#Autorinnenzeit – Liebe Autorin, schreib doch mal mehr …

Hei, hallo und herzlich willkommen,

die zweite Woche der Autorinnenzeit ist um und mir ist immer wieder aufgefallen, dass viele Teilnehmerinnen sich etwas wünschen. Und zwar, dass Autorinnen doch bitte weniger in Frauengenres schreiben sollen, dafür doch lieber in Männergenres. Doch ist diese Aufforderung berechtigt?

Kurze Vorgedanken

Als typische Frauengenres dürften die meisten wohl den Liebesroman, Chick Lit Romane oder alles, was die Gefühle betont gesehen werden. Dagegen wird Fantasy, besonders High Fantasy, oder auch Science-Fiction als Männergenres angesehen.

Diese Genres sind nicht deswegen Frauen- bzw. Männergenres, weil jemand aus dem Geschlecht diese „erfunden“ hat. Es liegt eher daran, dass in den jeweiligen Genres eben mehr Frauen oder eben mehr Männer zu finden sind. So gehe ich davon aus, dass Du mehr Liebesromanautorinnen kennst, als Männer in diesem Genre. In Fantasy und Science-Fiction dürfte es anders herum genauso sein.

Daher haben sich einige Userinnen auf Twitter nun gemeldet und den Wunsch geäußert, dass man Autorinnen ermutigen soll, dass sie sich in den sogenannten Männergenres austoben mögen. Dagegen meinte eine andere Autorin, dass sie es nicht richtig findet, die Frauengenres abzuwerten und die Männergenres dagegen aufzuwerten.

Wer hat nun von beiden recht?

Zwei Lager

In der einen Ecke haben wir die Gruppe, welche die sogenannten Frauengenres als etwas betrachten, was man überwinden darf. Damit meine ich, es ist in Ordnung, wenn man in diesem Genre schreibt, aber auf Dauer sollte man sich dann doch der „höheren“ Literatur widmen.

Unter der höheren Literatur verstehen viele nicht unbedingt das, was Goethe oder Schiller verfasst hat. Damit meine ich Fantasy oder Science-Fiction. Also die Genres, in denen aktuell Männer dominieren. Und ja, das habe ich bewusst überspitzt dargestellt.

Warum ich diese Genres als „höhere“ Literatur bezeichne? Immerhin soll man sich ja eher mit diesen auseinandersetzen, wenn man eben schreibt. Daher kann man die anderen Genres als nicht höhere Literatur verstehen. Diese Personen möchten ja, dass die Autorinnen sich nicht mehr so intensiv dort bewegen.

Wenn man sich diese Genres genauer ansieht, dann erkennt man schon, dass es durchaus ein Geschlechterdefizit gibt. Darüber müssen wir uns nicht unterhalten. Bedauerlicherweise ist es auch so, dass Frauen dort auch nur schwer Fuß fassen.

Nicht umsonst gab und gibt es Diskussionen, warum Frauen nicht so gut wie Männer schreiben. Und wenn Frauen in einem bestimmten Genre schreiben, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie eher gemieden werden. Immerhin stammt das Buch von einer Frau. Und sie schreibt, zum Beispiel, Science-Fiction. Damit kann es automatisch nicht gut sein.

Nicht umsonst wurde der Name von Joanne K. Rowling auf J. K. Rowling gekürzt, als die ersten Harry Potter Bücher veröffentlicht wurden. Man erhoffte sich so, dass auch Jungs und Männer diese Romane lesen. So wollte man die Vorurteile umgehen.

In der anderen Ecke haben wir die Autorinnen, die klar sagen, dass man ihnen nicht vorschreiben soll, ob sie denn nun Liebesromane oder Science-Fiction zu schreiben haben. Zumindest kommt es den meisten so vor. Denn die ganzen Vorurteile, dass zum Beispiel Liebesromane keine echte Literatur sei, hören sie schon von Zeitungen und anderen „seriösen“ Medien. Da müssen die Leserinnen nicht in die gleiche Kerbe schlagen.

Vielleicht fühlen sich einige sogar in die Ecke gedrängt, weil das Genre, was sie mehr als alles andere lieben, so respektlos behandelt wird. Andere dürften einfach nur genervt sein. Nicht nur die Zeitungen schlagen auf ihr Genre ein, nun auch die Leserinnen.

Daher halten sie dagegen, dass man sie doch in dem Genre schreiben lassen soll, in dem sie sich wohlfühlen.

Wer hat denn nun Recht?

Irgendwo haben beide Seiten recht und zugleich auch Unrecht. Aber dröseln wir es langsam auf.

Warum könnte die Gruppe Recht haben, die sagt, bitte liebe Autorinnen schreibt auch in anderen Genres.

Zumindest auf dem ersten Blick scheint es so, dass Autorinnen in einigen Genres häufiger anzutreffen sind, als in anderen. In Liebesromanen gibt es keinen Mangel an Autorinnen. Wenn ich aber in meinem Gehirn herumkrame, dann kann ich spontan nur zwei Science-Fiction-Autorinnen benennen: Octavia E. Butler und Marion Zimmer-Bradley.

Wenn ich weiter krame, werde ich sicherlich noch einige andere Namen finden, aber da muss ich mich schon mehr bemühen. Bei High Fantasy sieht es genauso aus. Gerade, weil ich hier viel lese, fallen mir eher Autoren ein, als eben Autorinnen.

Daher kann ich den Wunsch verstehen, dass eben Frauen gerne von mehr Autorinnen in den Männergenres lesen würden. Doch ich denke, das ist auf zwei Ebenen ein wenig zu kurz gegriffen.

Dieser Wunsch, dass Frauen in anderen Genres schreiben, berücksichtigt nicht, dass sie eben andere Wünsche haben. Damit meine ich, dass jeder Mensch Vorlieben hat, Wünsche, Eigenheiten und so weiter besitzt. Wenn die Autorinnen also lieber Liebesromane schreiben möchten, dann werden sie in diesem Bereich eher glücklich werden, als wenn man sie zwingt, High Fantasy zu schreiben.

Als ein weiteres Problem sehe ich, dass die bestehenden Autorinnen keine Unterstützung finden. Teilweise auch von denen, die sagen, dass Frauen doch mehr dieses oder jenes schreiben sollen.

Vielleicht hat ja jemand wirklich Interesse daran, neben dem Liebesroman noch ein High Fantasy Buch zu schreiben. Doch wenn sie befürchten muss, kaum bis gar keine Unterstützung zu bekommen oder gar abgelehnt zu werden, überlegen sich das doch einige. Klar, nicht alle, aber sicherlich doch die eine oder andere Autorin.

Daher kann ich schon verstehen, wenn einige Frauen sagen, danke, aber nein danke.

Welchen Lösungsvorschlag mache ich?

Suche heute nach Autorinnen, die in den Genres schreiben, in denen Du mehr Autorinnen lesen möchtest. Kauf Dir das eine oder andere Buch, lese es, mache es öffentlich und zeige den anderen Autorinnen, dass es sich lohnt, sich mit diesen Genres auseinanderzusetzen.

Wenn ich sehe, dass Leserinnen und Leser gerne auch Frauen in den eigentlich so typischen Männergenres lesen, dann werde ich vielleicht auch als Autorin ermutigt, mich dort zu bewegen.

Daher unterstütze Deine Lieblingsautorin nicht nur damit, dass Du ihnen sagst, wo sie schreiben könnten. Sondern eben auch, dass es sich durchaus lohnenswert wäre. Man kann Autorinnen auf viele Arten unterstützen.

Noch wichtiger finde ich, dass man aber auch die Entscheidung der Autorinnen für ihr Genre respektieren sollte. Frauen bekommen sowieso immer wieder Gegenwind, egal was sie tun und für was sie sich entscheiden. Wenn sie dann noch von den Leserinnen und Lesern zu hören bekommen, sie haben sich für das falsche Genre entschieden. Das tut keiner Seele gut.

Abschlussgedanken

Natürlich kann ich den Wunsch verstehen, mehr Autorinnen in bestimmten Genres zu lesen. Zugleich aber auch den Widerstand, sich nicht vorschreiben zu lassen, was man zu schreiben hat und was nicht.

Gerne kannst Du Deine Lieblingsautorinnen ermutigen, etwas Neues zu wagen. Dagegen spricht sich sicherlich niemand aus. Aber respektiere bitte auch ihren Wunsch, wenn sie es nicht möchten. Und zugleich kannst Du ihnen auch zeigen, es lohnt sich auch, über den Tellerrand zu schauen.
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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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7 Antworten zu #Autorinnenzeit – Liebe Autorin, schreib doch mal mehr …

  1. Neko schreibt:

    Hat dies auf Nekos Geschichtenkörbchen rebloggt.

    Gefällt mir

  2. Neko schreibt:

    *dafür* Mehr Katzen in Fantasy und SciFi 🐾🐱

    Gefällt mir

  3. hproentgen schreibt:

    Gibt es wirklich mehr Fantasyautoren als -autorinnen? Ich erinnere mich an die James Tiptree Affaire in den Siebzigern. Da schrieb Silverberg, dass James Tipptree jr. der einzige männliche Autor sei, der der Riege der weiblichen Nachwuchsautoren Paroli bieten könne.
    Es kam, wie es kommen musste. James Tipptree, der Mann mit der tollen männlichen Schreibe entpuppte sich als 70jähirge Lady.
    Und ich erinnere mich an eine ganze Reihe weiblicher Fantasyautorinnen, die genauso lesenswert sind, wie James Tipptree. Wie wäre es zum Beispiel mit Ursula LeGuin?
    Ich berate ja auch viele Autoren. Und im Fantasybereich bemerke ich da keinerlei Mangel an weiblichen Autorinnen, ganz im Gegenteil, die sind in der Mehrzahl.

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    • Frau Schreibseele schreibt:

      Gut, an die Zeit der Siebziger kann ich mich nicht erinnern, da ich zu der Zeit noch nicht in Planung war 😉 Und es mag sein, dass Qualitativ, also an der reinen Anzahl, Frauen noch heute stark vertreten sein mögen. Würde man eine reine Zählung aufführen, wie viele Frauen in welchem Genre schreiben (also High Fantasy, Low Fantasy, was auch immer), mag es sein, dass sie dominieren.

      Aber Quantitativ (in diesem Kommentar bezeichne ich das als empfinden, in wie fern jemand Aufmerksamkeit auf sich zieht), finde ich, dass Männer eher dominieren. Spontan könnte ich Dir mehr Männer in der Fantasy aufzählen, als Frauen. Und bedauerlicherweise wäre Ursula LeGuin spontan nicht dabei gewesen (also bei den Frauen). Dabei hab ich sogar ein Buch von ihr in meinem Regal stehen.

      Aber in der Science-Fiction sind ja auch viele Frauen vertreten. Doch erst durch die Autorinnenzeit hab ich die eine oder andere erst kennenlernen dürfen. Es gibt sie, nur fallen die eher unter dem Tisch, als das sie auffallen.

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      • hproentgen schreibt:

        Das ist gerade das Traurige, dass die Autorinnen mehr sind, aber weniger auffallen. Obwohl es weiß Gott genügend hervorragende Fantasy-Autorinnen gibt. Ich vermute, dass das auch in anderen Genres gilt: Die Frauen fallen nicht so auf. Nicht weil sie nicht so gut sind (LeGuin oder Tiptree sind hervorragend), sondern weil wir die Männer eher wahrnehmen.

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      • Frau Schreibseele schreibt:

        Leider ja. Gestern hab ich ein wenig recherchiert und einige Bücher von Autorinnen auf meine Wunschliste gesetzt, da ich nächstes Jahr Bücher rezensieren möchte. Und bei einigen Werken war ich durchaus überrascht, das es sie gab, bzw. auch, dass es sie nicht gab.

        Daher finde ich die Autorinnenzeit durchaus wichtig. Denn man kommt halt ins Grübeln, wird zum nachdenken angeregt und neigt vielleicht eher, sich auch mal mit Autorinnen zu beschäftigen. Denn mir ist aufgefallen, es mag Fantasyautorinnen geben, wie sieht es aber mit Horrorautorinnen aus? Erst durch die Autorinnenzeit hab ich eine kennengelernt. Und sicherlich gibt es auch hier einige. Die man eben nicht kennt, weil sie nicht Stephen King heißen 😦

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