Happy End, Bad End oder doch eher Open End

Hei, hallo und herzlich willkommen,

jede Geschichte braucht einen guten Anfang und ein gutes Ende. Doch was ein gutes Ende ist, das ist von Geschichte zu Geschichte unterschiedlich. Zumal es verschiedene Arten von Enden gibt.

Kurze Vorgedanken

Viele Autorinnen machen sich Gedanken über einen starken Anfang. Das ist gut und wichtig. Denn habe ich erst einmal meine Leserinnen eingeladen meinen Roman zu lesen, habe ich sie so gut wie im Sack, dass sie auch gerne bis zum Ende den Roman lesen möchten.

Doch wenn eben dieses Ende nicht befriedigend ist, dann könnte es sein, dass sie nicht noch einmal zu einen meiner Geschichten greifen. Sie sagen sich dann, dass eben Autorin X oder Autor Y unbefriedigende Enden schreiben und eben das möchten sie sich nicht antun.

Doch vorher sollte man für sich klären, was für ein Ende man überhaupt schreiben möchte. Denn, wie die Überschrift sagt, gibt es drei Möglichkeiten. Nun gut, ich gestehe, ich kenne selbst nur diese drei Möglichkeiten, aus der Geschichte auszusteigen. Vielleicht gibt es mehr. Aber mir selbst sind sie nicht über den Weg gelaufen.

Und darüber möchte ich heute schreiben. Kleine Anmerkung noch: Wenn ich im Beitrag ausschließlich die weibliche Ansprechweise verwende, dann dürfen sich die Herren jederzeit gerne mitgemeint fühlen. Vielen Dank.

Happy End

Vermutlich muss ich nicht viel zum Happy End sagen. Denn wir alle haben bestimmte Bilder vom Happy End im Kopf. Sie kriegt ihn, der Held reitet in den Sonnenuntergang, das Böse wird besiegt und so weiter. Von normalen Happy Ends bis eben zu denen, die voller Klischees nur so triefen.

Am Ende bekommen die Guten ihre Belohnung und die Bösen eine Tracht Prügel. Auf alle Fälle fühlen sich die Leserinnen und Zuschauerinnen (von Serien oder Filmen) gut aufgehoben, wenn eben alles gut ausgeht.

Bei den meisten Romanen, die ich kenne, gibt es eigentlich ein Happy End. Zwar können einzelne Personen einen kleinen Verlust erleiden, aber auf Dauer bekommen alle, was sie verdient haben. Das ist in den meisten Genres irgendwie ein Usus.

Zudem verlangen viele Verlage auch ein Happy End. Gerade wenn Du im Romance Bereich schreiben möchtest, solltest Du darauf gefasst sein, dass Dein Bad End oder Open End nicht gerne gesehen wird. Das kann eventuell dazu führen, dass man Dich bittet, Dein Ende umzuschreiben. Alternativ bekommst Du für Dein Ende eine Absage.

Aber wir haben häufig ein Bild davon, dass zum Beispiel im Romance Bereich die Heldin und der Held sich kriegen. Das ist nicht unbedingt notwendig. Es kann auch sein, dass die Heldin den Helden in den Wind schießt und sich endlich bewusst wird, was sie wirklich im Leben will. Leider wird das in letzter Zeit eher selten geschrieben.

Auch wenn Deine Heldin nicht ihr Ziel erreicht, so wie sie es angestrebt hat, kann sie trotzdem ein Happy End bekommen. Es muss sich am Ende halt gut anfühlen. Das ist irgendwo das Wichtigste. Und wenn Du das schreiben kannst, weil es zur Geschichte passt, dann hat Deine Geschichte ein Happy End verdient.

Bad End

Bad Ends bedeuten nicht zwangsläufig, dass alles in einer Katastrophe endet. Aber es kann in dieser Richtung gehen. Häufig lese ich Bad Ends eher bei Kurzgeschichten. Vermutlich liegt es daran, dass man sich hier emotional nicht so sehr einbringt und dass es daher nicht so sehr wehtut, wenn man die Charaktere ein wenig mehr leiden lässt.

Bei einem Liebesroman würde das bedeuten, dass die Heldin nicht nur von ihrem Helden getrennt wird. Es geht sogar so weit, dass er stirbt und sie letztendlich allein zurücklässt. Oder auch andersherum.

Bad Ends bedeuten, dass Du Deine Leserinnen emotional sehr belastest. Sie haben sich über Tage hinweg mit Deinen Charakteren beschäftigt, sich mit ihnen auseinandergesetzt, mit ihnen geliebt und gelitten. Und als Belohnung bekommen sie ein Bad End.

Das ist nichts Schlechtes, nicht dass wir uns jetzt missverstehen. Gut eingesetzt kann auch ein Bad End ein gutes Ende sein. Und das nicht nur für Kurzgeschichten. Das Wichtige hierbei ist, zumindest finde ich es, dass es zur Geschichte passt.

Damit meine ich, dass es nicht gehen kann, dass die ganze Geschichte über Rosa und Liebe und Licht und so weiter ist und dann auf einmal bekomme ich als Leserin ein Bad End präsentiert. Und das völlig aus dem Nichts. Das ist ein schlechtes Bad End.

Bei einer ernsteren Geschichte könnte ich mir hingegen ein Bad End gut vorstellen. Hauptsache es überzeugt mich. Dann hast Du mich auch als Leserin für Deine weiteren Geschichten gewonnen.

Von einigen Autorinnen und Autoren hab ich gelesen, dass sie gerne Bad Ends schreiben würden. Aber die Angst vor den Reaktionen ihrer Verlage und letztendlich der Leserinnen und Leser hält sie davon ab. Dabei wäre es schön, wenn sie sich trotzdem trauen würden zu experimentieren. Denn letztendlich könnte das auch eine sehr gute Geschichte werden.

Wenn man sich eben traut.

Open End

Vielleicht erinnerst Du Dich noch an den Deutschunterricht, als die Kurzgeschichten besprochen wurden. Dort wurde gesagt, dass man jede Kurzgeschichte unbedingt und auf jeden Fall mit einem offenen Ende ausklingen lassen soll. Zwischenzeitlich halte ich das für völligen Unsinn, doch dieser Satz hat mich über zu viele Jahre sehr geprägt.

Wie die Bezeichnung schon sagt, endet Deine Geschichte mit einem offenen Ende. Das bedeutet im Grunde genommen, man weiß nicht so genau, was mit den Charakteren am Ende alles passiert.

Es könnte gut ausgehen, es könnte auch schlecht mit den Charakteren weitergehen. Ich kann Dir nur eines hierbei empfehlen. Lass Deine Leserinnen nicht in der Luft hängen. Wenn Deine Charaktere gerade dabei sind, die gegnerische Burg zu stürmen (in einem Fantasyroman), dann empfiehlt es sich natürlich zu zeigen, ob sie erfolgreich sind oder nicht.

Eine Ausnahme kann sein, wenn die Erstürmung dieser Burg gar nicht Teil des Handlungsstranges ist. Wenn also der Weg zur Burg der wichtige Teil ist, dann kannst Du auch gerne kurz vorher abbrechen. Aber ich denke, dass Du den Sinn schon verstehst.

Open Ends sollten aber genauso enden, als offenes Ende. Es kann aber durchaus passieren (und ich bin auch der Meinung, das in einem Film und in der einen oder anderen Geschichte mitbekommen zu haben), dass die Autorin das versaut. Und zwar mit einem Epilog. Dort wird dann erzählt, was aus den ganzen Charakteren passiert ist.

Das Open End lässt mir als Leserin die Möglichkeit, dass ich mir selbst ausmalen kann, was aus den Figuren geworden ist. Wenn ich in einem Epilog erzählt bekomme, was aus denen wurde, kann ich das auch in den Roman packen. Dann brauche ich kein Open End zu schreiben.

Eine weitere Schwäche des Open Ends kann der sein, dass Deine Leserinnen einen nächsten Teil erwarten. Daher empfehle ich klar zu machen, und zwar innerhalb der Geschichte, dass nach dem Band Schluss ist. Wenn Du eine Reihe schreibst, musst Du das Ganze sowieso anders aufziehen. Daher bleibe ich hier bei einem Einzelband.

Vorsicht! Cliffhanger!

Der vollständigkeitshalber erwähne ich es noch an dieser Stelle, ein Cliffhanger hat natürlich nichts mit einem Open End zu tun. Der Cliffhanger dient dazu, dass Du Deine aktuelle Geschichte so abbrichst, dass sie ein Ende hat. Aber natürlich soll sie neugierig auf den nachfolgenden Band machen.

Daher bewerte ich den Cliffhanger als eine Art Zwischenende. Erst wenn Du Deine Reihe vollständig beendet hast, musst Du natürlich auch ein richtiges Ende finden. Und dieser reiht sich dann in die oben genannten Kategorien ein.

Welches Ende solltest Du schreiben?

Du solltest das Ende schreiben, was am besten zur Geschichte passt. Das ist das wichtigste Kriterium. Wenn Bad End ist, dann schreib diesen. Wenn nicht, dann quäl Deinen Plot nicht mit einem Ende, das niemanden am Ende glücklich macht.

Du kannst das Ganze natürlich überlegen, während Du plottest. Oder aber auch spontan, während Du schreibst. Immerhin kann sich die Geschichte während des Schreibens durchaus noch einmal verändern. Auf alle Fälle darf gerne alles Hand in Hand gehen, damit es zu einem großen Ganzen wird.

Wenn Du das schaffst, dann wird aus Deinem Roman eine tolle Geschichte. Davon bin ich überzeugt.

Abschlussgedanken

Dieser Beitrag soll als Übersicht und auch als kleine Erinnerung dienen, was für Möglichkeiten Du hast. Und theoretisch kannst Du allein mit dem Happy End eine Menge machen. Das Wichtige ist halt, dass Du weißt, was Du machst und vor allem, warum Du es machst.

Wenn Du das immer im Hinterkopf behältst, dann steht einer guten Geschichte mit einem tollen Ende nichts im Weg.

Und dabei wünsche ich Dir viel Spaß.

Verschiedene Enden lesen

Versuch mal herauszufinden, welcher Roman oder auch Film welches der oben aufgeführten Enden hat. Und dann lies diesen Roman oder schau Dir diesen Film an. Wie wurde darauf vorbereitet? Passt es zur Geschichte? Würdest Du so etwas auch schreiben wollen?

Dein aktuelles Projekt

Überleg Dir für Dein aktuelles Projekt verschiedene Enden nach den oben aufgeführten Möglichkeiten? Welches würde Dich wirklich reizen. Und ich meine, wirklich, wirklich reizen. Dann schreib es. Du musst es ja nicht verwenden. Aber schreiben kannst Du es jederzeit.

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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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