieser Hintergrund hat Einfluss auf die aktuellen Ereignisse.

Aber auch die bisherigen sexuellen Erfahrungen haben Einfluss auf das, was sich die Charaktere wünschen oder eben auch nicht wünschen. Daher solltest Du das alles durchaus in Deine Geschichte einfließen lassen. Und erst recht die sexuellen Erfahrungen oder zumindest die sexuellen Wünsche.

Schritt 10: Eine gute Sexszene ist kein guter Sex

Meistens schreiben AutorInnen darüber, dass die beiden Charaktere nur guten Sex haben. Dabei kommt es jedoch nicht darauf an, dass Deine Charaktere wirklichen guten Sex haben. Das macht eine gute Sexszene nicht aus.

Selbst wenn der Sex selbst für Deine Charaktere in die Hose geht, beschreibe die Szene gut und realistisch, dann ist sie an sich perfekt.

Schritt 11: Weniger ist oft mehr

Es kommt nicht darauf an, möglichst viele Sexszenen unterzubringen, wie das Buch hergibt. Auch nicht darum, zehn, zwölf oder mehr Seiten zu füllen. Auch wenn Du nur eine einzige Sexszene in Deinem Roman schreibst und sie nur eine halbe Seite lang ist, kann sie mehr bringen, als alles andere.

Denn es kommt darauf an, dass Du mit der Sexszene etwas vermittelst. Auch sie soll letztendlich die Geschichte voranbringen und nicht unnötig aufhalten. Daher gib für jede Szene alles, was Dein aktuelles Schreibtalent hergibt, um daraus die beste Szene zu machen, zu der Du aktuell in der Lage bist.

Und das Gleiche machst Du dann bei der nächsten Szene. Aber achte darauf, dass die Szenen perfekt passen und nicht einfach als Lückenfüller dienen.

Schritt 12: Guter Sex rettet keine schlechte Geschichte

Häufig denken AutorInnen, dass sie ihre schlechte Geschichte damit retten, dass sie ihre Charaktere einige Male in die Kiste schicken (oder wohin auch immer). Doch wenn Deine Geschichte schlecht ist oder sie keine gute Grundlage hat, schwache Charaktere oder was auch immer, kann kein Sex der Welt dies retten.

Ganz im Gegenteil, es kann dann sogar noch einmal ordentlich in die Hose gehen, wenn Du zu einer schlechten Geschichte noch einmal versuchst, Erotik einzubauen. So im Sinne von, die Leute werden es lesen, weil es Sex enthält.

Schreiben wir eine erotische Szene – die Vorarbeit

Wie genau darf es denn sein?

Das Wichtigste vorneweg. Eine erotische Szene ist keine Anleitung, wie man überhaupt Sex hat. Häufig hab ich schon gelesen, wie das Pärchen miteinander im Bett ihren Spaß haben, und war am Ende total verwirrt.

Wo war jetzt das Bein des Mannes und wie hat die Frau es geschafft, ihren linken Arm mit dem dritten Bein des siebten Mannes zu verknoten?

Häufig kommt es vor, dass wir ein ganz klares Bild davon haben, wie etwas geschehen soll. Nur leider bleibt dieses Bild im Kopf und wir schaffen es nicht, es aufs Papier zu bringen. Das ist bei erotischen Szenen auch kein Muss.

Sehr häufig kommt der besondere Kick, wenn Du Dinge nur andeutest, sie also umschreibst. In dem Sachbuch „Erotik schreiben“ von Elizabeth Benedict gab es eine erotische Szene, die nur aus einem Dialog bestand. Trotzdem war sie erotischer, als jede Beschreibung, die ich danach gelesen habe.

Recherche und Recherche

Wenn Du Dir nicht sicher bist, wie etwas aussehen könnte, weil Du damit keine Erfahrung hast, dann heißt es Recherche, Recherche und noch mehr Recherche. Dazu zählen einschlägige Sachbücher (also Erotikratgeber), andere erotische Romane oder auch Pornos.

Ja, Du hast richtig gelesen, Pornos.

Und natürlich, ja, über Pornos kann man diskutieren und ich finde sie teilweise mehr als nur grenzwertig. Aber es gibt Produktionen, die unter humanen Bedingungen entstehen und niemand zu Schaden kommt (was man nicht bei allen sagen kann). Welche das sind, kann ich selbst nicht genau sagen. Aber ich vermute, dass alle, die in öffentlichen Onlineshops verkauft werden, durchaus akzeptabel sind.

Aber durch solche Filme kannst Du genau sehen, wie etwas gehandhabt wird, was mit Beschreibungen oder Bilder nicht immer funktioniert. Denn hier siehst Du (mindestens) zwei Personen, die miteinander agieren. Und das kannst Du gerne als Vorbild für Deine Szene verwenden.

Wähle die richtigen Bezeichnungen

Schon oben hab ich erwähnt, dass man die richtigen Worte wählen sollte, um die Geschlechtsteile der Person zu benennen. Manche gehen so weit, dass man jedoch nicht einmal Nippel oder Vagina schreiben soll. Um es mal so auszudrücken, man muss es nicht übertreiben.

Find schöne Bezeichnungen für die Geschlechtsteile, welche nicht klischeehaft klingen und zur Geschichte passen. In einem viktorianischen Umfeld wirst Du wahrscheinlich völlig andere Bezeichnungen verwenden wollen als in einem Paranormal Romance Roman.

Erstell für Dich selbst ein Glossar, welche Wörter Du benutzen möchtest und welche Du sogar schon benutzt hast. In einer Geschichte würde ich Dir empfehlen, dass Du immer dieselben Wörter benutzt. Außer Du lässt einem Charakter sagen, dass sie oder er die Bezeichnung nicht mag. Dann kannst Du das natürlich auch streichen.

Deine Charaktere dürfen gerne Spaß haben

Manchmal hab ich das Gefühl, dass der Sex in den Geschichten eher Pflicht ist, als Spaß. Dabei soll es ja genauso sein. Wenn also Deine Charaktere sich entscheiden ins Bett zu gehen, dann darf auch mal was schief gehen, sie dürfen gerne lachen und eben einfach nur Spaß haben.

Und das ohne das komplette Kama Sutra durchzuarbeiten. Es kann gerne immer die gleiche Technik angewandt werden, solange sie einander näherkommen.

Vorsicht bei den Dialogen

Wenn Du Dir einen Porno anschaust, dann achte Mal auf die Dialoge (sofern welche vorkommen). Notier sie Dir, klebe sie an Dein Monitor und verwenden sie bitte unter keinen Umständen. Denn im normalen Leben und in Romanen spricht niemand wie ein Pornostar, wenn man miteinander Spaß hat.

Die Sinne Deiner Charaktere bestehen mehr als aus Sehen und Hören

Der Mensch hat fünf Sinne (hören, sehen, schmecken, fühlen und riechen). In jeder Szene kannst Du gerne diese fünf Sinne einsetzen. Und das gilt auch für Deine erotische Szene. Wie fühlt es sich an, wenn Dein Charakter die Haut der anderen Person küsst, wie riecht die Umgebung oder wie fühlt sich die Bettdecke an?

Je genauer Du das alles beschreibst, desto eher fühlt man sich in die Szene hinein.

Es gibt auch ein Vorspiel

Wenn Du Dir wirklich Pornos angeguckt hast, dann wirst Du wahrscheinlich merken (und spätestens jetzt hab ich mich wohl geoutet), dass das Thema Vorspiel wenig Zeit gewidmet wird. Meistens kommen sie zusammen und los geht es. Das trifft auch auf sehr viele Romane zu, die ich lesen durfte.

Dabei kann auch das Vorspiel unheimlich romantisch und auch erregend für Deine Charaktere sein. In einem Buch hab ich mal gelesen, dass es sehr viel Druck aus vielen Beziehungen nehmen würde, wenn man sich mehr auf das Vorspiel konzentrieren würde und nicht auf den Orgasmus. Denn Frauen haben weitaus seltener einen, während der Mann fast immer einen bekommt (das sind statische Fakten).

Und wenn das stimmt, dann wäre es zumindest ein Versuch wert im Roman (und auch im realen Leben), mehr Energie und Seiten auf das Vorspiel zu verwenden, als auf den Höhepunkt. Sprich, lass das Vorspiel zum Hauptakt werden und den Orgasmus als schönen Ausklang.

Hei, ein Versuch ist es allemal wert, oder?

Gleitgel, Kondome und so weiter

Es wäre schön, wenn zwei Personen zusammenkommen würden und sie ohne Sorgen einfach Sex haben könnten. Die Realität sieht doch ein wenig anders aus. Gerade beim Analsex ist Gleitgel nicht gerade unwichtig. Und Frauen können, unglaublich aber wahr, beim ungeschützten Sex schwanger werden. Zudem können beide Seiten ÜberträgerInnen von Geschlechtskrankheiten sein.

Natürlich kommt es darauf an, in welchem Jahrhundert Deine Geschichte spielt. In einem historischen oder futuristischen Roman könnte das HI-Virus keine Rolle spielen. Spielt er aber in der Gegenwart, ist es durchaus ein Thema.

Schwangerschaften sind immer ein Thema (außer bei homosexuellen Charakteren) oder Geschlechtskrankheiten. Berücksichtige dies bitte und denk darüber nach, wie Deine Charaktere sich schützen. Natürlich können sie auch überstürzt in ein sexuelles Abenteuer rutschen. Aber spätestens am nächsten Morgen ist es Zeit sich darüber Gedanken zu machen, was sie getan haben.

Der Mythos vom gemeinsamen Orgasmus

Die Romancharaktere müssen eigentlich Übermenschen sein. Denn so gut wie jedes Mal, wenn ich eine erotische Szene lese, dann kommen Heldin und Held entweder gemeinsam oder sehr zeitnah zum Höhepunkt.

Wie oben schon erwähnt, kann es passieren, dass Frauen überhaupt nicht zum Höhepunkt kommen. Und ja, auch Männer müssen nicht immer einen Orgasmus haben. Zwar passiert dies eher seltener, kann aber durchaus geschehen.

Erkundige Dich daher (sofern Du keine eigenen Erfahrungen mitbringst), wie weit beide Orgasmen durchschnittlich auseinanderliegen. Und dann kannst Du es auch gerne für Deine Geschichte verwenden.

Ob das stimmt oder nicht, kann ich nicht sagen, aber der Grund, warum Frauen länger brauchen, um stimuliert zu werden, soll ein biologischer, historischer sein. Denn, wenn ein Mann sich bemüht, eine Frau zufriedenzustellen, soll sie wissen, dass er sich auch gut um die Kinder kümmern wird.

Das abgeschaltete Gehirn

Es gibt wohl das Gerücht, dass Menschen während des Sex entweder nur an die andere Person denken oder gar nicht mehr in der Lage sind, an etwas zu denken. Dabei sind Menschen durchaus in der Lage, auch während des besten Sexes an den nächsten Einkauf zu denken.

Natürlich kann man darüber diskutieren, dass das in einem erotischen Liebesroman total unromantisch ist, aber darüber solltest Du Dir bewusst sein. Menschen denken während des Sexes auch an andere Dinge. Sogar wohl sehr häufig.

Je nachdem also, was für eine Geschichte Du schreibst, kannst Du dieses Thema auch gerne aufgreifen und zum Teil Deiner Geschichte machen. Zumindest wird es nicht kitschig romantisch, wenn Deine Heldin oder der Held an den nächsten Einkauf denken.

Üben, üben, üben

Gerne auch in der Realität mit Deinem Schatz, hier meine ich aber das Schreiben solcher Szenen. Die ersten erotischen Szenen werden garantiert holprig und einfach nur schlecht sein. Das liegt wohl auch daran, dass viele trotz allem Hemmungen haben, das zu schreiben. Denn Sex ist etwas, worüber man nicht spricht.

Auch wenn wir durchaus anders erzogen wurden, so hängt das vielen irgendwie immer noch im Ohr. Daher haben einige erst einmal große Hemmungen darüber zu schreiben. Das ist auch völlig normal. Daher üb einfach immer und immer wieder. Irgendwann, sofern Du es wirklich willst, wird es Dir sehr leicht von der Hand kommen. Und Du wirst locker darüber schreiben können.

Deine Charaktere müssen keinen Sex haben

Es scheint, dass die Charaktere immer und zu jeder Zeit spitz sind, also Lust auf Sex haben. In der Realität haben Frauen Migräne (um einmal ganz tief in die Klischeekiste zu greifen), doch nie in den Romanen. Auch Männer scheinen dauerpotent zu sein.

Du kannst also auch jederzeit Deine Charaktere erlauben, dass sie sich gegen den Sex entscheiden.

Jetzt aber … wie schreib ich denn eine erotische Szene?

Der Sex muss zur Geschichte passen

In einem paranormalen Roman hab ich mal gelesen, dass die Charaktere an einem bestimmten Ort waren und auf einmal ein Zauber ausgelöst wurde. An die Szene erinnere ich mich besonders, weil die Hauptfigur mit einem der Männer mitten im Wald und an der Seite ihrer GefährtInnen Sex hatte. Das wirkte so dermaßen unglaubwürdig, dass mir schon ganz schwindelig wurde.

Daher hier der wichtigste Ratschlag, den ich nur geben kann. Bitte, bitte sorge dafür, dass der Sex auch wirklich zur Geschichte passt. Wenn die Situation gerade einfach nicht passt, dann passt sie einfach nicht. Da müssen die Charaktere auch keinen Sex haben.

Das könnte auch sein, dass die Charaktere in einem Lagerhaus gefangen sind (um ein weiteres Beispiel zu nennen). Was tun sie dort? Sehr wahrscheinlich werden sie alles tun, um von dort zu fliehen. Tun sie das, wirken sie durchaus realistisch als Charaktere. Wenn sie aber auch nach Stunden auf einmal übereinander herfallen, würde ich mich fragen, ob die Figuren noch alle Tassen im Schrank haben.

Schau daher bitte genau hin und frag Dich, ist es realistisch, dass sie jetzt Sex haben? Und passt es an dieser Stelle, dass sie Sex haben? Wenn Du beide Fragen mit einem klaren Ja beantworten kannst und die Charaktere es auch wollen, dann leg los. Ansonsten würde ich das durchaus kritisch betrachten.

Notfalls frag einfach andere Personen (AutorInnen wie LeserInnen), wie sie die Szene betrachten. Häufig haben sie einen realistischeren Bezug dazu. Und das kann Dir sehr weiterhelfen.

Zeig Deine Charaktere in Aktion

In einem erotischen Roman geht es um die Charaktere und wie diese Charaktere miteinander Sex haben. Daher ist es wichtig, dass Du genau kennst, wer die Figuren sind und was für einen Hintergrund haben. Das gilt natürlich auch für ihre Erfahrungen im erotischen Bereich.

Das gilt nicht für die pornografischen Geschichten. Dort geht es letztendlich darum, dass eine bestimmte erotische Stellung beschrieben wird, damit die LeserInnen erregt werden. Das darfst Du sogar wortwörtlich nehmen. In den meisten Fällen ist es egal, mit was für Figuren wir es in der Geschichte zu tun haben. Ihre Vergangenheit und ihre persönlichen Vorlieben sind dabei völlig egal. Hauptsache es liest sich gut.

Daher konzentriere Dich nicht darauf, eine bestimmte Sexposition zu zeigen, nur weil Du das gerade ansprechend findest. Sondern finde heraus, was Deine Charaktere wollen und was sie bereit sind, auch wirklich zu tun. Je eher Du das weißt, desto besser wird auch Deine erotische Szene.

Lass Deine Charaktere sprechen – Dialog

Jeder Charakter hat eine eigene Sprache. Und das kannst Du auch in solchen pikanten Szenen gerne ausleben lassen. Lass sie keine unnötigen Pornosprüche sagen (wie oben bereits erwähnt), sondern genau das, was sie wirklich sagen wollen.

Stell Dir vor, es ist ein Dialog unter besonderen Bedingungen. Das bedeutet, dass auch hier alles so realistisch wie nur möglich sein sollte.

Unterschiedliche Szenen

Vor Jahren habe ich mal eine Reihe von Fanfiction zu der Serie Sailor Moon gelesen. Es handelte sich hierbei um Kurzgeschichten zu jeder der Senshis. Das Problem war, dass jede Geschichte fast gleich war, nur ein paar Feinheiten wurden geändert. Langweilig!

Glücklicherweise ist jede Szene in einem Buch individuell. Das trifft leider nicht auf die erotischen Szenen zu. Es gab in der Tat schon ein oder zwei Bücher in meinem Leben, da haben sich die Sexszenen kaum voneinander unterschieden. Gut, in der Wortwahl, aber nicht in der Ausführung.

Es mag sein, dass im realen Leben der Sex immer wieder ähnlich abspielen mag. Aber das ist eben Fiktion. Da lassen sich beide Charaktere (oder über wie viele Du auch immer schreiben magst) etwas einfallen. Du musst ja nicht viele Szenen schreiben. Aber es ist immer gut, wenn sie allesamt unterschiedlich sind. Dann haben Deine LeserInnen etwas, worauf sie sich freuen können.

Du musst nicht alles erwähnen

Manche AutorInnen haben das Gefühl, sie müssen wirklich jeden einzelnen Schweißtropfen erwähnen, der sich beim Sex bildet. Und natürlich darüber hinaus noch jede verlorene Kalorie und Stellung.

Hier die gute Nachricht, nein, musst Du nicht.

Beim Sex haben wir alle unsere eigenen Vorstellungen. Das bedeutet, dass Du auch gerne gewisse Dinge der Fantasie Deiner LeserInnen überlassen kannst. Das gilt für viele Szenen. Und eben insbesondere für Erotische. Beschreib, was notwendig ist. Und den Rest kannst Du über Dialoge klären und letztendlich über die Fantasie Deiner LeserInnen.

Häufig können nämlich erotische Szenen noch ein wenig erotischer werden, wenn Du nicht alles bis ins letzte Detail erläuterst. Dann kann alles um einiges faszinierender werden.

Du hast einen Porno geschrieben

Hier noch eine wichtige Information. Egal wie viel oder wie wenig Sex Du schreibst, Du wirst dafür kritisiert. Schreibst Du zu viel, hast Du einen Porno geschrieben, schreibst Du zu wenig, dann geht es den Leuten nicht weit genug. Vielleicht wird man Dir sogar vorwerfen, dass Du Prüde seist.

Daher kann ich Dir nur noch einmal empfehlen, schreib guten Sex, der sich harmonisch in die Geschichte einfügen lässt, mit Charakteren, die individuell interagieren und gerne Sex haben. Damit bist Du immer noch nicht gefeit, dass man Dich als prüde oder Pornotante bzw. Pornoonkel bezeichnet. Aber die meisten werden dann spüren, dass Du eine harmonische Geschichte geschrieben hast.

Und ich denke, das ist wichtiger.

Abschlussgedanken

Das ist nun ein ziemlich langer Beitrag. Trotzdem meine Frage hat er Dir was gebracht? Oder brauchst Du noch mehr Informationen? Wenn ja, meld Dich kurz. Ansonsten hoffe ich, dass Dir die Vorschläge weiterhelfen, Deine erotische Szene zu schreiben. Und dabei wünsche ich Dir viel Spaß und noch mehr Erfolg.

Eine erotische Szene lesen – und analysieren

Nichts schult besser, als wenn Du erotische Szenen liest und sie analysierst. Wie haben es die anderen AutorInnen vor Dir getan und was kannst Du von ihnen lernen? Welche Worte verwenden sie? Und wie genau sind sie dabei?

Eine Pornogeschichte

Es gibt im Internet oder auch als Buchform diverse Pornogeschichten, die Du legal lesen kannst (aber am besten mit einem sehr aktiven Virenschutz, ich übernehme dafür keine Verantwortung). Lies Dir eine solche Geschichte durch und vergleich die mit der erotischen Szene aus der ersten Übung.

Such nach Ähnlichkeiten, Unterschiede und was Du da mitnehmen kannst.

Schreib die eine oder andere erotische Szene

Nun schreib selbst die eine oder andere erotische Szene. Eine angedeutete Szene, eine Szene, in denen Du wirklich alles beschreibst, eine, die nur aus Dialogen besteht, eine pornografische und so weiter. Je mehr Du übst, desto besser wirst Du.

  • Ein Beitrag einer Erotikautorin über ihre Arbeit und ihre Leserinnen.
  • Disasterotik ist einer der besten Twitteraccounts, die es gibt. Es werden einzelne Szenen oder Sätze aus erotischen Büchern aufgeführt, die, gelinde gesagt, einfach nur wehtun.
    Du kannst den Account lesen, auch wenn Du selbst Twitter nicht für Dich nutzt. Ich würd ihn Dir trotzdem empfehlen zu verfolgen.

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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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10 Antworten zu Wie kann ich eine (gute) Sex-Szene schreiben?

  1. Miriam a.k.a. prinzessinnenundraben a.k.a. @Rabengekraechz schreibt:

    Aufschlussreich! Höchst aufschlussreich!

    Aber: Du sagst, man soll die Dinge beim Namen nennen. Dann schreibst du selbst „sein bestes Stück“. Schreib doch einfach mal: „Penis“. Penis Penis Penis (jetzt wird der Kommentar bestimmt nicht freigeschaltet :-p).

    Dass die Handlung zu den Charakteren passen muss, ist sicher so. Das ist aber auch in allen anderen Bereichen so – ein Held, der durchgehend passiv ist, aber wegen einer blöden Prophezeihung die Welt retten muss? Näää. Ebenso kann ich persönlich keine Geschichten schreiben, bei denen „Charakter A verliebt sich in Charakter B“ die Handlung vorantreibt. Bzw., ich könnte schon, aber es wird besser, wenn sich die Charaktere aufgrund ihrer anderen Schwierigkeiten zusammentun und dann verlieben. Ich denke mal, mit der Erotik ist das ganz ähnlich: Sie muss sich ergeben. Sei es aus der Liebe oder sonst woher.

    Natürlich bleiben immer Fragen offen. Was ist mit großen Altersunterschieden oder einfach sehr jungen Figuren? Bei Verlagen hat man auf der Manuskriptannahmeseite häufig den Passus „die Figuren sind mindestens 18 Jahre alt“ – weil Teenager keinen Sex haben (dürfen)? Oder weil Erwachsene in ihren Erwachsenengeschichten nicht an 17-Jährige denken sollen? In historischen Romanen sind die Figuren häufig mal unter 18, die Mädchen teilweise deutlich jünger. – Und was ist mit Sachen, die man beim besten Willen nicht selbst erlebt haben kann? Ich denke hier gerade an Frauen, die Gay Romance schreiben.

    Ja, ich weiß, Recherche. Und üben, hehe… Wenn man nur so 1-2 Sexszenen pro Roman hat, wird das schwierig. Vielleicht sollten wir alle mal ein paar Sexgeschichten schreiben. Und gegenseitig testlesen…

    Gefällt 1 Person

    • Frau Schreibseele schreibt:

      Hallo Miriam,

      wenn es passt, schreib ich auch gerne die Dinge beim Namen, hehe.

      Du fasst den Beitrag sehr gut zusammen. Es muss halt alles passen. Wenn es nicht passt, dann wirkt es eben konstruiert. Und das geschieht, nach meinem Gefühl, sehr oft bei Pornogeschichten (ja, ich hab einige gelesen, leider). Von mir aus können die Charaktere auch einen One-Night-Stand haben. Aber es muss eben auch zu der Geschichte passen (auch wenn man der Frau per se keine Sexualität zuspricht).

      Und bisher hab ich auch eher Charaktere über 18 Jahre in den Geschichten gelesen, vermutlich liegt es daran, dass die Geschichten doch einen weitaus größeren Einfluss auf die Lesenden hat, dass man nicht möchte, dass sie das lesen und wohlmöglich zu jung mit den Konsequenzen zu leben haben (als Beispiel, Schwangerschaft). Aber sollte ich jemals mit einem Verlag ins Gespräch kommen, werde ich die das gerne mal frage. Würde mich auch interessieren.

      Wegen Deinen anderen Fragen, dazu hab ich schon mal was gebloggt, vielleicht hilft es Dir weiter:

      https://schreibkasten.wordpress.com/2016/05/06/erotik-vs-pornografie/
      https://schreibkasten.wordpress.com/2016/05/02/ich-war-noch-niemals-auf-dem-mond-ich-habe-noch-nie-gemordet/

      Gefällt mir

  2. Ani Rid schreibt:

    Vielen vielen Dank für diesen Artikel – auch wenn ich jetzt mal schnell eine Szene löschen bzw. verschieben muss *grins* –

    Gefällt mir

  3. margauxnavara schreibt:

    Liebe Frau Schreibseele,
    du sprichst mir aus dem Herzen.
    Erotik zu schreiben ist nämlich nicht einfach, auch wenn jeder glaubt, es zu können, weil man es ja dauernd tut …
    Ich habe auf meiner Webseite eine Unterseite „Erotisches Schreiben“ eingerichtet, die ich im Laufe der Zeit füllen werde. Jetzt gibt es erst einmal einen Beitrag über die Sinne, und zwar das Hören. (https://margauxnavara.com/erotisches-schreiben-2/). Wer mag, darf sich gerne Anregungen holen.
    Ich finde nämlich, dass die Sinne viel zu oft übersehen werden. Es geht beim Sex im Buch nicht um das technische Rein-Raus. Die Stimmung wird nur dann übertragen, wenn sich der Leser mit den Menschen identifizieren können.
    Vielen Dank für deine tollen Beiträge. Wenn es nicht gerade um Sex geht, kann auch ich noch davon lernen 😉
    Liebe Grüße
    Margaux

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    • Frau Schreibseele schreibt:

      Hallo Margaux,

      vielen Dank für Deinen Kommentar.

      Erotik ist wie ein guter Kampf, man muss eine richtige Choreographie schreiben und dann alles geben, was man kann, damit die Szene lebendig wirkt. Was ich zwischenzeitlich so an erotischen Sachen gelesen habe, das ist dann doch ziemlich peinlich. Klar, Sex Sells irgendwie. Aber bitte doch nicht auf diese dumpfe Art und Weise.

      lg

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  4. Das Disaster schreibt:

    Ui, vielen Dank für die Erwähnung meiner Wenigkeit 🙂 Das hat mich sehr gefreut und gleich inspiriert selbst noch was zu dem Thema beizutragen und darüber zu schreiben, welche Punkte mir persönlich wichtig sind. Es sind aber viele sehr gute Anrgeungen im Text! Wenn man sich nur an die Hälfte hält, ist man ja fast schon sicher vor meinem Twitter XD

    Lg Das Disaster

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    • Frau Schreibseele schreibt:

      Hallo Das Disaster,

      danke für Dein Lob, darüber hab ich mich sehr gefreut 🙂 Ich liebe ja Deine Tweets, weil sie wirklich zeigen, wie schlecht man eigentlich schreiben kann. Und ich freue mich von Dir und Deinem Beitrag zu lesen. Wie man sieht, es kann ja so einfach sein, vor Dir in Sicherheit zu sein *giggle*

      lg

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      • Martina O. schreibt:

        Liebes Disaster, Du leistest da wirklich tolle Arbeit. Man kann immer nur den Kopf schütteln. Das schlimme ist auch: erotisch ist da gar nix. Als ich (über Frau Schreibseele) auf Deinen Account gestoßen bin, hab ich mir damals ALLES durchgelesen von oben bis unten. Danach hab ich nach dem Vorhängeschloss für meinen Keuschheitsgürtel gesucht und den Schlüssel verschluckt, weil ich nie wieder und unter gar keinen Umständen in diesem Leben nochmal Sex haben wollte…

        Deshalb sind Artikel wie dieser hier auch so wichtig (und leider so wahnsinnig dünn gesät)… Chapeau daher auch an Frau Schreibseele!

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      • Frau Schreibseele schreibt:

        Hallo Martina,

        Disaster hab ich über Twitter über Deinen Kommentar informiert, falls der Wunsch besteht, sich noch selbst zu melden 🙂
        Ansonsten bin ich Deiner Meinung. Bei manchen „erotischen“ Szenen bin ich, gelinde gesagt, entsetzt.

        Und vielen Dank für Dein Lob. Darüber freue ich mich sehr ❤

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