Solltest Du wirklich keine Kurzgeschichten schreiben?

Hei, hallo und herzlich willkommen,

ab und an stößt man auf einen Blogbeitrag einer Kollegin oder eines Kollegen und denkt sich, ja, ist nett, aber ich sehe das anders. Und dann möchte man mehr schreiben, als nur einen Kommentar.

Kurze Vorgedanken

Marcus Johanus hat einen Beitrag geschrieben, in dem er auffordert, keine Kurzgeschichten mehr zu schreiben. Und wie zu erwarten stößt er mit diesem Gedankengang nicht nur auf Gegenliebe.

Die einen unterstützen seine Idee, die anderen nur zum Teil und die Dritten stehen da und denken sich nur hääää? Und das macht, in meinen Augen sogar einen guten Beitrag aus. Ich respektiere seine Meinung, möchte trotzdem im Rahmen eines Beitrages meinen eigenen Senf dazugeben.

Dabei gehe ich erst auf seine Argumentation kurz ein und möchte dann noch erklären, warum sich vielleicht, aber auch wirklich nur vielleicht, Kurzgeschichten doch lohnen könnten.

Die Argumentation von Marcus Johanus

1. Kurzgeschichten sind eine Form der Prokrastination

Bei diesem Argument gehe ich noch mit. Denn in der Tat können Kurzgeschichten Dich abhalten Deinen Roman zu schreiben. Wenn Du Dich ein oder zwei Wochen darauf konzentrierst eine gute Kurzgeschichte zu schreiben, könntest Du in der Zeit schon einen halben Kurzroman verfasst haben.

Viele sagen sich, ich will ja nur üben, um einen besseren Roman zu schreiben. Dabei meinen sie häufig tatsächlich, ich hab Angst davor den Roman zu schreiben, also tue ich alles, damit ich eben diesen nicht anfangen muss. Und sobald das passiert, solltest Du Dir verbieten auch nur daran zu denken eine Kurzgeschichte zu schreiben.

Schreib Deinen Roman!

2. Kurzgeschichten haben mit Romanen wenig zu tun

Es stimmt, eine Kurzgeschichte ist sehr dicht geschrieben und eben, das sagt auch der Name, kurz. In einem Roman hast Du gut und gerne mal hundert Seiten Zeit, damit überhaupt etwas passiert. Bei einer Kurzgeschichte hast Du manchmal nicht einmal hundert Wörter dafür Zeit.

Daher kann ich dem durchaus zustimmen, Kurzgeschichten und Romane haben genauso viel gemeinsam, wie Birnen und Äpfel.

Andererseits ist es manchmal so, dass ich mir wünsche, dass so manch eine Autorin oder Autor sich ein paar Tricks von der Kurzgeschichte abgucken würden. Da wird der Kaugummi bzw. die Geschichte so dermaßen in die Länge gezogen, dass es schon unnötig ist. Daher sehe ich nicht zwangsläufig, dass das Schreiben von Kurzgeschichten wirklich schaden muss. Aber ja, er kann schädlich sein. Denn man kann auf Dauer zu viel zu kurz schreiben, wo es doch ein paar Worte mehr getan hätten.

3. Kurzgeschichten haben eine stark eingeschränkte Zielgruppe

Um es kurz zu machen, es stimmt. In Deutschland werden zwar ungemein viele Anthologien veröffentlicht, aber gelesen werden sie eher wenig. In Amerika hat die Kurzgeschichte einen völlig anderen Stand und damit auch einen anderen Wert. Das ist nicht schön, aber ein Fakt.

Wenn Du Dich also hauptsächlich auf Kurzgeschichten konzentrierst, wirst Du voraussichtlich erst einmal und vielleicht sogar auf Dauer auf ein kleines Publikum konzentrieren müssen. Du kannst damit auch Erfolge haben. Siehe Alice Munroe. Aber bis dahin ist es ein längerer Weg.

4. Mit Kurzgeschichten verbrennst du deinen Namen

Zugegeben, über diese Argumentation stolpere ich ein wenig. Ich kann sie verstehen und trotzdem stolpere ich ein wenig.

Auf der einen Seite erinnern sich die Leute nicht mehr an meinen Namen und zugleich könnte ich meinen Namen verbrennen? Nun gut, kann möglich sein. Aber ich behaupte, dass es einen kleinen Ausweg dabei gibt, dem Pseudonym.

Du kannst Deine Kurzgeschichten durchaus mit einem Pseudonym veröffentlichen und es bei einer Bewerbung verheimlichen, dass Du sie jemals geschrieben hast. Vor Jahren erwähnte Mal eine Autorin, dass sie eine Kurzgeschichte bei einem sehr einschlägigen Verlag veröffentlicht hat. Sie brauchte halt das Geld. Und sie würde einen Teufel tun, damit es niemals in ihrer Vita auftaucht. Kann ich verstehen.

Auf der anderen Seite hatte ich in einem Schreibforum gelesen, dass eine Autorin sich bei einem Verlag bewarb und artig alle ihre Anthologieveröffentlichungen notierte. Da kam die Antwort, dass sie nicht dauerhaft mit einem Verlag zusammenarbeiten könne und daher abgelehnt wurde. In dem Fall hatte die Lektorin nicht verstanden, was die Autorin damals notiert hatte.

Aber das war auch das einzige Mal, dass ich das mitbekommen habe. Inwiefern das die Regel ist, ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Es kann natürlich ein sehr dünnes Schwert sein, auf dem Du Dich bewegst, aber es kann sich auch positiv für Dich auswirken.

Meine Ergänzungen

Wie in den einzelnen Kommentaren erwähnt, kann ich zum Teil die Argumentation nachvollziehen. Aber gibt es denn nicht doch noch positive Teile, warum man eine Kurzgeschichte schreiben kann?

Kleine Erfolgserlebnisse

Ein Roman kann schlimmstenfalls bis zu einem Jahr oder gar noch länger dauern, bis er fertig geschrieben ist. Das kann frustrierend sein und manchmal sogar demotivierend. Wenn man sich dann die eine oder andere Woche Zeit nimmt, um eine Kurzgeschichte zu schreiben, tut das der Seele durchaus gut. Denn man kann sie durchaus in der Zeit schreiben und überarbeiten.

Natürlich darf und soll man die Kurzgeschichte nicht unterschätzen. Sie hat eigene Regeln und Gesetze, die man befolgen darf und auch durchaus sollte. Aber die Kurzgeschichte ist halt kurz. Und man kann da doch zumindest emotionale Erfolgserlebnisse feiern. Wenn sie dann noch in einer Anthologie erscheint, sich wohlmöglich gegen Hunderte Mitbewerberinnen und Mitbewerber durchgesetzt hat, dann tut das sicherlich der Seele sehr gut.

Ablenkung

Wenn man sich im Roman verrannt hat, dann kann es manchmal befreiend sein, sich auf etwas ganz anderes zu konzentrieren. Man bekommt den Blick frei und vielleicht sogar noch die eine oder andere Idee für den Roman, auf die man sonst gar nicht gekommen wäre.

Auf alle Fälle gewinnt man Abstand und kann sich vom riesigen Projekt ein wenig erholen.

Von der Kurzgeschichte zum Roman

Als Reaktion auf den Beitrag von Marcus haben einige erwähnt, ohne eine Kurzgeschichte gäbe es nicht den Roman. Da wollten einige Autor*innen einfach nur eine kurze Geschichte schreiben und sahen das Potenzial. Und am Ende haben sie sich hingesetzt und daraus eben einen Roman geschrieben.

Hätten sie sich also nicht hingesetzt und es versucht, hätten sie gar nicht das Potenzial gesehen, was sich hinter der Idee verbarg. Denn es wäre sehr wahrscheinlich gewesen, dass sie von vornherein gesagt hätten, das eignet sich nicht für einen Roman, daher lasse ich es ganz sein.

Andere Genres ausprobieren

Wenn Du schon einige Romane in einem Genre ausprobiert hast, dann könnte es sein, dass es Dir schwerfällt, dieses zu wechseln. Denn man weiß ja nie, ist es wirklich was für mich? Kann ich mit den Regeln und Gesetzen umgehen? Will ich das überhaupt?

In einer Kurzgeschichte kannst Du Dich ein wenig ausprobieren und sehen, was Dir zusagt und was nicht.

Es tut nicht weg

Und wenn Dir die Geschichte nicht gefällt oder das Genre oder was auch immer, mir persönlich tut es nicht weh, die Geschichte zu löschen. Denn ich hab nicht so viel Energie und Zeit und auch Liebe in diese Geschichte gesteckt, wie bei einem Roman, der mich seit einigen Monaten oder länger begleitet hat.

Die Hemmschwellen sind da ganz anders.

Abschlussgedanken

Natürlich musst Du selbst entscheiden, ob Du Kurzgeschichten schreiben willst oder nicht. Es gibt gute Argumente dafür und auch dagegen. Wobei das beste Argument gegen Kurzgeschichten der ist, dass es Dich abhält, Deinen Roman zu schreiben.

Daher ist es immer gut zu wissen, warum Du gerade jetzt eine Kurzgeschichte schreiben willst und nicht Deinen Roman. Wenn Du das weißt, ist alles in Ordnung. Ansonsten schau genau hin, willst Du wirklich gerade jetzt diese Kurzgeschichte schreiben? Oder willst Du Dich vor Deinem Roman nur drücken?

Auf alle Fälle wünsche ich Dir viel Spaß dabei.

Anthologien lesen

Besorg und lies mal eine Anthologie, einfach so, aus Spaß, ohne größeren Hintergrund.

Eine Kurzgeschichte schreiben

Und natürlich schreib mal eine Kurzgeschichte. In Deinem Genre, in einem anderen, worauf Du auch immer Lust hast.

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Veröffentlicht unter Kurzgeschichte | 12 Kommentare

Jung, weiblich, Superstar

Hei, hallo und herzlich willkommen,

sie ist jung, sie kann durchaus sexy sein, aber auf alle Fälle ist sie hochintelligent und sehr begabt. Die Heldin unseres Romans. Nur warum?

Kurze Vorgedanken

Vor einigen Wochen gab es im Nornennetz eine Diskussion zum Thema „Warum müssen die Heldinnen immer so jung und zeitgleich eine Art Superheldin sein?“. Es ging darum, dass es sehr viele Heldinnen gibt, die manchmal noch keine zwanzig sind und trotzdem gefühlt alles können.

Würde man eine Stellenausschreibung formulieren wollen, würde der vielleicht so aussehen:

Wir suchen Dich. Du darfst nicht älter als 20 sein, aber idealerweise bist Du auch nicht jünger als 16 Jahre. Immerhin sollst Du eine Inspiration für die Frau sein.

Am besten kommst Du aus ärmlichen oder zumindest schwierigen Verhältnissen und bist vielleicht sogar eine Halbwaise mit der Tendenz eine Vollwaise zu werden.

Bring bitte Folgendes mit: Du bist hübsch, hast eine mystische Herkunft und kennst dich in mindestens drei Wissensgebieten aus. Weiterhin kennst Du Dich in Deiner Welt aus und findest zu jedem Charakter zeitnah einen Draht.

Während deiner Geschichte wirst Du viele Widrigkeiten erleben. Daher ist es gut, wenn Du Dich dagegen wehren kannst und dabei noch viele Dinge lernst. Immerhin sollst du ja am Ende als Gewinnerin aus der Geschichte gehen.

Ach ja, natürlich ist es immer gut, wenn du zumindest theoretisch dich in mindestens zwei Kerle verliebst und nichts gegen Sex hast. Ist aber kein Muss in der Geschichte.

Gut, es mag ein wenig übertrieben sein. Aber ganz ehrlich, so manch eine Heldin erregt genau diesen Eindruck bei mir. Während ich mir Gedanken darüber gemacht habe, warum das so ist, entstanden bei mir einige Ideen, die ich Dir heute vorstellen möchte.

Da es scheinbar in erster Linie die Heldinnen betrifft, die jung und als Superheldinnen auftreten, werde ich in erster Linie sie ansprechen. Sollte Dir auch ein Held über den Weg laufen, der die gleiche Entwicklung durchmacht, dann kann dies natürlich auch für ihn gelten.

Mary Sue und Gary Stu

Was bedeutet das?

Der naheliegendste Gedanke ist, dass wir es hier mit einem Charakter zu tun haben, die man eindeutig als Mary Sue und Gary Stu identifizieren kann. Um es kurz zu machen, das sind Charaktere, die nahezu perfekt sind. Oder genau in die andere Richtung gehen. Also eine Heulsuse ist und trotzdem gerettet wird. Auch wenn es dafür häufig keinen guten Grund gibt.

Sehr häufig identifizieren sich die Autorinnen mit diesen Charakteren und es fällt ihnen dann schwer, ihnen negative Eigenschaften zu geben. Oder auch einfach nur eine vernünftige Schwäche. Daher wirken sie manchmal wie eine Superheldin, die fern jeglicher Realität ist.

Bei diesen Charaktertypen besteht schnell die Gefahr, dass man übersättigt wird. Denn man ahnt, egal wie schwer eine Situation ist, die Heldin wird das Ding schon meistern. Auf einmal packt sie aus irgendeiner Gehirnwindung irgendeine Fähigkeit aus und schon rettet sie den Tag. Und selbst wenn alle anderen in ihrer Gruppe im Alltag eigentlich überlegen sind, im Endkampf ist sie es, die alle mitreißt, weil die schon aufgegeben haben.

Warum wird das geschrieben?

Wie schon erwähnt, häufig identifizieren sich die Autorinnen mit ihrer Heldin. Und seien wir mal ganz ehrlich, wer sieht schon immer die schlechten Seiten an sich? Oder mag sie? Da ist es schon fast natürlich, dass die Heldin ein wenig zu perfekt wird.

Übrigens, dieses Phänomen ist schon lange nicht mehr nur auf Fanfiction beschränkt. Es mag sein, dass sie dort ihren Anfang gefunden haben. Aber zwischenzeitlich hat es sich auch auf die Romanwelt ausgeweitet.

Wie kann man das anders schreiben?

In dem Beitrag zu Mary Sue und Gary Stu hab ich einige Hinweise dazugegeben. Aus diesem Grund möchte ich an dieser Stelle nicht zu ausführlich werden. Kurz gesagt, es ist besser, wenn Du solche Charaktere vermeidest. Gibt ihr Stärken und vor allem Schwächen. Sie muss nicht alles können. Wichtig ist, dass sie das kann, was ihrer eigenen Geschichte weiterhilft.

Die Autorin, die ihre eigene Jugend bereut

Was meine ich damit?

Wie viele Entscheidungen in Deinem Leben bereust Du? Besonders die Entscheidung, die Du in Deiner Jugend (nicht) getroffen hast? Da gibt es sicherlich einige Entscheidungsleichen in Deinem Keller. Und das ist natürlich. Wir sind Menschen und machen halt Fehler.

Daher möchten manche, dass ihre Heldinnen diese Fehler nicht begehen. So sollen sie in jungen Jahren lernen und mehr Wissen ansammeln, als man es selbst getan hat. Und sie mögen bitte einige Entscheidungen vermeiden und andere treffen, die man selbst (nicht) gemacht hat.

Sind das dann nicht auch Mary Sues?

Der Grad kann ziemlich schmal sein, das stimmt. Aber das bedeutet nicht automatisch, dass diese Charaktere gleich Mary Sues sind. Denn diese Charaktere können Stärken und Schwächen haben, so wie man es sich von ihnen wünscht. Nur treffen sie schon sehr frühzeitig die richtigen Entscheidungen. Das ist der einzige große Unterschied.

Aber es stimmt schon, wenn man nicht aufpasst, dann kann am Ende hier schon eine Mary Sue entstehen.

Wie könnte man mit diesem Wunsch anders umgehen?

Akzeptiere, dass Du diese Entscheidungen nicht getroffen hast und lass Deine Heldin ihre Entscheidungen treffen und ihre Fehler machen. Auch wenn sie aus Deinem Kopf entsprungen ist, so entwickelt sie nach und nach doch eine eigene Persönlichkeit. Und diese darf sich gerne von Dir unterscheiden.

Es mag am Anfang manchmal schwer sein, aber es lohnt sich, da eine gewisse Trennung reinzubringen. Unterscheide Dich von Deiner Heldin und es kann dann eine eigenständige Geschichte werden.

Die Geschichte als Vorbild

Was meine ich denn damit?

In der Geschichte gab es immer wieder Menschen, die als junge Personen Bedeutsames erreicht haben. Vielleicht nicht viele, aber es gab sie. Mit zwanzig hatten sie schon mehr erreicht, als viele von uns mit dreißig oder vierzig. Und natürlich kann man davon auch beeindruckt sein.

Aber man darf eines nicht vergessen, das waren durchaus andere Zeiten. Früher gab es weder einen Fernseher, das Radio oder Internet und Handys sowie die vielen anderen Ablenkungsmöglichkeiten. Daher war es natürlich, dass man sich mehrere Stunden am Tag mit Büchern beschäftigen konnte. Teilweise, weil es nichts anderes gab. Und auch, weil man es musste. Immerhin wollten auch schon damals, dass aus dem Kind etwas wird.

Außerdem wurden früher die Kinder nicht als solche behandelt. Sie waren kleine Erwachsene und hatten sich dementsprechend zu benehmen. In einem Buch über die viktorianische Zeit hab ich gelesen, wie eine Mutter versuchte ihr, ich glaub, zwei- oder dreijähriges Kind, etwas beizubringen. Und sie war frustriert, warum er sich an einem Tag alles merken konnte und am nächsten Tag wieder alles Vergessen hatte. Heutzutage wissen wir warum. Doch dieses kleine Wesen wurde so behandelt, als wäre es sofort in der Lage etwas zu lernen.

Was ich damit meine?

Damit meine ich, dass es nicht unbedingt unrealistisch ist, wenn eine junge Heldin eine Menge kann. Wenn sie die Möglichkeiten hat, zu lernen und den Zugang zu einer Bibliothek (als Beispiel), dann kann es durchaus sein, dass sie in der Lage ist, mehr zu wissen als wir in diesem Alter. Denn in acht Stunden könnte sie mehr lernen, als wir, weil sie keine Ablenkungsversuchungen hat. Und wenn dann die Eltern noch hinterher sind und sie sich mit niemandem treffen darf, ist der Weg für eine sehr intelligente Frau geschaffen.

Wie Du das nutzen kannst?

Wenn Deine Heldin aus einer entsprechenden Umgebung kommt, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass sie sich Wissen aneignen kann. Das bedeutet nicht, dass Bauernmädchen daher dumm sein müssen, aber sie haben nun einmal ganz andere Voraussetzungen als eine Tochter aus gutem Hause.

Ich würde zeigen, wie meine Heldin an das Wissen gekommen ist. Natürlich im Zusammenhang zur Geschichte. Aber um zu erklären, wie das geklappt hat, ist es durchaus gut, dies irgendwie in einem Absatz zu erwähnen. Dann kommt es nicht so unglaubwürdig herüber, wieso sie in so jungen Jahren so viel Wissen hat.

Für die Praxis

Allgemeines

Wenn Du über eine intelligente Heldin schreiben möchtest, die einer Superheldin gleicht, ist das erst einmal völlig in Ordnung. Immerhin ist es Deine Geschichte und damit auch Deine Entscheidung. Da werde ich Dir auch nicht reinreden.

Aber ich erlaube mir, eine Empfehlung auszusprechen. Benutze solche Charaktere nicht inflationär. Damit meine ich, in einem Buch reicht eine Superheldinnencharakter. Und das muss auch nicht zwangsläufig in jedem Buch sein. Das könnte für einige Leserinnen und Leser sonst zu langweilig werden.

Diesen Charaktertyp zu verwenden kann durchaus interessant werden. Überleg Dir nur, wie Du sie einbaust und sie nicht zu einer Mary Sue wird.

Wie könntest Du vorgehen?

Überleg Dir, wie Du in dem Alter warst. Was hast Du den ganzen Tag selbst gemacht und wie viel hast Du gelernt. Und dann versetze Dich mit dieser Idee von Dir selbst in die Welt Deiner Heldin. Wo lebt sie und was könnte sie den ganzen Tag tun? Hat sie Zugang zu Büchern oder wie könnte sie an das Wissen herankommen?

Auch wenn es manchmal in Romanen nicht so rüberkommt, doch hatten nicht alle Menschen früher Zugang zu Bildung. So gab es durchaus eine breite Bevölkerungsschicht, die schlichtweg nicht lesen oder schreiben konnten. Das solltest Du durchaus berücksichtigen.

Das bedeutet aber nicht, dass sie deswegen als einfältige Tölpel durch Deine Geschichte laufen müssen. Sie können auf anderen Gebieten sehr gebildet sein. Der Charakter Nynaeve al‘ Meara (aus der Romanreihe „Das Rad der Zeit„) war unter anderem eine hervorragende Spurenleserin. Der Vater hatte sie so gut darin unterrichtet, dass sie zu einer Waldläuferin werden konnte.

Auch wenn sie keinen Zugang zu Büchern hätte (was in dem Fall nicht war, soweit ich mich noch erinnere), so war sie in etwas gut, weil ihr Vater sie dies lehrte. Auch das kannst Du für Deine Charaktere berücksichtigen. Was kann sie von ihren Eltern oder anderen Verwandten lernen und am Ende sogar verbessern?

Es ist also gut, das Wissen Deiner Heldin ihrer Umgebung anzupassen. So kann Nynaeve al‘ Meare Spuren wie eine Waldläuferin lesen. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass sie sich in einer größeren Stadt auskennen muss und weiß, wie man dort überlebt. Das meine ich damit. Was könnte Dein Charakter wirklich wissen und was nicht?

Abschlussgedanken

Wenn man sich in die Welt und in die Charaktere hineinversetzt, kann man durchaus realistische Heldinnen erschaffen, die intelligent, aber nicht mit einer Superheldin zu vergleichen sind. Wichtig finde ich dabei nur, dass man diesen Charaktertyp einfach nicht auslutscht.

Es gibt mehrere Ebenen, wie Du einen guten Charakter erschaffen kannst. Dabei ist die Intelligenz oder das Können nur eine davon.

Und dabei wünsche ich Dir viel Spaß.

Gedankenspiele

Überleg Dir einfach mal für verschiedene Situationen und Settings, wie gebildet Deine Heldin sein könnte. Also als Adlige, als gutbürgerliche Tochter oder auch als Bäuerin. Mach Dir dazu Notizen und suche weitere Möglichkeiten.

Das kannst Du als reine Übung sehen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie man die Umgebung der Heldin nutzen kann, um sie zu erschaffen. Und wer weiß, vielleicht bekommst Du dafür auch die eine oder andere Idee für (D)eine Geschichte.

Umbau einer fiktiven Heldin

Wenn Du über eine Heldin stolperst, wie ich sie oben aufgeführt habe, überleg Dir, wie Du sie anders erschaffen hättest? Mit welchen Schritten könntest Du sie realistischer gestalten? Sicherlich fällt Dir der eine oder andere Weg dazu ein.

Biografiearbeit

Schau Dir die Biografien von historischen Personen an. Wieso sind sie so jung so erfolgreich geworden? Was hat sie inspiriert, welche Vorteile hatten sie und welche Schwierigkeiten? Wenn Du das kennst, kannst Du dieses Wissen nutzen, um das in Deinen Geschichten einzubauen.

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Boykott gegen Autor*innen

Hei, hallo und herzlich willkommen,

tut eine Autorin oder ein Autor die eigene Meinung kund, kann einiges passieren. Man bekommt Applaus, Unterstützung oder kann auch boykottiert werden. Reden wir heute darüber.

Kurze Vorgedanken

Vor Kurzem hab ich in einem Beitrag gelesen, dass sich ein Autor wohl über Twitter negativ zu Homosexuellen geäußert haben soll. Da ich das Selbst nicht gelesen habe, kann ich selbst dazu nichts sagen. Nun stehen aber einige da und wissen nicht so recht, was soll ich tun?

Die einen sagen ganz klar, das interessiert mich nicht, solange nichts davon in den Büchern vorkommt. Auf der anderen Seite rufen die Leute zum Boykott auf.

Damit hat auch Joanne K. Rowling zu kämpfen, weil sie sich ja kritisch zum US-Präsidenten Donald Trump äußert. Etwas, was ich mitbekomme, weil ich ihr auf Twitter folge. In meinen Augen macht sie das auf eine sehr intelligente Art und Weise. Aber ich kann auch verstehen, wenn einige sich dadurch verletzt fühlen.

Daher möchte ich mir heute Gedanken darüber machen, ob man Autorinnen und Autoren boykottieren kann und sollte, wenn mir als Leserin deren Meinung nicht passt. Und wie ich mich selbst als Autorin verhalten kann und eventuell vielleicht sogar sollte, um einen Boykott zu meiden.

Kleiner Hinweis noch: Zur einfachen Lesbarkeit hab ich mich entschieden, diesen Beitrag in der reinen weiblichen Form zu schreiben. Jedoch sind die Herren (außer es ist explizit angegeben) immer und zu jeder Zeit mitgemeint.

Aus der Sicht der Leserin

Warum ist das überhaupt interessant?

Jetzt könnte man sich durchaus fragen, warum sollte es mich interessieren, was eine Autorin privat denkt und tut? Immerhin betrifft es mich ja nicht direkt. Wenn also ein amerikanischer Autor (als Beispiel) sich negativ über Homosexuelle äußert (egal ob er es jetzt wirklich getan hat oder nicht), betrifft es mich als deutsche Leserin eigentlich nicht.

Und wenn ich selbst noch heterosexuell bin, dann eigentlich sogar noch weniger. Warum sollte ich mir also Gedanken darüber machen?

Wenn man selbst nicht in einer Höhle lebt, dann hat man normalerweise Kontakt zur Außenwelt. Und vielleicht sind da auch Menschen dabei, die das durchaus betrifft. Also Menschen, die weiblich sind, eine andere Hautfarbe haben, eine andere Religion oder sexuelle Ausrichtung. Diese Menschen würden dann solche Aussagen durchaus betreffen.

Und letztendlich gehören sie auch zu mir und meinem Leben. In einigen Fällen bezeichnen Menschen ihre Freundschaften als Teil ihrer Familie (so wie ich). Würde ich dann nicht meiner Familie letztendlich beistehen wollen?

Wobei es vielen egal ist, ob in ihrer Umgebung jemand „Opfer“ von diesen Aussagen sein könnte oder nicht, sie entscheiden sich. Das kann durchaus auch sein, dass sie diese Sätze nicht mehr dulden und die Autorin zukünftig meiden. Sie sind vielleicht politisch aktiv oder setzen sich zumindest im kleinen Rahmen für die Rechte anderer ein. Oder es stinkt ihnen einfach, wenn jemand auf die Würde und Rechte anderer tritt.

Wie könnten die Leserinnen reagieren?

Auf verschiedene Art und Weise. Einige werden nur aufhören Bücher zu kaufen. Sie sprechen nicht darüber oder machen es in irgendeiner Art und Weise kund (über Blogs oder Twitter zum Beispiel). Sie sagen sich, die Autorin hat etwas Negatives zum Thema X geäußert, also werde ich zukünftig ihre Bücher meiden.

Das ist, aus der Sicht der Autorin, auch der Idealfall. Natürlich, sie verliert eine Einnahmequelle. Aber solange das nicht bekannt wird, dann kann man das noch verschmerzen. Aber es kann auch sein, dass die Leserin es öffentlich macht und überall herum postet, dass sie die Autorin oder den Autoren entsprechend meidet.

Und sollte man nachfragen, warum man die Autorin boykottiert, dann kann die Leserin häufig dies auch noch sehr gut belegen. Denn einige Bloggerinnen sind da sehr gut informiert und haben Links in der Hinterhand, bei denen mir persönlich manchmal die Ohren schlackern.

Diese Leserinnen sollte man nicht unterschätzen. Denn in dem oben verlinkten Beitrag erwähnten einige in den Kommentaren, dass auch sie sich zukünftig überlegen werden, einige Autorinnen noch zu unterstützen. Wenn ein Blog eine gewisse Reichweite hat, dann hören viele auf die Meinung der Autorin.

Wie sollten Leserinnen reagieren?

Natürlich kann man darauf keine Antwort geben und ich gebe auch keine Patentantwort. Denn jeder Mensch ist anders und daher kann man nicht sagen, Du hast bitte so und so zu reagieren. Wäre das möglich, würde ich eher der Autorin oder dem Autor sagen, denk doch bitte nach, bevor Du solch einen – aus meiner Sicht – Mist postest.

Was ich jedoch empfehlen kann, ist, solche Beiträge zumindest kritisch zu hinterfragen. Ist das wirklich korrekt, was sie oder er gepostet hat? Stimme ich mit dem überein? Verletzt das nicht die Rechte und Gefühle anderer Menschen? Auch wenn mich das nicht Selbst betreffen sollte, kann ich darüber nachdenken und ein Urteil fällen.

Meine Empfehlung ist in der Tat, nicht mit dem Kopf durch die Wand rennen, sondern komm erst einmal runter und recherchiere. Hat die Person das wirklich gesagt, was man ihr vorwirft? Oder hat man ihr das einfach nur in den Mund gelegt? Ja, das erfordert in der Tat ein wenig Zeit und Anstrengung. Aber es könnte sich in einigen Fällen sicherlich lohnen.

Ansonsten musst Du für Dich entscheiden, wie Du mit einer solchen Information umgehst. Ignorierst Du sie und sagst Dir, es geht mich nichts an. Oder entscheidest Du Dich den Mund aufzumachen und dagegen zu protestieren, egal wie.

Stillschweigend oder laut?

Solltest Du Dich dafür entschieden haben, die Autorin zu boykottieren, stellt sich dann noch die Frage, wie Du es machst. Wenn Du für Dich entscheidest, keine Bücher mehr zu kaufen, ist das in Ordnung. Auch wenn Du es öffentlich machst. Nur ist es nicht immer sehr wahrscheinlich, dass die Autorin dies mitbekommt. Gerade dann, wenn sie keine deutschsprachige Autorin ist.

Daher wäre es eine Überlegung wert, ihr oder ihm eine E-Mail zu schreiben und anzukündigen, dass man sie boykottiert und auch warum. Die große Wahrscheinlichkeit besteht, dass die Autorin Deine E-Mail gar nicht liest, weil andere Menschen die Beantwortung übernehmen. Und solche Informationen werden häufig gar nicht weitergegeben. Oder Deine E-Mail wird sofort gelöscht, weil man sich damit nicht beschäftigen möchte.

Es könnte aber auch sein, dass die eine oder andere Autorin sie doch liest und sich vielleicht, aber auch wirklich nur vielleicht, Gedanken darüber macht. Die Wahrscheinlichkeit mag eher gering sein, aber Du kannst so Deinem Anliegen wenigstens kundtun. Alternativ kannst Du Deine Meinung auch über die sozialen Medien kundtun. Also ein Tweet an die Autorin schicken oder sie über ihre Facebook-Seite kontaktieren.

Und vor allem, Du hast es wenigstens versucht, ihr Deine Meinung zu sagen. Sei aber dabei gerne höflich und respektvoll. Damit erreichst Du mehr, als wenn Du jemanden beschimpfst.

Aus der Sicht der Autorin

Natürlich gibt es hier auch die Seite der Autorinnen. Und sie fühlen sich vielleicht völlig missverstanden, wenn man sie boykottieren möchte. Oder es ist ihnen auch egal. Es kommt dabei durchaus auch auf die Persönlichkeit an.

Aber letztendlich dürfen wir eines nicht vergessen, auch Autorinnen sind Menschen. Und damit haben sie das legitime Recht, ihre Meinung kundzutun. Dabei ist es völlig egal, ob sie uns gefällt oder nicht. Wir können darauf reagieren oder sie ignorieren. Das ist wieder herum unser gutes Recht.

Doch wie können Autorinnen mit solch einer Situation umgehen? Oder anders gefragt, was können sie tun, um zu verhindern, dass man überhaupt auf den Gedanken kommen könnte, sie zu boykottieren?

Die Antwort ist gar nicht mal so einfach, weil auch Autorinnen letztendlich Fehler machen. Und das bedeutet, dass man schnell etwas Falsches gesagt hat und schon kann sich daraus etwas Eigenständiges entwickeln. Etwas, was man am Ende einfach nicht kontrollieren kann.

Während ich so darüber nachgedacht habe, sind mir eigentlich drei Möglichkeiten eingefallen, wie man sich verhalten kann, wenn man etwas Kritisches sagen möchte.

Halt die Klappe!

Du willst etwas sagen und ahnst, dass es kontrovers werden könnte? Dann halt die Klappe! Du hast eine Meinung zum Thema Politik? Halt die Klappe! Du willst etwas über Trump, Merkel und Co. sagen? Halt die Klappe! Klimaschutz, Rechte für Homosexuelle, Transsexuelle und so weiter? Halt einfach die Klappe!

Mit dieser Methode sorgst Du dafür, dass niemand weiß, was Du wirklich denkst. Es reicht aus, wenn Du Katzenvideos teilst, wann Dein nächster Roman erscheint und dass bei Dir gerade ein wenig wolkig ist. Mehr nicht.

Solche Autorinnen würde ich dann selbst LuL-Autorinnen nenne. LuL bedeutet übersetzt „Licht und Liebe“ und stammt eigentlich aus der Hexenszene. Vor über zehn Jahren hatten sich einige Hexen eben das Licht und Liebe auf ihre Fahnen geschrieben und trieben gar wunderliche Blüten. Auf alle Fälle waren sie gut, lieb und nett und so weiter.

Und die „Halt die Klappe“ Autorinnen würden genau in die gleiche Schiene einsteigen. Sie wären dann eben LuL-Autorinnen. Alles ist gut und es gibt keinen Grund an ihnen irgendetwas auszusetzen.

Diese Autorinnen sind jedoch nicht greifbar. Immerhin verstecken sie sich hinter süßen Katzenvideos und dezenter Werbung für ihren nächsten Roman. Wo soll man sie da wirklich greifen und nachvollziehen, wo sie stehen? Dadurch könnte es eventuell auch passieren, dass sie zwar da sind, aber leicht vergessen werden. Immerhin brüllen sie nicht wie Löwinnen und sagen deutlich, hier stehe ich und hier bleibe ich.

Ich sag meine Meinung, egal ob sie Dir passt!

Das andere Extrem wäre, wenn Du zu allem was auf der Welt passiert, eine Meinung hast und diese natürlich auch sagst. Denn seien wir ehrlich, so gut wie zu allem, können wir theoretisch etwas sagen, müssen es aber nicht unbedingt.

Wenn Du diesen Weg wählst, dann sagst Du aber Deine Meinung und nimmst dabei keine Rücksicht, ob Du damit jemanden auf die Füße trittst. Wenn Du gegen die „Ehe für alle“ bist, ist das Dein gutes Recht. Und es ist auch Dein gutes Recht, diese Meinung zu äußern. Aber es ist auch mein gutes Recht, Deine Werke nicht mehr zu lesen.

Das ist natürlich das Gefährliche daran. Du sagst etwas und die Leute ziehen die Konsequenzen daraus. Aber eins ist sicher, Du wirst definitiv wahrgenommen, egal was passiert. Denn man hört Dich oder liest von Dir.

Daher sei laut und mach auf Dich aufmerksam. Die einen werden Dich dafür durchaus hassen, die anderen lieben.

Denk darüber nach, warum Du eine Position vertretest!

Das ist natürlich eine Königinnendisziplin. Wenn Du eine Meinung hast, dann bedeutet das noch lange nicht, dass Du sie auf die Welt loslassen musst. Denk erst einmal darüber nach, warum Du sie hast, ob sie tatsächlich korrekt ist und mit welchen Belegen Du sie untermauern kannst. Und erst dann kannst Du sie äußern.

Natürlich wirst Du immer noch irgendwelchen Leuten auf die Füße treten. Denn wir Menschen haben nun einmal unterschiedliche Meinungen und Ansichten vom Leben. Und es ist nicht immer so, dass andere Meinungen akzeptiert werden.

Trotzdem würde ich Dir die dritte Methode noch am ehesten ans Herz legen, damit Du wenigstens von den richtigen Leuten gehasst wirst. Und wer sich informiert, erweitert – meiner Meinung nach – den eigenen Horizont. Das ist nicht nur fürs Leben wichtig, sondern kann Dich auch beim Schreiben unterstützen.

Abschlussgedanken

Letztendlich haben Deine Leserinnen jegliches Recht ein Buch zu boykottieren, genauso, wie Autorinnen das Recht haben ihre Meinung zu äußern. Das kann natürlich zu Konflikten führen. Wichtig ist – zumindest finde ich es – dass Du weißt, was Du sagst und warum Du es sagst. Danach kann Dir eigentlich egal sein, was die Leute von Dir denken. Solange Du eben im Reinen mit Dir selbst bist.

In dem Sinne denk nach und leg los.

Reale Fallbeispiele

Schau Dich um Netz um, folge Autorinnen und Autoren und sieh zu, wie sie mit ihren Meinungen umgehen. Wenn Du siehst, wie es andere machen, kannst Du für Dich festlegen, wie Du selbst nach außen treten möchtest.

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6 Fehler, die Du bei der Suche nach Deinem Buchtitel vermeiden solltest

Hei, hallo und herzlich willkommen,

während ich an meinem Roman arbeite, denke ich immer wieder darüber nach, was für einen Titel dieser haben könnte. Zumal ich bereits ein Cover habe und den gerne fertig sehen würde.

Kurze Vorgedanken

Zugegeben, bei einigen Buchtiteln frage ich mich, aus welchem Horrorkabinett die eigentlich gekommen sind. Denn mir scheint es, dass sich niemand wirklich Gedanken darüber gemacht hat, den idealen Buchtitel zu finden. Denn man kann da durchaus den einen oder anderen Fehler machen. Und darüber möchte ich heute mit Dir sprechen.

1. Bleib beim ersten Namen

Häufig rast uns ein erster Name für den Roman durch den Kopf, der sich erst einmal sehr prägend anhört. Selbst hat man diesen Titel noch nie gehört und daher könnte man dies doch auch als Titel benutzen?

Die ganze Zeit dachte ich, dass der Titel zu meiner aktuellen Geschichte passend wäre. Jedoch muss ich momentan feststellen, dass der Inhalt gerade nicht mehr zum Titel passt. Hätte ich mein aktuelles Cover mit diesem Titel bestückt, müsste ich meine Designerin bitten, diesen aktuell anzupassen. Denn mir ist ein besserer Titel eingefallen.

Aber selbst bei dem muss ich mir überlegen, ob der wirklich passend ist oder nicht. Denn mit dem könnte ich mich auch wieder hereinlegen.

Behalte diesen Titel gerne als Arbeitstitel. Aber wenn es dann wirklich dran geht, Deinen Roman zu veröffentlichen, dann solltest Du noch einmal ordentlich drüber schauen.

2. Recherche ist nicht notwendig

Vor einigen Monaten bin ich über eine Diskussion gestolpert, die mich staunend zurückließ. Eine Autorin stellte fest, dass der Titel ihres letzten Romans nicht einzigartig war. Nun stellte sie sich die Frage, ob sie denn diesen nun ändern muss?

In diesem Fall hat die Autorin keine Recherche betrieben, um festzustellen, ob es den Titel bereits gab. Und das kann sogar ganz einfach sein. Einfach in einer größeren Suchmaschine wie Google den Titel eingeben und die Ergebnisse durchsuchen. Weiterhin solltest Du noch Amazon durchforsten.

Ganz wichtig ist der Börsenverein. Hier findest Du nicht nur die verschiedenen Titel, die veröffentlicht wurden, sondern kannst auch Deinen Wunschtitel schützen. Die wichtigen Informationen kannst Du auf der Seite erfahren.

Über den Titelschutz solltest Du nachdenken, wenn Du Deinen Roman bei Agenturen oder Verlagen vorstellst. Denn ich habe die Geschichte erlebt, dass eine bekannte Autorin ihren Roman bei einer Agentur unterbringen konnte. Diese boten das Manuskript bei verschiedenen Verlagen an. Und da es keinen Titelschutz gab, übernahm ein Verlag zwar nicht das Manuskript, aber den Titel.

Es kann natürlich sein, dass der Verlag sich dann für einen anderen Titel entscheidet. Aber solltest Du diesen Titel haben wollen und der Verlag auch, sitzt Du am längeren Hebel.

3. Du willst nur ein Wort haben

Nein, halt und ein Moment bitte. Das ist natürlich nicht automatisch ein Fehler, den Du machen könntest. Aber er ist zumindest mit Vorsicht zu genießen.

Ein Titel, welcher nur aus einem Wort besteht, hat seine Nach- aber zugleich auch seine Vorteile. Es kommt darauf an, wie Du es umsetzt.

Nehmen wir mal an, Du verwendest „Augenrollen“ als Buchtitel. Das kann passen. Aber es handelt sich hierbei um ein so allgemeines Wort, dass man es nicht ohne Weiteres schützen kann. Das bedeutet, dass jemand anderes dieses Wort ebenfalls benutzen kann. Und vielleicht wird diese Person es auch machen, wenn Dein Buch erfolgreich ist.

In Deutschland ist es so, dass jedes Buch unterscheidbar sein muss. Wollen also zwei Autorinnen den Buchtitel „Augenrollen“ verwenden, muss es mit einem Untertitel ergänzt werden. So wird erreicht, dass die Buchtitel, mehr oder weniger, einmalig bleiben.

Die Gefahr besteht aber, wenn zwei oder mehr Bücher mit solchen Titeln auf dem Markt sind, dass die Bücher quasi untergehen. Denn sie sind nicht mehr so einmalig, wie man es gerne hätte.

Anders sieht es bei ausgedachten Bezeichnungen aus. Nehmen wir an, Du willst Dein Buch „Albion“ nennen und bisher wurde kein Buch damit veröffentlicht, kannst Du es schützen lassen. Zudem kannst Du sogar erreichen, dass sonst niemand diesen Titel verwenden darf. Denn gerade bei ausgedachten Bezeichnungen ist es sehr wahrscheinlich, dass es niemand kennt und daher niemand verwendet.

Bei Titeln, die aus einem Wort bestehen oder im Allgemeinen sehr kurz sind, kann es sein, dass sie sich hervorragend einprägen. Du musst diese Mittel nur geschickt anwenden.

4. Der Titel muss schön lang und/oder richtig kompliziert sein

Je länger und komplizierter ein Titel ist, desto weniger werden sich die Leute diesen merken. Denn es ist manchmal einfach nicht möglich, das überhaupt zu schaffen.

Vor zwei Jahren etwa hab ich einen Liebesroman gelesen. Der Name der Autorin kenne ich. Aber schon während des Lesens musste ich immer wieder auf das Cover schauen, wie das Buch hieß. Denn er wollte sich mir einfach nicht einprägen.

Natürlich kannst Du auch einen langen und/oder komplizierten Satz verwenden. Damit erreichst Du definitiv, dass niemand sonst Deinen Titel hat oder verwenden würde. Du musst aber leider davon ausgehen, dass Deine Leserinnen sich den Titel nicht merken können. Und wenn sie dann bei Amazon oder im Buchhandel danach suchen, werden sie selbst dastehen und sich überlegen, wie er heißen könnte. Schlimmstenfalls findet man Dein Buch nicht und kauft sich diesen auch nicht.

Auch hier gilt es, dass Du die Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen solltest.

5. Der Titel muss schön langweilig sein und darf keine Neugier wecken

Ein Cover kann viel erreichen, wenn man Aufmerksamkeit möchte. Aber definitiv nicht alles. Gerade dann, wenn man zuerst den Titel liest und nicht das Bild sieht. Und wenn es dann noch so langweilig ist, wie die siebzehnte Wiederholung einer überflüssigen Folge, macht es das definitiv nicht besser.

Deine Arbeit ist, mit wenigen Worten dafür zu sorgen, dass die Leute Dein Buch in die Hand nehmen. Das kann passieren, bevor oder nachdem sie das Cover für sich entdeckt haben. Auf alle Fälle musst Du es schaffen, dass sie unbedingt das Buch umdrehen wollen, um Deinen Klappentext zu lesen. Wenn Du das alles geschafft hast, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass Du Dein Buch verkaufen kannst.

Egal wie, bitte fessele Deine Leserinnen mit einem spannenden Titel.

6. Feedback ist was für Anfängerinnen

Irgendwann musst Du Dich hinauswagen und Dich bei anderen erkundigen, ob Dein Titel gut ankommt oder er doch eher langweilig ist, zu kurz, zu lang oder was auch immer. Daher ist es wichtig, dass Du andere Personen fragst, wie sie Deinen Buchtitel finden.

Immerhin sind die anderen Personen nicht nur Freundinnen oder Kolleginnen. Sie sind auch potenzielle Kundinnen. Und daher solltest Du auf sie zurückgreifen. Lass sie ihre ehrliche Meinung sagen, um herauszufinden, ob Du auf dem richtigen Weg bist oder noch etwas nachbessern musst.

Und wer weiß, vielleicht hat jemand von denen Deinen perfekten Titel im Kopf, den Du auch benutzen darfst. Bedank Dich in Deiner Danksagung bei der Person. Aber auf alle Fälle nutz diese Möglichkeit gerne aus.

Abschlussgedanken

Wenn Du diese Fehler vermeidest, kannst Du eine Menge erreichen, um Deinen perfekten Buchtitel zu finden. Schau Dir andere Buchtitel an, sei kreativ und überleg regelmäßig darüber nach, welchen Titel Du verwenden möchtest und könntest.

Dabei wünsche ich Dir viel Spaß.

Andere Titel

Schau Dir andere Buchtitel an und schreib sie Dir auf. Welche sind gelungen und welche nicht. Und vor allem, warum sind einige eher gelungen als andere. Finde deren Geheimnis heraus.

Jeden Tag ein Titel

Von heute an überlegst Du Dir jeden Tag einen Titel und notierst Dir diesen in Deinem Kalender. Wenn Du mehr findest, kannst Du auch mehr schreiben, aber jeden Tag einen ist ein Muss. Denn so übst Du Deinen kreativen Muskel und wirst irgendwann immer besser und besser dabei.

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Liebster Award von Wortgewald

Hei, hallo und herzlich willkommen,

heute geht es in die nächste Runde des Liebster Awards. Wortgewald war so lieb und hat mich für den Liebster Award nominiert. Dafür danke ich recht herzlich.

Daher sage ich einfach mal, legen wir gleich los. Hier ist der Originallink und hier die Regeln zum Liebster Award.

 

1. ) Worüber schreibst du am liebsten auf deinem Blog?

Eigentlich über Themen, die man sonst auf Schreibratgeberblogs nicht so sehr findet. Also zum Thema Sexismus oder auch Rassismus. Denn ich bin der Meinung, dass man sich damit durchaus auseinandersetzen sollte und daher tue ich es.

2.) Fällt es dir manchmal schwer, dich zum Bloggen zu motivieren?

Früher war es noch schlimmer, als ich bis zu fünf Beiträge pro Woche gepostet habe. Und momentan, weil ich ziemlich viel um die Ohren habe. Ja, es gibt Tage, da muss ich mich motivieren. Aber wenn ich dann dabei bin, geht es wieder.

3.) Über welches Thema wolltest du schon länger bloggen und warum hast du es noch nicht getan?

Über die Geschlechter in Fantasy- und Science-Fiction-Geschichten. Und ehrlich gesagt, bisher hab ich mich noch nicht an das Thema herangewagt, weil ich mich nicht getraut habe. Aber im Sommer werd ich es wohl endlich versuchen und sehen, was am Ende dabei herauskommt. Ach ja, ich schulde noch einigen einige Beiträge zum Thema Gay- und Lesbianromance. Da ist noch einiges offen.

4.) Welche ist deine Lieblingssprache und warum?

Vielleicht wirst Du lachen, aber ich finde, dass niederländisch solch eine fröhliche und positive Sprache ist. Daher möchte ich auch, wenn Ruhe bei mir eingekehrt ist, niederländisch zu lernen.

5.) Hast du vor, andere Sprachen zu lernen zukünftig? Warum (nicht)?

Wie gerade schon geschrieben, ich möchte niederländisch lernen. Zudem mein Englisch verbessern und vielleicht eine skandinavische Sprache, vielleicht schwedisch und slowenisch. Da sind noch einige Sprachen offen.

6.) Hörst du Musik beim Lesen? Wenn ja, welche?

Da ich kein MP3-Player mehr habe, höre ich auch keine Musik mehr beim Lesen.

7.) Welcher Autor/welche Autorin hat dich am meisten beeinflusst und warum?

Heide Göttner-Abendroht. Denn sie hat meine Sicht auf sehr viele Dinge verändert. Und sie hat den Weg für viele andere Autorinnen und Autoren geebnet.

8.) Liest du Bücher lieber in ihrer Originalsprache oder liest du sie prinzipiell in deiner Muttersprache?

Wenn es das Buch auf Deutsch gibt, hole ich es auf Deutsch, damit meine Mutter es auch lesen kann. Denn sie ist ebenso ein Bücherwurm wie ich. Aber ansonsten lese ich durchaus auch die Bücher auf Englisch. Denn häufig mangelt es doch sehr bei der Übersetzung, was ich damit dann umgehen kann.

9.) Was ist gerade dein Lieblingsheißgetränk?

Ganz klar, Früchtetee.

10.) Welcher Autor/ Welche Autorin wird deiner Meinung nach zu sehr „gehyped“/überschätzt?

Seit längeren lese ich schon nicht mehr Bücher, die in den Bestsellerlisten zu finden sind. Daher kann ich dazu keine Aussagen machen. Momentan lese ich sogar eher Bücher, die schon gar nicht mehr aufgelegt werden. Noch nicht einmal in der Originalsprache.

11.) Liest du lieber Lyrik oder Prosa? Warum?

Eher Prosa. Das liegt wohl daran, dass ich kaum Zugang zu lyrischen Büchern finde. Vielleicht sollte ich mal bewusst danach suchen. Dann könnte ich dazu mehr sagen.

Du bist dran

Dir haben die Fragen gefallen? Dann darfst Du sie gerne mitnehmen. Verlink dabei gerne diesen und den Originalbeitrag von Wortgewald. Ich würde mich freuen.

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Wie man einen starken Anfang schreiben kann

Hei, hallo und herzlich willkommen,

vielleicht macht man sich keine Gedanken über einen starken Anfang, wenn man die Rohfassung einer Geschichte schreibt. Aber spätestens, wenn man diese überarbeitet, überlegen sich die meisten, wie man das hinbekommt. Machen wir uns also gemeinsam darüber Gedanken.

Kurze Vorgedanken

Sicherlich kennst Du die ganzen Hinweise, Tipps und Ratschläge, dass Du einen starken Anfang schreiben sollst, um Deine Leserinnen einzufangen. Denn es heißt, dass die ersten Seiten Dein Buch verkaufen, während die Letzten Dein nächstes Buch verkaufen.

Aber um dahin zu kommen, also dass Deine Leserinnen vielleicht Band 2 kaufen oder ein anderes Buch von Dir, müssen sie Dich natürlich erst einmal kennenlernen. Gerade bei einem Erstlingswerk ist das durchaus wichtig.

Kann Dein Erstlingswerk nicht überzeugen, wird es später schwerer für Dich. Und da muss ich aus bitterer Erfahrung sprechen. Denn vor einiger Zeit habe ich das Erstlingswerk einer Autorin gelesen. Der Anfang war stark. Deswegen dachte ich, es würde weiter so gut vorangehen. Das Ende vom Lied war, die Geschichte wurde so schlecht, dass ich mich nicht traue, ein weiteres Buch dieser Autorin zu kaufen und zu lesen. Denn solch eine herbe Enttäuschung möchte ich nicht noch einmal erleben.

Doch häufig hab ich auch erlebt, dass die Anfänge so zäh waren, dass ich darüber nicht hinausgekommen bin. Auch wieder ein Verlust. Sowohl für mich, weil ich nie herausfinden werde, ob das Buch gut war. Aber auch für die Autorin. Denn es ist wahrscheinlicher, dass ich ihren nächsten Roman nicht kaufen werde.

Daher möchte ich mit Dir die einzelnen Elemente durchgehen, die Du nutzen kannst, um einen starken Anfang zu schreiben. Und dann fügen wir alle Elemente zusammen.

Handlung, Action, etwas in dieser Richtung

Eine gute Idee ist immer noch, wenn am Anfang irgendetwas passiert. Damit meine ich Action, ein Kampf, ein Streit, irgendetwas in dieser Richtung. Nehmen wir mal an, Deine Heldin läuft über Stock und Stein und will etwas erreichen. Sofort sind wir bei ihr und wollen wissen, was los ist. Dabei müssen wir noch nicht einmal genau wissen, wer sie ist. Sie hat eine Agenda und der folgen wir.

Schau Dir bitte den folgenden Clip an:

Auch wenn Du den Film (noch) nicht kennst und nicht weißt, wer die Figuren sind, diese 1:28-Minuten sorgen für Spannung. Als ich damals den Anfang gesehen habe, hatte ich sofort viele Gedanken, was das alles zu bedeuten hatte. Und wollte daher auch wissen, ob meine Gedanken richtig sind.

Hätte der Film ruhiger angefangen, wohlmöglich mit einer langatmigen Erläuterung, wer die ganzen Figuren sind, vermutlich hätte er nicht solch einen Erfolg gehabt. Und trotz allem haben wir durchaus eine gewisse Charakterisierung der beiden Helden (hier Sherlock Holmes und Dr. Watson), ohne das die beiden Charaktere auch nur ein einziges Wort sagen.

Hier geht es aber darum, dass Du Deine Leserinnen in Deine Geschichte ziehst, damit sie sich sofort darin verlieren kann. Danach kannst Du immer noch ruhiger werden und die Charaktere einzeln vorstellen.

Natürlich kannst Du Deinen Roman auch ruhig angehen. Das kann auch interessant sein. Nur empfehle ich Dir, dass im Hintergrund irgendetwas mitschwingt, damit ich als Leserin weiß, dass diese ruhige Kulisse nur Schein ist. Also das die Spannung noch auf mich wartet.

Und eventuell kannst Du noch mit dem Prolog arbeiten, wenn Du das Gefühl hast, dass Deine Geschichte zu ruhig anfängt. Du könnest zum Beispiel aus der Sicht der Antagonistin dem Prolog schreiben (oder Kapitel 1, je nachdem, wie Du es möchtest) und dann mit der Geschichte anfangen.

Robert Jordan hat die Sache mit dem Prolog in seinem ersten Band durchgezogen. Denn die Geschichte selbst fängt sehr ruhig an. Circa einhundert Seiten passiert eigentlich gar nichts. Zwar gibt es die Vorzeichen, aber es reicht, so gesehen, nicht aus, um die Leserinnen wirklich zu binden. Da er aber ein spannenden Prolog geschrieben hat, ahnt man, was die verschiedenen Charaktere und Vorzeichen zu bedeuten haben und somit bleiben sogar die eigentlich langweiligen 100 Seiten spannend.

Darf ich vorstellen? Die Heldin bzw. der Held.

Natürlich lesen wir letztendlich einen Roman, weil wir die Heldin oder den Helden treffen wollen. Aus ihrer Sicht wollen wir die Welt erfahren und die Geschichte kennenlernen.

Wenn ich einen Roman lese, möchte ich nicht erst einmal einen Charakter treffen und glauben, dass sie oder er die Hauptfigur ist. Und dann, ein paar Seiten später, finden wir heraus, dass es sich nur um einen Rothemd handelt (von Star Trek abgeleitet). Mit anderen Worten sie oder er durfte ein paar Worte sagen und dann versterben.

So erging es mir mal mit einer Geschichte von Brandon Sanderson. Er schreibt am Anfang aus der Sicht eines Jungen, der danach stirbt. Dabei hatte ich mich schon emotional ein wenig an ihn gebunden und dann ist er einfach weg. Und an seiner Stelle tritt eine andere Figur. Fand ich persönlich nicht sonderlich gut.

Natürlich kannst Du das machen. Niemand will Dir das verbieten. Aber rechne damit, dass Du damit Deine Leserinnen völlig aus dem Konzept schmeißt. So wie es bei mir passiert ist.

Vielleicht magst Du Dir daher überlegen, doch mit einem Charakter anzufangen, die oder der doch länger Teil der Geschichte bleibt. Gerne darfst Du dann George R. R. Martin nachmachen und auch Hauptfiguren töten. Warum nicht. Nur ich selbst würde diesen Charakter dann noch länger behalten, damit sich meine Leserinnen an diese Figur gewöhnen. Dann ist der Schock größer, wenn ich sie oder ihn um die Ecke bringe.

Deine Hauptfigur braucht eine Prise von … Problemen

Wir haben eine Situation, in der Spannung liegt und eine Heldin oder einen Helden, welche die ersten paar Seiten auch überleben darf. Doch um Deine Hauptfigur noch interessanter zu machen, darf sie oder in eine Situation kommen, in denen sie oder er so richtig schöne Probleme bekommt.

Du musst nicht gleich einen Kampf einführen (auch wenn das eine Möglichkeit ist). Deine Hauptfigur kann auch Opfer einer Intrige sein oder plötzlich Waise werden und niemand kümmert sich weiter um Deine Figur.

Wichtig finde ich, dass die Figur zeigt, dass ihr die Situation wichtig ist. Sie will diese überwinden oder sie leidet darunter. Irgendeine emotionale Reaktion ist da immer gut, damit wir mit ihr mitgehen.

In den letzten Wochen habe ich nach einigen bestimmten Büchern gesucht. Dabei viel mir auf, dass immer wieder ein junger Mann für ein Verbrechen beschuldigt wurde, welches er nicht begangen hat. Auch wenn sich dieses Schema einige Male wiederholt hat, ist das ein gutes Problem.

Wir haben es mit jemandem zu tun (in dem Fall einen Jungen oder jungen Mann), der sicher und behütet in seiner Dorfgemeinschaft lebt. Dort passiert etwas, halt ein Verbrechen. Und weil man scheinbar nicht den wahren Täter findet, wird unser Held beschuldigt, dass er diese Tat begangen hat.

Ohne die Bücher gelesen zu haben, kann ich mir vorstellen, dass unser junger Held hier mit einer schweren Strafe zu rechnen hat. Denn in jeder Variante verlässt er seine Heimat, um woanders weiterleben zu können. Es geht hier also um ein sehr großes Problem. Die eigene Haut zu retten und auch die Tat aufzuklären (warum sollte man diese sonst einführen).

Hier haben wir eine Hauptfigur mit einem Problem. Und zwar mit einem, welche die Figur direkt betrifft und welche von ihr gelöst werden muss. Da bin ich als Leserin doch glatt dabei.

Es darf ruhig mysteriös vor sich gehen

In einem Krimi geht es natürlich um die Frage, wer hat unser Opfer umgebracht. In einem, sagen wir mal, Fantasybuch geht es aber nicht immer um Mörderinnen und Opfer. Da wollen wir wissen, was hat das Oberböse vor? Wieso will sie die Weltherrschaft an sich reißen? Oder was ist das Ziel der Außerirdischen, wenn sie die Erde erobern wollen?

Wir sehen unsere Hauptfigur davon ziehen, wissen aber nicht warum. Nicht gut. Es geht also darum, dass wir sehen, dass sie oder er einen Grund hat. Und zwar idealerweise einen Grund, der uns die ganze Geschichte lang beschäftigt.

Beim Rad der Zeit von Robert Jordan habe ich mich die ganze Zeit gefragt, warum das Oberböse letztendlich wirklich das Licht vernichten wollte (noch bin ich nicht dahinter gekommen). Dann natürlich auch, ob eine Quelle gereinigt wird und wie der letzte Kampf ausgeht. Gerade, weil es eine immer wiederkehrende Geschichte ist (Insiderwissen, ich möchte an dieser Stelle nicht zu sehr Spoilern). Können also die Guten der Geschichte überhaupt gewinnen?

Mit einer Frage, die Du am Anfang stellst und erst am Ende beantwortest, kannst Du die Spannung immer aufrechterhalten. Daher überlege gut, wie Du diese Spannung lebendig erhalten willst. Denn diese Frage soll nicht nur Deine Leserinnen bei Laune halten, sondern letztendlich auch Dich selbst.

Jetzt mischen wir alles zusammen

Du brauchst also eine Eröffnung, in der eine Handlung gegeben ist, eine Hauptfigur, die wir kennenlernen dürfen und eine Frage, welche hoffentlich uns die ganze Geschichte über begleitet.

Möglich ist es, dass Du Deine Hauptfigur mit dem ersten Satz vorstellst und uns sagst, mit wem wir die Ehre haben. Danach blicken wir durch diese Augen in die bekannte Umgebung. Du musst nicht aus der Geschichte heraustreten und uns diese Welt vorstellen. Im Gegenteil, das ist langweilig und fördert eher, dass Deine Leserinnen sich weigern, das Buch weiterzulesen.

Zeig uns, in was für einer Umgebung wir uns bewegen und wie sie aussieht. Und während dieser Sätze kannst Du schon das Mysteriöse einbauen. Zum Beispiel ist es bei „Das Rad der Zeit“, dass andauernd Krähen im Dorf zu finden sind.

Dort erfahren wir, dass sie Spion*innen des Oberbösen sind und das wird von einer fremden Frau, die nicht zum Dorf gehört, sogar bestätigt. Was wollen also die Krähen im Dorf und warum sind gerade jetzt dort angekommen?

Und natürlich, wer ist das Böse. Da wir in diesem Roman noch einen sehr starken Prolog haben, wird der Anfang des Romans um einiges spannender. Denn dort werden Fragen aufgeworfen, die erst nach und nach in der Reihe beantwortet werden. Aber die eine große Frage wird erst zum Schluss gelöst.

Abschlussgedanken

Natürlich gehört nicht nur das Wissen dazu, wie man einen guten Anfang schreibt, sondern auch sehr viel Übung. Aber je mehr Du Romane liest und je mehr Du übst, desto besser wirst Du. Und vor allem, desto leichter fällt es Dir.

Daher schau Dir an, wie es die anderen gemacht haben, finde die oben aufgeführten Punkte und lerne von ihnen. Und vor allem schreib Deine Anfänge.

Die Anfänge anderer Geschichten

Gute Filme und Bücher haben meistens eins gemeinsam, einen starken Anfang. Daher schau oder lies Dir diese durch und überleg, was genau dieser Anfang starkmacht. Notier Dir alles, was Dir gefällt und was nicht.

Dein eigener Anfang

Nun überprüf Deinen eigenen Anfang. Ist er so gut, wie Du ihn gerne hättest? Und wenn nicht, was könntest Du nun verbessern, nachdem Du andere gesehen hast? Hast Du das herausgefunden wird es Zeit, ändere Deinen Anfang.

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Genre: Alternative Geschichte

Hei, hallo und herzlich willkommen,

wenn man einen historischen Roman schreibt, sollte man sich idealerweise an die Fakten halten. Tut man das nicht, riskiert man negative Rezensionen, weil man sich eben nicht genügend Mühe bei der Recherche gemacht hat. Und das zurecht. Gibt es aber da einen Ausweg, wenn man einen historischen Roman schreiben aber nicht alle Fakten recherchieren will?

Kurze Vorgedanken

Sicherlich kennst Du den Spruch „Geschichte schreiben die Sieger“. Das bedeutet ganz klar, wer die Definitionsgewalt hat, entscheidet letztendlich, was überliefert wird. Ob es sich dabei um die Wahrheit handelt, steht auf dem anderen Blatt.

Und viele historische Dokumentationen zeigen auch klar, dass die Geschichte sich nicht immer so abgespielt hat, wie wir es kennen oder gelernt haben. Das bedeutet schon einmal, dass Du die Geschichte in Deinem Roman anpassen kannst.

Doch häufig lese oder höre ich in historischen Beiträgen, dass der Zufall den Verlauf der Geschichte beeinflusst war. Zufällig war Person X an der Stelle und hat etwas Entscheidendes gemacht. Oder hätte es nicht geregnet, wäre das und das passiert.

Wenn Du einen Roman mit einer alternativen historischen Umgebung schreiben möchtest, entscheidest Du, was diese Zufälle sind.

Was verstehe ich unter „Alternative Geschichte“

Alternative Geschichte ist das, was nicht passiert ist. Wenn Du ein Geschichtsbuch aufschlägst, findest Du dort die reale Geschichte. So wie sie eben stattgefunden hat bzw. stattgefunden haben soll.

Änderst Du kleine Fakten, befinden wir uns schon in der Welt der alternativen Geschichte. Damit meine ich, wenn sich eine Figur an einem Ort befindet, an der sie sich in der realen Geschichte nicht befand. Oder sie trifft in Deiner Geschichte auf Deine Heldin, die von Dir erfunden wurde.

Du kannst aber auch die Geschichte und Ereignisse komplett ändern oder ausfallen lassen. „The Man in the High Castle“ ist eine solche große Änderung. Um es kurz zu machen, in der Serie geht es darum, dass Deutschland und Japan den Zweiten Weltkrieg gewonnen haben und somit die Welt unter sich aufteilten.

Der eigentliche historische Fakt, dass die Alliierten gewonnen haben, wird hier quasi ignoriert und anderen den Sieg zugesprochen. Und es funktioniert, solange Du weißt, was Du tust.

Die ersten Schritte zur alternativen Geschichte

Um eine alternative Geschichte zu erschaffen, finde ich es wichtig zu wissen, was in der realen Geschichte überhaupt passiert ist. Und das meine ich genauso, wie es hier steht, Recherche.

Such Dir erst einmal einen historischen Abschnitt aus, der Dich fasziniert. Und zwar so sehr, dass Du Dich länger mit diesem Teil beschäftigen möchtest. Dabei ist es völlig egal, um welche Periode der Geschichte und um welches Land es sich handelt. Hauptsache, Du bist gefesselt.

Und dann heißt es erst einmal Recherche betreiben. Wer lebte dort, welche Ereignisse fanden statt, welche historischen Charaktere waren vor Ort und so weiter.

Nehmen wir an, Du möchtest den Ersten Weltkrieg umschreiben. Und dazu willst Du das Attentat von Sarajevo ändern. Hierbei hat die Ermordung von Franz Ferdinand von Österreich und Sophie Chotek von Chotkowa über ein paar Ecken den Krieg ausgelöst.

Vielleicht sagst Du Dir, dass Du die beiden Charaktere an einer anderen Ecke der Geschichte brauchst und sie übeleben lassen willst. Das ist natürlich durchaus möglich.

Dann wäre es wichtig herauszufinden, wer die beiden sind (biografische Daten), welchen Rang sie hatten und welche Bedeutung sie für die Zukunft ihres Landes theoretisch gehabt hätten. Weiter wäre zu klären, wie es zu ihrer Ermordung kam, wer daran beteiligt war und warum es die politischen Auswirkungen gehabt hatte, die dann letztendlich zum Ersten Weltkrieg führten.

Vielleicht hört es sich viel an, aber letztendlich musst Du keine historische Abhandlung zu dem Thema schreiben. Es ist halt nur wichtig, dass Du weißt, was geschehen ist. Dann kannst Du die entsprechenden Fakten nach und nach abändern.

Noch etwas zur Recherche

Wenn Du bei der Recherche bist, empfehle ich Dir Folgendes:

Namenslisten

Du wirst über sehr viele historische Persönlichkeiten lernen, die Du vorher vermutlich noch gar nicht gekannt hast. Auch wenn Du nicht alle in Deinem Roman auftreten lässt, empfehle ich Dir, die Namen zu notieren und ein paar Eckdaten.

Dazu zähle ich, wann und wo sind sie geboren worden, wann verstarben sie, welche Rolle spielten sie in der Geschichte und wie standen sie zu den Ereignissen und Personen, über die Du eigentlich recherchierst.

Mit solch einer Liste solltest Du eine gewisse Übersicht haben, wenn Du immer wieder über diese Namen stolperst. Und wer weiß, zu was Dich diese Personen noch so alles inspirieren.

Glossar

Früher hatten einige Wörter eine völlig andere Bedeutung als heute. So bedeutete früher die „Toilette“ nicht unbedingt das stille Örtchen, sondern sich auch frisch machen. Aber Du wirst auch von Wörtern lesen, die Du vorher nicht kanntest. Gerade dann, wenn Du in anderen Kulturkreisen recherchierst (in unserem Beispiel Serbien).

Um zu wissen, was diese Wörter bedeuten, empfehle ich Dir, ein Glossar zu erstellen. Eine einfache Tabelle reicht hier völlig aus. In der einen Spalte schreibst Du das Wort, das Du nicht kennst. Und in der anderen die Bedeutung.

Wenn Du Deiner Geschichte dann ein Gefühl der entsprechenden Kulturkreise geben möchtest, kannst Du die Wörter benutzen. Und nach Deiner Recherche weißt Du auch, in welchem Kontext Du sie verwenden kannst.

Zeitlinie

Manchmal können Wochen oder Monate zwischen zwei wichtigen Ereignissen liegen, manchmal nur Tage oder gar Stunden. Um zu wissen, wann was passiert ist, kannst Du eine Zeitlinie erstellen.

Wenn alles in einem Jahr passiert, brauchst Du keine größere Einteilung, ansonsten schreibst Du auf, was in welchem Jahr als größere Ereignisse passiert ist. Oder Du trennst die Jahre einzeln auf.

Dann teilst Du das in Monaten auf und notierst Dir, was Du alles herausgefunden hast. Passiert etwas in wenigen Tagen, würde ich schauen, dass Du sie auch noch einmal einzeln aufschreibst.

Egal wie Du das machst, es ist wichtig, dass Du mit dieser Methode klarkommst.

Wir ändern die Geschichte

Wenn Du weißt, was alles passiert ist, bist Du sicherlich bereit, die Geschichte zu verändern. Natürlich könntest Du auch einfach drauf losschreiben, ohne Dir Gedanken darüber zu machen, was für Auswirkungen alles hat. Immerhin ist die Geschichte eine Ansammlung von Zufällen.

Doch auch eine alternative Geschichte sollte in sich logisch sein. Würdest Du eine unlogische historische Umgebung aufbauen, ich bin mir sicher, dass einige Leserinnen Dir das übel nehmen würden.

Überleg Dir daher, welchen historischen Aspekt Du herausnehmen würdest. Wir wollen ja unser Paar überleben lassen. Das würde bedeuten, dass der Erste Weltkrieg eigentlich nicht stattfindet.

Wenn es das ist, was Du willst, solltest Du überlegen, wie Du mit den Spannungen umgehst, die damals bestanden. Irgendwie müssen die ja kompensiert werden.

Oder, wenn Du doch den Ersten Weltkrieg haben willst, dann musst Du Dir ein anderes Ereignis überlegen, um es dazu kommen zu lassen. Und dann natürlich unser Paar mit einbeziehen. Warum sonst hättest Du sie überleben lassen sollen?

Wie könnte das Europa von 1914 bis 1918 aussehen, wenn es kein Krieg gegeben hätte. Was würde aus den Leuten werden, die an den Ereignissen beteiligt waren. Und was würde an der Stelle des Krieges dann entstehen?

Die Zusammenhänge sollten logisch sein, Du musst aber keine exakten Analysen betreiben, was tatsächlich gewesen wäre. Denn darüber kann eigentlich niemand eine Aussage machen.

Der Mensch ist nicht immer planbar. Das bedeutet, dass er in einer Situation so reagiert, weil er schlecht gelaunt ist. In der gleichen Situation kann sie oder er aber anders reagieren, wenn die Person die Nacht durchgeschlafen hat und gut gelaunt ist.

Am besten notierst Du Dir sämtliche Überlegungen, die Du Dir dazu machst. Damit hast Du auch eine sehr gute Grundlage für Deinen Plot.

Auf Änderungen dezent hinweisen

In dem Film „Watchmen – Die Wächter“ erwähnte ein Charakter ganz beiläufig, dass er für Präsident Nixon gewählt hat, ganze fünf Mal. Solche Informationen werden ganz beiläufig in den Film eingespielt, sodass wir als Zuschauerinnen wissen, was anders ist, in dieser alternativen Geschichte.

Wenn Du Deinen Leserinnen eine alternative Geschichte präsentierst, werden sie schon ahnen, dass die bekannten Daten keine Rolle spielen. Es bringt aber nichts, wenn Du die alternativen Informationen in einem Monolog präsentierst. Das ist Info Dump und interessiert niemanden.

Die alternativen Informationen sollten daher idealerweise von Dir sanft eingestreut werden. Sodass ich informiert bin, aber nicht erschlagen werde.

Abschlussgedanken

Bei der alternativen Geschichte benötigst Du durchaus ein wenig Geduld für die Recherche. Aber so bekommst Du ein Gefühl für die Welt, in der Du schreiben willst und das Setting.

Und je mehr Energie Du hier investierst, desto besser kannst Du Dir Gedanken über die alternativen machen. Das bedeutet dann am Ende, dass Du eine in sich schlüssige Geschichte schreiben kannst.

Dabei wünsche ich Dir viel Spaß.

Geschichten mit alternativer Geschichte

Es gibt viele Romane und Filme mit einer alternativen Geschichte. Finde sie und lies sie durch bzw. sieh sie Dir an. Was ist dort anders und vor allem, wie werden Dir die Informationen präsentiert?

Deine eigene Geschichte

Wenn Du selbst solch eine Geschichte schreiben möchtest, fang nun an zu überlegen, in welcher Zeitperiode und in welchem Land diese spielen soll. Dann fang an zu recherchieren und den Plot zu verfassen. Und natürlich danach den Roman zu schreiben.

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Schreib, was der Markt verlangt …

Hei, hallo und herzlich willkommen,

vielleicht hast Du den Satz schon einmal in irgendeiner Form gehört oder gelesen: Willst Du erfolgreich sein, musst Du nach dem Geschmack des Marktes schreiben. Diesen Satz hatte ich auch als Kommentar auf einen Beitrag. Doch stimmt der wirklich?

Kurze Vorgedanken

Fakt ist, manche und viele Autorinnen möchten vom Schreiben leben. Daher überlegen viele, wie sie das erreichen können. Natürlich, in dem sie schreiben. Und auch, indem sie veröffentlichen.

Daher bekommen sie von einigen den Hinweis, dass sie nach dem Markt schreiben sollen. Also das, was gerade gerne gelesen wird. Und es gibt sie auch, die Dauerbrenner, die Themen, die Geschichten die immer und immer wieder gerne gelesen werden. Schreibt man in diesen Genres oder mit gewissen Themen, kann man sicher sein, auf Dauer davon zu leben.

Heute möchte ich mir die Vorteile dieses Gedankenganges ansehen und auch die Nachteile.

Die Vorteile

Sicherheit

Als Sicherheit verstehe ich, dass man weiß, in welchem Rahmen man sich bewegen kann oder auch gelegentlich muss. Viele vor mir haben in einem bestimmten Genre oder in einem bestimmten Gebiet geschrieben. Und an diesen Vorgaben, die sie erschaffen haben, kann ich mich orientieren.

Immerhin haben es die anderen schon vorgemacht und damit Erfolge gefeiert. Warum sollte es daher nicht bei mir klappen? Und nein, hierbei schreibe ich nicht davon, bei den anderen abzukupfern. Es geht darum, sich von den anderen Werken inspirieren zu lassen.

Wenn ein Haufen Autorinnen über Vampire vor Dir geschrieben haben. Kannst Du sehen, was sie bisher verfasst haben und schauen, wo Deine Geschichte ihren Platz findet. In solchen Fällen befindest Du Dich in guter Gesellschaft.

Und in dieser Sicherheit kannst Du dann Deine Geschichten schreiben und Welten erfinden.

Garantierte Leserschaft

Wenn Du in einem Genre schreibst und mit Elementen, welche bereits bestehen, ist die Wahrscheinlichkeit um einiges größer, dass Du an einen festen Leserinnenstamm rankommst.

Leserinnen wollen häufig viel und schnellen Nachschub. Es mag bis zu einem Jahr dauern, bis ein Roman veröffentlicht wird (gerade wenn es sich um ein Verlagsbuch handelt, gibt es andere Laufzeiten, als im Selfpublishing). Aber es dauert gerade etwa eine Woche, in denen Vielleserinnen den Roman durchgelesen haben. Und manche sind sogar noch schneller. Daher ist es ihnen wichtig, dass sie so viel wie nur möglich aus ihrem Lieblingsbereich lesen können.

Wenn Du also diesen Markt bedienst, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Du einen Fuß reinsetzen kannst. Es ist nicht garantiert, sei Dir darüber im Klaren. Aber sie ist höher, als wenn Du was ganz Neues versuchst.

Akzeptanz auf dem Markt

Was der Markt kennt, wird auch gelesen, veröffentlicht und gezeigt. Das gilt sowohl für Verlage als auch für den Buchhandel. Können sie Deine Geschichte eindeutig zuordnen, dann sind sie auch eher bereit Deine Geschichte in den Handel aufzunehmen.

Nehmen wir mal an, Du schreibst eine Geschichte mit verschiedenen Elementen, sagen wir, Fantasy mit Science-Fiction und Horror gemischt. Die Geschichte kann noch so gut sein und von Deinen Leserinnen geliebt werden. Doch in welchem Regal soll Deine Geschichte untergebracht werden?

Du magst lachen, doch das ist wichtig sowohl für den Verlag als auch für den Buchhandel. Können sie Deinen Roman nicht eindeutig zuordnen, wissen sie auch nicht, wie sie es bewerben sollen. Daher schrecken zumindest größere Verlage vor solchen Romanen eher zurück.

Bei Indieverlagen mag das anders aussehen, weil sie häufig noch mit dem Anspruch auftreten, gerade solche Geschichten zu veröffentlichen. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass Du deswegen in einem Buchladen landen wirst.

Hältst Du Dich an die Spielregeln, also trennscharfe Zuordnung zum Genre, bekannte Elemente und so weiter, ist die Wahrscheinlichkeit höher bei einem Verlag zu landen und letztendlich auch im Buchhandel.

Nachteile

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Daher gibt es auch einige Nachteile, wenn man nach dem Markt schreibt. Hier sind einige, die mir so einfallen.

Untertauchen

Wenn man, wie alle andere, im gleichen Thema schreibt, braucht man sehr viel Energie, um aufzufallen. Vor einigen Jahren war ich in einer Buchhandlung, in dem es von Vampirbüchern nur so wimmelte. Und irgendwann hab ich den Überblick verloren.

Daher liegt es an Dir, doch einige Elemente einzubauen, um Dich von den anderen eindeutig zu unterscheiden. Und natürlich musst Du, egal ob Du Verlagsautorin bist oder Selfpublisherin, sehr viel Werbung für Dich machen. Immerhin willst Du ja als Autorin wahrgenommen werden. Daher musst Du erst einmal für Aufmerksamkeit sorgen.

Man kann sagen, Du bist eine von vielen. Und daher kann es passieren, dass Du dabei auch untergehst.

Hinterherhinken

Nehmen wir an, aktuell sind die Werwölfe total angesagt. Irgendeinen Trend gibt es ja immer und die wechseln schneller, als man schauen kann. Und Du hast eine tolle Werwolfidee und willst daher hier unbedingt mitschreiben. Also legst Du los, plottest und schreibst und veröffentlichst die Geschichte (egal wie, auf die Einzelheiten will ich jetzt nicht eingehen).

Da es dauert, bis man einen Roman fertig hat, kann es sein, dass Du den Trend verpasst hast. Manchmal halten die ein paar Jahre, andere hingegen sind schneller vorbei, als man die Idee geplottet hat.

Daher kann es sein, dass Du wertvolle Schreibzeit in eine Idee gesteckt hast, die niemand lesen will. Und letztendlich verdienst Du, um es ganz hart zu schreiben, damit noch nicht einmal Geld.

Hast Du die Geschichte geschrieben, weil Du sie liebst, ist das was anderes. Doch einige leben schon von ihrer Arbeit und daher ist es für sie wichtig, dass sie so schnell wie möglich mit den Trends arbeiten.

Gelangweilt

Zwischenzeitlich melden sich immer mehr Leserinnen und Leseblogs mit einem Wunschzettel, was sie nicht mehr lesen wollen. Schreibt man nach den aktuellen Trends, landen die eigenen Bücher zwangsläufig auf solchen Listen. Denn, um es mal direkt anzusprechen, viele Leserinnen sind von den vielen Trends schlichtweg gelangweilt.

Das bedeutet, dass die Gefahr besteht, dass Du nicht gelesen wirst, weil Deine Geschichte zu den langweiligen gehört. Gerade dann, wenn Du Dich an die Haupttrends hältst, zu denen aktuell, gefühlt, jede zweite Autorin einen Roman veröffentlicht.

Vor einigen Wochen habe ich zwei Bücher entdeckt, in denen es darum geht, dass ein junger Mann eines Verbrechens beschuldigt wurde, welchen er nicht begangen hat. Daraufhin musste er das Dorf verlassen, um halt ins Abenteuer zu gehen.

Die Geschichten klangen so ähnlich, dass sie mich überhaupt nicht mehr interessiert haben. Denn allein die Ähnlichkeit hat mich schon angefangen zu langweilen.

Vorsicht, Verwechslungsgefahr

Bei den eben erwähnten Büchern kann noch etwas Schlimmeres passieren, Du wirst mit einer anderen Autorin verwechselt. Wenn Du eben über einen Jungen schreibst, der für ein Verbrechen büßen soll, welches er nicht begangen hat und jemand anderes auch, dann klingt das schon im Klappentext sehr ähnlich.

Gerade dann, wenn man sich nicht näher mit dem Buch beschäftigt hat und somit mit dem Namen der Autorin. Da kann es passieren, wenn man über die zweite Geschichte stolpert, dass man zwei Mal das gleiche Buch gefunden hat. Man wird mit jemandem verwechselt, die man gar nicht ist.

Das kann bedeuten, dass man sich auch nicht abheben kann. Wie soll man eine individuelle Werbung und Positionierung erreichen, wenn man wie jemand anderes ist? Das kann schwierig sein und erfordert mehr Energie in die eigene Werbung.

Wie könnte man vorgehen?

Die oben aufgeführten Punkte sind sicherlich nicht erschöpfend. Aber ich denke, dass Du nun ein Bild davon hast, was passieren könnte, wenn Du nach dem Markt schreibst. Doch wie könnte man nun eigentlich vorgehen?

Wer bleibt in Erinnerung?

An welche Autorin erinnerst Du Dich eher? An die Autorin, welche den hundertsten Vampirroman geschrieben hat? Oder an die Autorin bzw. den Autor, welche die Vampire überhaupt salonfähig gemacht hat? Also Bram Stoker?

Oder wie sieht es mit Edgar Allen Poe aus? Er hat das Genre des Krimis begründet. Mary Shelley war die erste Autorin, welche eine Art Science-Fiction Roman geschrieben hat. Und für die meisten gilt sie als Begründerin des Steampunks.

Und das gilt für viele Bereiche. Wer erinnert sich schon an die, welche lediglich Trends nachgelaufen sind? Die tauchen unter und es kann sogar passieren, dass sie eher verschwinden. Aber die, welche Trends erschaffen oder dem Ganzen eine besondere Note geben, die bleiben in Erinnerung.

Was willst Du?

Aber die wichtigste Frage lautet nicht, was will der Markt, sondern, was willst DU?

Als die Vampire vor einigen Jahren noch so sehr gehyped wurden, hätte man Dir sicherlich geraten, schreib einen Vampirroman. Immerhin wurde das damals gelesen. Und ja, noch heute gibt es Leserinnen, die Vampirromane immer noch sehr gerne verschlingen.

Doch, was wäre, wenn Du mit Vampiren gar nichts anfangen kannst? Man wird merken, dass Du Dich viel mehr anstrengen musst, Dich in das Thema hineinzuarbeiten, als jemand, die Vampire liebt.

Vor einigen Jahren hab ich eine Diskussion miterlebt, wie eine Autorin am besten einen erotischen Roman schreiben kann. Dabei war ihr das Thema Erotik und Sex eher zuwider. Sie hatte noch nicht einmal entsprechende Romane gelesen. Aber sie wollte eine solchen Schreiben, damit sie das Geld abgreifen kann. Denn eins ist klar, mit Erotik kannst Du durchaus Geld verdienen.

Wenn Du keine Ahnung von der Thematik hast, dann wirst Du schon Schwierigkeiten haben, darüber zu schreiben. Ist Dir ein Thema dann noch zuwider, wird es besonders schwer. Dann kann das Genre noch so viel Geld abwerfen, Du wirst nicht den Erfolg haben, den Du Dir wünschst.

Setze Trends

Wenn Du mithalten willst, ist es besser, wenn Du Trends setzt, als denen hinterher zu schreiben. Du kannst dann über ein Genre, Thema, was auch immer, schreiben, was Dir wirklich am Herzen liegt. Und zudem bist Du die Erste, die in ihrem Gebiet wildern kann.

Poppy J. Anderson ist meiner Meinung nach die erste deutsche Autorin, die über American Football schreibt. Und damit hat sie eine eigene Marke gesetzt. Zwischenzeitlich hab ich einige andere Romane gesehen, die ebenfalls dieses Thema aufgreifen. Sie könnten sogar besser als das Original sein. Doch die meisten greifen zu ihren Romanen, weil sie eben den Anfang gemacht hat. Alle anderen machen eben nur nach.

Und dabei hat sie nur ein einziges Element hinzugefügt – American Football – um einzigartig zu werden. Klar, sie schreibt immer noch den klassischen Liebesroman. Aber sie hat etwas anders gemacht. Das hätte auch ein Fehler sein können. War es aber nicht.

Daher schau Dir Dein Lieblingsgenre an und überleg, welche Besonderheit Du hinzufügen kannst, um etwas Einzigartiges zu schaffen. Manchmal reichen kleine Elemente. Und manchmal muss man ein komplett neues Genre erschaffen.

Trau Dich frech zu sein

Unter frech verstehe ich, die aktuellen Regeln über Bord zu werfen und etwas völlig neues zu wagen. Natürlich, ja, es kann sein, dass niemand Deinen Roman lesen will. Oder es dauert extrem lange, bis Du Deine Leserinnen zusammenhast.

Aber damit kannst Du etwas erreichen, was alle anderen nicht schaffen, die nur Trends hinterher schreiben. Du kannst einen Trend setzen, ein Genre erschaffen und das Schreiben, was Du willst.

Abschlussgedanken

Natürlich gehört viel Mut dazu, sich von dem gewohnten wegzubewegen und zu entscheiden, etwas völlig neues zu wagen. Aber ich bin selbst der festen Überzeugung, dass es sich auf Dauer lohnt. Damit schaffen wir, dass ein frischer Wind durch die Buchlandschaft gefegt wird. Und vielleicht können wir so erreichen, dass die Verlage und der Buchhandel mutiger werden, wenn wir mutiger werden.

Lass uns gemeinsam mutig sein.

Dein Thema

Überleg und notiere Dir alles, worüber Du schreiben möchtest. Danach kannst Du planen und plotten, wie Du das in einer Geschichte unterbringen möchtest.

Recherche

Recherchiere oder denk darüber nach, an welche Autorinnen Du Dich erinnerst. Und inwiefern haben sie etwas Neues geschaffen bzw. sind sie einen Trend hinterhergelaufen. Es geht dabei um den Wiedererkennungswert ihrer Geschichten.

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Wie man einen BDSM Roman schreiben kann

Hei, hallo und herzlich willkommen,

es mag sein, dass 50 Shades of Grey das Genre des BDSM ins Fokus der Literatur gerückt hat. Aber eins ist sicher, es gab schon immer Geschichten zu diesem Thema und es wird auch weiterhin Bücher dazugeben, selbst wenn niemand mehr über 50 SoG spricht. Daher möchte ich Dir heute einige Vorschläge machen, wie man solch einen Roman schreiben kann.

Kurze Vorgedanken

Auch wenn man selbst kein Bedürfnis hat, sich den Hintern versohlen zu lassen oder selbst als Fem-Dom die Peitsche zu schwingen, reizt es viele einen entsprechenden Roman zu schreiben. Und auch wenn das Praktikerinnen aus der Szene nicht gefällt, ich finde das Selbst durchaus in Ordnung.

Dabei gibt es einige einfache Dinge, die man berücksichtigen darf, kann und auch durchaus sollte, damit ein BDSM-Roman in sich schlüssig und ein Lesegenuss wird. Die Regeln eines erotischen Romans können hier befolgt und durch einige spezielle Punkte ergänzt werden.

Zu den wichtigen Grundlagen

Die Geschichte

Egal wie erotisch ein Roman sein soll, eine kleine Geschichte darf immer dabei sein. So hab ich letztes Jahr einen BDSM-Roman gelesen, bei dem es sich nur darum drehte, wie er ihr den Hintern versohlte. Eine Hauptgeschichte kam nur in den ersten zwei oder drei Kapitel und dann noch einmal in den Letzten ein oder zweien vor.

Zugegeben, ich lese gerne erotische Romane. Und von mir aus darf es auch ein wenig mehr Sex in der Geschichte vorkommen, als Verlage es vorgeben. Immerhin greife ich nicht umsonst zu einem entsprechenden Roman. Aber wenn da gar keine Geschichte existent ist oder ein Konstrukt geschaffen wird, um die beiden immer und immer wieder ins Bett (oder wohin auch immer) zu schicken, das geht sogar mir zu weit.

Daher bitte ich Dich, wenn Du einen erotischen Roman oder einen BDSM-Roman schreibst, dann erschaff bitte zuerst die Geschichte drum herum.

Vielleicht mögen sich die anderen Romane auch verkaufen, also in denen es mehr um den Sex geht, als um die Geschichte. Aber ich denke, dass es auf Dauer sinnvoller ist, wenn Du Dich auf eine Geschichte konzentrierst. Sie muss nicht komplex sein (darf es aber gerne). Hauptsache der Roman besteht nicht zu achtzig Prozent aus Sex.

Die Charaktere

Warum empfindet ein Mensch sexuelle Befriedigung daraus, dass ein anderer Mensch ihr den Hintern versohlt (ich brech das mal brachial darauf runter, unten werde ich das Thema etwas differenzierter angehen)? Das muss ja einen Grund haben. Und es ist Deine Aufgabe als Autorin das herauszufinden. Genauso, wie die Frage, warum jemand es als erregend befindet, jemand anderen Schmerzen zu zufügen.

Denn BDSM ist etwas anderes, als zum Beispiel im freien Sex zu haben. Oder sich einem Dreier hinzugeben. Hier geht es darum, dass jemand anderes die Kontrolle über eine Person übernimmt und dieser unter anderem physische Schmerzen zufügt. Und beide haben Spaß daran.

Wenn Du also einen BDSM-Roman schreiben möchtest, brauchst Du Charaktere, die eben daran Spaß haben, sich darauf einlassen und es auch wollen. Auch wenn ein Charakter noch nie gefesselt und mit einer Peitsche bearbeitet wurde, müssen beide Seiten dafür offen sein.

Müssen? Ja klar. Es gibt Menschen, die partout ablehnen, sich als Sklavin oder Fem-Dom zu sehen. Die würden sich niemals auf eine Session einlassen, um das auch nur mal auszuprobieren. Daher müssen Deine Charaktere zumindest dafür offen sein, diese Art der Sexualität zumindest auszuprobieren. Sind sie es nicht, dann wirken sie schlichtweg unglaubwürdig.

Auch wenn Deine Sklavin in diese Welt eingeführt werden muss, sollte in ihrer Art doch schon etwas zu finden sein, dass sie daran letztendlich Spaß findet. Genauso wie ihre Fem-Dom. Daher ist es wichtig, besonders hier großen Augenmerk zu legen.

Hier noch ein kleiner Hinweis zu der Kindheit Deiner Charaktere. Vor einigen Wochen hab ich einen Ausschnitt gesehen, welcher Typ Mensch sich eher für BDSM-Spielarten interessiert. Es gibt dazu noch keine offiziellen Studien. Aber es scheint eher so zu sein, dass Menschen, die eine gewaltvolle Kindheit hatten, weniger dazu neigen, sich für BDSM zu interessieren. Menschen mit einer halbwegs normalen Kindheit (also ohne Gewalt und Derartigem) sind eher bereit, sich für BDSM zu begeistern und in diese Welt einzutauchen.

Das so viel zu den Fem-Doms oder Doms, die eine grausame Kindheit hatten und aus diesem Grunde andere deswegen dominieren müssen.

Begrifflichkeiten

Wie jede Subkultur hat auch die Welt des BDSM eine eigene Sprache entwickelt. Um diese Welt realistisch darzustellen, ist es durchaus wichtig, dass Du sie kennst und richtig einsetzt.

An dieser Stelle möchte ich Dir einige Begriffe näher erläutern, um Dir den Einstieg zu erleichtern. Die restliche Recherche kannst Du dann gerne übernehmen (siehe unten die Linkliste für die weitere Arbeit).

FemDom oder Dom

Sie sind der dominante Teil in der Beziehung. Letztendlich sind sie es, welche die Session leiten, die Peitsche schwingen oder die Sub dominieren. Dabei steht FemDom für „Female Domination“ und wird für die Frau benutzt. Dom ist meistens die Bezeichnung für den Mann.

Bei FemDom heißt es zwar, dass sie den Mann dominiert. Aber es gibt auch Frauen, welche andere Frauen dominieren. Dabei ist es nicht zwangsläufig, dass sie lesbisch oder bisexuell ist. Es kann für sie einfach nur erregend sein, eine Frau zu dominieren.

Sub(missiv)

Das ist die Person, die sich dominieren lässt. Die Sub gibt sich jemanden hin und hat während der Session ihren Spaß, egal wie zart oder hart das Ganze ist. Doch wenn die Session vorbei ist, übernimmt die Sub ihr Leben und beide können ihre eigene Wege gehen.

Daher ist es gut, wenn Du eine Sub nicht mit einer Sklavin verwechselst.

Sklavin

Sie gibt sich ihrer Herrin voll und ganz hin. Denn diese bestimmt nicht nur die Session, sondern sogar den Alltag. Hier gehen beide einen Schritt weiter. Das bedeutet, dass sie bestimmen kann, was die Sklavin trägt, wo sie arbeitet und wie die Freizeit der Sklavin gestaltet wird. Zudem können beide ausmachen, dass die Sklavin 24/7 der Herrin zur Verfügung steht (also 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche).

Spanking

Das bedeutet, dass die Schläge mithilfe der Hand ausgeführt werden. Bekannteste Art ist das spanken des Gesäßes. Hier wird also mit der nackten Hand (gegebenenfalls auch mit speziellen Handschuhen) der Hintern versohlt.

Für viele ist das ein Einstieg in diese Szene und zugleich kann man hier auch lernen, die Schmerzgrenze auszuloten. Zugleich ist es auch eine Übung für die Stärke des Schlagens.

Vanila oder Vanila Sex

Diese Bezeichnung kommt von dem Geschmack Vanilie, welche wohl fast alle Menschen gerne essen. Damit wird letztendlich der gesellschaftlich akzeptierte Sex bezeichnet (also Frau und Mann, wohlmöglich in der Missionarsstellung). Alles was nicht Vanila ist, wird dann häufig als kinky bezeichnet.

Bottom

Der passive Teil einer Session.

Top

Der aktive Teil einer Session.

Session oder Szene

Das ist ein Spiel, in denen die FemDom der Sub (oder auch Sklavin) die Schmerzen zufügt. Dabei kann es direkt zur Sache gehen oder im Rahmen eines Spiels stattfinden. Das bedeutet, dass die Sub zum Beispiel erst einmal putzen muss, dann soll sie irgendwelche andere Aufgaben erledigen und dann kann es auch direkt zur Sache gehen.

Die Session sollte dabei von beiden Seiten abgesprochen werden, was gefällt und wo die Sub sagt, bis hierhin und nicht weiter. Nur so kann die Top verhindern, dass es zu einem vorzeitigen Abbruch kommt.

Von Safeword und Slowword

In manchen Romanen vermisse ich die Absprache zwischen der FemDom und der Sub bezüglich eines Safewords. Und dabei ist das ungemein wichtig. Ohne ein Safeword würden richtige FemDoms und Doms nie in eine Session gehen. Und wenn doch, ich hab gelesen, dass die BDSM-Gemeinde sehr engmaschig verstrickt ist. Solche Leute würden wohl sehr schnell vor die Tür gesetzt werden.

Doch was ist nun eigentlich was?

Das Safeword

Hierbei handelt es sich um ein Wort, mit dem man die komplette Session abbricht. Wenn es der Sub zu viel wird, sie nicht mehr kann oder nicht mehr will, dann sagt sie eben dieses Wort und die FemDom ist dann auch verpflichtet, alles sofort zu beenden.

Ohne ein Safeword sollte eine Sub niemals in eine Session oder was auch immer gespielt wird, gehen. Denn es kann immer passieren, dass sie auf einmal Panik bekommt, nicht mehr weitermachen kann und daher alles abbrechen muss, weil sie sonst einen Schaden erleidet. Das Safeword garantiert, dass das auch geschieht.

Dabei sollte das Safeword so gewählt werden, dass man es nicht verwechseln kann. Emily Bold hat ein Buch herausgebraucht „Autsch, ist ein schlechtes Passwort„. Das gilt auch für Halt, Stopp und Aua. Denn in einer Session kann es durchaus vorkommen, dass die Sub diese Wörter von sich gibt, aber gar nicht will, dass die FemDom wirklich aufhört. Es gehört teilweise dazu.

Es sollte im Idealfall also ein Wort sein, dass man nicht verwechseln kann. Sagen wir mal zum Beispiel Pfannkuchen oder von mir aus, Einhornregenbogen. Die Wahrscheinlichkeit, dass man so etwas aus Versehen sagt, ist äußerst gering.

Das Safeword kann auch dann gesagt werden, wenn ein Knebel im Mund ist, man versteht immer noch halbwegs, was die Sub sagen möchte. Notfalls kann auch ein Schnippen vereinbart werden, sodass die FemDom kurz pausiert und sich anhört, was die Sub von ihr möchte.

Slowword

Das Slowword ist dafür da, dass die FemDom immer weiß, ob es der Sub gefällt und sie noch mitgeht. Meistens wird es mit dem Ampelsystem dargestellt.

Wenn die Sub also Grün sagt, dann ist alles in Ordnung und die FemDom kann gerne weiter machen. Es gefällt ihr (noch) und sie hat damit kein Problem.

Bei Gelb sieht es schon anders aus. Hier soll die FemDom langsamer machen. Noch gefällt es der Sub, nur nicht in dieser Intensität.

Sagt sie hingegen Rot, dann will sie nicht, dass die FemDom mit der Aktion, die sie gerade durchführt, weitermacht. Sagen wir mal, die FemDom kitzelt die Sub und sie mag es überhaupt nicht. Dann sagt sie Rot und die FemDom muss sich etwas anderes einfallen lassen.

Beim Slowword wird nicht die Session selbst abgebrochen, sondern nur eine Aktion. Oder eben diese bestätigt.

Innerhalb einer Beziehung

Letztens hatte ich ein Gespräch mit einer Autorin, deren Freundin und der Lebensgefährte eine BDSM-Beziehung führt. Die Freundin teilte mit, dass sie überhaupt nicht daran denkt, ein Safeword zu benutzten. Warum? Nach einer gewissen Zeit innerhalb der Beziehung sollte man schon wissen, was ihrem Partner gefällt und was nicht.

Innerhalb einer Beziehung kann das auch gemacht werden. Sollte sich aber Dein Charakter jedoch einer professionellen FemDom hingeben, sieht die Geschichte etwas anders aus. Die Beziehung besteht vielleicht nur an Wochenenden oder erst seit Kurzem. Da sind Safewords wichtig. Wenn ein Paar miteinander spielt, können sie eine eigene Sprache entwickeln, damit sie ihre Wünsche äußern.

Der Sklavinnenvertrag

Zu der Spielart des BDSM kann auch gehören, dass zwischen der FemDom und der Sklavin (wobei theoretisch auch mit der Sub) ein Vertrag geschlossen wird. Hierbei wird geklärt, was die FemDom und vor allem, was die Sklavin zu tun hat. Hier werden die Regeln, Aufgaben und Verpflichtungen abgeklärt.

So zum Beispiel, dass die Sklavin jederzeit zur Verfügung zu stellen hat, wenn die FemDom nach ihr verlangt. Und die FemDom hat sich immer um das Wohlergehen der Sklavin zu kümmern. Sollte sie also dafür Sorgen, dass die Sklavin ihre Arbeit verliert, weil diese von ihr verlangte blauzumachen, dann geht es gegen das Wohlergehen.

Hier noch ein kleiner rechtlicher Hinweis: Diese Verträge sind natürlich nicht rechtlich bindend. Das bedeutet, sollte eine Seite verlangen, dass der Vertrag eingehalten wird, kann sie nicht vor das Gericht ziehen und die Einhaltung verlangen.

Es handelt sich hierbei um eine freiwillige Angelegenheit, welche beide Seiten abschließen können. Mehr aber auch nicht.

Und noch ein Hinweis: Trotz der Einwilligung der Sub oder der Sklavin kann sie trotzdem die FemDom jederzeit vor Gericht wegen schwerer Körperverletzung zerren. Denn trotz der Einwilligung wird das vor Gericht als solche sicherlich nicht anerkannt werden. Und daher kann es viel Ärger geben.

Doch wo keine Klägerin, da keine Angeklagte. Sprich, solange die Sub oder die Sklavin nicht das Bedürfnis hat, ihre FemDom anzuzeigen, sind beide Seiten entsprechend sicher.

Eine Session planen

Für einen erotischen BDSM-Roman ist es natürlich auf Dauer wichtig, dass beide in Aktion treten. Daher ist es für Dich sicherlich interessant zu wissen, was die beiden überhaupt wollen.

Im Internet oder in dem Buch von Dr. Charley Ferrer gibt es einen sogenannten Neigungsbogen. Dort findest Du Fragen, was sowohl Deine FemDom, als auch Deine Sub bzw. Sklavin mag oder auch nicht mag. Ich kann Dir nur empfehlen, solche Bögen ruhig auszufüllen. Dadurch bekommst Du schon einmal Inspirationen, wohin die Session für Deine Charaktere gehen kann.

Dabei kann es von zart bis hart gehen. Zum Beispiel von Fesselspielen bis hin zu Würgespielen. Alles was Deinen Charakteren gefällt, kannst Du theoretisch anwenden.

Da wir aber einen erotischen Roman schreiben wollen, kann es natürlich sehr hart an die Grenze gehen, wenn Du Deine Charaktere auf einmal wirklich würgen lässt, bis diese fast ersticken, sie Natursekt und -kaviar essen lässt oder diese in Windeln herumlaufen.

Nicht dass wir uns falsch verstehen. Natürlich haben viele diese Fetische. Aber der Großteil Deiner Leserinnen wird das wohl weniger lesen wollen. Daher überleg Dir, wie weit Du da wirklich gehen möchtest.

Und dann überleg Dir in einer Extradatei, wie die Session genau ablaufen soll oder auch abläuft. In dieser Datei kannst Du wirklich alles bis ins letzte Detail beschreiben. Was sagt die FemDom, was fühlt die Sub und so weiter. Das alles musst Du dann natürlich nicht in Deinen Roman übernehmen. Aber wenn Du weißt, wo Dein Charakter gerade ist und was sie macht, dann ist das eine wertvolle Hilfe.

Übrigens: Inspirationen für Deine Szenen kannst Du Dir auch auf tumblr holen. Dort gibt es unzählige Blogs, welche erotische Bilder hochladen, genauso wie Gifs und kleine Bilder. Auch zum Thema BDSM. Natürlich solltest Du Dir diese Blogs nur dann ansehen, wenn Du über 18 bist. Und auch dann geschieht dies bitte auf eigene Gefahr. Denn ich verfolge einige solcher Blogs und es gab durchaus Bilder, die mich ein wenig verstört zurückgelassen haben. Nicht alles ist für schwache Nerven (solche Blogs entfolge ich dann auch sofort).

Und noch ein kleiner Tipp: Es gibt genügend Onlineshops, die entsprechendes Spielzeug verkaufen. Wenn Du Dir Inspirationen holen möchtest, kannst Du auch dort ein wenig stöbern. Denn wie heißt es so schön, gucken kostet nichts.

Alles zusammenfügen

Wichtig ist sicherlich erst einmal, dass Du weißt, um was es in Deiner Geschichte geht. Ohne eine grobe Struktur wüsste ich selbst nicht, worüber ich schreiben könnte. Und mir fällt es dann auch schwer die Charaktere zu „sehen“.

Dabei muss ich selbst noch nicht einmal ins Detail gehen, sondern kann erst einmal grob bleiben. Selbst ein oder zwei Sätze reichen mir schon aus, um dann weitermachen zu können.

Als Nächstes kommen für mich die Charaktere. Wer sind sie, was wollen sie. Und in diesem Fall, was erregt sie. Je mehr ich über sie weiß, desto eher kann ich sie auch ins Bett schicken. Oder in diesem Fall ins Dungeon.

Über die Charaktere komme ich dann meistens zu der Geschichte. Wenn ich diese plane, weiß ich auch schon grob, wo ich die erotischen Szenen einfügen kann. Was da genau geschieht, muss ich noch nicht wissen. Es geht erst einmal darum, dass ich weiß, wann genau die Action losgeht.

Wenn Du das alles zusammenhast, dann kannst Du auch natürlich schon loslegen. Je nachdem, wie Du es gerne handhabst, mit dem Schreiben.

Wie weit kann ich gehen?

Natürlich kannst Du so weit gehen, solange Du Dich dabei wohlfühlst. In der Sekunde, in der Du zu Dir selbst sagst, dass Dir etwas nicht gefällt und Du nicht dahinter stehen kannst, würde ich abbrechen. Es bringt nichts, wenn Du Dich zu etwas zwingst, was Du selbst einfach nicht schreiben willst.

Aber es gibt auch Sachen, über die würde ich auch so niemals schreiben, selbst wenn ich mich darin wohlfühlen würde (was ich nicht tue). So gibt es den Fetisch Sex mit Tieren zu haben. Für mich rangiert es durchaus auf einer Stufe wie Sex mit Kindern. Beide sind den sexuellen Fantasien anderer Menschen hilflos ausgeliefert, verstehen nicht, was mit ihnen passiert, und werden letztendlich missbraucht.

Daher kann ich Dir nur empfehlen, so etwas in Deinem Roman nicht zu erwähnen. Eventuell könnte es sogar sein, dass jemand das bei der Polizei meldet und Du eine Strafanzeige bekommst.

Ansonsten tob Dich einfach aus. Du wirst letztendlich schon sehen, was Dir gefällt und was gelesen wird.

Abschlussgedanken

Egal ob Du einen BDSM-Roman oder „nur“ einen erotischen Roman schreibst. Recherche ist das A und O. Du kannst Dir auch gerne Onlineshops suchen, in denen BDSM Sachen verkauft werden, um Dich inspirieren zu lassen. Hauptsache Du hast Spaß dabei und es ist realistisch.

Und lass Dich nicht davon abhalten einen BDSM-Roman zu schreiben, nur weil Du das nicht lebst. Als Autorin hast Du sicherlich genügend Fantasie, um andere Welten oder eine sexuelle Spielart zum Leben zu erwecken.

Dabei wünsche ich Dir viel Spaß.

Fühlst Du Dich damit wohl?

Vielleicht spielst Du ja mit dem Gedanken, einen BDSM-Roman zu schreiben. Wie fühlst Du Dich dabei? Magst Du den Gedanken, Dich in diesem Gebiet auszutoben? Oder hemmt Dich das Gefühl, so tief in die sexuelle Spielart einzusteigen? Überleg Dir das durchaus gut, wenn Du weitergehen möchtest.

Recherche

Zwar hab ich schon einige Begrifflichkeiten aufgeführt, doch für Dich gilt, je tiefer Du einsteigen möchtest, desto mehr empfiehlt es sich, zu wissen. Daher recherchiere zu den Begriffen, zu den Möglichkeiten, die Du hier hast und was es sonst noch alles gibt. Je mehr Du weißt, desto realistischer kannst Du eine entsprechende Szene bzw. einen Roman schreiben. Das gilt übrigens für alle Genres.

Schreib eine Szene

Schreib nun eine Szene, in der es wirklich zur Sache geht. Vom Treffen, bis zum Schluss. Es geht hierbei darum zu sehen, wie weit Du für Dich gehen kannst und möchtest. Wenn Du solch eine Szene schreiben kannst, kannst Du letztendlich auch einen BDSM-Roman schreiben.

HINWEIS: Der Besuch der Seiten erfolgt auf eigene Gefahr und empfiehlt sich für Personen ab 18 Jahren.

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