#Autorinnenzeit : Wieso immer angehende Autorin?

Hei, hallo und herzlich willkommen,

im Rahmen der Autorinnenzeit gibt es immer wieder interessante Diskussionen auf Twitter. Ein Thema hab ich für den heutigen Beitrag aufgegriffen.

Kurze Vorgedanken

Die folgenden Ausführungen erlebe ich entweder an anderen, besonders bei Frauen, oder auch bei mir selbst. Woran das jetzt genau liegen mag, darüber könnte ich jetzt spekulieren. Doch das würde wohl nicht nur den Rahmen dieses Beitrages sprengen.

Daher führe ich in erster Linie nur auf, was ich selbst beobachtet habe und dann, wie ich diese Angelegenheit nun selbst betrachte.

Angehende Autorin vs. Autorin

Wer jetzt wirklich die Diskussion vom Zaun gebrochen hat, da bin ich mir nicht sicher, behaupte aber, dass es Textflash war. Ihr viel auf, dass in ihrer Timeline sehr viele angehende Autorinnen zu finden sind, aber kaum bis gar keine Autorinnen. Also als jemand, die von sich behauptet, dass sie zur schreibenden Zunft gehört.

Viele schrecken vor dem Gedanken zurück, sich Autorin zu nennen. Und bis vor Kurzem gehörte ich auch dazu. Doch nachdem ich mir Gedanken dazu gemacht habe, sehe ich die Sache ein wenig anders.

Doch warum ist das so?

Wenn Du auch zu den angehenden Autorinnen gehörst, kann ich natürlich nur spekulieren, warum Du Dich so bezeichnest. Daher möchte ich hier erklären, warum ich mich bis vor einigen Tagen nicht getraut habe, mich als Autorin zu bezeichnen.

Es war schlichtweg die Angst, die mich zurückhielt. Wenn ich erklären würde, ich wäre jetzt eine Autorin, müsste ich doch genau das beweisen. Als Autorin hat man doch Bücher veröffentlicht. Oder zumindest Kurzgeschichten in diversen Anthologien. Gut, Letzteres hab ich geschafft. Immerhin eine Kurzgeschichte in einer Anthologie.

Stehe ich nach außen offen zu dem, was ich bin bzw. wie ich mich sehe, verlangen viele einen Beweis dafür. Gerade in Deutschland scheint es mir, dass wir für alles Zertifikate, Zeugnisse oder Urkunden benötigen. Auch für Dinge, die man eigentlich so nicht lernen oder lehren kann. Aber trotzdem, dafür hätte ich gerne eine Urkunde.

Im November 2016 habe ich an einem sogenannten Speed Reading Kurs teilgenommen. Und obwohl es keine Überprüfung gab, ob wir denn wirklich allesamt wirklich gelernt haben, schneller zu lesen und wenn ja, in welchem Umfang, gab es ein Zertifikat dafür.

Daher war es wohl unbewusst auch bei dem Thema Autorin bei mir so, dass ich zuerst einmal zurückgeschreckt bin. Immerhin kann ich mich nicht offen als solche bezeichnen, wenn ich doch nichts vorzuweisen habe. Aber wenn dann mein erster Roman veröffentlich ist, so meine Gedankengänge weiter, dann sieht das alles natürlich ganz anders aus.

Mich würde es nicht wundern, wenn viele aus diesen oder ähnlichen Gründen ebenfalls zurückschrecken, sich als Autorin zu bezeichnen. Wenn man sich dann als angehende Autorin tituliert, hat man eine Hintertür offen. Man ist ja nur auf den Weg, aber eben noch nicht angekommen. Und wenn mir dann jemand zu nahe tritt, kann ich sagen, hei, da steht angehend. Also ruhig Blut.

Was ist denn eine Autorin?

Wenn man im Duden nachschlägt, steht dort, dass man eine Verfasserin von Literatur oder Texten ist. Dort steht nichts über die Veröffentlichung. Mit anderen Worten, sobald Du ein Text verfasst hast, bist Du eine Autorin.

Sobald Du also eine Szene, eine Kurzgeschichte oder einen Blogbeitrag geschrieben hast, kannst Du Dich als Autorin bezeichnen. Und wenn Du beweisen musst, dass Du wirklich eine bist, verweist Du auf Deine Texte. Dabei ist es nicht notwendig, sie in irgendeiner Art und Weise zu veröffentlichen. Immerhin ist das ja kein Bestandteil des Autorinnenlebens.

„Ist das nicht anmaßend?“

Während der Diskussion erwähnte ich, dass Männer (von meinem Gefühl her), scheinbar weniger Probleme haben, sich als Autor zu bezeichnen. Oder wie auch immer sie sich definieren mögen.

In dem Buch von Martin WehrleHerr Müller, Sie sind doch nicht schwanger?„, habe ich Folgendes gelesen (von mir zusammengefasst):

Nehmen wir an, eine Frau und ein Mann würden die gleiche Stellenanzeige lesen. Und nehmen wir an, dort sind fünf Fähigkeiten aufgeführt, welche die zukünftige Kollegin oder der zukünftige Kollege bitte haben möge.

Sagen wir mal, beide beherrschen vier der fünf angeforderten Fähigkeiten, was glaubst Du, wer würde sich bewerben? Also der Mann oder die Frau?

Als ich las, dass Frauen immer darauf warten, alle Qualitäten oder Anforderungen zu erfüllen und Männer sich einfach bewerben, sind mir die Schuppen von den Augen gefallen. Denn genau das hab auch ich gemacht. Dabei war es egal, wie toll sonst die Beschreibung war. Konnte ich einen Punkt nicht, war die Stellenanzeige für mich gestorben.

Doch was hat das jetzt bitte schön mit der Bezeichnung Autorin oder angehenden Autorin zu tun? Durchaus eine Menge. Männer scheinen weniger Probleme zu haben, sich als jemanden zu sehen oder auf eine Stelle zu bewerben, auch wenn sie nicht alle Qualifikationen dafür erfüllen. In dieser Hinsicht sind sie mutiger.

Frauen hingegen scheinen erst einmal mindestens drei Studienabschlüsse zu wollen, um sich überhaupt zu bewerben. Oder sich als etwas zu bezeichnen, was sie eventuell sein könnten. Und das einfach nur deswegen, weil sie durchaus ein Anrecht darauf haben.

Nein, halt und kurz durchgeatmet. Das soll nicht bedeuten, dass Du Dich ab sofort Ingenieurin bezeichnen sollst, auch wenn Du gar keine Ahnung hast, was die überhaupt machen. Es gibt Berufe, die sind geschützt. Das bedeutet, wenn Du Dich als Ärztin oder eben Ingenieurin bezeichnen möchtest, musst Du die Voraussetzungen erfüllen.

Zurzeit mache ich einen Fernkurs zur „Heilpraktikerin begrenzt auf dem Gebiet der Psychotherapie„. Um mich offiziell so nennen zu dürfen, muss ich eine Überprüfung vor dem Gesundheitsamt vornehmen. Und ich selbst würde niemals auf die Idee kommen, mich heute als HP’in Psych zu bezeichnen. In diesem Fall ist die Bezeichnung „angehende“ durchaus passend.

Doch hierbei handelt es sich nicht um eine Bezeichnung, die einen genauen Rahmen hat, wie man diesen füllen muss. Wann ist man nun eine Autorin oder eine Künstlerin oder eine Musikerin oder was auch immer? Dafür gibt es, in meinen Augen, keine genauen Definitionen.

Du willst ja nicht als Ärztin die Welt retten, sondern eine Geschichte schreiben. Ein gewaltiger Unterschied. Daher sehe ich es nicht als anmaßend an, in dieser Hinsicht ein wenig selbstbewusster zu sein.

Daher sehe ich das nicht als eitel oder arrogant an. Denn ich verändere oder beeinflusse damit nicht die Welt. Oder begehe eine Straftat, weil ich mir einen Titel anmaße, den ich gar nicht führen darf. Hier geht es nur darum, ob ich mich als Autorin bezeichne oder nicht. Das war es auch schon.

Abschlussgedanken – Wie bezeichnest Du Dich?

Nachdem ich die Diskussion erlebt habe, bezeichne ich mich selbst nun als Autorin und als Künstlerin.

Als Autorin eben deswegen, weil ich durchaus eine Kurzgeschichte in einer Anthologie veröffentlichen durfte. Aber auch, weil ich schreibe. Jeden Tag. An meinen Geschichten. Und an diesem Blog.

Als Künstlerin, weil ich male. Nicht jeden Tag, aber immer und immer wieder. Nein, ich studiere keine Kunst. Aber das haben viele auch nicht getan. Vielleicht braucht es aber auch ein paar Querköpfe in dieser Szene.

Und was bist Du?

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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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5 Antworten zu #Autorinnenzeit : Wieso immer angehende Autorin?

  1. Miriam a.k.a. prinzessinnenundraben a.k.a. @Rabengekraechz schreibt:

    In meinem Profil bei Twitter steht „Hobby-Autorin“. Autorin bin ich, wenn ich entweder komplette Texte fertig stelle oder, so Kafka-mäßig, meine Fragmente literarischen Ruhm genießen. Wobei diese Definition die Frage aufwirft, was „fertig“ ist und was ein „kompletter Text“ ist. Roman in Rohfassung geschrieben hatte ich schon mal.

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    • Frau Schreibseele schreibt:

      Dann würde ich Dich glatt als Autorin bezeichnen. Hobby wäre jetzt, wenn Du es nur aus Spaß betreibst und es über Foren oder Blog oder was auch immer veröffentlichst. Wobei auch ein Hobby Durchhaltvermögen und viel Leistung abverlangen kann. Das gilt auch fürs schreiben 🙂

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  2. Neko schreibt:

    Hat dies auf Nekos Geschichtenkörbchen rebloggt.

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  3. k4tze schreibt:

    Die kleine Gemeinsamkeit finde ich nett, zudem ist es ein sehr guter und wichtiger Text. Ich veröffentlichte bis jetzt auch erst eine Geschichte in einer kleinen Anthologie und bezeichnete mich auch immer nur als „angehende Autorin“, denn wenn man dem Gegenüber sagt, man sei „Autorin“, folgt gleich darauf Belustigung mit etwas Ungläubigkeit, und dann muss man sich dem Prüfer mit Beweisen stellen, sprich veröffentlichte Bücher. „Wo hast denn schon veröffentlicht? Carlsen? Heyne? Random House?“ – „Nein, aber ich schreibe regelmäßig meine 1000 Worte pro Tag und arbeite an meinen Geschichten und..“ – „Ah…. Ah.. Okay.“ – „.. und meinem Blog“. Und damit ist das Gespräch beendet. Ich verstehe daher, wenn man sich aus Selbstschutz nur „angehende Autorin“ nennt, aber eigentlich ist das dumm, denn wie du schreibst: Wer schreibt, wer an Geschichten arbeitet, wer dichtet, wer bloggt – der schreibt ja schon – und soll sich ruhig Autor/in nennen können. Jedenfalls Danke für diesen Text 🙂

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    • Frau Schreibseele schreibt:

      Vielen Dank für Deine Sicht der Dinge.

      Und genau das ist es. Man muss ja beweisen, dass man ja eine Autorin ist. Man muss sagen, ich habe einen Bestseller bei, sagen wir, Piper veröffentlicht und wurde in mindestens 27 Sprachen übersetzt. Erst dann darfst Du Dir überlegen, Dich Autorin zu nennen. Ist übertrieben? Für einige leider nicht.

      Daher eben mein Vorschlag, seien wir selbstbewusst und sagen es einfach. Und wenn jemand Beweise braucht, ich bin dazu nicht verpflichtet die zu liefern 🙂 ❤

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