Muss ich denn das NaNoWriMo eigentlich gewinnen?

Hei, hallo und herzlich willkommen,

der November ist voll im Gange und es gibt bald sogar die ersten Sieger, die ich kenne. Doch ist das notwendig? Heute folgt eine kritische Betrachtung der Aktion.

Kurze Vorgedanken

Es ist definitiv möglich, innerhalb eines Monats 50.000 Wörter und sogar noch mehr zu schreiben. Das habe ich die letzten Jahre selbst erlebt. Doch manchmal stellt man sich die Frage, ist das wirklich notwendig?

Denn zugegeben, dieses Jahr steckt bei mir und bei einigen anderen, die ich über Twitter kenne, der Wurm drinnen. Es fällt mir richtig schwer, mich täglich ranzusetzen und meine Wörter zu schreiben. Dabei habe ich sogar zwei bis drei schöne Projekte, die ich umsetzen könnte.

Und doch können und wollen viele diesen Monat gar nicht das NaNoWriMo schaffen. Einige entscheiden für sich, dass das gut ist, andere fragen sich, ob das nicht irgendwie den Gedanken daran verrät.

Das wichtigste als Erstes

Du musst das NaNoWriMo gar nicht gewinnen. Es steht ja niemand hinter Dir und schwingt die Peitsche, sodass Du schreiben musst. Wenn Du schreibst, dann nur für Dich und für niemanden sonst.

Das bedeutet natürlich ganz klar, Du kannst das Mindestziel in diesem Monat erreichen oder es auch einfach sein lassen. Was auch immer Dir zusagt, Du kannst es so handhaben, wie Du es willst.

Der Sinn hinter dem NaNoWriMo

Der eigentlich Sinn hinter dem NaNoWriMo ist für mich, dass man sich einfach mal löst. Das ganze Jahr über macht man sich Gedanken, wie die Charaktere sein sollen, wo die ganzen Plotlöcher sind und wie man den nächsten Satz schreibt. Und ja, das kann durchaus anstrengend sein. Einfach mal drauf los schreiben kann dabei eine sehr angenehme Wohltat sein.

Und häufig kann es auch passieren, dass man auf diese Weise Ideen und Wendungen für eine Geschichte bekommt, an die man sonst nicht gedacht hätte. Denn je mehr man darüber nachdenkt, desto mehr kann sich der Schreibhorizont zusammenziehen. Am Ende hast Du zwar eine nette Idee, aber irgendetwas fehlt. Vielleicht einfach die Spontaneität eines NaNoWriMos.

Daher war dieser Monat in den letzten Jahren durchaus befreiend und auch entspannend für mich. Trotz der Tatsache, dass ich den Dezember dann häufig gar nicht mehr schreiben konnte, weil ich so erschöpft war. Auf einer geistigen Ebene.

Was kann ich vom NaNoWriMo lernen?

Es einfach mal lockerer angehen zu lassen und nicht immer über jeden Satz nachzudenken. Das kannst Du gerne der zweiten Fassung überlassen. Denn erst einmal ist es wichtig etwas zu haben, was man am Ende überarbeiten kann.

Vielleicht überlegst Du Dir ja, einmal die Woche einen Wordsprint hinzulegen. Das bedeutet, dass Du an einem Tag einfach nur drauf losschreibst. Es wird eine Datei geöffnet und dort kommt alles rein, was Du einfach mal schreiben möchtest. Und erst am nächsten Tag wird das Geschriebene kritisch betrachtet.

Oder Du entscheidest Dich, jeden Monat eine bestimmte Anzahl von Worten zu schreiben, damit Du definitiv mit Deinem Projekt weiterkommst. Unterschreitest Du sie, musst Du dann etwas machen, was unangenehm für Dich ist und Dich daran erinnert, nächstes Mal fleißiger zu sein (manchmal muss man eben hart zu sich selbst sein).

Aber das Besondere beim NaNoWriMo ist, dass man in der Gemeinschaft schreibt. Man misst sich mit den anderen und versucht (zumindest war das bei mir so), die anderen zu besiegen. Du kannst Dir in jedem Monat des Jahres einige Leute raussuchen und mit ihnen um die Wette schreiben. Sicherlich findest Du jemanden, die oder den Du herausfordern kannst.

Es gibt vieles, was Du mitnehmen kannst. Und sicherlich hast Du auch das eine oder andere für Dich entdeckt, was Dir gefällt und Du beibehalten möchtest. Dann tu es gerne. Jeder Monat ist November.

Willkommen im Club der Verlierer*innen

Es mag sein, dass Du diesen Monat nicht gewinnst. Aber seien wir mal ehrlich, hast Du wirklich verloren?

Auf Twitter meinte jemand, dass es diesen Monat wohl nur um die 20.000 Wörter werden. Also nicht das Monatsziel. Damit hätte die Person ja eigentlich verloren. Stimmt das? Ich sage ganz klar Nein.

Denn immerhin wurden 20.000 Wörter mehr geschrieben, als vorher. Das kann manchmal schon die Grundfassung eines Romans sein. Warum also da schlecht gelaunt sein? Das ist doch wunderbar.

Natürlich bekommst Du kein Jubelvideo, das Du es geschafft hast. Oder ein Zertifikat oder ein Button, den Du Dir auf Deine Internetseite packen kannst. Aber Du hast etwas anderes geschafft, Du hast 20.000 Wörter mehr geschrieben als vorher. Und ganz unter uns, dafür darfst Du Dich auch gerne feiern. Du hast Dich jeden Tag hingesetzt und das Maximum geschrieben, was Du schreiben kannst und auch möchtest. Das ist doch wunderbar.

Der Club der Gewinner*innen

Daher gehörst Du für mich ganz klar zu den Gewinner*innen, egal wie viel Du geschrieben hast. Denn jedes Wort ist viel und eine Menge Wert. Mach Dich also bitte nicht Kleiner, nur weil Du das offizielle Ziel nicht geschafft hast. Das ist völlig egal. Du steckst Dir Deine eigenen Ziele.

Zugegeben, es fällt mir sehr schwer loszulassen und zu sagen, ich schreibe nicht die Mindestzahl von Worten. Nicht im November. Aber wenn ich nicht mehr schreiben kann, dann ist das eben so. Es bringt nichts, wenn ich mich unter Druck setze.

Daher genieß den Monat und schreib einfach weiter.

Mein neues NaNoWriMo

Aus diesem Grund hab ich beschlossen, dass ich diesen Monat mich stärker um die Überarbeitung meines Romans kümmere. Und an den Wochenenden werde ich dann wieder Schreiben. Das ist für mich persönlich die optimalste Lösung. Immerhin arbeite ich an meinem Roman und setze mich nicht unnötig unter Druck.

Man sollte sich zwar schon große Ziele setzen. Wenn sie aber aktuell überfordern, dann bringen sie nur Frustration und kein großes Glück. Daher ist es wichtig, sich selbst einschätzen zu können und zu wissen, was man möchte und was man erreichen kann.

Abschlussgedanken

Wichtig ist, dass man schreibt. Ich denke, darüber sind wir uns durchaus einig. Alles andere ist nebensächlich. Setz Dir ein Ziel, eine Deadline und dann sieh, dass Du es für Dich schaffst. Du musst für niemanden sonst schreiben, sondern erst einmal nur für Dich.

Was daraus wird, darüber entscheidest Du und niemand sonst. Hab daher Spaß am Schreiben.

Und die liebe Isa hat einen Beitrag zum Thema „NaNoCheatMo“ geschrieben – lesenswert.

Melde Dich für meinen kostenfreien Newsletter an.

Advertisements

Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
Dieser Beitrag wurde unter Allgemeine Schreibtipps veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Muss ich denn das NaNoWriMo eigentlich gewinnen?

  1. Isa schreibt:

    Hallo Carola,
    volle Zustimmung. Ich habe gestern erst einen Beitrag geschrieben, der in eine ähnliche Richtung ging; was ich jedoch ganz außer Acht gelassen habe, ist die Sache mit dem „Gewinnen“ oder „Verlieren“. Selbst wenn man, wie in deinem Beispiel, nicht das Wortziel erreicht, oder (aus welchen Gründen auch immer) die Zeitvorgabe nicht einhalten kann (und nur jeden zweiten Tag schreibt), dann hat man schon etwas gewonnen – nämlich, dass man voran kommt, dass man (wieder) eine Schreibroutine entwickelt oder, wie du sehr schön dargelegt hast, überhaupt endlich mal schreibt und nicht die ganze Zeit grübelt und versucht, die Hintergründe zu perfektionieren, bevor man loslegt. Darf ich deinen Beitrag verlinken?
    Viel Erfolg und vor allem Spaß weiterhin!
    Schöne Grüße 🙂

    Gefällt mir

    • Frau Schreibseele schreibt:

      Hallo Isa,

      das mit dem „Gewinnen“ und „Verlieren“ ist mit eingefallen / aufgefallen, als ich die Twitterdiskussion hatte. Viele sahen sich zwar als „Verlierer*innen“, doch bei Niemanden fühlte es sich so an. Denn alle schrieben und sie machten mit. Wenn man sich sklavisch an die Vorgaben des NaNoWriMo hält, klar, dann hat man verloren, wenn man im November keine 50.000 Wörter schreibt.

      Aber gestern habe ich, zum Beispiel, einen Kapitel von meinem Roman, in einem Resteordner verschoben (gilt für mich, erst einmal, als gelöscht), dann habe ich ein weiteres komplett überarbeitet und ein drittes zur Hälfte recycelt. Bin ich deswegen eine Verliererin, weil ich vielleicht das NaNo nicht schaffe? Für mich fühlt es sich nicht so an. Daher … 🙂

      Und gerne kannst Du mich verlinken, ich bin dann mal schon so frech und verlinke Dich auch gleich. Denn Deinen Beitrag finde ich sehr interessant.

      Liebe Grüße

      Gefällt mir

  2. Pingback: NaNoCheatMo – Silben-Alchemie

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s