Wer hat Angst vorm gendern?

Hei, hallo und herzlich willkommen,

seit Jahren geht eine regelrechte panische Angst umher, welche die Seelen der Menschen erfasst und manche regelrecht erstarren lässt, das Binnen-I. Oder anders ausgedrückt, eine gegenderte Sprache.

Kurze Vorgedanken

In der Zeitschrift „Federwelt“ Nummer 123 gab es eine pro und contra Seite zu dem Thema „Gendern – Ja oder Nein?„. Hier durften sich Sandra Ushtrin und Andreas Eschbach äußern. Und Nike Leonhard hat die Beiträge sehr genau unter die Lupe genommen.

Doch ist gendern wirklich gerechter, als die aktuelle Sprache? Und wie könnte man das überhaupt angehen? Darüber möchte ich mir heute Gedanken machen. Dabei gehe ich auf die Frage ein, was gendern überhaupt ist, wieso es vielleicht doch wichtig sein könnte und wie man es in der Praxis anwenden kann.

Was ist jetzt gendern?

Ursprünglich hatte das gendern nichts mit der Sprache, sondern eher mit der Biologie bzw. der Medizin zu tun gehabt. Zwischenzeitlich wird es schon fast inflationär für alles verwendet, bei denen es um weiblich, männlich oder auch sächlich geht.

Die sogenannte Gendermedizin ist ungemein wichtig. Denn der weibliche und der männliche Körper sind unterschiedlich und benötigen daher unterschiedliche Medikamente. Aber auch Reaktionen auf Krankheiten zeigen sich unterschiedlich (vielleicht ist das bekannteste Beispiel immer noch der Herzinfarkt, der sich bei Männern und Frauen unterschiedlich ankündigt).

Das wird erst in den letzten Jahren so nach und nach anerkannt, um die korrekten Behandlungen durchführen zu können. Aber noch nicht von allen.

Im Zusammenhang dieses Beitrages geht es um die Sprache. Wenn Du meine Beiträge ein wenig länger verfolgst, wirst Du sicherlich schon gesehen haben, dass ich nicht über Autoren, sondern über AutorInnen schreibe. Das bedeutet, ich gendere die Sprache.

Dabei könnte ich auch über Autoren und Autorinnen bzw. über Autorinnen und Autoren schreiben, oder auch über Autor*innen. Das ist egal. Der Hauptaugenmerk in der gegenderten Sprache ist, dass die weibliche Bezeichnung in irgendeiner Art und Weise aufgeführt wird.

Warum ist jetzt gendern so wichtig?

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, ist gendern überhaupt wichtig? Und wenn ja, warum? Gleich eines vorneweg, ich halt gendern für extrem wichtig. Daher kann es sein, dass der Beitrag ein wenig tendenziös ist.

„Sag mal, wo ist denn der Klempner?“

„Keine Ahnung, ich glaub runtergegangen, um etwas zu holen.“

„Das Wasser läuft und läuft und läuft. Hoffentlich kommt sie schnell wieder.“

Jetzt mal ganz ehrlich, also Du von dem Klempner gelesen hast, was ist in Deinem Kopf vorgegangen? Natürlich ist die Klempnerei (noch) traditionell ein Männerberuf. Das ist und die Bezeichnung Klempner dürfte sehr wahrscheinlich dafür gesorgt haben, dass bei Dir sich das Bild eines Mannes geformt hat, oder?

Vielleicht hast Du auch das Sie überlesen (daher hab ich es fett hervorgehoben), weil Dein Gehirn der festen Überzeugung ist, der Klempner ist ein Mann. Das ich Dein „faules“ Gehirn (ich beziehe mich hier auf das Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“ von Daniel Kahnemann) dazu zwinge, nun umzudenken, dürfte ihn nicht sonderlich gefallen.

Das ist auch eine der Gründe, warum ich gendern durchaus für wichtig halte. Die Welt besteht aus circa 50 Prozent Frauen (je nach Studie ist das unterschiedlich). Doch wenn wir uns die Sprache anschauen (wobei ich mich hier auf die deutsche Sprache konzentriere, da ich mit ihr aufgewachsen bin), scheint es teilweise gar keine Frauen zu existieren.

In meiner Mittelstufenzeit erklärte mir meine Französischlehrerin, dass die französische Sprache sehr sexistisch sei. Da können eine Million Frauen auf einem Haufen sein, befindet sich dort ein männlicher Hund, ist die Gruppe automatisch männlich. Und in meiner ersten Arbeitsstelle hab ich etwas Ähnliches am eigenen Leib erlebt.

Wir waren eine Arbeitsgruppe aus sieben Frauen und einem Mann. Und obwohl ich schon damals versucht habe, die weibliche und männliche Bezeichnung zu verwenden, rutschte mir eine rein weibliche Benennung für unsere Arbeitsgruppe heraus. Da kommentierte eine Kollegin, dass ich doch nicht so diskriminierend gegenüber unserem einzigen Mann sein soll. Immerhin soll er ja nicht unsichtbar sein. Das aber durch die rein männliche Bezeichnung gleich sieben Frauen unsichtbar werden, das war völlig in Ordnung.

Gendern macht sichtbar. Und zwar eine ganze Hälfte der Menschheit.

Sichtbarkeit? Wir haben doch die Gleichberechtigung

Von einer kompletten Gleichberechtigung sind wir noch sehr weit entfernt. Damit meine ich nicht nur eine ungleiche Bezahlung, sondern auch die Tatsache, dass Frauen für die gleichen Produkte mehr bezahlen als Männer (Einwegrasierer zum Beispiel sind für Frauen teurer, weil sie pink sind).

Wenn ich Frauen nicht anspreche, dann existieren sie irgendwo nicht in meiner Welt. Und wenn sie dort nicht existieren, dann kann ich sie auch ganz leicht ignorieren. Das bedeutet, wenn ich sie ignoriere, kann ich ihnen, über kurz oder lang, auch die Rechte verwehren, auf die sie ein Anrecht haben.

Stell Dir mal folgende Situation bitte vor: Du bist auf einer Party und einer der Gäste macht Witze, sagen wir mal, über Türken, Araber oder Afrodeutsche. Die gehen wirklich tief unter die Gürtellinie (was viele trotzdem lustig finden). Auf einmal meldet sich einer der Gäste und sagt, ich bin TürKin, AraberIn oder Afrodeutsche. Was passiert jetzt?

Einige werden sicherlich sagen, dass das nicht so gemeint ist, andere werden auf ihr Recht pochen Witze machen zu dürfen, wie es ihnen gefällt. Und die Dritten werden sich schämen, weil sie sich bewusst geworden sind, dass es diese Gruppen tatsächlich gibt (um es überspitzt auszudrücken).

Solange die Gruppen, über die in meinem Beispiel Witze gemacht wurden, nicht anwesend sind, kann ich sie ignorieren. Denn ich sehe sie nicht und nehme sie nicht so wahr, wie sie es verdient haben. Muss ich sie aber sprachlich benennen, sieht das Ganze schon anders aus. Damit rücken sie in meinem Bewusstsein und ich nehme sie wahr. Und kann dann nicht mehr so leicht über ihre Köpfe hinweg entscheiden.

Denn die angeblich so neutrale Sprache birgt durchaus einige Risiken. Vor Jahren las ich in einem Blog (der leider nie wirklich geführt wurde) einen durchaus interessanten Artikel (von den paar, die veröffentlicht wurden). Es ging um die Schweizer Garde.

Sie erklärte, wenn Frauen immer und überall mitgemeint seien, dann doch auch in der Schweizer Garde. Dass es sich hierbei um einen reinen Männerverein handelt, das erwähne ich einfach nur. Wie kann ich dann als Frau immer und überall mitgemeint sein?

Wobei ich es noch schlimmer finde, wenn die rein männliche Form in Büchern oder anderen Medien verwendet wird, die sich rein an Frauen richtet. So habe ich vor Jahren das Buch „Die Kraft einer Frau“ (kein Affiliate Link) von Louise Hay und von Barbara G. WalkerDie spirituellen Rituale der Frauen“ (ebenfalls kein Affiliate Link) gelesen.

Wie sind uns doch sicherlich einig, wenn in dem Titel Frau erwähnt wird, dass wir durchaus davon ausgehen können, dass der Inhalt sich an eine Frau richtet, oder? Gut, dem ist so. Aber können wir uns vielleicht darauf einigen, dass dann auch die weiblichen Bezeichnungen verwendet werden? Denn scheinbar konnten die ÜbersetzerInnen es nicht ertragen, dass die Männer überhaupt nicht erwähnt wurden. Es wurden durchgehend die männlichen Bezeichnungen verwendet.

Wenn aber die männlichen Bezeichnungen so neutral sind, dann frag ich mich Folgendes: In so gut wie jedem Sachbuch (und ich lese sehr viele) wir erwähnt, dass mit der eigentlich ach so neutralen Sprache doch Frauen auch mitgemeint sind. Warum sollte ich das dann erwähnen? Erwähne ich etwas, muss mit diesem Etwas nicht stimmen. Ansonsten würde ich doch kein Bedarf sehen, etwas zu schreiben oder nicht zu schreiben. Dementsprechend sind sich diese AutorInnen durchaus bewusst, dass etwas da nicht stimmen kann.

Wobei die Peinlichkeit dann erreicht wird, wenn eine Autorin in einem Buch erklärt, dass sie deswegen die rein männliche Bezeichnung, weil sie als Frau nicht sexistisch sein kann. Doch, auch Frauen können sexistisch sein.

Aber das ändert doch nichts

Es stimmt. Mit einer gegenderten Sprache retten wir nicht die Welt, beschützen nicht die Witwen oder Waisen oder bewahren die Buckelwale vor dem Ertrinken.

Aber wie oben schon erwähnt, wenn wir Frauen sichtbar machen, dann ist das durchaus schon einmal ein gewaltiger Schritt. Danach (bzw. gleichzeitig) können wir auch alle anderen Dinge angehen. Aber wichtig ist eben, wir müssen sichtbar machen, wo es nur geht. Und zwar nicht nur Frauen, aber auch.

Daher finde ich es selbst wichtig, dass wir hier einen Anfang machen.

Vorschläge wie man gendern kann

Es mag sein, dass meine Vorschläge nicht elegant sind. Aber für den Anfang durchaus praktikabel. Daher kann man sie gerne anwenden und sich dann nach und nach überlegen, wie man es besser hinbekommt.

Einzelpersonen

Wenn Du in einer Geschichte über eine einzelne Frau schreibst, warum solltest Du sie nicht als solche bezeichnen? Dann ist sie nicht Rechtsanwalt Heike Frau, sondern Rechtsanwältin Heike Frau. So bist Du als Frau auch kein Autor, sondern eine Autorin.

Eigentlich sollte man meinen, dass es sehr einfach ist. Und doch scheitern schon hier sehr viele. Denn häufig höre ich, wenn über Frauen oder Mädchen gesprochen wird, dass sie trotzdem mit den männlichen Bezeichnungen angesprochen werden. Zum Beispiel Vegetarier oder Rechtsanwalt und so weiter.

Daher kann ich nur empfehlen, wenn es um Mädchen oder Frauen geht, dann schreib die Bezeichnungen für sie auch als solche. Sie sind weiblich, basta.

Frauengruppen

Wenn wir über Gruppen sprechen, die zu einhundert Prozent aus Frauen bestehen, warum dann darüber nachdenken, aus ihnen eine Männergruppe zu machen. Wohlgemerkt, es sind nur Frauen in dieser Gruppe. Von Gemischten schreibe ich hier noch nicht.

In der Tat hab ich in einem Roman gelesen, dass eine reine Frauengruppe zu einer Männergruppe umwandelt wurde. Und ja, auch aus einzelnen Frauen wurden auf einmal Männer. Lag sicherlich nur an der Übersetzung, aber da sieht man, dass es hier auch zu Problemen kommen kann.

Wenn Du also in Deinem Roman über eine reine Frauengruppe schreibst, dann bezeichne sie auch als solche. So sind sie Soldatinnen, Jägerinnen oder Autorinnen.

Gemischte Gruppen

Zugegeben, über gemischte Gruppen in Sachbüchern zu schreiben ist einfach. Die Autorin Irene Fleiß hat in ihren beiden Büchern „Als alle Menschen Schwestern waren“ das einfach gehandhabt. Bei einer etwa gleichen Verteilung von Frauen und Männer verwendete sie das Binnen-I. Überwogen die Frauen, benutzte sie nur die weibliche Form, bei Männern eben die männliche Form.

Mir ist bewusst, dass das in Romanen nicht so einfach ist. Wenn dort auf einmal von SoldatInnen oder JägerInnen zu lesen ist, dann kann das durchaus verwirren. Und noch sind viele LeserInnen sicherlich nicht bereit, sich auf solch ein Experiment einzulassen. Was aber nicht bedeutet, dass man es nicht doch versuchen kann oder gar sollte.

Daher hier in der Tat ein reiner Vorschlag. Wie wäre es, wenn Du versuchst, die Mehrzahl der Personen in der Gruppe zu berücksichtigen. Also, wenn es mehr Frauen gibt, dann ist die Gruppe weiblich. Und bei Männern ist sie eben männlich. In einem kurzen Vorwort könntest Du die Wahl der Bezeichnungen erklären. Oder Du verwendest immer die weibliche und die männliche Bezeichnung, also Autorinnen und Autoren.

In Deiner ersten Fassung kannst Du das gerne ausprobieren. Immerhin sieht das ja noch niemand. Und das könntest Du Deinen BetaleserInnen geben, damit sie sehen, wie gut oder wie schlecht es sie liest. Kleiner Hinweis, kritische Personen wären hier natürlich wünschenswert.

Dass es noch keine ideale Lösung ist, weiß ich. Aber ein Anfang ist es allemal.

Weder weiblich, noch männlich

Es gibt auch Menschen, deren Geschlecht als binär, intersexuel oder mit anderen Bezeichnungen definiert wird. Und zugegeben, hier bin ich mir noch nicht sicher, wie man sie sprachlich sichtbar machen könnte. Dass man es hingegen machen sollte, da bin ich mir durchaus sicher. Dabei ist es mir egal, ob sie auch nur einen unbedeutenden Prozentsatz der Weltbevölkerung ausmachen. Sie sind da und das reicht mir als Erklärung aus.

Wenn Du also einen Lösungsvorschlag für mich hast, ich freue mich von Dir zu hören.

Abschlussgedanken

Mir ist bewusst, dass dieser Beitrag vielen (mal wieder) nicht gefallen wird. Trotzdem bin ich der Meinung, dass es wichtig ist, darüber zu reden, zu schreiben, nachzudenken. In vielen Beiträgen lese ich immer wieder, dass Menschen der Meinung sind, dass die männlich geprägte Sprache doch die neutrale Sprache sei. Warum werden aber dann Männer angesprochen? Neutral wäre der Gebrauch der sächlichen Bezeichnungen.

Bei manchen hab ich sogar das Gefühl, das sie regelrechte Ängste durchstehen müssen, wenn man Frauen mitmeint. Nein, ihr müsst keine Angst haben. Männer werden nicht unsichtbar, nur weil Frauen sichtbar sind.

Aus diesem Grund werde ich aber radikal. Da die meisten AutorInnen die ich kenne, eigentlich Autorinnen sind und die meisten KommentatorInnen eigentlich Kommentatorinnen sind, benutze ich von nun an, die weibliche Form. Das macht es definitiv einfacher die Beiträge zu schreiben und ich spreche damit die Hauptgruppe meiner Leserinnen an. Aber keine Sorge meine Herren, ihr seit immer und überall mitgemeint.

Wie sieht es in Büchern aus?

Sicherlich liest Du gerade ein Buch. Wie sieht es da, mit dem gendern aus? Wird darauf Rücksicht genommen oder ist es doch eher so, dass die angeblich so neutrale Sprache verwendet wurde? Was sind Deine Erfahrungen?

Eine Probe

Wenn Du gerade an einer Geschichte oder an einem Sachbuch schreibst, probier doch einfach mal die neutrale Sprache aus. Wie liest es sich? Könntest Du es so verwenden? Oder gar besser machen? Schick das mal an eine Kollegin? Was sagt sie darüber?

Laut und Luise: der Blog von Luise F. Pusch, einer feministischen Linguistin. Dort bekommst Du Glossen, die zumindest mich immer wieder zum Denken anregen. Viele der Glossen findest Du zwischenzeitlich auch in ihren Büchern.
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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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24 Antworten zu Wer hat Angst vorm gendern?

  1. Ryek Darkener schreibt:

    Guter Beitrag. Auch wenn ich die andere Auffassung vertrete. Du bist übrigens nicht die Erste oder Einzige, die sich radikal für das Binnen-I zum Beispiel in Blogbeiträgen entschieden haben wird. 😉
    Als einer der demnach wenigen männlichen Blogger und Autoren könnte ich mich ja diskriminiert fühlen. Aber das spare ich mir. Ich bin selbstbewusst genug, um für das stehen, was ich bin. Genau wie meine weiblichen Protagonisten. Die stehen für das, was sie tun, und nicht für ihr Geschlecht.
    Für mich ist Gendern Neusprech. Wenn, wie du richtig erwähnt hast, die handelnde Person eine Frau ist und es eine allgemein anerkannte weibliche Form der Berufsbezeichnung gibt, dann spricht nichts dagegen, diese auch zu verwenden. Bei Gruppen kann das Bestehen auf dem Femininum allerdings seltsam wirken. Frauschaftsdienstgrade? Mannschaftinnen? 😉
    Von mir aus darf jede Frau und jeder Mann nach ihrer oder seiner Fasson selig werden und gendern, bis die Ärztin oder der Arzt kommt. Solange ich bei einem Romantext nicht eine als Vorwort verfasste Erklärung auswendig lernen muss, um ihn zu verstehen.

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    • Frau Schreibseele schreibt:

      Hallo Ryek,

      was ich an Dir mag, zwar sind wir nicht einer Meinung (zumindest in diesem Fall), trotzdem können wir vernünftig darüber reden und die Meinung der anderen Person akzeptieren. Und vor allem finde ich es toll, dass Du den Beitrag geteilt hast 🙂 Danke Dir dafür.

      Natürlich ist nicht alles mit einer Gendersprache besser. Da gibt es noch sehr viel, was man noch verbessern kann. Aber ein Anfang muss meiner Meinung nach gemacht werden, da man sonst nie ans Ziel kommt. Wenn ich etwas nicht mache, nur weil es nicht schön ist oder nicht leicht oder was auch immer, komme ich nicht auf vielleicht intelligentere Lösungen. Weil es sich aus der Praxis ergibt. Daher werde ich es auch mal in meinen Romantexten versuchen und schauen, wie es sich liest. Vielleicht ist es ja gar nicht mal so schlimm 🙂

      lg

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  2. Eileen Blander schreibt:

    Ich will ständig so viele Sachen dazu sagen, dir mir entfallen, weil der Beitrag so lang ist xD Aber okay. Ich finde dieses Binnen-I nicht so schön. Wenn, dann schreibe ich Autoren und Autorinnen, weil ich bei ersterem eigentlich nur die weibliche Form wahrnehme. Wenn es eine Einzelperson ist, denke ich darüber gar nicht mehr nach. Dann ist es eben männlich oder weiblich je nachdem. Bei Gruppen habe ich ehrlich gesagt noch nie darüber nachgedacht und mir würde jetzt auch kein Beispiel einfallen, aber ich vermute mal, ich sage in der Regel „eine Gruppe aus Ärzten“. Bei rein weiblichen Gruppen weiß ich es jetzt ehrlich nicht. Würde ich da Ärztinnen sagen? Da das Wort so befremdlich aussieht, wahrscheinlich nicht.
    Ich mag das Englische. Da sagt ein Wort gar nichts über das Geschlecht der Person aus. So eine Form wäre vielleicht ganz praktisch, wenn man eben allgemein spricht. So in Richtung „das Handwerker“, auch wenn das für unsere Ohren natürlich scheußlich klingt.

    In den Publikationen von DSA machen sie es so, dass sie in jedem Text entweder die männliche oder die weibliche Form verwenden. Das bedeutet, in einem Text steht: „Die Magierin spricht diese und jene Formel …“ während ein anderer Text sagt: „Der Magier erhält seinen Abschluss nach so und so vielen Jahren an dieser und jener Akademie“. So richtet sich ein spezifischer Text grammatikalisch zwar nur an ein Geschlecht, aber sie machen eben eine 50/50 Verteilung.

    Und ob ein Beitrag vielen gefällt, ist im Grunde ja auch egal. Wichtig ist, dass du das sagst, was deiner Meinung nach gesagt werden sollte (solange es im rechtlichen Rahmen ist, versteht sich.) Übrigens, wie sprichst du, wenn du von Juden/Christen/Aktivisten im Allgemeinen sprichst? Sagst du dann ChristInnen/JudenInn-JüdinInnen …?

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    • Frau Schreibseele schreibt:

      Hallo Eileen,

      ja, sorry, die Beiträge werden immer länger, als ich es eigentlich beabsichtige. Da bin ich schon froh, wenn ich mal nur um die 1.000 Wörter schreibe.

      Danke für Deine Ansicht. Und ja, es stimmt schon. Bei AutorInnen klingt sofort die weibliche Form mit, weil die männliche quasi verschluckt wird. Ideal ist die Lösung jetzt auch nicht. Und wenn Du sagst, Ärzte, dann ist das eher die Norm. Ärztinnen und Ärzte zu sagen kostet zwar einige Sekunden, würde aber dann alle ansprechen. Aber Du hast recht, es wirkt natürlich noch befremdlich, wenn man die weibliche Form benutzt, weil das in der Praxis kaum vorgelebt wird.

      Wobei ich beim englischen durchaus vorsichtig bin. Ja, Du hast Recht, bis auf wenige Ausnahmen kommt man nicht dahinter, welches Geschlecht sich hinter einem Wort befindet. Aber vor einiger Zeit hab ich ein Beispiel gelesen, dass es trotzdem Schwächen hat. So wurde vom Shark (Hai) gesprochen und dann ging es weiter mit He, also er. Nur, weil ich kein Geschlecht dahinter erkennen kann, heißt das nicht, dass es nicht automatisch alles männlich ist.

      Zumal auch englischsprechende Menschen damit ihr Problem haben. Leider finde ich den Link nicht mehr, aber es wurde eine Straßenumfrage gemacht, mit dem Chirurgen, der den eigenen Sohn nicht operieren konnte. Da wurden auf der Straße die Leute gefragt, wer denn der Chrirurg sei (im englischen halt neutral). Und nur ein Mann ist auf die Idee gekommen, dass es ja die Mutter sein könnte. Im Deutschen ist das natürlich verwirrend, weil wir eben die weibliche Versionen haben, aber im englischen gibt es da auch Probleme.

      Aber das mit DSA gefällt mir und in Sachbüchern ist das ohne Probleme umsetzbar. Da fällt mir auch ein, dass ich hier ein Sachbuch habe (es geht dabei um die Lenormand Karten), dass genauso verfährt. Das gefällt mir. Jetzt stell ich mir die Frage, ob man das auch in Romanen anwenden könnte. Das muss ich mal austesten.

      Bei den Christ*innen ist es noch möglich, das Binnen-I oder das Stern zu benutzen. Aber zugegeben, bei Juden / Jüdinnen wird es schwieriger, allein wegen dem Ü. Da würd ich momentan noch auf die getrennte Bezeichnung setzen, also eben Juden und Jüdinnen. Bei AktivistInnen ist es wieder leicht. Ja, es ist eben nicht alles so einfach, gesteh ich 🙂

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      • Eileen Blander schreibt:

        Ich glaube, die Dinge sind immer noch merkwürdig, wenn sie im Wandel sind. Wir werden ja sehen, wie sich das entwickelt.

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      • Frau Schreibseele schreibt:

        Definitiv. Wir müssen uns halt daran gewöhnen oder andere Wege finden. Dann sieht es anders aus.

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  3. ein meist stiller MitleEr schreibt:

    Guten Morgen 🙂

    Das Argument:

    „Wenn aber die männlichen Bezeichnungen so neutral sind, dann frag ich mich Folgendes: In so gut wie jedem Sachbuch (und ich lese sehr viele) wir erwähnt, dass mit der eigentlich ach so neutralen Sprache doch Frauen auch mitgemeint sind. Warum sollte ich das dann erwähnen? Erwähne ich etwas, muss mit diesem Etwas nicht stimmen. Ansonsten würde ich doch kein Bedarf sehen, etwas zu schreiben oder nicht zu schreiben. Dementsprechend sind sich diese AutorInnen durchaus bewusst, dass etwas da nicht stimmen kann.“

    wird im Artikel selbst bereits entkräftigt:

    „In einem kurzen Vorwort könntest Du die Wahl der Bezeichnungen erklären.“

    Denn nichts anderes ist doch der Hinweis darauf, aus praktischen Gründen (Lesbarkeit, Seitenzahl bspw.) sich nur auf eine (i.d.R. die kürzere und gebräuchlichere) Schriftform einzulassen.

    Die Idee hinter dem Binnen-I führt bei konsequenter Anwendung doch letztlich zu solchen Konstrukten wie etwa „eineN verständnisvolleN geduldigeN LehrerIn“, da es mit der gegenderten Beruf ja mitnichten getan ist.

    Ist das eine erstrebenswerte Lösung?
    Oder anders gefragt: wo und wann ist einE PunktIn er/siereicht, an dem es lächerlich und vor allem unpraktisch, geradezu unlesbar wird.
    Zumal das Binnen-I akustisch untergeht und somit die (Laut)Sprache verzerrt.

    Ganz richtig wird in dem Artikel ja auch das noch ungelöste Problem der weiteren Geschlechter – wenn ich mich nicht irre, geht man mittlerweile wohl von bis zu 7 aus – erkannt, die man im Sinne der Sichtbarmachung ja auch noch sprachlich einbinden müßte. Oder eben – alternativ – das Geschlecht sprachlich gänzlich auslöschen.

    Speziell das unsichtbar machen hat aber wohl das Problem, das in den meisten weiblichen und männlichen Köpfen (ums sich der einfachheithalber mal nur auf die biologischen Merkmale zu beschränken) dennoch, laut Wissenschaft, eher ein männliches Bild erzeugt, denn ein Neutrum.
    Auch gibt es die Bedenken, das hierbei wesentliche Ausdrucksnuancen verschwinden und der konkrete Gehalt der Äußerung einer geschlechtergerechten aber weniger lebendigen und konkreten Darstellungsweise geopfert werden, so z.B. Gisela Klann-Delius.

    Oder Max Goldt: „Wie lächerlich der Begriff Studierende ist, wird deutlich, wenn man ihn mit einem Partizip Präsens verbindet. Man kann nicht sagen: In der Kneipe sitzen biertrinkende Studierende. Oder nach einem Massaker an einer Universität: Die Bevölkerung beweint die sterbenden Studierenden. Niemand kann gleichzeitig sterben und studieren.“

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    • ein meist stiller MitleEr schreibt:

      Nachtrag: um „denn nichts anderes ist doch der Hinweis darauf“ unzweideutiger und unmißverständlicher zu erklären/begründen: es besteht ja auch die Möglichkeit, das mit „In so gut wie jedem Sachbuch (und ich lese sehr viele) wir erwähnt, dass mit der eigentlich ach so neutralen Sprache doch Frauen auch mitgemeint sind.“ ein Problem behandelt wird, das zuvor vlt. kein Problem war und möglicherweise erst zu einem gemacht wurde. Quasi eine Art selbsterfüllender Prophezeiung 😉

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      • Frau Schreibseele schreibt:

        Danke für den Hinweis. Andererseits, aber sicherlich verstehst Du auch mein Gedanke. Wenn ich doch angeblich immer mitgemeint bin als Frau, muss das eben nicht erwähnt werden. Der Gedanke kann also in beide Richtungen gehen.

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    • Frau Schreibseele schreibt:

      Interessant, dieser Kommentar wurde in mein Spamordner verschoben, aber der Nachtrag nicht. Muss ich gerade nicht verstehen.

      Natürlich ist noch nicht alles Ideal, was mit der Gendersprache abläuft. Darüber bin ich mir bewusst. Aber ich persönlich finde es falsch, nur allein deswegen, weil es mal nicht schön aussieht, es gleich sein zu lassen. Auf Twitter gibt es den Hashtag #vonwegenmitgemeint Dort gibt es sehr viele Beispiele, wo deutlich wird, dass Frauen nicht immer wirklich mitgemeint sind, wenn sie doch angeblich mitgemeint sind.

      Und es gibt 7 weitere „Geschlechter“? Danke für den Hinweis. Spontan kann ich zwei benennen. Da muss ich doch mal recherchieren. Und man muss sich nicht immer an die neutrale Sprache halten. Es kommt darauf an, was gerade passt. Wie geschrieben, es ist noch nicht alles Gold was gegendert ist. Aber es gibt einen Anfang. Jetzt müssen wir aber weiter gehen, um bessere, passendere Lösungen zu finden, mit denen man zufrieden sein kann. Denn ich bin mit dem generischen Maskulinum nicht zufrieden. Und ich bin dann mal suchen 🙂

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      • ein meist stiller MitleEr schreibt:

        Auf Deine erste Antwort (zu meinem Nachtrag) kann ich leider nicht direkt antworten:

        Ja, ich verstehe Deine Sicht durchaus; erwähnt man diese – ich nenne es mal – vereinfachung zwecks Lesbarkeit aber heutzutage in Sachtexten nicht, öffnet man sich doch sogleich dem Verdacht, quasi gender- oder speziell frauenfeindlich zu sein. Oder altmodisch 😉

        Zwecksd den 7 geschlechtern hier ein Kurzzusammenfassung:

        „Insgesamt sieben Geschlechter machen einen Menschen aus. Es gibt das chromosomale, das gonadale und das hormonelle Geschlecht. Dann das genitale Geschlecht innen und das genitale Geschlecht außen, das zur standesamtlichen Registrierung führt. Und dann gibt es noch das psychische und das soziale Geschlecht.“ (Quelle: https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/sieben-geschlechter-hat-der-mensch)

        Bei Facebook soll man mittlerweile wohl sogar die geschlechtliche Auswahl aus 60 verschiedenen Benennungen haben (worin sich einige wohl immer noch nicht wiederfinden und die Außenstehenden mitunter doppeltgemoppelt erscheinen: http://www.giga.de/unternehmen/facebook/news/neue-facebook-geschlechtsangaben-maennlich-weiblich-sonstiges/ )

        Was das „mitgemeint“ betrifft: nach wie vor steht ja auch durchaus die Frage im Raum, ob es hier wirklich ein Problem gibt oder ein Problem daraus gemacht wird. Eben weil das grammatikalische und das natürliche Geschelcht nur bedingt etwas miteinander gemein haben (bspw. http://www.sueddeutsche.de/kultur/essay-das-missbrauchte-geschlecht-1.3402438 ) und auch entsprechende Verständnisstudien den selbstkritischen Hinweis geben/gaben, das eine tatsächliche Einordnung des Sprachverständnisses eher schwer sei, weil durch bewußte nutzung der ungewöhnlichen Formen Binnen-i bzw. beider „Geschlechtsnennung“ erst ein mglw. fehlerhaftes „Fehlerbewußtsein“ geschaffen werde. ( https://www.fh-muenster.de/gleichstellung/downloads/Generisches_Maskulinum_Stahlberg.pdf )

        Ein weites (Minen)Feld, das sicherlich – wie vieles im Leben – nicht die iene Wahrheit kennt.

        In diesem Zusammenhang erlaube ich mir, Dich zu zitieren:

        „was ich an Dir mag, zwar sind wir nicht einer Meinung (zumindest in diesem Fall), trotzdem können wir vernünftig darüber reden und die Meinung der anderen Person akzeptieren.“

        Denn gerade bei solchen sehr emotional besetzten Themnkomplexen fällt allzu häufig unangenehm auf, das schon scheinbar abweichende Sichtweisen zu einem regelrechten Shitstorm führen, anstatt eben miteinander zu reden.

        Auch ein Grund, warum ich hier shcon so lange mitlese.

        Schönen Rest-Sonntag wünsche ich Dir noch.

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      • Frau Schreibseele schreibt:

        Danke für die ganzen Links.

        Die werde ich mir in Ruhe durchlesen und zu Gemüte führen. Vor allem das mit den Geschlechtern. Ich selbst möchte halt gerne mitgemeint werden, als nur das mit man mich eventuell und möglicherweise mitmeint. Denn häufig ist das halt nicht so (das Beispiel mit der Schweizer Garde).

        Klar können solche Diskussionen sehr emotional werden. Und ich versuche auch zu lernen, auch wenn ich dabei sehr emotional sein kann. Gerade was das betrifft. Aber ich versuche halt meine Meinung kundzutun und zugleich auch zu lernen 🙂

        Dir eine schöne Woche

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  4. Evanesca Feuerblut schreibt:

    Ich gendere, wenn ich es nicht vergesse (es ist eine Sache der Gewöhnung und so lange tue ich es noch nicht und leider traue ich mich auch nicht überall im Internet, was eigentlich totaler Blödsinn ist…) immer mit * statt mit Binnen-I, weil für mich das Sternchen inklusiver ist (es meint auch die non-binären Menschen mit).
    Aber bisher tue ich das in Facebookposts und Kommentaren, in Blogposts etc.
    In Romanen habe ich noch keinen Weg gefunden, ohne dass es bescheuert aussieht *grübel*, aber da bin ich am Ausprobieren. Was ich getan habe, war in Romankapiteln aus der Sicht einer nonbinären Person durchgängig xier zu verwenden. War aber mordsanstrengend :O

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    • Frau Schreibseele schreibt:

      Da ich mich seit über zehn Jahren mit dem Thema mal aktiv, mal weniger aktiv beschäftige, ist es mir wohl ziemlich ins Fleisch und Blut übergegangen. Falls Du Dich weiter einlesen möchtest, kann ich Dir Senta Trömmel-Plötz und die erwähnte Luise F. Pusch empfehlen.

      Aber ja, es stimmt, es ist reine Gewohnheitssache, sich damit auseinanderzusetzen und alles zu verwenden. Daher einfach anfangen und schreiben.

      Das mit dem * I hab ich auch durch die Filme erst gelernt, dass sie auch für binäre Personen stehen können. Daher werde ich zukünftig das verwenden, wenn ich von allen Geschlechtern spreche und nicht die rein weibliche Version benutze. Danke Dir für den Hinweis.

      Und ich kann mir vorstellen, dass es anstrengend ist, dass mit xier zu schreiben. Es ist neu, anders und sicherlich hast Du nicht gerade wenige Worte überarbeiten dürfen 🙂

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      • Evanesca Feuerblut schreibt:

        Ja, dann beschäftigst du dich wesentlich länger damit als ich und ich kann noch viel lernen hier :).

        Und WIE anstrengend es war. Aber es war gleichzeitig auch irgendwie gut, weil ich sehr oft innehalten musste. Und überlegen musste. Wie mache ich das jetzt? Wie formuliere ich? Wo kommt überall ein x hin? Das war dann doch ein behutsamerer Umgang mit Sprache.

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      • Frau Schreibseele schreibt:

        Das ist schön, was Du beschreibst. Manchmal ist so etwas wichtig, sich so intensiv mit der Sprache auseinanderzusetzen. Nur so kann man letztendlich auch ein Gefühl für sie entwickeln, finde zumindest ich 🙂

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  5. Freimann schreibt:

    Je öfter ich auf dieses Thema „gerechte“ Sprache stoße, desto mehr kommt es mir vor wie ein Scheingefecht, etwas, mit dem Ihr Frauen Euch von den wirklich entscheidenden Dingen ablenken lasst.

    Angenommen, Ihr kriegt den Rest der Welt dazu, das Deutsche mithilfe von Sternchen und Binnen-Is und was weiß ich in eine genderneutrale Sprache zu verwandeln, wo landet Ihr dann? Dort, wo das Türkische von Haus aus ist.

    Die türkische Sprache kennt nämlich überhaupt keine grammatischen Geschlechter: „O bir doktor“ heißt genauso „Er ist Arzt“ wie „Sie ist Ärztin“; will man ausdrücken, dass jemand eine Frau oder ein Mann ist, muss man es ausdrücklich sagen. Das Beispiel mit dem Klempner oben würde also gar nicht funktionieren (mal abgesehen davon würde sowieso jeder, den ich kenne, in so einem Fall „Wo ist die Klempnerin?“ sagen).

    Mit anderen Worten: Das Türkische ist der Traum für alle Gender-Fans.

    Und? Geht’s den Frauen in der Türkei besser als in Deutschland?

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    • Frau Schreibseele schreibt:

      Das finde ich durchaus interessant. In solchen Diskussionen lese ich öfters, dass Sprachen herangezogen werden, die gar kein grammatisches Geschlecht kennen. Warum nicht ins andere Extrem gehen? Die slawischen Sprachen können sowohl weiblich, als auch männlich und sächlich sprechen. Und ich selbst erlebe gerade slowenische Frauen durchaus als streitbar (da meine Wurzeln von dort kommen).

      Hier werden die Frauen sichtbar gemacht. Und DAS ist für mich ein Traum. Nicht absolut unsichtbar werden. Für mich wäre daher die türkische Sprache eher ein wahrgewordener Albtraum. Nur um das für MICH klarzustellen. Wie es andere sehen, kann ich nicht sagen. Sie mögen sich gerne äußern oder selbst darüber bloggen.

      Und leider ist das Beispiel nicht unbedingt aus der Luft gegriffen. Denn als ich den Beitrag schrieb, hörte ich eine Kollegin durchaus über eine Frau sprechen und sie wurde mit den männlichen Bezeichnungen definiert. So alltäglich ist das leider noch nicht.

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      • Freimann schreibt:

        Weibliche Bezeichnungen für Frauen finde ich jetzt ein ganz anderes Thema. Dass man im Deutschen das Wort „Bundeskanzlerin“ verwendet, wenn eine Frau dieses Amt bekleidet, halte ich für eine Selbstverständlichkeit (dafür gibt’s den Suffix „-in“ schließlich), und dass das damals echt ein Diskussionsthema war, nur weil es in einer 1949 geschriebenen Verfassung anders stand, fand ich unbegreiflich. Ich fände auch Bezeichnungen wie „Generalin“ oder „Majorin“ usw. angemessen.

        Am besten funktioniert es bei den „Kaufleuten“: „Kaufleute“ ist ein neutraler Plural, und dann gibt es den „Kaufmann“ und die „Kauffrau“.

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      • Frau Schreibseele schreibt:

        Da sind wir uns einig, wobei ich immer und immer wieder erlebe, wie Frauen von sich in der männlichen Version sprechen. Autoren, statt Autorinnen (und ich meine wirklich von sich selbst in der Singularform und nicht in der Pluralform, also innerhalb einer Gruppe).

        Und ja, Kaufleute ist wirklich in dieser Hinsicht ein schönes Wort. Es ist neutral, alle können sich wirklich mitgemeint fühlen und ich wünschte, es gäbe mehr Wörter wie dieses 🙂

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  6. Cora schreibt:

    Ich finde deinen Beitrag wirklich gelungen. Das Beispiel mit dem Klempner spiegelt das Problem sehr gut wieder. Ich persönlich gendere alles, was ich schreibe. Egal, ob Briefe, Hausarbeiten oder Beiträge für meinen Blog. Und ich glaube, dass das einfach eine Gewohnheitssache ist. Mir passiert es nur sehr selten, dass ich mein * mal vergesse und mittlerweile stört es auch meinen Lesefluss nicht mehr, wenn ich Wörter wie Autor*in lese. Weil ich daran gewöhnt bin, so zu schreiben und solche Texte zu lesen. Ich hoffe, dass sich die gegenderte Sprache weiter verbreitet und irgendwann für jede*n Alltag wird. Natürlich ist sie noch nicht vollends ausgereift, aber das wird auch nur eine Frage der Zeit sein.
    Liebe Grüße,
    Cora

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    • Frau Schreibseele schreibt:

      Hallo Cora,

      letztendlich ja. Schriftlich fällt es mir auch sehr leicht. Bei meiner ersten Ausbildung musste ich eine Abschlussarbeit schreiben und hab konsequent beide Geschlechter verwendet, sehr zum Leidwesen meiner Ausbilder.

      Aber ich sehe es auch so. Es ist halt eine Frage der Übung, wie man damit umgeht. Wenn man es nur selten oder gar nicht anwendet, dann ist es natürlich schwierig damit klar zu kommen. Aber wenn man es regelmäßig oder täglich anwendet, geht es leichter von den Lippen.

      Und klar, noch ist die Sprache nicht perfekt. Aber wenn man nicht anfängt, kommt man nicht ans Ende.

      lg

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  7. Dirk schreibt:

    Also ich finde das Binne-I und andere Genderungen furchtbar zu lesen. Da finde ich diese Lösung hier schon sinnvoller:
    Zitat: Bei einer etwa gleichen Verteilung von Frauen und Männer verwendete sie das Binnen-I. Überwogen die Frauen, benutzte sie nur die weibliche Form, bei Männern eben die männliche Form. Zitat Ende.

    Was mich aber an dieser Diskussion und an der Diskussion über das generische Maskulinum, gendergerechte Sprache etc gewaltig stört ist, dass immer behauptet wird, die deutsche Sprache würde Frauen benachteiligen. Das ist aber so nicht richtig. Wenn man aber schon diese Auffassung vertritt, sollten die Vertreter dieser Kritik auch die umgekehrten Fälle betrachten, beispielsweise: Warum ist der Artikel für alle Mehrzahlformen weiblich? Warum heißt es also *die* Männer und *die* Jungen und nicht der Männer und der Jungen? 🙂 Man kann alles übertreiben und das erste Video ist an sachlicher Unrichtigkeit kaum zu überbieten, denn wie oft hören Männer von ihren Kolleginnen ein „Hallo Jungs“, was diese genauso wenig sexistisch meinen wie Männer, die „Hallo Mädels“ sagen. Der Feminismus und seine Vertreterinnen versuchen hier mE unnötig Gräben zwischen den Geschlechtern aufzumachen.

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    • Frau Schreibseele schreibt:

      Hallo Dirk,

      das ist Deine Meinung und völlig in Ordnung. Meine Meinung habe ich in den Beitrag klar gemacht. Mein Vorschlag, den ich von Frau Fleiß habe, ist für Sachbücher sehr gut. Noch habe ich selbst keine Lösung für Romane oder derartiges gefunden.

      Wenn Dich aber etwas stört, dann ändere es doch auch. Irgendwann haben Frauen entschieden, dass sie sichtbar sein wollen. Und über Jahre und Jahrzehnte haben sie daran gearbeitet, dass es sich ändert und es auch geschafft. Wenn Dir als die Jungs oder die Männer stört, dann ändere es. Es mag sein, dass es ein langer Weg ist, aber es kann ein Anfang sein. Man muss ihn nur wagen.

      Und klar, es ist ein Rechtschreibfehler. Aber wenn wir nicht anfangen, was zu ändern, kommen wir eben nicht ans Ziel. Genauso wie es mit dem Hallo Jungs oder Hallo Mädels. Ich würde in meinem Alter einfach nicht mehr wollen, als Mädel bezeichnet zu werden. Und deswegen würde ich die Person darauf ansprechen, dass ich so nicht mehr genannt werden möchte. Natürlich würde mir das schwer fallen, das liegt aber auch an meiner Person. Aber wenn mich etwas stört, muss ich es angehen.

      Nebenbei erwähnt, selbst DIE Jungs oder DIE Männer haben noch mehr Persönlichkeit, als ich bis zu meinem 18ten Lebensjahr. Da war ich nur DAS Mädchen. Tut mir Leid, da würde ich mit dem feminimum in der Mehrzahl noch klar kommen. Aber jeder Tisch und jeder Stuhl hatte mehr Persönlichkeit als ich in meiner Kindheit. Oder jedes weibliche Kind bis zum 18ten Lebensjahr.

      Und der Feminismus will keine Graben aufmachen, sondern nur Frauen sichtbar machen. Das ist alles.

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