Wie ich meine Geschichte überarbeite – bis zum Lektorat

Hei, hallo und herzlich willkommen,

vermutlich sind nur vereinzelte Werke auf dem Markt, die nicht überarbeitet wurden. Alle anderen haben Autorinnen und Autoren, die sich täglich hingesetzt haben, um ihrem Baby den letzten Schliff zu geben. Heute liest Du, wie ich vorgehe.

Kurze Vorgedanken

Irgendwann ist die erste Version fertig und man sitzt nun da und überlegt sich, wie man am besten den Roman überarbeiten kann. Dabei kann ich schon am Anfang sagen, es gibt keinen wahren Weg. Der richtige Weg ist der, der Dir persönlich zusagt und mit dem Du am besten klarkommst.

Zugegeben, ich habe mich einfach hingesetzt und angefangen, ohne mir groß zu überlegen, wie ich am besten ans Werk herangehe. Aber ganz unter uns, beim ersten Werk macht man eben all die vielen, vielen Fehler, auch wenn man theoretisch die Hintergründe kennt oder kennen sollte. Dafür lernt man ja.

Daher lass ich Dich heute ein wenig über meine Schulter schauen. Du musst für Dich nichts übernehmen, wenn es Dir nicht passt. Aber ich kann Dir empfehlen, lerne aus meinen Fehlern. Vielleicht magst Du es ja bei Dir besser machen.

Die Rohfassung

Meine Empfehlung ist und bleibt, überarbeite niemals einen Roman, wenn Du diesen gerade schreibst. Einen meiner ersten Romane hab ich mir damit kaputtgemacht. Denn ich überarbeite so lange Kapitel 1, bis ich dachte, dass er jetzt total toll ist. Am Ende war es dann so, dass ich gar keine Lust mehr hatte, überhaupt noch an diesem weiter zu schreiben.

Auch wenn Du nur einen halben Plot hast, das ist egal, Hauptsache Du schreibst etwas zu Ende, womit Du nachher arbeiten kannst. Denn, wie ich immer wieder schon gesagt und geschrieben habe, wenn Du nichts hast, kannst Du auch nichts überarbeiten.

1te Überarbeitung – 50 Prozent

Zugegeben, ich sitze hier an meinem Roman und denke mir, das ist noch nicht das Wahre. Trotzdem hab ich schon mit der Überarbeitung angefangen und werde es auch noch die letzten Kapitel durchziehen. Doch ich hab schon einige Ideen, die ich noch unbedingt einbauen, damit die Dinge noch logischer werden.

Doch wie gehe ich dabei vor? Ganz klar, ich lese jeden Satz noch einmal und überlege, ob der so bleiben kann oder gelöscht werden darf. Dabei versuche ich immer in einer Kopie zu arbeiten (einige Male habe ich im Original gearbeitet, was mich im Nachhinein doch etwas geärgert hat).

Zuerst werden doppelte Sätze gelöscht und Sätze, die nichts zur Geschichte beitragen. Denn die hab ich ursprünglich geschrieben, um auf meine Wortzahl zu kommen (ich gestehe). Jetzt sind die nicht mehr wichtig und ich kann mein Gewissen beruhigen, dass ich doch etwas gelöscht habe. So kann man sich auch ein wenig hereinlegen.

Aber überhaupt bin ich rigoros, was das Löschen betrifft. Und ja, ich bin da selbst von mir sehr überrascht. Tatsächlich hab ich sogar schon geschafft, aus einem Kapitel mit circa 4.000 Wörter eines mit circa 1.200 Wörtern zu machen. Da war also mehr meiner Löschleidenschaft zum Opfer gefallen, als nur ein paar unnötige Wörter.

Dabei achte ich darauf, dass die Geschichte der Logik folgt, die ich gerne hätte. Wo sind Fehler, wo sind Ideen, denen ich nicht ganz gefolgt bin und so weiter. Die werden neu aufgenommen und eingebaut oder überarbeitet. Und zudem kann es passieren, dass ganze Kapitel rausgeworden oder einige neu geschrieben werden müssen.

1te Überarbeitung – 50 Prozent

Was die 50 Prozent bedeuten sollen? Meinen Fortschritt halte ich in einem Bild in einer Exceltabelle fest. Und jedes Mal, wenn ich einen Kapitel fertig habe, gibt es dafür dem einen oder anderen Prozent für mich. Da ich noch nicht ganz mit der Geschichte und dem Plot zufrieden bin, muss ich halt mehr überarbeiten, als andere.

Daher sind die ersten fünfzig Prozent für die nackte Überarbeitung reserviert und die zweiten dann eben für das hinzufügen der Ideen, um die Geschichte rundzumachen.

Diese Arbeit ist also dafür reserviert, noch einige Kapitel hinzuzufügen und zu schauen, ob die anderen danach noch passen. Gegebenenfalls müssen Charaktere gestrichen oder ganze Szenen komplett umgeschrieben werden. Es kommt letztendlich darauf an, wohin die Reise geht.

Solltest Du hier immer noch nicht mit den Charakteren oder der Geschichte klarkommen, ist es immer noch möglich, diese neu zu erarbeiten. Das meine ich auch so, wie ich das gerade geschrieben habe. Setzt Dich hin und schnapp Dir Deine Heldin oder Deinen Helden. Und dann lerne sie noch einmal komplett neu kennen.

Es ist vielleicht spät, aber nicht zu spät. Das wäre, in meinen Augen, erst dann, wenn Du Deine Geschichte Deinen Alphaleser*innen übergibst.

2te Überarbeitung

In der zweiten Runde geht es dann nur noch um Sprache, Stil und dann auch um die leidige Rechtschreibung. Hier kann ich noch einmal schauen, ob ich tatsächlich alle roten Fäden zusammengefügt habe. Aber ansonsten geht es darum, dass ich die edlen Wörter verwende. Also keine Umgangssprache und so weiter.

Während mir die erste Überarbeitungsrunde aktuell noch sehr leicht fällt, dürfte die zweite sicherlich mehr Zeit fressen. Denn hier geht es darum, dass beste aus der Geschichte herauszuholen. Hier zählt jedes einzelne Wort.

Daher würde ich mir selbst hier ein wenig mehr Zeit einräumen, als für die erste Überarbeitungsphase. Aber auch nicht zu viel.

Meine Alphaleser*innen

Wenn ich das alles fertig habe, muss ich mich endlich herauswagen. Und das wird der schwerste Schritt sein. Immerhin übergebe ich mein geliebtes Baby völlig fremde Menschen, welche darüber urteilen, ob es gut oder schlecht geworden ist. Und ja, das bereitet mir ganz schöne Bauchschmerzen.

Aber wenn ich eines Tages tatsächlich meine Geschichte veröffentlichen möchte, dann muss ich halt herauskommen. Und mit meinen Alphaleser*innen hab ich es noch einfach. Immerhin möchte ich da nur zwei haben. Also einen kleinen Lesekreis. Damit kann man noch fertig werden, wenn sie mich kritisieren. Immerhin, es sind ja halt nur zwei Leute.

In der Anfangszeit werde ich sicherlich nicht viel arbeiten können. Das bedeutet, dass ich mich dann an die nächste Geschichte ransetzen kann. Und da hab ich schon die eine oder andere Idee, die ich gerne umsetzen möchte.

Aber sobald ich eine Rückmeldung habe, werde ich die Kritik in meine Geschichte einarbeiten. Denn das ist ja der Sinn der Alphalesung. Mit ihrer Hilfe möchte ich ja meine Geschichte noch einmal besser machen. Und vielleicht sehen sie Schwierigkeiten oder Schwächen, an die ich selbst gar nicht gedacht habe. Denn irgendwann wird man für die eigene Geschichte leider blind.

Das Lektorat

Sobald ich die ganzen Kritiken eingebaut habe, würde ich noch einmal drüber lesen und dann die Geschichte an meine Lektorin schicken. Ja, ich hab schon eine Lektorin angeschrieben und sie wäre bereit, zumindest ein Probelektorat zu machen.

Sie hab ich schon angeschrieben, obwohl ich aktuell noch in der ersten Überarbeitungsphase bin. Das hat einen simplen Grund, somit habe ich mir eine künstliche Deadline geschaffen und kann mich nicht weiter herausreden, dass ich ja noch so viel Zeit habe.

Nach Weihnachten möchte sie das Probelektorat machen und dann möchte ich Ende des ersten Quartals 2018 meine Geschichte lektorieren lassen. Also muss ich mich ranhalten. Ob das so klappt, ich weiß es beim besten Willen nicht. Aber wenn ich es nicht versuche, wird das definitiv nichts.

Daher kann ich Dir nur empfehlen, jetzt schon nach Deinem Wunschlektorat zu suchen und die Person dahinter anzuschreiben. So kannst Du sehen, ob sie oder er überhaupt für Dich Zeit hat. Denn es könnte ja sein, dass die Auftragslage so gut ist, dass Du dort keinen Platz findest.

Sprich auch ein Probelektorat ab. Selbst wenn es Dich etwas kosten sollte, ich kann Dir das nur empfehlen. Denn so siehst Du, ob ihr beide tatsächlich zusammenpasst oder Du mit ihr/ihm einfach nicht klarkommst. Denn ihr wollt ja einige Wochen zusammenarbeiten. Da muss, meiner Meinung nach, ein gewisses Vertrauen herrschen. Ansonsten wird das nichts.

Abschlussgedanken

Natürlich überarbeite ich die Kritiken meiner Wunschlektorin auch in mein Manuskript ein. Ansonsten hätte sich die Sache definitiv nicht gelohnt. Aber wie Du siehst, die Überarbeitung bis zum Lektorat kann schon einmal lang sein.

Meine Empfehlung ist, arbeite im Vorfeld hart an Deiner Geschichte. Dann hast Du im Nachhinein weniger Arbeit. Behandele auf alle Fälle Deinen Roman mit Respekt. Das bedeutet für mich, dass Du so viel Energie und Liebe hineinsteckst, damit der bestmöglichste Roman herauskommt, zu dem Du gerade in der Lage bist zu schreiben.

Und auch wenn es Dir schwerfallen sollte, hol Dir die richtige Hilfe. Frag Leute nach Ratschlägen, wie man etwas schreiben kann. Such Dir Deine Alphasleser*innen (und zwar rechtzeitig) und auch Dein Lektorat. Und dann überarbeite, was das Zeug hält.

Dabei wünsche ich Dir viel Erfolg.

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Über Frau Schreibseele

eine schreibende, die auf den weg zu ihrer ersten geschichte ist. und bis dahin gibt es beiträge rund ums schreiben, lesen und erleben auf meinem blog :)
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3 Antworten zu Wie ich meine Geschichte überarbeite – bis zum Lektorat

  1. Schwedenlichter schreibt:

    Aus dem ElfenWald in Schweden von der RäuberFamilie vielen Dank für die Einblicke 🙂

    Gefällt mir

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