Neun Fragen für Deinen Plot

Hei, hallo und herzlich willkommen,

am Wochenende habe ich endlich eine bessere Fassung (mehr oder weniger) meines Romans fertig geschrieben. Demnächst geht es an die Überarbeitung. Aber wenn ich die Sache allein angehen möchte, wie könnte ich das tun?

Kurze Vorgedanken

Zwar habe ich zwischenzeitlich meinen ersten Alphaleser gefunden, aber ich kann Dir versichern, die erste Version meines Romans bekommt er nicht zu sehen. Dafür ist alles einfach nur schlecht. Von Anfang bis zum Schluss.

Daher ist es für mich klar, dass ich den Roman noch einmal ordentlich überarbeite. Doch ehrlich gesagt, wie soll das am besten gehen? Gibt es ein Rezept, mit dem man die Überarbeitung starten kann? Oder irgendwelche Hinweise, auf die man eher achten sollte?

Vielleicht hilft Dir dieser Beitrag, einen Start zu finden. Und kleiner Hinweis, ich benutze durchgehend die feminine Schreibform, außer ich spreche explizit die Herren an. Ansonsten, Autoren dürfen sich immer mitgemeint fühlen.

Der Anfang

Jeder Roman hat einen Anfang. Und Du wirst immer wieder lesen, dass dieser so stark wie nur möglich sein sollte. Zwar gibt es Leute, die eher mitten im Buch anfangen zu lesen, um zu sehen, ob dieser ihnen zusagt. Aber die meisten fangen eben am Anfang an. Und wenn dieser enttäuscht, dann wird der Roman nicht gekauft.

Daher werde ich mich selbst sehr auf einen starken Anfang konzentrieren.

1. Hast Du das zentrale Thema vernünftig eingeführt?

Egal wie komplex Deine Geschichte ist, es sollte idealerweise etwas geben, was sich durch die komplette Geschichte zieht. Der berühmte rote Faden. Dieser rote Faden hält die Geschichte zusammen, auch wenn man kurzzeitig das Gefühl hat, dass die Autorin nicht weiß, was sie da eigentlich tut. Doch wenn sie gut ist, dann spielt sie mit mir als Leserin und weiß genau, wie sie mich irritieren kann.

Du musst es Deinen Leserinnen nicht direkt auf dem Silbertablett liefern, was Dein zentrales Thema ist. Aber es darf gerne am Anfang sein, damit wir sehen können, ob dieses am Ende gelöst wird.

Denn ich denke mal schon, dass Du Deine Leserinnen überzeugen möchtest, Deine Geschichte und vor allem Deine Charaktere zu verfolgen. Gib ihnen also gerne etwas Zucker.

2. Hast Du alle wichtigen Charaktere am Anfang vorgestellt?

Nicht, dass wir uns missverstehen, natürlich dürfen im Laufe der Geschichte gerne neue Charaktere dazukommen. Aber die allerwichtigsten sollten durchaus am Anfang vorkommen. Und sie dürfen dann auch gerne bis zum Ende überleben.

Wobei, ja gut, auch das ist heutzutage noch nicht einmal mehr gang und gäbe. Aber ich gehe jetzt erst einmal davon aus, dass wir uns an die klassische Idee halten. Sämtliche Ausnahmen aufzuführen würden zu weit gehen.

Daher schreibe ich es mal so, am Anfang sollten durchaus alle wichtigen Charaktere vorgestellt werden, die am Ende der Geschichte eine Rolle spielen. Zum Beispiel die Heldin der Geschichte, die Antagonistin und wer auch immer. Sie alle können am Anfang vorkommen, sodass ich als Leserin mit ein Bild davon machen kann, wem ich da überhaupt folgen soll.

3. Welche Stimmung hat Deine Geschichte?

Am Anfang darf es ruhig schon einmal klar sein, was für ein Ende wir von Dir bekommen. In einem Liebesroman darf man eher damit rechnen, dass es ein schönes Ende gibt. Doch wie sieht es mit einem dystopischen Roman aus? Oder einer Science-Fiction-Geschichte?

Du kannst entscheiden, dass die Stimmung des Anfangs auch die Stimmung des Endes ist. Oder Du gehst in die genau entgegengesetzte Richtung. Düsterer Anfang, schönes Ende, als Beispiel. Auf alle Fälle empfehle ich Dir, eine gewisse Stimmung einzuführen und dann damit zu arbeiten.

Der Mittelteil

Nach einem starken Anfang sollte natürlich ein gut aufgebauter Mittelteil kommen. Zwar mag es sein, dass Deine Leserinnen Dein Buch wegen dem Anfang gekauft haben. Aber irgendwann kommen sie zum Mittelteil der Geschichte. Und der sollte natürlich nicht enttäuschen. Ansonsten legen sie das Buch zur Seite und es besteht kein Grund, weitere Geschichten von Dir zu kaufen.

4. Eskaliert das Problem vom Anfang?

Am Anfang hast Du ja nicht nur die Charaktere oder die Stimmung eingeführt, sondern auch einen roten Faden, ein Problem. Doch es reicht nicht aus, diesen roten Faden weiter zu verfolgen, er muss nun verknotet werden – von Dir.

Auch wenn Du Deine Charaktere sehr gerne magst, so ist es nie eine gute Idee, sie nett zu behandeln. Gerne am Ende, darüber diskutiere ich nicht. Aber noch ist es nicht so weit. Also quäle Deine Figuren und lass ihre Probleme so weit anwachsen, dass diese sie fast erschlagen. Aber nicht zu groß, dass sie diese nicht lösen können. Ansonsten wirkt eine Lösung nicht realistisch.

Denk daran, es ist durchaus gut, wenn Du in so gut wie jeder Szene einen Konflikt hast, welche den Hauptkonflikt weiterträgt. Damit bleibt es spannend.

5. Was hält Deine Charaktere zurück?

Du hast ein Problem. Das ist schon einmal sehr gut. Doch aus irgendwelchen Gründen kann Deine Heldin diesen nicht lösen. Nun stellt sich die Frage, warum? Warum geht sie nicht zur Quelle des Problems und entknotet den roten Faden? Was hält sie zurück?

Dieses Problem solltest Du nicht nur erklären und sagen, warum sie so handelt, wie sie handelt. Es ist gut, wenn Du es in Deiner Geschichte zeigst und vor allem, die Auswirkungen, die sich daraus ergeben.

Und während dieser Phase darf Deine Heldin gerne kleine Ziele erringen, aber niemals das ganze Spiel gewinnen. Dafür ist der Schluss gedacht.

6. Machen Deine Charaktere irgendwelche Fortschritte?

Es gibt nichts langweiligeres wenn der Charaktere am Ende genauso ist, wie am Anfang. Wir alle entwickeln uns, also auch die Heldinnen Deines Romans. Daher finde ich wichtig, dass Du das auch zeigst. Die Entwicklung kann auch gerne in kleinen Schritten passieren (besonders gut bei Reihen). Aber ich finde es immer besser, wenn der Charakter niemals so von der Bühne geht, wie sie diese betreten hat.

Zeig also, wie sich die Charaktere nach und nach entwickeln.

Der Schluss

Nachdem Du Dich im Mittelteil ausgelassen hast, passiert es unweigerlich, wir kommen zum Schluss. Damit Du Deine Leserinnen gut aus der Geschichte entlässt, benötigt es auch ein paar Elemente.

7. Spielen alle wichtigen Elemente vom Anfang am Ende noch eine Rolle?

Wenn Du am Anfang etwas eingeführt hast, sollte es am Ende immer noch eine Rolle spielen. Kleine Dinge dürfen während der Geschichte sich auflösen. Aber die wichtigen Themen eher gegen Ende des Romans.

Nehmen wir an, dass große Thema ist, dass die Heldin und der Held sich kriegen. Doch es könnte sein, dass sie noch die eine oder andere Rechnung bezahlen muss, welche ihr Bauchschmerzen bereiten. Die große Liebe finden beide am Ende. Doch die Rechnungen können zwischenzeitlich gerne bezahlt werden.

Je nachdem, wie sie sich während der Geschichte benommen haben, bekommen sie jetzt ihre Belohnung. Waren sie gut, dann gibt es die positive Belohnung. Wenn nicht, nun, ich denke, Du weißt, worauf ich hinaus will.

8. Zeigst Du eine deutliche Änderung, im Gegensatz zum Anfang?

Wenn Dein Charakter am Anfang eine obdachlose Frau war, die von der Hand in dem Mund lebte, dann muss sie am Ende nicht reich sein. Aber zumindest darf sie gerne ein Leben führen, dass sie glücklich macht. Vielleicht eine Wohnung oder sie hat Menschen um sich herum, die sie glücklich machen.

Zeig den Unterschied vom Anfang zum Ende und wie sich Dein Charakter geändert hat. Und das am Besten nachvollziehbar.

9. Hast Du ein klares Ende, ohne unnötige Erklärungen?

Wenn das Ende naht, haben manche das Bedürfnis noch einmal über mehrere Seiten zu erklären, wie es zum Ende kam. Dann noch, was mit den Charakteren nach der Geschichte passiert und wohlmöglich noch ein paar offene Fragen zu klären. Hauptsache, sie lösen sich nicht von der Geschichte.

Bring Deine Geschichte zu einem schönen Ende und erkläre im Epilog nicht, was noch alles passieren könnte. Entweder Du lässt die Geschichte los oder schreibst Band 2. Alles andere hat Deine Geschichte einfach nicht verdient.

Abschlussgedanken

Mit diesen Fragen kannst Du sicherlich schon einmal eine gute Überarbeitung vornehmen. Dann kommt es natürlich auch noch auf die Charakterisierung an und wie Du die Szenen beschreibst. Aber wichtig ist, dass Du immer darauf achtest, dass alles irgendwo einen Sinn hat.

Und solange alles einen Sinn hat, macht es Spaß Deine Geschichte zu lesen. Selbst dann, wenn in Deiner Geschichte nicht viel passiert.

Analyse

Analysiere den aktuellen Roman, den Du liest, aufgrund der oben aufgeführten Fragen. Wo findest Du sie bestätigt und wo nicht. Und hat die Autorin an deren Stelle etwas anderes geschrieben?

Leg los!

Wenn Du die erste Fassung Deines Romans fertig hast, heißt es, leg los. Mach Dir Notizen zu den neun Fragen und versuch sie in Deiner Geschichte unterzubringen. Bringt es Dir etwas oder fehlt da was?

Melde Dich für meinen kostenfreien Newsletter an.

Advertisements

Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
Dieser Beitrag wurde unter Plot abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Neun Fragen für Deinen Plot

  1. Elea Brandt schreibt:

    Tolle Übersicht, vielen Dank. Das mit dem „alle Charaktere vorstellen“ mache ich allerdings nicht, ich lasse mir da gerne ein bisschen Zeit und stelle sie lieber Kapitel für Kapitel vor, damit die Spannung aufrechterhalten bleibt. Aber das ist sicher Geschmackssache.

    Ganz wichtig finde ich Fortschritte und Konflikte. Wenn da irgendwas hakt, kann es die beste Geschichte kaputt oder unglaublich langweilig machen, das hast du echt gut auf den Punkt gebracht. So ungern ich mit festen Strukturen arbeite, ich mache mir nach der Rohfassung gerne einen Szenenplan oder eine Kapitelübersicht, um zu schauen, ob sich in jedem Kapitel ein zentraler Konflikt und/oder eine Entwicklung der Figuren zeigt. Wenn nicht muss ich noch mal ran …

    Gefällt mir

    • Frau Schreibseele schreibt:

      Wie Du vielleicht mitbekommen hast, habe ich gerade bei den Charakteren ein wenig rumgedruckst. Denn es gibt da doch letztendlich nicht DIE einheitliche Lösung. Aber ich hab halt mal ein Buch gelesen, da wurde zuerst ein junger Mann vorgestellt und ich dachte mir, cool, das ist die Hauptfigur. Und dann wurde er umgebracht. Das hat mich dann doch ein wenig aus der Bahn geworfen, weil das dann auch noch nur so nebenbei erzählt wurde. Na danke schön.

      Das mit dem Szenenplan NACH der ersten Fassung finde ich auch sehr faszinierend. Da wollte ich auch schon mal länger recherchieren und was dazu schreiben. Danke für den Hinweis. Ich werde mir das noch einmal genauer anschauen. Denn ab September soll es mit der Überarbeitung losgehen.

      Gefällt mir

  2. Alexandra Wendt schreibt:

    Danke für den Beitrag, die Fragen sind wirklich sehr hilfreich!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s