Solltest Du plotten?

Hei, hallo und herzlich willkommen,

sollst Du plotten oder nicht? Diese Frage stellen sich Autorinnen, seit sie schreiben. Gibt es aber gute Gründe, die fürs Plotten sprechen oder dagegen? Darüber möchte ich heute mit Dir sprechen.

Kurze Vorgedanken

Plotten ist ein Thema für sich. Manche brauchen es, um überhaupt schreiben zu können. Andere hingegen kriegen regelrechte Schnappatmung, wenn sie ihre Geschichte in einen Rahmen pressen sollen. Der beiden Gruppen nennt man zwischenzeitlich als Pantserinnen (die einfach nur drauf losschreiben) und Plotterinnen (spricht für sich selbst).

Gerade für Pantserinnen stellt sich die Frage, lohnt es sich vielleicht doch zu plotten und ein wenig mehr Arbeit zu investieren? Und ist der Plot nicht doch mehr eine Zwangsjacke als ein Pfad zur Geschichte?

Schauen wir uns mal das Thema ein wenig genauer an.

Warum wird überhaupt die Diskussion geführt?

Jetzt könnte man sagen, warum überhaupt diese Diskussionen führen? Soll doch jede Autorin glücklich sein, wie sie es will. Und doch führen einige die Diskussion auf einer Ebene, bei der ich mich doch schon zu wundern wage.

Gelerntes versus Kunst

Es geht bei der Diskussion dabei, dass einige Menschen der festen Überzeugung sind, dass man schreiben lernen kann. Es handelt sich hierbei um etwas, was man lernen und die Fähigkeiten sich aneignen kann. Für sie ist es in erster Linie etwas, was man in harten Stunden sich erarbeitet und dabei sehr viel Sitzfleisch mitbringen muss.

Andere hingegen sind der festen Überzeugung, dass man nur mit Talent eine Geschichte schreiben kann. Diese Gruppe glaubt, dass man Schreiben nicht lernen kann. Entweder man kann es oder man kann es nicht.

Daher ist die Geschichte auch irgendwo tief in ihnen drinnen. Man kann es nicht mit einem Plot erarbeiten, sondern muss sie herauskitzeln.

Das Wichtige dabei ist, dass die Plotterinnen der Überzeugung sind, dass sie einen Plot benötigen, um überhaupt schreiben zu können. Alles ist geplant und alles ist vorhersehbar. Dagegen sehen die Pantserinnen das Schreiben als eine Art mystische Angelegenheit.

Wenn man beide Seiten so ansieht, dann kann man sich vorstellen, warum es diese Diskussion gibt. Beide Seiten möchten nicht, dass man quasi ihre Wertvorstellung beschädigt oder gar zerstört. Die Plotterinnen sehen sich weiterhin im Recht, dass ihr Schreiben erlernbar ist. Und die Pantserinnen möchten weiterhin die Angelegenheit als einen mystischen Akt betrachten.

Problemlösung versus Große Träume

Wer plottet, sieht sich durchaus als Problemlöserin. Das Problem ist das weiße Blatt Papier. Wenn sie also einen Plot haben, dann lösen sie die Ängste vor dem ersten Satz oder auch dem nächsten.

Unsere Pantserinnen hingegen träumen von dem großen Plot und davon, dass sie ihre ganzen Ideen und Träume miteinander verbinden. Sie haben keine Angst vor dem weißen Blatt, weil sie dort ihre Träume sehen.

Doch die Trennung zwischen diesen beiden Ideen kann man nicht so stark aufrechterhalten. Denn viele Pantserinnen haben durchaus Angst vor dem weißen Blatt Papier. Und auch wenn die Plotterinnen einen Plot haben, so muss das noch lange nicht bedeuten, dass sie deswegen mutiger dem ersten Satz entgegenstehen.

Die Vorteile des Plotten

Doch welche Vorteile hat denn es nun, sich hinzusetzen und zu plotten?

Bekannter Pfad

Wer plottet, weiß genau, wohin die Charaktere gehen und was sie als Nächstes tun. Sie müssen nicht überlegen, was passiert oder passieren könnte. Und viele fühlen sich auf diese Art und Weise sicher.

Man kann den Plot als eine Art Fahrplan betrachten. Man weiß, wohin es theoretisch gehen könnte, es ist aber kein Muss, diesen Plan minutiös zu folgen. Es ist immer möglich, eine Abweichung nach links und nach rechts zu gehen. Aber das theoretisch kann man auch in eine andere Richtung gehen oder eben dem Pfad folgen.

Aber solange Du etwas hast, womit Du arbeiten kannst, kannst Du Dir andere entsprechende Gedanken machen. Wenn Du aber nichts hast, dann weißt Du nicht, wohin es gehen soll. Du bist quasi führungslos.

Das bedeutet also, Du weißt ganz genau, dass Dein Charakter von A nach B zu gehen hat. Und darüber machst Du Dir dann keine Gedanken mehr. Denn dieser Punkt ist eben klar. Du musst Dir vielleicht (je nachdem wie ausgereift Dein Plot ist) nur noch darüber Gedanken machen, wie Dein Charakter von A nach B kommt.

Es hilft Dir bei der Analyse Deiner Geschichte

Stell Dir bitte vor, Du bist mitten im Getümmel (zum Beispiel auf einer Buchmesse). Du siehst nur die Menschen um Dich herum. Und wenn es besonders eng ist, dann hast Du vermutlich das Gefühl, dass es überall so aussehen könnte. Wenn Du hinaus möchtest, dann ist das eher ein Suchen und ein Tasten, in der Hoffnung, dass Du in einem Bereich kommst, in denen es weniger Menschen gibt.

Würdest Du aber jetzt oben in der ersten Etage stehen und Dir die ganzen Menschenmassen ansehen, wüsstest Du genau, wo es sehr eng und wo mehr Platz ist. Du könntest notfalls jemanden unten dann dirigieren, dass die Person schneller zu der richtigen Stelle kommt.

Was hat das jetzt mit Deiner Geschichte bitte schön zu tun? Eine ganze Menge.

Wenn Du Dich mitten in Deine Geschichte hineinwirfst, kannst Du nicht immer sehen, was als Nächstes passiert oder passieren könnte. Du hast so viele Ideen und keinen Plan, wie alles in eine schöne, strukturierte Geschichte passt. Man kann also sagen, Du bist mitten in der Menschenmasse und weiß eigentlich gar nicht, wohin es als Nächstes gehen soll.

Hast Du aber einen Plot, dann weißt Du genau, wo es die ruhigen Momente gibt, wo die Action stattfindet und so weiter. Du hast hier die komplette Übersicht. Selbst dann, wenn Du Dich nur auf den Hauptplot konzentrierst und den Nebenplot während des Schreibens einfügen möchtest, hast Du immer noch die Kontrolle.

Du kannst im Vorfeld sehen, ob die Auftritte der Charaktere harmonisch sind. Oder ob nicht doch noch ein Kapitel fehlt, um etwas Wichtiges einzuführen, ein Geheimnis oder eine Lösung zum Beispiel.

Mit einem Plot fällt Dir die Analyse zu Deiner Geschichte um einiges leichter.

Es reduziert den Stress

Wenn Du besonders kreativ bist, dann kennst Du vielleicht das Problem. Man schreibt und schreibt und dann hat man auf einmal eine ganz tolle neue Idee. Und aus dieser Idee wird ein ganzes Wespennest. Man möchte noch mehr Ideen einfügen und hat dann noch mehr kreative Ideen und man kommt dann nicht einmal annähernd ans Ende.

Wenn Du ein Plot hast, dann gerätst Du nicht in Gefahr, unzählige Ideen in Deine Geschichte unterzubringen, für die in dem Roman gar kein Platz ist. Das war bei mir auch so. Jedes Mal, wenn ich ein Kapitel geschrieben habe, hatte ich noch mindestens zehn weitere Ideen. Seit ich meinen Plot jedoch fertig habe, hat sich der Stress damit reduziert.

Zuerst hatte ich gar keine unnötige neuen Ideen mehr. Und letztens kam mir eine, die sich jedoch nicht durchgesetzt hat. Denn der Plot steht und ich bin zufrieden damit. Es beruhigt mich ungemein.

Zudem hat es einen weiteren Vorteil im kreativen Prozess. Mit einem Plot brichst Du die Geschichte auf Teile herunter. Das können Abschnitte sein, das können Kapitel oder auch Szenen sein. Somit wird das Projekt übersichtlicher. Und Du musst Dir keine Gedanken machen, ob Du das überhaupt schaffst.

Wenn Du eine Plotmethode benutzt, die aus drei, fünf oder zwölf Schritten besteht, dann musst Du Dich nur um diese Schritte kümmern. Das reduziert ebenfalls den Stress, weil alles übersichtlicher wird. Aus einem Roman mit 1.000 Seiten wird ein Projekt mit zwölf Schritten.

Hier noch ein kleiner Tipp von mir schreib zuerst die Geschichte, danach den Roman. Was ich damit meine? In meinem aktuellen Roman schreibe ich wirklich nur, wie die Figuren handeln und was sie sagen. Du findest kaum bis gar nichts zu der Umgebung, zu der Kleidung oder zu deren Innenleben.

Würde ich den Roman so veröffentlichen, ein Verriss wäre mir garantiert. Aber das ist die Rohfassung. Wenn ich damit fertig bin, kann ich mich in der ersten Überarbeitung darum kümmern, dass alles harmonischer wird.

Mach Dir daher bitte in der Rohfassung keine Gedanken darum. Ja, mir ist bewusst, dass das durchaus schwierig ist, kenne ich nur zu gut. Aber schick Deine innere Kritikerin wirklich zum Spielen nach draußen. Die Rohfassung gehört Deiner Kreativität.

Die Einschränkungen des Plottens

Natürlich hat das Plotten nicht nur Vorteile, sondern auch gewisse Schwächen. Und diese Schwächen würden vielleicht dann eher dafür sprechen, dass wir doch eher zu Pantserinnen werden.

Eine schlechte Geschichte bleibt eine schlechte Geschichte

Egal ob Du einen Plot vorher geschrieben hast oder nicht, wenn Deine Geschichte von vornherein schlecht ist, ist sie es eben. Da rettet auch Dein Plot diese nicht. Du siehst es nur schwarz auf weiß, dass Du entweder eine schlechte oder gar keine Geschichte hast. Und im schlimmstenfalls siehst Du das noch nicht einmal, weil Du betriebslind bist (das kann leider schneller passieren, als man es möchte).

Daher ist es wichtig, dass Du die Grundlagen für eine gute Geschichte kennst und auch anwenden kannst. Ansonsten hast Du eine Geschichte, die Du komplett überarbeiten oder gar neu schreiben darfst.

Ein Plot ist leider kein Allheilmittel, sondern nur ein Mittel zum Zweck, wenn Du die Grundlagen beherrschst.

Der Plot ist nicht die Geschichte

Wenn man sehr intensiv am Plot arbeitet, könnte man fast den Gedanken haben, es handelt sich hierbei um die Geschichte selbst. Dabei ist es eben noch nicht so. Und manche haben durchaus die Schwierigkeit, den Sprung aus dem Plot in die Erzählung zu schaffen.

Daher ist es wichtig, wenn auch Du dieses Problem hast, dass Du Dir immer bewusst machst, dass es sich beim Plot eben nur darum handelt. Schreib Deine Geschichte so, wie Du sie am Ende lesen möchtest.

Und als Unterstützung für Dein schreiben, kannst Du auch Schreibübungen zu der Welt, zu den Charakteren und all diese Bereiche machen. Damit kommen sie eher in die Geschichte hinein, als wenn sie sich nur auf den Plot verlassen würden.

Es reduziert die Flexibilität

Ganz ehrlich, wenn Du weißt, dass Dein Charakter von A nach B soll, dann ist C, D oder der komplette Rest des Alphabets aus dem Rennen. Und das kann manchmal sehr hinderlich sein.

Denn es schränkt doch die Flexibilität ein, weil man sich auf einen Plot und damit auf einen roten Faden konzentriert. Da kann es sogar passieren, dass man für alle anderen Möglichkeiten regelrecht blind wird (eben die Betriebsblindheit).

Somit können besondere Wendungen nicht mehr in die Geschichte kommen, weil man einfach kein Auge mehr dafür hat. Und letztendlich auch kein Platz. In diesem Fall ist ein Plot eher hinderlich als förderlich.

Es frisst Zeit, manchmal sehr viel Zeit

Eines ist sicher, wenn ich an einen Plot schreibe, schreibe ich nicht an einem Roman. Damit fehlt mir Zeit. Und das kann manchmal eine Menge sein.

Je nachdem wie genau Du plottest, kann das Ganze schon mal über Wochen, wenn nicht sogar Monate dauern, bis Du fertig bist. In dieser Zeit haben manche sogar schon zwei kurze Romane verfasst.

Mit anderen Worten, es dauert und noch schlimmer, Du könntest dabei die Liebe zu Deinem Projekt verlieren. Das kann natürlich ein Problem sein.

Wähle weise

Eins kann ich Dir jetzt schon sagen, die Entscheidung, ob Du plotten oder nicht plotten sollst, kannst nur Du treffen.

Du lernst besser zu schreiben

Wie überall im Leben lernst Du durch Anwendungen. Wenn Du also die Theorie der Plotarbeit immer wieder neu erlenst wirst Du darin bessern. Und wenn Du Deine Geschichte bis auf die Knochen ausziehst und sezierst, wirst Du ebenfalls besser und schaffst es, die bestmögliche Geschichte zu verfassen, zu der Du aktuell in der Lage bist.

Daher beschäftige Dich gerne mit der Theorie des Schreibens und, was noch wichtiger ist, mit der Praxis. Denn je mehr Du lernst und je mehr Du schreibst, desto besser wirst Du.

Aus diesem Grund ist es auch wichtig zu lesen. Wenn Du siehst, wie andere es machen, dann lernst Du automatisch für Deine eigene Erzählung. Zudem baut es den Druck ab. Denn manchmal hab ich das Gefühl, dass ich eine epische Geschichte erzählen muss, in der es keine Längen geben darf. Lese ich dann einen veröffentlichen Roman, und es kommen ruhige Passagen vor, erlaube ich es mir dann auch, selbst solche Stellen zu verfassen.

Es spart doch Zeit

Natürlich ist es ein Widerspruch, wenn ich oben schreibe, dass es Zeit frisst, aber nun schreibe, dass es Zeit spart.

Wenn Du Dich intensiv mit Deinen Charakteren und der Welt auseinandergesetzt hast, kannst Du Dich an den Plot machen. Dann läuft die Geschichte fasst, wie von selbst. Denn Deine Charaktere wissen schon, wie sie in der entsprechenden Situation handeln, und geben es Dir vor.

Nur dazu musst Du wissen, wer sie sind, in was für einer Welt sie sich bewegen und was für eine Geschichte ihr zusammen erleben wollt. Dann ist das Schreiben nur noch eine Formsache.

Du musst eigentlich nur noch die Szenen schreiben, die erzählt werden wollen. Und wenn die Rohfassung fertig ist, geht es weiter mit den Details.

Erst die Geschichte, dann das Plot

Eine andere Möglichkeit wäre auch, erst die Geschichte zu schreiben und darauf hin den Plot zu erstellen (was ich übrigens mit meinem aktuellen Roman gemacht habe). Das bedeutet einfach, dass Du die Rohfassung schreibst und mit dem Material dann zum Plot kommst.

Wenn Du dann fertig bist, hast Du schon einen Roman, der Deine Pantserseele zufriedenstellt und danach einen Plot, der Deine Plotterseele beruhigt. Und mithilfe des Plots kannst Du dann Deinen Roman überarbeiten.

Natürlich wird es passieren, dass Du einige Szenen komplett neu schreiben musst, weil Du komplett neue Ideen hast. Aber die Überarbeitung ist etwas anderes, als den Roman neu zu schreiben.

Abschlussgedanken

Letztendlich liegt es an Dir, ob Du plotten willst oder nicht. Ich selbst habe zwischenzeitlich die besseren Erfahrungen mit dem Plot gemacht. Denn ohne bin ich meinen vielen Ideen ausgeliefert und komme nicht an mein Ziel an.

Du kannst gerne beide Methoden einfach mal ausprobieren und sehen, was für Dich am besten funktioniert. Und denk daran, Du kannst Dich bei jedem Projekt neu entscheiden.

Deine Vor- und Nachteile

Erstell für Dich eine Liste mit Deinen Vor- und Nachteilen, warum Du plotten würdest, oder eben auch nicht. Wichtig hierbei ist, dass diese Liste auf Deine persönlichen Bedürfnisse abgestimmt ist.

Versuch es

Egal ob Du lieber einfach drauf losschreibst oder plottest, versuch einfach mal die andere Methode. Es reicht völlig aus, wenn Du eine Kurzgeschichte schreibst. Da kannst Du schon sehen, welcher Weg Dir eher liegt.

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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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6 Antworten zu Solltest Du plotten?

  1. Ryek Darkener schreibt:

    Schöner Artikel. Man kann das aber auch knapper darstellen. 😉

    1. Wenn du deine Geschichte nicht stichpunktartig untereinandergeschrieben darstellen kannst, dann weißt du nicht, was deine Protas da veranstalten. Oder du heißt Hemingway oder so.
    2. Wenn du Punkt 1 machst, dann plottest du. Entweder bevor du schreibst, während du schreibst, oder wenn du das Geschriebene auf innere Logik kontrollierst.

    Damit habe ich mich als Plotter geoutet. Ja, es kostet Zeit. Aber ich kann nicht in einem 130k Worte langem Text danach suchen, wer was wann und wozu getan hat. Da hilft es enorm, einen Index zu haben, der zeigt, wo es ungefähr steht. Oder sollte. 😉
    Natürlich schreibe auch ich einfach so drauflos. Das sind aber normalerweise klar umrissene Teile der Handlung. Die dürfen auch direkt aus der Feder fließen.

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    • Frau Schreibseele schreibt:

      Joahh, man kann alles knapper darstellen. Aber ich wollte halt die Vor- und Nachteile vorstellen.

      Und ehrlich gesagt, früher war ich eine Pantserin, doch das hat nicht für mich funktioniert. Seit ich plotte, bin ich zufrieden mit dem, was ich schreibe. Und vor allem, ich komme zu irgendetwas 🙂 Wobei ich sicherlich noch den einen oder anderen Fehler mache.

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  2. Evanesca Feuerblut schreibt:

    Ich muss energisch widersprechen, dass Plotter*innen diejenigen sind, die sich für das Handwerk bemühen und Pantser*innen diejenigen, für die Schreiben was Mystisches ist, für das man Talent braucht! :O
    Ich war jahrelang ausschließlich Pantserin, jetzt bin ich irgendwie so ein Mischwesen (und versuche, auf 50% Plot, 50% Eingebung zu kommen), aber ich habe NIE geglaubt, dass man das Talent und den mystischen Musenkuss allein braucht. Schon seit der Teenagerzeit war ich furchtbar frustriert, weil ich nach Feedback gegiert habe und lernen WOLLTE, es aber nicht leicht war, Orte zu finden, an denen ich es auch konnte.
    Seit ich angefangen habe, mich mit Handwerk zu beschäftigen, bin ich viel glücklicher und selbstsicherer geworden, was das Schreiben angeht. Weil ich oft weiß, was ich tun muss, damit am Ende das herauskommt, was ich möchte.
    Trotzdem habe ich manchmal (oder oft) das Gefühl, dass es mir reicht, wenn mein Unterbewusstsein die Geschichte plottet und ich dann beim Schreiben im Flow wiedergebe, was das Unterbewusstsein angelegt hat. Weil ich das Gefühl habe, dass ich meine Geschichte sonst zerdenke und die Figuren unauthentisch handeln lasse, während der BAUCH das viel besser hinkriegt. Oft lösen sich auf diese Weise sogar Plotprobleme, die ich beim Plotten nicht zu lösen bekam – mein Bauch lässt mich Dinge schreiben, die SO perfekt hineinpassen, wie ich es bewusst gar nicht hätte planen können. Und auf einmal passen alle vorgeplanten Elemente wieder ineinander.
    Daran ist aber für mich nichts Mystisches, eher etwas Psychologisches. Ich schreibe nicht handlungs- sondern charakterorientiert. Das heißt, dass die Charakterentwicklung das eigentlich Spannende ist und das Drumherum, die Handlung an sich, nur die Rahmenbedingungen für diese Entwicklung bildet. Und beim Schreiben denke ich mich möglichst voll und ganz in die Charaktere rein. Wenn ich zu stark plotte, kann es dabei sein, dass ich die Charaktere verbiege und sie unauthentisch handeln. Was dann wiederum die Glaubwürdigkeit des Plots beeinträchtigt. Also lasse ich den Plot so lose, wie nötig (manchmal etwas zu lose, aber das lerne ich ja gerade) und schreibe die Handlungen aus dem Bauch, im vollen Bewusstsein dessen, dass ich instinktiv vermutlich viel besser weiß, was die Figur jetzt tun würde, als ich es je planen könnte.
    Fühlen und Denken sind keine Feinde, sondern eine Einheit bei dieser Methode. Die ich aber nur vervollkommnen kann, indem ich viel über das Handwerk herausfinde.

    Ich glaube, der wirkliche Hauptunterschied liegt viel mehr in etwas ganz anderem: Für mich als Pantserin/Hybrid wird eine akribisch geplottete Geschichte schnell langweilig. Wozu soll ich sie noch schreiben? Ich habe sie mir in allen Details doch längst selbst erzählt. Das „nur noch“ niederschreiben wird so nicht zur Arbeitserleichterung, sondern viel mehr zur Qual. Das habe ich bei meinem ersten Roman bemerkt – dem ersten und letzten Buch, das ich zu 100% von Szene 1 bis Ende durchgeplottet habe.
    (Wie du so schön anmerkst, hat dies das Buch nicht davor gerettet, schlecht zu werden und ich musste es häufig überarbeiten, bis ich es in dem Zustand hatte, in dem ein Verlag es haben wollte :D)
    Am Ende hatte ich nur noch Frust. Ich wollte, dass es endlich fertig ist, Mein eigenes Projekt hat mich so dermaßen angeödet, dass ich die letzten Szenen nur noch runtergeschludert habe, in der Hoffnung, dass es bald vorbei ist.

    Eine Geschichte, von der ich zwar die Eckpunkte kenne (ich fange NIE an, zu schreiben, ehe ich das Ende nicht kenne), aber bei der es noch genug gibt, das mich während des Schreibprozesses noch selbst überraschen kann, ist für mich daher viel spannender. Ich weiß noch nicht alles. Ich erzähle mir die Geschichte selbst, während sie entsteht. Und dabei erlebe ich den einen oder anderen völlig unvorhergesehenen Augenblick.
    Das macht Spaß. Und dann wird das Buch auch fertig, ohne dass ich es spätestens im letzten Drittel am Liebten in die Tonne werfen würde :).

    Eine Plotterin, die ich kenne, hat damit dagegen kein Problem. Sie tobt sich beim Plotten kreativ aus, probiert mal diese Richtung und mal jene, eiert herum… bis sie den stringenten Plot hat und dann nur noch runterschreiben muss.
    Für sie funktioniert das.
    Für mich nicht so wirklich.

    Es ist also eine Typsache, die man nur bedingt beeinflussen kann. Und die mit Handwerk und Erfolg wenig zu tun hat. Oder mit einer bewussten Wahl. Hey, Stephen King ist auch Bauchschreiber. Und er versteht einiges vom Handwerk, er kann sogar die auktoriale Erzählperspektive rocken und das halte ich für den Gipfel der Kunst :D.
    Und ich kenne viele Bauchschreiber*innen, die daran zerbrechen, dass ihnen suggeriert wird, nur Plotten sei das Einzigwahre, wenn sie echte Autor*innen sein wollen. Und das ist schade.

    Das mit dem „erst schreiben und dann beim Überarbeiten plotten“ habe ich bei meinem Neunteiler auch so gemacht :). Den Tipp finde ich auch wirklich hilfreich. Oft benutzen wir ja unbewusst das eine oder andere Erzählschema ohnehin – und wenn wir dann den Text darauf aufspalten, WO die Punkte zu finden sind, kann man ja an den Stellen bewusst nachschärfen, um die Story intensiver zu machen.
    Ich habe allerdings nicht das von dir erwähnte Problem, dass mir beim Schreiben dauernd Plotbunnys und Zwischenideen etc. kommen. Die Plotbunnys kommen mir nur dann, wenn ich gerade nicht schreiben darf oder aus anderen Gründen keine Zeit für Kreatives habe :D. Mein Kopf ist was das angeht, erstaunlich brav und bleibt beim aktuellen Projekt.

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    • Frau Schreibseele schreibt:

      Wow, das ist auch wieder ein sehr langer Kommentar.

      Vielen Dank dafür.

      Das mit dem mysthischen war eine Zusammenfassung aus vielen Gesprächen, die ich früher geführt habe. Dort wurden Autor*innen, die sich das Schreiben selbst beibringen wollten, müde belächelt. Und irgendwie kam hinter vorgehaltener Hand heraus, dass sie es eben als einen mysthischen Akt betrachtet haben. Ob das immer noch so ist, da würde ich Dich jetzt anlügen.

      Bei mir ist es so, dass ich früher einfach drauf losgeschrieben habe. Ich hatte immer schon ein Talent für starke Anfänge gehabt. Da ich aber nie geplottet habe, starb die Geschichte nach einer gewissen Weile und ich hab diese aufgegeben. Und Du kannst Dir sicherlich vorstellen, was danach kam, genau, die nächste Geschichte.

      Letztes Jahr hab ich dann noch einmal das Experiment gewagt und dabei kam sogar was halbgares heraus. Man könnte das durchaus verwenden. Aber zwischenzeitlich hab ich einige Bücher zum Thema Roman schreiben, Plotten und so weiter gelesen. Vermutlich hat das Wissen doch einen gewissen Einfluss auf mein Schreiben gehabt.

      Aber zu meinem aktuellen Roman hab ich zumindest eine Plotline verfasst und ich muss sagen, damit komme ich um einiges besser klar. Damit hab ich immer noch die Freiheiten, mich mal nach links und mal nach rechts zu bewegen, hab aber immer einen roten Faden, wenn ich mal Hilfe brauche. Und das brauche ich persönlcih doch sehr.

      Bei mir ist es halt so, dass ich mehr Plotbunnys habe, als es mir lieb ist. Daher brauche ich zumindest den groben Rahmen, damit ich sie für die aktuelle Geschichte im Zaun behalten kann. Wenn ich nicht schreibe, dann explodiert eh alles bei mir. Da bin ich ein hoffnungsloser Fall.

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      • Evanesca Feuerblut schreibt:

        Oha :D. Ne, mit den ganzen mythisch-schreibenden Autor*innen, die kein Handwerk machen wollen, stehe ich ja selbst auf Kriegsfuß :D.

        Wobei ich bei einer anderen Bloggerin die wichtige Erkenntnis gefunden habe, dass diejenigen, die schon als Kinder/Teenies zu schreiben beginnen und dabei eben nur Anfänge produzieren, nicht versagt haben.
        Zu diesem Zeitpunkt ist es einfach Teil der normalen menschlichen Entwicklung, anzufangen und irgendwann (aus Zeitmangel und daraus resultierende Pausen oder durch einschneidende Erlebnisse in der Pubertät) das Ding abzubrechen, weil es sich überlebt hat, noch ehe es fertig werden konnte.
        Das ist okay.
        Ich habe zwischen dem Alter von 10 und 17 auch eine Menge Anfänge produziert, die nirgends jemals hingeführt haben. Mit 14 schrieb ich sogar an drei Romanen gleichzeitig, aber keiner davon wurde je fertig. Weil ich irgendwie mal drei Monate aussetzen musste und dann feststellte: Oh. Ich bin weiter. Ich kann das nicht mehr schreiben, es bedeutet mir nichts mehr.
        Die Ausdauer, überhaupt was zu beenden – unabhängig davon, ob man Plotter*in oder Bauchschreiber*in ist – ist etwas, was man dann im Laufe der eigenen Entwicklung lernt. Das trenne ich doch sehr strikt :).
        (Wie gesagt, ich habe neun Bücher am Stück geschrieben und hatte nur den sehr vagen Plan, worauf es am Ende hinausläuft. Von den neun Büchern war eins komplett aus dem Bauch, weil ich gar nicht geplant habe, dass ich da NOCH ein Buch brauche, aber es ging sich zeitlich nicht anders aus xD)

        Wenn du persönlich den roten Faden brauchst, um dich nicht zu verzetteln, ist das ja okay :). Ich mag es nur nicht, wenn die Methode, die für ein Individuum funktioniert, als Non-plus-Ultra für alle gilt.
        (Vielleicht bin ich aber so empfindlich, weil ich meine Methode immer noch nicht habe…)

        Hilft es dir, die Plotbunnys irgendwie nach Priorität zu sortieren und dann eine Liste zu führen, welche davon du unbedingt noch schreiben möchtest?
        Ich habe sowas und es ist vielleicht der Grund, aus dem sich die Hasis benehmen. Sie wissen, wann sie dran sind 😀

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      • Frau Schreibseele schreibt:

        Na ich hoffe, dass der Beitrag nicht so rübergekommen ist, als wäre das die Non-Plus-Ultra Lösung. Denn von diesen Gedanken, dass es so etwas gibt, hab ich mich eigentlich nach und nach verabschiedet. Andererseits schreibe ich hier auch aus meiner Perspektive und für mich ist zumindest ein gewisses Maß an plotten durchaus wichtig. Ansonsten komme ich selbst nicht mehr an mein Ziel.

        Wobei mir eigentlich hilft, nicht irgendwelche Geschichten zu schreiben, die sich nett anhören (also in meinem Kopf) oder, weil ich eine Geschichte schreiben will, um eine Nische zu füllen (ja, da hab ich auch einen Roman fertig).

        Zwischenzeitlich hab ich auch zwei oder drei Romane fertig. Nur bei mir ist es so, dass ich einen starken Anfang habe, einen sehr ausführlichen Mittelteil und beim Schluss stürze ich ab und bin innerhalb eines Kapitels fertig. Da muss ich noch ein wenig üen.
        Und die Liste mit den Bunnys führe ich eigentlich schon. Eben, damit sie Ruhe geben 🙂

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