Wie man einen starken Anfang schreiben kann

Hei, hallo und herzlich willkommen,

vielleicht macht man sich keine Gedanken über einen starken Anfang, wenn man die Rohfassung einer Geschichte schreibt. Aber spätestens, wenn man diese überarbeitet, überlegen sich die meisten, wie man das hinbekommt. Machen wir uns also gemeinsam darüber Gedanken.

Kurze Vorgedanken

Sicherlich kennst Du die ganzen Hinweise, Tipps und Ratschläge, dass Du einen starken Anfang schreiben sollst, um Deine Leserinnen einzufangen. Denn es heißt, dass die ersten Seiten Dein Buch verkaufen, während die Letzten Dein nächstes Buch verkaufen.

Aber um dahin zu kommen, also dass Deine Leserinnen vielleicht Band 2 kaufen oder ein anderes Buch von Dir, müssen sie Dich natürlich erst einmal kennenlernen. Gerade bei einem Erstlingswerk ist das durchaus wichtig.

Kann Dein Erstlingswerk nicht überzeugen, wird es später schwerer für Dich. Und da muss ich aus bitterer Erfahrung sprechen. Denn vor einiger Zeit habe ich das Erstlingswerk einer Autorin gelesen. Der Anfang war stark. Deswegen dachte ich, es würde weiter so gut vorangehen. Das Ende vom Lied war, die Geschichte wurde so schlecht, dass ich mich nicht traue, ein weiteres Buch dieser Autorin zu kaufen und zu lesen. Denn solch eine herbe Enttäuschung möchte ich nicht noch einmal erleben.

Doch häufig hab ich auch erlebt, dass die Anfänge so zäh waren, dass ich darüber nicht hinausgekommen bin. Auch wieder ein Verlust. Sowohl für mich, weil ich nie herausfinden werde, ob das Buch gut war. Aber auch für die Autorin. Denn es ist wahrscheinlicher, dass ich ihren nächsten Roman nicht kaufen werde.

Daher möchte ich mit Dir die einzelnen Elemente durchgehen, die Du nutzen kannst, um einen starken Anfang zu schreiben. Und dann fügen wir alle Elemente zusammen.

Handlung, Action, etwas in dieser Richtung

Eine gute Idee ist immer noch, wenn am Anfang irgendetwas passiert. Damit meine ich Action, ein Kampf, ein Streit, irgendetwas in dieser Richtung. Nehmen wir mal an, Deine Heldin läuft über Stock und Stein und will etwas erreichen. Sofort sind wir bei ihr und wollen wissen, was los ist. Dabei müssen wir noch nicht einmal genau wissen, wer sie ist. Sie hat eine Agenda und der folgen wir.

Schau Dir bitte den folgenden Clip an:

Auch wenn Du den Film (noch) nicht kennst und nicht weißt, wer die Figuren sind, diese 1:28-Minuten sorgen für Spannung. Als ich damals den Anfang gesehen habe, hatte ich sofort viele Gedanken, was das alles zu bedeuten hatte. Und wollte daher auch wissen, ob meine Gedanken richtig sind.

Hätte der Film ruhiger angefangen, wohlmöglich mit einer langatmigen Erläuterung, wer die ganzen Figuren sind, vermutlich hätte er nicht solch einen Erfolg gehabt. Und trotz allem haben wir durchaus eine gewisse Charakterisierung der beiden Helden (hier Sherlock Holmes und Dr. Watson), ohne das die beiden Charaktere auch nur ein einziges Wort sagen.

Hier geht es aber darum, dass Du Deine Leserinnen in Deine Geschichte ziehst, damit sie sich sofort darin verlieren kann. Danach kannst Du immer noch ruhiger werden und die Charaktere einzeln vorstellen.

Natürlich kannst Du Deinen Roman auch ruhig angehen. Das kann auch interessant sein. Nur empfehle ich Dir, dass im Hintergrund irgendetwas mitschwingt, damit ich als Leserin weiß, dass diese ruhige Kulisse nur Schein ist. Also das die Spannung noch auf mich wartet.

Und eventuell kannst Du noch mit dem Prolog arbeiten, wenn Du das Gefühl hast, dass Deine Geschichte zu ruhig anfängt. Du könnest zum Beispiel aus der Sicht der Antagonistin dem Prolog schreiben (oder Kapitel 1, je nachdem, wie Du es möchtest) und dann mit der Geschichte anfangen.

Robert Jordan hat die Sache mit dem Prolog in seinem ersten Band durchgezogen. Denn die Geschichte selbst fängt sehr ruhig an. Circa einhundert Seiten passiert eigentlich gar nichts. Zwar gibt es die Vorzeichen, aber es reicht, so gesehen, nicht aus, um die Leserinnen wirklich zu binden. Da er aber ein spannenden Prolog geschrieben hat, ahnt man, was die verschiedenen Charaktere und Vorzeichen zu bedeuten haben und somit bleiben sogar die eigentlich langweiligen 100 Seiten spannend.

Darf ich vorstellen? Die Heldin bzw. der Held.

Natürlich lesen wir letztendlich einen Roman, weil wir die Heldin oder den Helden treffen wollen. Aus ihrer Sicht wollen wir die Welt erfahren und die Geschichte kennenlernen.

Wenn ich einen Roman lese, möchte ich nicht erst einmal einen Charakter treffen und glauben, dass sie oder er die Hauptfigur ist. Und dann, ein paar Seiten später, finden wir heraus, dass es sich nur um einen Rothemd handelt (von Star Trek abgeleitet). Mit anderen Worten sie oder er durfte ein paar Worte sagen und dann versterben.

So erging es mir mal mit einer Geschichte von Brandon Sanderson. Er schreibt am Anfang aus der Sicht eines Jungen, der danach stirbt. Dabei hatte ich mich schon emotional ein wenig an ihn gebunden und dann ist er einfach weg. Und an seiner Stelle tritt eine andere Figur. Fand ich persönlich nicht sonderlich gut.

Natürlich kannst Du das machen. Niemand will Dir das verbieten. Aber rechne damit, dass Du damit Deine Leserinnen völlig aus dem Konzept schmeißt. So wie es bei mir passiert ist.

Vielleicht magst Du Dir daher überlegen, doch mit einem Charakter anzufangen, die oder der doch länger Teil der Geschichte bleibt. Gerne darfst Du dann George R. R. Martin nachmachen und auch Hauptfiguren töten. Warum nicht. Nur ich selbst würde diesen Charakter dann noch länger behalten, damit sich meine Leserinnen an diese Figur gewöhnen. Dann ist der Schock größer, wenn ich sie oder ihn um die Ecke bringe.

Deine Hauptfigur braucht eine Prise von … Problemen

Wir haben eine Situation, in der Spannung liegt und eine Heldin oder einen Helden, welche die ersten paar Seiten auch überleben darf. Doch um Deine Hauptfigur noch interessanter zu machen, darf sie oder in eine Situation kommen, in denen sie oder er so richtig schöne Probleme bekommt.

Du musst nicht gleich einen Kampf einführen (auch wenn das eine Möglichkeit ist). Deine Hauptfigur kann auch Opfer einer Intrige sein oder plötzlich Waise werden und niemand kümmert sich weiter um Deine Figur.

Wichtig finde ich, dass die Figur zeigt, dass ihr die Situation wichtig ist. Sie will diese überwinden oder sie leidet darunter. Irgendeine emotionale Reaktion ist da immer gut, damit wir mit ihr mitgehen.

In den letzten Wochen habe ich nach einigen bestimmten Büchern gesucht. Dabei viel mir auf, dass immer wieder ein junger Mann für ein Verbrechen beschuldigt wurde, welches er nicht begangen hat. Auch wenn sich dieses Schema einige Male wiederholt hat, ist das ein gutes Problem.

Wir haben es mit jemandem zu tun (in dem Fall einen Jungen oder jungen Mann), der sicher und behütet in seiner Dorfgemeinschaft lebt. Dort passiert etwas, halt ein Verbrechen. Und weil man scheinbar nicht den wahren Täter findet, wird unser Held beschuldigt, dass er diese Tat begangen hat.

Ohne die Bücher gelesen zu haben, kann ich mir vorstellen, dass unser junger Held hier mit einer schweren Strafe zu rechnen hat. Denn in jeder Variante verlässt er seine Heimat, um woanders weiterleben zu können. Es geht hier also um ein sehr großes Problem. Die eigene Haut zu retten und auch die Tat aufzuklären (warum sollte man diese sonst einführen).

Hier haben wir eine Hauptfigur mit einem Problem. Und zwar mit einem, welche die Figur direkt betrifft und welche von ihr gelöst werden muss. Da bin ich als Leserin doch glatt dabei.

Es darf ruhig mysteriös vor sich gehen

In einem Krimi geht es natürlich um die Frage, wer hat unser Opfer umgebracht. In einem, sagen wir mal, Fantasybuch geht es aber nicht immer um Mörderinnen und Opfer. Da wollen wir wissen, was hat das Oberböse vor? Wieso will sie die Weltherrschaft an sich reißen? Oder was ist das Ziel der Außerirdischen, wenn sie die Erde erobern wollen?

Wir sehen unsere Hauptfigur davon ziehen, wissen aber nicht warum. Nicht gut. Es geht also darum, dass wir sehen, dass sie oder er einen Grund hat. Und zwar idealerweise einen Grund, der uns die ganze Geschichte lang beschäftigt.

Beim Rad der Zeit von Robert Jordan habe ich mich die ganze Zeit gefragt, warum das Oberböse letztendlich wirklich das Licht vernichten wollte (noch bin ich nicht dahinter gekommen). Dann natürlich auch, ob eine Quelle gereinigt wird und wie der letzte Kampf ausgeht. Gerade, weil es eine immer wiederkehrende Geschichte ist (Insiderwissen, ich möchte an dieser Stelle nicht zu sehr Spoilern). Können also die Guten der Geschichte überhaupt gewinnen?

Mit einer Frage, die Du am Anfang stellst und erst am Ende beantwortest, kannst Du die Spannung immer aufrechterhalten. Daher überlege gut, wie Du diese Spannung lebendig erhalten willst. Denn diese Frage soll nicht nur Deine Leserinnen bei Laune halten, sondern letztendlich auch Dich selbst.

Jetzt mischen wir alles zusammen

Du brauchst also eine Eröffnung, in der eine Handlung gegeben ist, eine Hauptfigur, die wir kennenlernen dürfen und eine Frage, welche hoffentlich uns die ganze Geschichte über begleitet.

Möglich ist es, dass Du Deine Hauptfigur mit dem ersten Satz vorstellst und uns sagst, mit wem wir die Ehre haben. Danach blicken wir durch diese Augen in die bekannte Umgebung. Du musst nicht aus der Geschichte heraustreten und uns diese Welt vorstellen. Im Gegenteil, das ist langweilig und fördert eher, dass Deine Leserinnen sich weigern, das Buch weiterzulesen.

Zeig uns, in was für einer Umgebung wir uns bewegen und wie sie aussieht. Und während dieser Sätze kannst Du schon das Mysteriöse einbauen. Zum Beispiel ist es bei „Das Rad der Zeit“, dass andauernd Krähen im Dorf zu finden sind.

Dort erfahren wir, dass sie Spion*innen des Oberbösen sind und das wird von einer fremden Frau, die nicht zum Dorf gehört, sogar bestätigt. Was wollen also die Krähen im Dorf und warum sind gerade jetzt dort angekommen?

Und natürlich, wer ist das Böse. Da wir in diesem Roman noch einen sehr starken Prolog haben, wird der Anfang des Romans um einiges spannender. Denn dort werden Fragen aufgeworfen, die erst nach und nach in der Reihe beantwortet werden. Aber die eine große Frage wird erst zum Schluss gelöst.

Abschlussgedanken

Natürlich gehört nicht nur das Wissen dazu, wie man einen guten Anfang schreibt, sondern auch sehr viel Übung. Aber je mehr Du Romane liest und je mehr Du übst, desto besser wirst Du. Und vor allem, desto leichter fällt es Dir.

Daher schau Dir an, wie es die anderen gemacht haben, finde die oben aufgeführten Punkte und lerne von ihnen. Und vor allem schreib Deine Anfänge.

Die Anfänge anderer Geschichten

Gute Filme und Bücher haben meistens eins gemeinsam, einen starken Anfang. Daher schau oder lies Dir diese durch und überleg, was genau dieser Anfang starkmacht. Notier Dir alles, was Dir gefällt und was nicht.

Dein eigener Anfang

Nun überprüf Deinen eigenen Anfang. Ist er so gut, wie Du ihn gerne hättest? Und wenn nicht, was könntest Du nun verbessern, nachdem Du andere gesehen hast? Hast Du das herausgefunden wird es Zeit, ändere Deinen Anfang.

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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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