Schreib, was der Markt verlangt …

Hei, hallo und herzlich willkommen,

vielleicht hast Du den Satz schon einmal in irgendeiner Form gehört oder gelesen: Willst Du erfolgreich sein, musst Du nach dem Geschmack des Marktes schreiben. Diesen Satz hatte ich auch als Kommentar auf einen Beitrag. Doch stimmt der wirklich?

Kurze Vorgedanken

Fakt ist, manche und viele Autorinnen möchten vom Schreiben leben. Daher überlegen viele, wie sie das erreichen können. Natürlich, in dem sie schreiben. Und auch, indem sie veröffentlichen.

Daher bekommen sie von einigen den Hinweis, dass sie nach dem Markt schreiben sollen. Also das, was gerade gerne gelesen wird. Und es gibt sie auch, die Dauerbrenner, die Themen, die Geschichten die immer und immer wieder gerne gelesen werden. Schreibt man in diesen Genres oder mit gewissen Themen, kann man sicher sein, auf Dauer davon zu leben.

Heute möchte ich mir die Vorteile dieses Gedankenganges ansehen und auch die Nachteile.

Die Vorteile

Sicherheit

Als Sicherheit verstehe ich, dass man weiß, in welchem Rahmen man sich bewegen kann oder auch gelegentlich muss. Viele vor mir haben in einem bestimmten Genre oder in einem bestimmten Gebiet geschrieben. Und an diesen Vorgaben, die sie erschaffen haben, kann ich mich orientieren.

Immerhin haben es die anderen schon vorgemacht und damit Erfolge gefeiert. Warum sollte es daher nicht bei mir klappen? Und nein, hierbei schreibe ich nicht davon, bei den anderen abzukupfern. Es geht darum, sich von den anderen Werken inspirieren zu lassen.

Wenn ein Haufen Autorinnen über Vampire vor Dir geschrieben haben. Kannst Du sehen, was sie bisher verfasst haben und schauen, wo Deine Geschichte ihren Platz findet. In solchen Fällen befindest Du Dich in guter Gesellschaft.

Und in dieser Sicherheit kannst Du dann Deine Geschichten schreiben und Welten erfinden.

Garantierte Leserschaft

Wenn Du in einem Genre schreibst und mit Elementen, welche bereits bestehen, ist die Wahrscheinlichkeit um einiges größer, dass Du an einen festen Leserinnenstamm rankommst.

Leserinnen wollen häufig viel und schnellen Nachschub. Es mag bis zu einem Jahr dauern, bis ein Roman veröffentlicht wird (gerade wenn es sich um ein Verlagsbuch handelt, gibt es andere Laufzeiten, als im Selfpublishing). Aber es dauert gerade etwa eine Woche, in denen Vielleserinnen den Roman durchgelesen haben. Und manche sind sogar noch schneller. Daher ist es ihnen wichtig, dass sie so viel wie nur möglich aus ihrem Lieblingsbereich lesen können.

Wenn Du also diesen Markt bedienst, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Du einen Fuß reinsetzen kannst. Es ist nicht garantiert, sei Dir darüber im Klaren. Aber sie ist höher, als wenn Du was ganz Neues versuchst.

Akzeptanz auf dem Markt

Was der Markt kennt, wird auch gelesen, veröffentlicht und gezeigt. Das gilt sowohl für Verlage als auch für den Buchhandel. Können sie Deine Geschichte eindeutig zuordnen, dann sind sie auch eher bereit Deine Geschichte in den Handel aufzunehmen.

Nehmen wir mal an, Du schreibst eine Geschichte mit verschiedenen Elementen, sagen wir, Fantasy mit Science-Fiction und Horror gemischt. Die Geschichte kann noch so gut sein und von Deinen Leserinnen geliebt werden. Doch in welchem Regal soll Deine Geschichte untergebracht werden?

Du magst lachen, doch das ist wichtig sowohl für den Verlag als auch für den Buchhandel. Können sie Deinen Roman nicht eindeutig zuordnen, wissen sie auch nicht, wie sie es bewerben sollen. Daher schrecken zumindest größere Verlage vor solchen Romanen eher zurück.

Bei Indieverlagen mag das anders aussehen, weil sie häufig noch mit dem Anspruch auftreten, gerade solche Geschichten zu veröffentlichen. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass Du deswegen in einem Buchladen landen wirst.

Hältst Du Dich an die Spielregeln, also trennscharfe Zuordnung zum Genre, bekannte Elemente und so weiter, ist die Wahrscheinlichkeit höher bei einem Verlag zu landen und letztendlich auch im Buchhandel.

Nachteile

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Daher gibt es auch einige Nachteile, wenn man nach dem Markt schreibt. Hier sind einige, die mir so einfallen.

Untertauchen

Wenn man, wie alle andere, im gleichen Thema schreibt, braucht man sehr viel Energie, um aufzufallen. Vor einigen Jahren war ich in einer Buchhandlung, in dem es von Vampirbüchern nur so wimmelte. Und irgendwann hab ich den Überblick verloren.

Daher liegt es an Dir, doch einige Elemente einzubauen, um Dich von den anderen eindeutig zu unterscheiden. Und natürlich musst Du, egal ob Du Verlagsautorin bist oder Selfpublisherin, sehr viel Werbung für Dich machen. Immerhin willst Du ja als Autorin wahrgenommen werden. Daher musst Du erst einmal für Aufmerksamkeit sorgen.

Man kann sagen, Du bist eine von vielen. Und daher kann es passieren, dass Du dabei auch untergehst.

Hinterherhinken

Nehmen wir an, aktuell sind die Werwölfe total angesagt. Irgendeinen Trend gibt es ja immer und die wechseln schneller, als man schauen kann. Und Du hast eine tolle Werwolfidee und willst daher hier unbedingt mitschreiben. Also legst Du los, plottest und schreibst und veröffentlichst die Geschichte (egal wie, auf die Einzelheiten will ich jetzt nicht eingehen).

Da es dauert, bis man einen Roman fertig hat, kann es sein, dass Du den Trend verpasst hast. Manchmal halten die ein paar Jahre, andere hingegen sind schneller vorbei, als man die Idee geplottet hat.

Daher kann es sein, dass Du wertvolle Schreibzeit in eine Idee gesteckt hast, die niemand lesen will. Und letztendlich verdienst Du, um es ganz hart zu schreiben, damit noch nicht einmal Geld.

Hast Du die Geschichte geschrieben, weil Du sie liebst, ist das was anderes. Doch einige leben schon von ihrer Arbeit und daher ist es für sie wichtig, dass sie so schnell wie möglich mit den Trends arbeiten.

Gelangweilt

Zwischenzeitlich melden sich immer mehr Leserinnen und Leseblogs mit einem Wunschzettel, was sie nicht mehr lesen wollen. Schreibt man nach den aktuellen Trends, landen die eigenen Bücher zwangsläufig auf solchen Listen. Denn, um es mal direkt anzusprechen, viele Leserinnen sind von den vielen Trends schlichtweg gelangweilt.

Das bedeutet, dass die Gefahr besteht, dass Du nicht gelesen wirst, weil Deine Geschichte zu den langweiligen gehört. Gerade dann, wenn Du Dich an die Haupttrends hältst, zu denen aktuell, gefühlt, jede zweite Autorin einen Roman veröffentlicht.

Vor einigen Wochen habe ich zwei Bücher entdeckt, in denen es darum geht, dass ein junger Mann eines Verbrechens beschuldigt wurde, welchen er nicht begangen hat. Daraufhin musste er das Dorf verlassen, um halt ins Abenteuer zu gehen.

Die Geschichten klangen so ähnlich, dass sie mich überhaupt nicht mehr interessiert haben. Denn allein die Ähnlichkeit hat mich schon angefangen zu langweilen.

Vorsicht, Verwechslungsgefahr

Bei den eben erwähnten Büchern kann noch etwas Schlimmeres passieren, Du wirst mit einer anderen Autorin verwechselt. Wenn Du eben über einen Jungen schreibst, der für ein Verbrechen büßen soll, welches er nicht begangen hat und jemand anderes auch, dann klingt das schon im Klappentext sehr ähnlich.

Gerade dann, wenn man sich nicht näher mit dem Buch beschäftigt hat und somit mit dem Namen der Autorin. Da kann es passieren, wenn man über die zweite Geschichte stolpert, dass man zwei Mal das gleiche Buch gefunden hat. Man wird mit jemandem verwechselt, die man gar nicht ist.

Das kann bedeuten, dass man sich auch nicht abheben kann. Wie soll man eine individuelle Werbung und Positionierung erreichen, wenn man wie jemand anderes ist? Das kann schwierig sein und erfordert mehr Energie in die eigene Werbung.

Wie könnte man vorgehen?

Die oben aufgeführten Punkte sind sicherlich nicht erschöpfend. Aber ich denke, dass Du nun ein Bild davon hast, was passieren könnte, wenn Du nach dem Markt schreibst. Doch wie könnte man nun eigentlich vorgehen?

Wer bleibt in Erinnerung?

An welche Autorin erinnerst Du Dich eher? An die Autorin, welche den hundertsten Vampirroman geschrieben hat? Oder an die Autorin bzw. den Autor, welche die Vampire überhaupt salonfähig gemacht hat? Also Bram Stoker?

Oder wie sieht es mit Edgar Allen Poe aus? Er hat das Genre des Krimis begründet. Mary Shelley war die erste Autorin, welche eine Art Science-Fiction Roman geschrieben hat. Und für die meisten gilt sie als Begründerin des Steampunks.

Und das gilt für viele Bereiche. Wer erinnert sich schon an die, welche lediglich Trends nachgelaufen sind? Die tauchen unter und es kann sogar passieren, dass sie eher verschwinden. Aber die, welche Trends erschaffen oder dem Ganzen eine besondere Note geben, die bleiben in Erinnerung.

Was willst Du?

Aber die wichtigste Frage lautet nicht, was will der Markt, sondern, was willst DU?

Als die Vampire vor einigen Jahren noch so sehr gehyped wurden, hätte man Dir sicherlich geraten, schreib einen Vampirroman. Immerhin wurde das damals gelesen. Und ja, noch heute gibt es Leserinnen, die Vampirromane immer noch sehr gerne verschlingen.

Doch, was wäre, wenn Du mit Vampiren gar nichts anfangen kannst? Man wird merken, dass Du Dich viel mehr anstrengen musst, Dich in das Thema hineinzuarbeiten, als jemand, die Vampire liebt.

Vor einigen Jahren hab ich eine Diskussion miterlebt, wie eine Autorin am besten einen erotischen Roman schreiben kann. Dabei war ihr das Thema Erotik und Sex eher zuwider. Sie hatte noch nicht einmal entsprechende Romane gelesen. Aber sie wollte eine solchen Schreiben, damit sie das Geld abgreifen kann. Denn eins ist klar, mit Erotik kannst Du durchaus Geld verdienen.

Wenn Du keine Ahnung von der Thematik hast, dann wirst Du schon Schwierigkeiten haben, darüber zu schreiben. Ist Dir ein Thema dann noch zuwider, wird es besonders schwer. Dann kann das Genre noch so viel Geld abwerfen, Du wirst nicht den Erfolg haben, den Du Dir wünschst.

Setze Trends

Wenn Du mithalten willst, ist es besser, wenn Du Trends setzt, als denen hinterher zu schreiben. Du kannst dann über ein Genre, Thema, was auch immer, schreiben, was Dir wirklich am Herzen liegt. Und zudem bist Du die Erste, die in ihrem Gebiet wildern kann.

Poppy J. Anderson ist meiner Meinung nach die erste deutsche Autorin, die über American Football schreibt. Und damit hat sie eine eigene Marke gesetzt. Zwischenzeitlich hab ich einige andere Romane gesehen, die ebenfalls dieses Thema aufgreifen. Sie könnten sogar besser als das Original sein. Doch die meisten greifen zu ihren Romanen, weil sie eben den Anfang gemacht hat. Alle anderen machen eben nur nach.

Und dabei hat sie nur ein einziges Element hinzugefügt – American Football – um einzigartig zu werden. Klar, sie schreibt immer noch den klassischen Liebesroman. Aber sie hat etwas anders gemacht. Das hätte auch ein Fehler sein können. War es aber nicht.

Daher schau Dir Dein Lieblingsgenre an und überleg, welche Besonderheit Du hinzufügen kannst, um etwas Einzigartiges zu schaffen. Manchmal reichen kleine Elemente. Und manchmal muss man ein komplett neues Genre erschaffen.

Trau Dich frech zu sein

Unter frech verstehe ich, die aktuellen Regeln über Bord zu werfen und etwas völlig neues zu wagen. Natürlich, ja, es kann sein, dass niemand Deinen Roman lesen will. Oder es dauert extrem lange, bis Du Deine Leserinnen zusammenhast.

Aber damit kannst Du etwas erreichen, was alle anderen nicht schaffen, die nur Trends hinterher schreiben. Du kannst einen Trend setzen, ein Genre erschaffen und das Schreiben, was Du willst.

Abschlussgedanken

Natürlich gehört viel Mut dazu, sich von dem gewohnten wegzubewegen und zu entscheiden, etwas völlig neues zu wagen. Aber ich bin selbst der festen Überzeugung, dass es sich auf Dauer lohnt. Damit schaffen wir, dass ein frischer Wind durch die Buchlandschaft gefegt wird. Und vielleicht können wir so erreichen, dass die Verlage und der Buchhandel mutiger werden, wenn wir mutiger werden.

Lass uns gemeinsam mutig sein.

Dein Thema

Überleg und notiere Dir alles, worüber Du schreiben möchtest. Danach kannst Du planen und plotten, wie Du das in einer Geschichte unterbringen möchtest.

Recherche

Recherchiere oder denk darüber nach, an welche Autorinnen Du Dich erinnerst. Und inwiefern haben sie etwas Neues geschaffen bzw. sind sie einen Trend hinterhergelaufen. Es geht dabei um den Wiedererkennungswert ihrer Geschichten.

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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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2 Antworten zu Schreib, was der Markt verlangt …

  1. C.K. Moises schreibt:

    Das man so leicht einen Trend setzten kann mit nur einem „winzigen“ Element hätte ich nicht gedacht. Aber stimmt schon die Atmosphäre wird dadurch stark beeinflusst. Mh, muss ich mir merken. 🙂

    Ich muss dir in allen Punkten recht geben! Vor allem der Punkt schreiben was einem interessiert. Das darf auch gerne ein Thema sein mit dem man sich anfangs nicht auskennt. Durch Recherche lernt man alles nötige.

    Gerade bei Fiktion ist es unglaublich wichtig das man sein Herz in das Buch steckt. Denn die Leser merken, wenn man nicht bei der Sache ist und verzeihen sehr schwer. Ist auch klar man gibt jemanden sein Geld erwartet etwas tolles und bekommt, im schlimmsten Fall, Müll.

    Vielen lieben Dank für den tollen Beitrag!

    Gefällt mir

    • Frau Schreibseele schreibt:

      Manchmal muss man sich halt nicht so umständliche Gedanken machen. Wichtig ist halt die Einmaligkeit. Und das ist ausschlaggebend. Gerade sind ja die ganzen Milliardäre der Trend. Wenn Du auch solch einen Roman schreiben willst, dann kannst Du es ja machen. Nur eben etwas anders machen, als alle anderen. Und schon kannst Du ein Alleinstellungsmerkmal haben.

      Und ich bin und bleibe halt der festen Überzeugung, wenn man etwas liebt, wird es dann am Ende auch gelesen. Daher sollte man nur Geschichten schreiben, für die man wirklich brennt.

      Da sind wir uns aber einig 🙂 Daher, vielen lieben Dank ❤

      Gefällt 1 Person

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