Wie Du es schaffen kannst, (theoretisch) mehr zu lesen

Hei, hallo und herzlich willkommen,

Lesen ist eine wundervolle Sache. Und ich weiß nicht, wie es Dir geht, aber ich würde am liebsten so viel wie nur möglich lesen. Doch, wie viel ist theoretisch möglich?

Kurze Vorgedanken

Vor Kurzem wanderte auf Twitter die Information umher, dass ein normaler Mensch ungefähr eintausend Bücher im ganzen Leben liest. Darüber gab es natürlich sofort Diskussionen, ob das tatsächlich bei den meisten so ist oder sogar noch mehr.

Mein erster Gedanke war, na toll, dann schaffe ich es nur die einzige Wunschliste, die ich da habe? Bei einem gewissen Bücherportal habe ich nämlich mehrere Wunschlisten. Und auf einer sind aktuell knapp eintausend Bücher. Das Problem, da gibt es noch ein paar weitere Listen, die ich habe. Neben den Büchern, die bei mir zu Hause noch darauf warten, von mir gelesen zu werden.

Daher kam sofort meine Trotzreaktion, dass ich von 2018 bis 2028 meine tausend Bücher lesen werde. Ob das klappt? Ganz ehrlich, keine Ahnung. Doch wie könnte ich denn überhaupt effektiver lesen, um dieses Ziel zu schaffen?

Es war dann wohl kein Zufall, dass mir der Beitrag „Bewusst mehr lesen – geht das?“ von Lecture of Life über den Weg gelaufen ist. Viele der Ideen haben mir gefallen. Und während ich darüber nachgedacht habe, sind mir auch ein oder zwei Punkte eingefallen, die ich da selbst gerne ergänzt hätte. Also tue ich das.

Daher werde ich die Punkte aus dem Originalbeitrag übernehmen und sie mit eigenen Worten und Ideen unterfüttern. Und eigene Punkte hinzufügen, die zu mir passen.

Effektiv lesen? Geht es noch?

Jetzt wirst Du Dich vielleicht fragen, warum Du Deine Freizeit auch noch effektiv gestalten sollst. Es reicht ja schon, wenn Du das auf der Arbeit bist.

Theoretisch gebe ich Dir erst einmal recht. Aber in mir nagt gerade die Zahl, dass man tatsächlich nur tausend Bücher liest und ich das nicht einfach so akzeptieren will. Nenn das albern, vielleicht ist es das sogar.

Nur möchte ich meine Lesezeit, die ich am Tag so habe, so effektiv wie nur möglich nutzen. Wenn Du aus der folgenden Liste den einen oder anderen Punkt für Dein Lesen übernehmen möchtest, ist das in Ordnung. Genauso, wenn Du für Dich entscheidest, Dein Leseverhalten wie bisher beizubehalten.

Also legen wir einfach los.

1. Hab immer ein Buch dabei

Eigentlich sollte man meinen, dass Büchermenschen immer ein Buch dabei haben. Zumindest ist es bei mir so. Ob ich aber dann zum Lesen komme, ist etwas völlig anderes. Denn manchmal bin ich unterwegs, hab ein Buch dabei, komme aber nicht zum Lesen.

Aber soll ich Dir was sagen? Wenn ich kein Buch dabei habe, kommt definitiv eine Situation, in der ich mir wünschte, eines dabei zu haben, um die eine oder andere Seite zu lesen.

Wenn Du nicht Deinen aktuellen Wälzer mitschleppen willst, dann ist das in Ordnung. Ein dünner Roman oder Dein E-Book-Reader tut es definitiv auch. Aber hab immer ein Buch dabei, damit Du theoretisch jederzeit lesen kannst.

2. Lies mehrere Bücher gleichzeitig

Es gibt ja zwei Methoden hierzu. Die, ich lese nur ein Buch gleichzeitig und eben die, ich lese zwei bis mehrere Bücher gleichzeitig. Und ich habe beide Methoden ausprobiert. Ganz unter uns, die ein Buch Methode ist für mich persönlich absolut langweilig.

Bei mir ist es so, dass ich eine Scannerin bin. Das bedeutet, dass ich zu viele Interessen habe. Und das zeigt sich auch in meinem Leseverhalten. In dem einen Moment lese ich gerne Liebesromane und im nächsten will ich nur Hard Science-Fiction lesen.

Daher kann es passieren, dass ich ein Buch zur Seite lege und es nicht weiterlese, weil ein anderes gerade spannender ist. Aus diesem Grund passt für mich die Methode, mindestens zwei Bücher gleichzeitig zu lesen.

Dabei gehe ich wie folgt vor. Unterwegs lese ich ein Buch, zu Hause lese ich das zweite Buch. Mein erstes Buch bleibt dann im Rucksack und wird zu Hause nicht angerührt. Außer, es sind nur noch ein paar Seiten und ich möchte es auslesen. Aber das sind dann Ausnahmen.

3. Benutz unterschiedliche Medien

Selbst lese ich nur Papierbücher oder E-Books. Auf meinem Handy kommen keine Bücher rauf. Und ein Tablet habe ich nicht. Also kann ich nur zwischen diesen Medien hin- und herspringen.

Wobei ich gestehen muss, dass ich mich mit den E-Books immer noch ein wenig schwer tue. Während ich die Papierbücher wegatme, sitze ich an manch einem E-Book über mehrere Wochen. Hätte ich dieses Buch als Papierbuch dann gehabt, wäre es schon längst durchgelesen.

Aber ein E-Book-Reader ist um einiges leichter, als ein Wälzer. Daher lohnt es sich eher mitzunehmen. Gerade dann, wenn Du nicht weißt, ob Du überhaupt zum Lesen kommst.

4. Es gefällt Dir nicht? Gib ihm noch zwanzig Seiten

Im Originalbeitrag wurde empfohlen, Bücher, mit denen man nicht klarkommt, einfach abzubrechen. Dem stimme ich nur bedingt zu.

Per se stimmt es. Hier habe ich ein Buch, den ich seit gut drei Jahren versuche zu lesen. Aber ich komme einfach nicht wirklich daran. Die Welt an sich ist ganz nett. Nur die Charaktere sind absolut nervig. Gerade die Heldin. Und immer wenn ich daran denke, die Geschichte weiterzulesen, kriege ich die Krätze.

In diesem Fall habe ich aber gut die Hälfte schon gelesen und kann ahnen, dass es einfach nicht besser wird. Daher kann ich dieses Buch und die beiden Nachfolgebände (hatte ich ersteigert) wohl doch zusammenpacken und freilassen.

Aber es passiert auch, dass sehr gute Bücher einen schweren Einstieg haben. Erst vor Kurzem hab ich dazu eine Rezension gelesen. Langweiliger Anfang und tolles Ende, so war ungefähr der Tenor. Und da wäre es doch Schade, wenn Du zu früh abbrechen würdest.

Daher meine Empfehlung, wenn Du einen schweren Einstieg hast, dann überleg Dir, ob Du dem Buch nicht doch noch ein paar Seiten schenkst. Vielleicht wird es ja doch noch besser. Oder Du recherchierst im Internet, ob das Buch einen langsamen Anfang hat oder einfach nur schlecht ist. Dann kannst Du immer noch entscheiden, ob Du es abbrechen möchtest.

Denn eins ist sicher, das Leben ist zu kurz für schlechte Bücher.

5. Medien aus

Im Originalbeitrag ging es nur um das Handy, auf dem die Autorin auch regelmäßig liest. Da ich das nicht mache, möchte ich den Punkt in eine andere Richtung lenken.

Gestern habe ich versucht, mein Buch zu lesen, während der Fernseher lief. Ehrlich gesagt, so viel hab ich da nicht mitbekommen. Entweder hab ich mich zu sehr auf das Buch konzentriert und daher nicht mitbekommen, was im TV lief. Oder ich habe mich zu sehr auf das im Fernsehen konzentriert, dass ich vom Buch nichts mitbekommen habe.

Mit Musik mag das Lesen noch funktionieren. Aber wenn Du liest, dann liest Du am besten nur. Alles andere solltest Du dabei ignorieren. Dadurch nimmst Du mehr auf, als wenn Du es nur halbherzig machst. Zudem kommst Du auch schneller weiter, weil Du nicht gezwungen bist, einen Absatz mehrere Male zu lesen.

6. Deine Lesezeit

Wenn Du gerade viel zu tun hast, dann scheint es schwierig zu sein, sich eine halbe Stunde freizuschaufeln, nur um zu lesen. Aber mir hilft es total, um ein wenig herunterzukommen. Daher kann ich nur empfehlen, dass Du Dir Deine Lesezeit einplanst.

Genauso wie ein Termin bei Deiner Ärztin / Deinem Arzt oder mit Deinen Freund*innen solltest Du diesen dann auch einhalten. Eben auch, um Stress zu reduzieren. Und nur wenn Du liest, kommst Du auch zum Ende eines Buches.

7. Statistiken führen

Es ist egal, ob Du bei den verschiedenen Bücherportalen notierst, was für Bücher Du gelesen hast, Buch darüber führst oder eine Liste auf Deinem Computer, ich selbst finde das immer interessant.

Zugleich kannst Du immer sehen, wie viele Bücher Du bisher geschafft hast und auch planen, welche Bücher Du als Nächstes lesen willst. Und zugleich kannst Du auch noch einmal nachvollziehen, warum Dir welches Buch (nicht) gefallen hat. Sowie Deine Schlüsse für Dein Schreiben daraus ziehen.

Eigentlich wollte ich mir selbst ein vorgefertigtes Buch kaufen, um meine Buchstatistik zu erstellen. Zwischenzeitlich bin ich davon abgekommen. Jetzt werde ich mir ein Eigenes erstellen, im Sinne eines Bullet Journals. Sobald ich was habe, werde ich darüber posten.

8. Setz Dir Ziele

Wie viel willst Du am Tag lesen, in der Woche, im Monat und im ganzen Jahr? Überleg es Dir und schreib Dir grob Deine Ziele nieder. Dann weißt Du auch, worauf Du hinliest. Du kannst auch alternativ Dir aufschreiben, welche Bücher Du lesen willst. Letzteres würde bei mir nicht ganz funktionieren, da ich immer wieder neue Bücher entdecke, die dann unbedingt von mir gelesen werden wollen.

Doch bei E-Books versuche ich, jeden Tag mindestens zehn Prozent zu lesen. Damit habe ich solch ein Buch also theoretisch in zehn Tagen durch. Manche lesen sich auch schneller, andere hingegen langsamer. Aber so schaffe ich es dann immer kontinuierlich zu lesen.

Was wären denn Deine Ziele?

9. Kleine Challenges

Du kannst mit Dir auch kleine Challenges erstellen, um Dein Lesen spaßiger zu gestalten. Hier hab ich ein oder zwei Ideen für Dich, damit Du weißt, worauf ich hinaus will. Sicherlich findest Du noch einige Sachen mehr, mit denen Du arbeiten kannst.

Restesonntag: Manchmal sammeln sich bei mir Bücher an, bei denen nur noch ein oder zwei Kapitel fehlen, damit das Buch fertig ist. Zwar könnte ich jedes Buch im Laufe des Monats fertig lesen. Ich könnte mich auch am letzten Sonntag im Monat hinsetzen und nach und nach alle auslesen. Je nachdem wie ich Zeit habe.

Jeden Tag eine gewisse Anzahl von Seiten oder Prozenten: Wie oben schon erwähnt, versuche ich selbst jeden Tag einen gewissen Teil des Buches zu lesen. Auf diese Art und Weise pushe ich mich dazu, wirklich zu lesen.

10. Große Challenges

Zum Anfang eines Jahres gibt es diverse Challenges, an denen man sich beteiligen kann. Dazu gehören die Bücher von bestimmten Autor*innen zu lesen. Oder bestimmte Bücher. Eine gewisse Anzahl von Büchern und was weiß ich.

Wenn Du offiziell an einer Challenge teilnehmen möchtest, empfiehlt es sich zum offiziellen Start mitzumachen. Aber es spricht nichts dagegen, wenn Du für Dich einfach so einsteigst oder Deine Eigene startest. Du musst Dich nur selbst motivieren, auch wirklich am Ball zu bleiben. Das ist alles.

11. Speed Reading

Ganz ehrlich? Ich liebe das Speed Reading. Und bis heute bin ich dankbar dafür, den Kurs Ende 2016 gemacht zu haben. Warum? Das kann ich Dir an einem einfachen Test zeigen.

Gestern habe ich von Ann Leckie „Die Mission“ weiter gelesen. Und das zwei Mal dreißig Minuten. Der erste Block im Normalmodus und der zweite Block mit den Techniken des Speed Readings.

Im Normalmodus habe ich dreißig Seiten gelesen. Das macht also sechzig Seiten in einer Stunde. Wenn ich jeden Tag eine Stunde lese, macht das also 420 Seiten pro Woche. Das ist durchaus ein Buch. Pro Monat würde das ungefähr 1.680 Seiten machen (bei vier Wochen, um genau zu sein).

Wenn man von vierhundert Seiten Bücher ausgeht, macht das ungefähr vier Bücher im Monat. Das ist schon einmal ein sehr guter Schnitt.

Eines muss ich vorneweg sagen. Zwar hab ich einen Kurs in Speed Reading besucht, war aber nicht immer konsequent im Üben. Daher hab ich das Gefühl, ein wenig eingerostet zu sein. Trotzdem habe ich in den dreißig Minuten immerhin vierzig Seiten gelesen. Das macht also pro Stunde 80 Seiten. Zwanzig mehr, als ohne Speed Reading. Wenn ich noch mehr üben würde, wäre die Zahl sogar noch höher.

Das macht also 560 Seiten pro Woche (bei 7 Stunden Lesezeit). Und bei vier Wochen immerhin 2.240 Seiten. Und immerhin 5,6 Bücher. Mit anderen Worten, das kann sich durchaus lohnen.

Jetzt wirst Du vielleicht sagen, dass Speed Reading nicht entspannt sein kann. Da muss ich ganz klar widersprechen. Bei mir ist es zumindest so, dass ich immer wieder andere Gedanken habe, wenn ich im Normalmodus lese. Dadurch verliere ich sogar häufiger den Faden. Das ist ein Fakt, den ich selbst nicht ändern kann. So bin ich halt gestrickt.

Durch das Speed Reading schaffe ich es, mich komplett auf den Text zu konzentrieren. Und dadurch kann ich besser lesen und verstehe auch mehr.

Abschlussgedanken

Stephen King hat mal – sinngemäß – gesagt, dass jede Autorin und jeder Autor lesen sollte, um selbst gut schreiben zu können. Die Liste hat Dir Möglichkeiten aufgezeigt, wie Du, hoffentlich, viel lesen kannst. Denn auch ich halte Lesen für eine wichtige Aufgabe für mich als Autorin.

Daher werde ich mir persönlich ein Book Journal anlegen und anfangen ordentlich zu lesen. Das bedeutet auch, für mich die eine oder andere Challenge erstellen und dann sehe ich weiter. Auf alle Fälle, ich bin beim Lesen dabei. Um dann zu schreiben.

Und? Wie sieht es bei Dir aus?

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Logik in der Fantasy

Hei, hallo und herzlich willkommen,

Du willst keine Logik in Deiner Fantasygeschichte? Eben, weil Logik und Fantasy nicht zusammenpassen? Das ist aber unlogisch.

Kurze Vorgedanken

Vielleicht hast Du schon einmal in einer Rezension zu einem Fantasybuch gelesen, dass die Geschichte unlogisch ist. Da hat sich sicherlich die eine oder der andere gedacht, natürlich ist das unlogisch, das ist eine Fantasygeschichte.

Von Krimis, Liebesromanen und auch Science-Fiction-Geschichten erwarten wir, dass sie logisch sind. Bei Science-Fiction-Geschichten und Krimis bedeutet es noch zusätzlich, dass die Wissenschaft stimmen sollte. Doch wie soll das bei Fantasy funktionieren?

Denn ich weiß ja nicht, wie es bei Dir ist, aber ich habe noch nie einen echten Drachen gesehen und keine Hexe auf einem fliegenden Besen. Also im realen Leben. In Filmen und eben Fantasygeschichten sah das anders aus.

Trotzdem möchte ich heute mit Dir über die Logik in Fantasygeschichten sprechen. Und dabei bleibe ich meiner Linie treu und verwende die rein weibliche Form in dem Beitrag. Männer sind dabei immer und zu jeder Zeit gerne mitgemeint.

Was verstehe ich unter Logik

An dieser Stelle möchte ich keine philosophische Diskussion zum Thema Logik abhalten. Wenn Du die Grundlagen darüber erfahren möchtest, da ist der Wikipediabeitrag sicherlich besser dafür geeignet. Daher möchte ich Dir hier eine kurze Definition vorstellen, was ich unter Logik in Romanen verstehe.

Für mich bedeutet Logik, dass aus einer Aktion eine logische Reaktion erfolgt. Wenn ich also, als Beispiel, einen Ball rollen lasse, dann weiß ich, dass dieser, aufgrund diverser physikalischer Prozesse mit Wärme und Abrieb und so weiter, langsamer wird. Das ist für mich logisch.

In einem Roman bedeutet das für mich, dass jede Handlung schlüssig sein muss. Wenn ich also behaupte, dass die Heldin eine panische Angst vor Spinnen hat, dann muss ich das auch zeigen. Da geht es nicht, dass sie ihre große Liebe besucht und diese eine Spinnenliebhaberin ist. Natürlich kann sie ihre Spinnenangst überwinden. Aber das braucht ein paar Seiten.

Und wenn Du in Deiner Fantasygeschichte Gesetze und Regeln aufstellst, dann musst Du Dich daran halten. Es ist Deine Geschichte, es sind Deine Gesetze und Regeln. Und nein, Du darfst sie nicht, ohne Grund zumindest, einfach aushebeln.

Ein Beispiel

Vielleicht macht ein Beispiel die Sache einfacher. Zuerst möchte ich mit der Ausgangssituation anfangen, dann mit einer logischen Handlung, einer halblogischen Handlung und dann einer unlogischen Handlung. Legen wir los.

Die Ausgangslage

Das Böse bedroht die Welt und Deine Heldinnen müssen in einen Turm hinein, damit sie dort in einem Buch die Lösung für ihr Problem finden können. Oder zumindest einen Hinweis, wie sie das Böse aufhalten können.

Dieser Turm ist mitten in der Wüste, drei Tage und drei Nächte muss man durchgehend reiten, um dorthin zu kommen. Und ist man am Turm angekommen, dann sieht man, dass er weder ein Fenster, noch eine Tür hat. Weiter ist die Wand so dermaßen glatt, dass man keinen einzigen Riss sieht. Man kann nicht von oben rein, noch sich irgendwie durch buddeln.

Es geht nur mit der Magie. Und zwar Schwarze Magie. Hier wird eine Hexe benötigt, die 17 Jahre, 5 Monate und drei Tage die Kunst erlernt hat, mindestens. Bei dem Zauber muss sie 17 Bar Schwarzer Magie aufbringen, um in den Turm hineinzugelangen. Dort hat sie maximal fünf Minuten Zeit und muss dann wieder raus. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie danach stirbt, liegt bei 99 Prozent.

Und das Buch darf nicht den Turm verlassen, da ansonsten die Welt vernichtet wird.

Warum so genau? Na irgendwo müssen ja die Regeln und Gesetze her. Und solange Du weißt, was notwendig ist, um in den Turm zu kommen, ist alles andere nebensächlich.

Die logische Handlung

Deine Leute reisen mit der Hexe und einer Lehrling dorthin. Drei Tage und drei Nächte reiten sie durch. Vor Ort wendet die Hexe ihre Magie an, so wie oben beschrieben. Sie ist im Turm, braucht 5 Minuten und zwölf Sekunden, um die Lösung zu finden. Dann ist sie wieder draußen, kann gerade so noch die Lösung sagen und verstirbt.

Wenn Du Dich an Deine Regeln hältst, kannst Du ein wenig diese ausreizen. Oben hab ich geschrieben, dass man maximal fünf Minuten im Turm bleiben darf. In dem Beispiel hab ich der Hexe noch zwölf Sekunden geschenkt. Mit solchen Mitteln kannst Du zeigen, wie mächtig sie eigentlich ist. Und trotzdem muss sie sich Deinen Regeln unterwerfen. Denn am Ende stirbt sie.

Dieser Teil ist logisch, weil sich alle Charaktere an die Vorgaben halten. Und solange das geschieht, haben wir es mit einer logischen Geschichte zu tun. Doch was wäre unlogisch?

Die halblogische Handlung

Die Reise dauert drei Tage und drei Nächte, mit einer Pause. Vor Ort kommt die Hexe in den Turm und kann dort eine halbe Stunde drinnen bleiben. Danach kommt sie heraus, ist zwar geschwächt, aber sie überlebt.

In meinen Augen ist das noch nicht ganz unlogisch. Denn immerhin könnte man das alles noch erklären. Immerhin könnte Deine Hexe so dermaßen mächtig sein, dass sie auch länger in dem Turm überleben konnte.

Nur ist es hier dann wichtig, dass Du erklärst, warum das so ist. Wie konnte Deine Hexe so mächtig werden und warum wurde sie in den Turm nicht getötet. Wenn Du das schaffst, dann werden sicherlich viele darüber hinwegsehen. Aber ohne eine Erklärung, ich würde darüber stolpern und in einer Rezension genau das entsprechend erwähnen.

Die unlogische Handlung

Die Hexe stirbt kurz vor der Reise. Also machen sich Deine Heldinnen mit der Lehrling auf den Weg. Innerhalb eines Tages erreichen sie den Turm, weil sie ansonsten das Böse nicht besiegen können. Die Lehrling zaubert sich mit weißer Magie hinein, bringt das Buch mit hinaus und können das Böse besiegen.

Sagen wir, dass unsere Lehrling 16 Jahre gelernt hat. Dann mag sie mächtig sein, aber sie ist immer noch nicht in der Lage, die Hexe zu ersetzen. Weiterhin hat sie weiße Magie angewandt und keine schwarze, so wie es verlangt war. Und zudem hat sie das Buch mit in die Welt gebracht, ohne das diese vernichtet wurde.

Hier habe ich komplett gegen die aufgestellten Regeln verstoßen. Und das macht aus dieser Szene eine unlogische Handlung. Eben, weil ich mich gegen alles gewandt habe.

Meine eigenen Regeln dehnen

Natürlich könntest Du immer eine Hintertür aufhalten, damit Du Dir Optionen offen hältst. Sagen wir, dass Du von vornherein geplant hast, Deine Hexe heroisch zu töten. Dann muss ihr Lehrling in diesen Turm gehen.

Es ist besser, wenn Du von vornherein klar machst, dass es durchaus kleine Hintertüren gibt. Ansonsten wird es wieder unlogisch.

Ein kleines Beispiel

Die Macher*innen von „Buffy“ haben entschieden, dass es nur eine Jägerin gleichzeitig geben kann. Erst mit dem Tod der einen Jägerin erwacht erst die nächste Jägerin. Nicht vorher.

Wie kann man aber doch zwei Jägerinnen in die Serie holen? Genau, man nutzt die eigenen Regeln komplett aus. Hier war es, dass Buffy für einige Minuten tot war und dann wieder ins Leben zurückgeholt wurde. Durch ihren Tod erwachte die nächste Jägerin und durch die Rückkehr von Buffy, hatte dies keine Auswirkung auf die Neue.

Wenn Du also im Vorfeld für die Ausnahmen sorgst, dann kannst Du Dich selbst „hintergehen“. Ansonsten wird es schwer sein, eine Gesetzesänderung logisch zu erklären. Und wenn Du das nicht schaffst, werden irgendwann die Leute abspringen und schlimmstenfalls sogar Deine Geschichte zerreißen.

Logik in Fantasy bedeutet

Kurz zusammengefasst bedeutet das also, wenn Du irgendetwas einführst, musst Du Dich daran halten. Es sind keine Schreibregeln oder was auch immer, die Dich dazu zwingen. Du bist es selbst, welche diese Regeln aufstellt. Also kannst Du sie nicht einfach umgehen.

Abschlussgedanken

Mit anderen Worten, eigentlich ist es nicht schwer, Logik in eine Fantasygeschichte einzubauen. Du kannst Drachen, Hexen, Ritterinnen und Königinnen einführen so viele Du willst. Solange Du alles einen Sinn gibst, funktioniert es. Und Ausnahmen, die ich nicht zu oft einführen würde, kannst Du im Vorfeld schon planen. Damit kannst Du auch eine gewisse Spannung in Deine Geschichte bringen.

Dabei wünsche ich Dir viel Spaß.

Beispiel(e)

Such nach der einen oder anderen Geschichte, welche als unlogisch bezeichnet wurde. Vielleicht magst Du diese auch lesen und herausfinden, was daran unlogisch ist. Und dann vergleiche Deine Erkenntnisse mit einer Geschichte, die logisch ist.

Deine Logik

Nun überprüfe Deine eigene Logik innerhalb der Geschichte. Ist sie in sich logisch oder musst Du noch nachbessern? Und hältst Du Dich auch immer daran? Oder umgehst Du versehentlich diese? Gegebenenfalls musst Du diese Stellen überarbeiten.

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Der (mögliche) Umgang mit der Ideenlosigkeit

Hei, hallo und herzlich willkommen,

zugegeben, seit einer Stunde sitze ich vor dem Computer und will eigentlich bloggen. Und das Schlimme ist, ich hab eigentlich viele Ideen, worüber ich schreiben könnte. Gleichzeitig ist aber mein Kopf leer.

Kurze Vorgedanken

Ab und an passiert es halt, man sitzt da und weiß nicht weiter. Worüber soll man schreiben oder was kommt als Nächstes? Und auch wenn man weiß, dass man eigentlich arbeiten sollte, irgendwie klappt es nicht. Man ist völlig ausgelaugt.

Theoretisch könnte man jetzt irgendwelche Kreativtechniken anwenden, wie man aus der Ideenlosigkeit herauskommen könnte. Doch ab und an muss man das akzeptieren und etwas völlig anderes machen. Und darüber möchte ich heute bloggen.

Kleiner Hinweis, da ich darüber blogge, wie ich mit der Ideenlosigkeit umgehe, schreibe ich diesen Beitrag aus meiner (weiblichen) Perspektive. Die Herren sind aber immer mitgemeint, wenn sie eine Idee für gut befinden.

Lesen

Eigentlich ist lesen immer eine gute Möglichkeit, mit der Ideenlosigkeit umzugehen. Denn ich sehe, was andere Autor*innen verzapft haben und lerne dazu. Und wenn die Geschichte nicht gut ist, dann steigert es auch ein wenig mein Selbstwertgefühl. Immerhin haben viele mein bisheriges Schreiben gelohnt. Dann sollte es doch möglich sein, eine halbwegs gute Geschichte zu schreiben.

Weiterhin sehe ich auch andere Welten und bekomme dadurch auch kreative Impulse für meine eigene Geschichte. Manchmal reicht mir ein einziger Satz aus, um daraus etwas Neues zu machen. Und zwar was völlig anderes.

Aber Lesen ist auch einfach dafür gut, neue Energie zu bekommen. Man entspannt sich und lässt sich durch die (hoffentlich) gute Geschichte treiben. Man schaltet für ein oder zwei Stunden ab und dann kann es wieder weiter gehen.

Spaziergang

Keine Musik, kein Handy, kein Buch. Das ist für viele unvorstellbar, bringt aber auch sehr viel Energie mit sich. Daher ziehe ich mir gerne mal die bequemen Wanderschuhe an, schnapp mir eine Wasserflasche und mein Notizbuch (für alle Fälle) und schon geht es los.

Idealerweise suche ich ruhigere Orte auf, um wirklich Energie zu tanken und auch zur Ruhe zu kommen. Denn mein Alltag ist häufig von Telefonaten geprägt und Gesprächen und all diesen Dingen. Da ist das Gegenteil wunderbar.

Und dann geht es auch schon los. Nicht immer hab ich dabei irgendwelche bahnbrechende Lösungen für mein aktuelles Problem. Aber es ist auch mal wichtig für mich, aus meinem Trott und meiner Umgebung herauszukommen und mich woanders aufzuhalten. Das tut meiner Seele sehr gut.

Bei mir ist es meistens so, dass ich am gleichen Tag dann nicht mehr zum Schreiben komme. Dafür aber am nächsten Tag.

Verwöhnprogramm

Der Besuch einer Therme, eine Massage, eine Fangopackung oder einfach nur ein Essen in einem Restaurant. Egal was es ist, warum nicht einfach mal sich selbst verwöhnen. Immerhin verbringen wir ein ganzes Leben lang mit uns selbst. Warum also es uns nicht einmal gut gehen lassen?

Es muss ja nicht jede Woche sein und nicht immer das Teuerste vom teuersten. Aber es geht um Dich und um Dein Wohlbefinden. Da darf es gerne einfach mal etwas sein, was Deiner Seele gut tut.

Daher bin ich meistens freitags unterwegs, um mir ein wenig Energie zu gönnen und auch mal schick essen zu gehen. Denn Nahrung zu mir nehmen muss ich sowieso. Wieso nicht gleich daraus was Besonderes machen? Und so teuer sind gute Restaurants auch nicht unbedingt.

Gespräche

Wenn man Gleichgesinnte findet, die meiner Seele noch gut tun, ohne das ich mich bei ihnen verstellen muss, das sind die besten Menschen, die man finden kann. Ehre sie und respektiere sie. Denn sie tauchen nicht jeden Tag auf Deinen Pfad auf.

Daher versuch Dich regelmäßig mit diesen Menschen in Verbindung zu setzen, und mit ihnen zu reden. Einfach über alles, was euch wichtig ist. Wobei es mir immer wichtig ist, wenn alle mal zu Wort kommen.

Denn Gespräche, die nur von einer Person dominiert werden, tun mir persönlich nicht gut. Auch dann nicht, wenn ich es eigentlich nicht mag, über mich zu sprechen. Und wenn Du Dich mit Leuten abgibst, die Du nicht magst oder Dir nicht guttun, dann versuch den Kontakt so gering wie nur möglich zu halten. Am besten ist es sogar noch, wenn Du sie aus Deinem Leben verbannst.

Ansonsten genieß einfach die Zeit mit diesen wundervollen Menschen.

Neues

Wann hast Du das letzte Mal etwas völlig neues ausprobiert? Zum Beispiel Häkeln oder Exit Games? Etwas völlig Neues auszuprobieren kann die Energie auf ein völlig neues Level bringen.

Wenn Du nicht weißt, was Dich interessieren könnte, immerhin ist es etwas Neues, wie wäre es mit einem VHS-Kurs? Es gibt günstige Kurse, die über ein Wochenende gehen. Du verlierst dabei nicht viel Geld und auch Zeit. Und auch wenn es Dir nichts für Deine Zukunft bringt, Hauptsache Du warst mal außerhalb des alltäglichen Trotts.

Daher freue ich mich schon selbst auf meine VHS-Kurse. Nicht nur, weil sie mir etwas für meine Zukunft bringen. Sondern einfach nur deswegen, weil ich mal mit ganz anderen Menschen zusammen sein kann.

Cons

Auch wenn ich selbst nicht unbedingt die Congängerin schlechthin bin, so bin ich auf der einen oder anderen ab und an zu finden. Es geht dabei nicht darum, Werbung für mich oder für meinen Blog zu machen. Hierbei geht es um die Energie, die solche Cons versprühen.

Nach der LoveLetter Convention bin ich meistens so voller Energie, dass ich die nächsten drei Monate davon zehren kann. Eigentlich müsste ich also alle drei bis vier Monate auf irgendeiner Con sein. Mal sehen, ob es jetzt klappt.

Ausbruch

Vermutlich hast Du selbst irgendwelche Wege und Mittel und Ideen, um einfach mal auszubrechen. Auch wenn es nur für ein paar Stunden ist. Mein Tipp ist ganz klar, warte nicht bis zuletzt. Denn, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, dann musst Du Dich erst einmal aufraffen, um wieder zu neuer Energie zu kommen.

Daher kann ich Dir nur empfehlen, dass Du alle Energiefresser aus Deiner Umgebung verbannst und mindestens einmal die Woche etwas für Dich tust. Und Spaziergänge sind übrigens kostenfrei.

Abschlussgedanken

Egal wie Du mit Deiner Ideen- und auch Energielosigkeit umgehst, es ist wichtig, dass Du Deinen Weg findest. Denn nur so kommst Du weiter. Lass Dich gerne von anderen inspirieren. Auch von diesem Beitrag. Aber das sind eben nur Ideen. Finde Deinen Weg und Du wirst anders mit Deinem Leben umgehen.

Dabei wünsche ich Dir viele Ideen und noch mehr Energie.

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Wie Du die Geschichte der Auserwählten anders erzählen kannst

Hei, hallo und herzlich willkommen,

sicherlich kennst Du die eine oder andere Geschichte einer Figur, die als Auserwählte oder Auserwählter bezeichnet wird. Heute dreht es sich um Gedanken, wie man die Geschichte um sie oder ihn anders erzählen kann.

Vorgedanken

Sicherlich kennst Du auch mindestens eine der folgenden Geschichten:

  • Harry Potter (die komplette Reihe)
  • Star Wars (gerade die Teile I bis III)
  • Das Rad der Zeit (von Robert Jordan)
  • Matrix (die komplette Reihe)
  • Avatar – Der Herr der Elemente

Es gibt da also diese eine Legende, die von einem meist männlichen Auserwählten spricht (siehe meine Beispielliste, dort findest Du auch nur männliche Auserwählte), der die Welt und das Leben und was auch immer verändern oder retten sollen. Er hat irgendwelche besonderen Fähigkeiten oder bekommt irgendwelche Gegenstände, welche ihm bei seinem Auftrag helfen kann. Das kann ein Schwert sein, ein Kristall oder was auch immer.

Nicht nur, dass ich eben nur männliche Auserwählte aufzählen kann. Es ist auch so, dass diese Geschichten sehr stark nach Schema F ablaufen. Es gibt da die eine Legende, Prophezeiung, was auch immer. Diese spricht von der Befreiung des Volkes von einer bösen Macht. Dann wird nach dem Auserwählten gesucht, dieser wird gefunden. Und der Auserwählte kümmert sich meistens relativ gut um diese Prophezeiung.

Doch wie könnte man diese Geschichte anders erzählen? Außer der Tatsache, dass man gerne auch Frauen als Auserwählte nehmen könnte. Das ist übrigens auch der einzige Grund, warum ich den folgenden Beitrag definitiv konsequent in der weiblichen Form schreibe. Männliche Auserwählte sind immer mitgemeint.

Dir kommt der Beitrag bekannt vor? Das liegt daran, dass ich ihn schon einmal gepostet habe. Nur zwischenzeitlich sind mir neue Ideen gekommen, wie man die Geschichte um die Auserwählten anders erzählen kann, dass ich ihn komplett überarbeiten und ergänzen wollte. Da beim alten Beitrag zwischenzeitlich Kommentare eingegangen sind, bleibt dieser bestehen und habe ihn daher hierher kopiert.

1. Die Prophezeiung ist falsch oder sogar gefälscht

Wo Menschen arbeiten, können auch Fehler passieren. Dieser Spruch gilt nicht nur für die Arbeit, sondern auch für alle anderen Bereiche. Warum sollen dann ausgerechnet die Prophezeiungen unbedingt korrekt sein?

In den Geschichten gehen die Charaktere davon aus, teilweise bedingungslos, dass die Prophezeiungen absolut korrekt sind. Ich habe noch nie jemanden erlebt, dass irgendwer Zweifel hegte, ob die Prophezeiung wirklich inhaltlich richtig ist oder richtig ausgelegt wurde.

Es gibt nämlich durchaus Gründe, warum man eine Prophezeiung anzweifeln könnte.

Wenn eine Prophezeiung mehrere Jahrhunderte alt und älter ist, dann wurde sie ursprünglich aller Wahrscheinlichkeit in einer Sprache geschrieben, die wir nicht mehr beherrschen oder gar lesen bzw. sprechen können. Also haben wir es mit einer Übersetzung zu tun. Und wir sicher ist diese Übersetzung? Bei lebendigen Sprachen (also Sprachen, die wir aktuell sprechen) gibt es mindestens zwei oder mehr Bedeutungen für ein Wort. Und wie oft habe ich schon gelesen, wenn Bücher aus dem englischen übersetzt werden, wie schlecht diese Arbeit teilweise sei. Da werden Wörter im falschen Zusammenhang verwendet oder einfach ein falsches Wort dafür benutzt. Und das eben in einer lebendigen Sprache.

Weiterhin hat sich häufig auch die gesellschaftliche Ordnung im Laufe der Jahrzehnte oder Jahrhunderte manchmal regelrecht tief greifend verändert. Noch vor einigen Jahrzehnten war es in Deutschland normal, dass der Ehemann die Arbeit für seine Ehefrau kündigen konnte. Ohne sie vorher zu fragen. Heute wäre das unvorstellbar. Und wenn wir jetzt mal hundert oder gar tausend Jahre zurückdenken. Da hat sich eine Menge getan.

Und wenn die Prophezeiung etwas mit der Gesellschaft zu tun hat, kann es sein, dass wir die Hintergründe gar nicht mehr verstehen. Denn wir leben in einer anderen Zeit, mit anderen Regeln, die damals nicht gegolten haben. Dafür aber andere.

Ein weiterer Punkt kann die Bedeutung eines Wortes sein. In dem Roman „Die kleine Hexe“ von Ottfried Preußler kommt ein Wort vor, dass zwischenzeitlich eine andere Bedeutung hat. In der ursprünglichen Version kam das Wort „wichsen“ vor. Damals wurden die Böden gewichst, heute hat es eine eher sexuelle Bedeutung.

Daher ist es fraglich, ob wirklich alle Wörter innerhalb einer Prophezeiung dauerhaft dieselbe Bedeutung hat, wie es einst gedacht war.

Wie können wir also sicher sein, dass es sich bei der Übersetzung einer uralten Sprache keine Fehler eingeschlichen haben? Zumal wir noch nicht einmal sagen können, ob wir wirklich alle Wörter, die in der Prophezeiung auftauchen, wirklich verstehen und eine korrekte Übersetzung dafür gefunden haben.

Und was wissen wir über die Verfasserin der ursprünglichen Prophezeiung? Nichts!

Woher können wir also die Sicherheit nehmen, dass die Prophezeiung uns wohlgesonnen ist? Es könnte ja auch sein, dass die Schöpferin dieser Prophezeiung uns bewusst in die Irre treiben wollte. Denn früher waren die Zeiten anders. Und wir können uns nicht hineinversetzen wie das Leben und die Struktur damals wirklich war. Denn teilweise haben wir schon Schwierigkeiten die Geschichte nachzuvollziehen, die vor gut hundert Jahren geschah. Und je weiter wir in der Zeit zurück reisen, desto schwieriger wird es. Zumal Geschichtsfälschung durchaus ein akzeptiertes Mittel vieler Herrschenden war.

Da gab es vielleicht Kriege oder auch Unterdrückung in Deiner Geschichte, die sich gegen das einfache Volk, gegen eine Volksgruppe oder wen auch immer gerichtet wurde. Und die Schöpferin diente der damals herrschenden Klasse. Sie könnte eine solche Prophezeiung erschaffen haben, damit die Leute ruhig blieben und der herrschenden Klasse dienten. In der Hoffnung das irgendwann einmal eine Erlöserin kommt, die es nicht gibt.

Im Laufe der Zeit weiß aber niemand mehr, was damals geschah und man glaubt Jahrhunderte später, dass es sich hierbei um eine Tatsache handelt. Eben, weil man es nicht besser wissen kann. Und damit kannst Du Deinen Heldinnen schön viel Ärger einbringen.

Zumal es auch sein könnte, dass sie viele wichtige Botschaften eher unterschwellig mitgeteilt hat. Und heute verstehen wir nicht, was sie damit sagen wollte. Also eine Art Geheimcode. Damals hätte man ihn vielleicht noch verstanden. Aber ist das in der Gegenwart immer noch der Fall?

In Deiner Geschichte

Du könntest also in Deiner Geschichte eine falsch übersetzte oder schlichtweg eine gefälschte Prophezeiung aufnehmen. Es kann durchaus sein, dass sie einfach nur falsch übersetzt wurde und eine korrekte Übersetzung angefertigt wird, die dann teilweise oder komplett eine andere Bedeutung hat.

Damit können Deine Heldinnen und / oder die Auserwählte immer noch den Tag retten. Aber es könnte hierbei durchaus eng werden, als wenn von vornherein die korrekte Übersetzung zur Verfügung gestanden hätte.

Oder Deine Figuren vertrauen ebenfalls auf diese gefälschte Prophezeiung, und als sie herausfinden, dass sie nur eine Lüge ist, fallen sie zuerst in ein tiefes Loch. Das bedeutet für sie, dass sie sich etwas anderes einfallen lassen müssen, um sich von dem Joch des Bösens zu befreien. Und das ist mehr, als nur auf ein paar hohle Phrasen von einer falschen Prophetin zu verlassen.

2. Die Auserwählte ist böse oder sie ignoriert den Ruf der Prophezeiung

Vielleicht kennst Du den Manga und Anime „X/1999„. In diesem Manga konnte die Hauptfigur sich entscheiden, ob er zu den sogenannten Himmelsdrachen gehört (welche die Menschheit retten sollen) oder zu den Erddrachen (welche die Menschheit vernichten sollen, um der Erde eine neue Chance zu geben).

Hätte sich die Hauptfigur für die Erddrachen entschieden, wäre er einer der „Bösen“ gewesen.

Was ich damit sagen will? Wer garantiert uns, dass die Auserwählte wirklich gut und edel und liebevoll ist? Es ist eine Entscheidung, die wir im Laufe unseres Lebens treffen, ob wir nett und lieb und freundlich sind oder alles platt machen, was uns in die Quere kommt.

Also könnte die Auserwählte auch zu der gegnerischen Mannschaft gehören und dafür arbeiten, dass die Welt vernichten wird. Und wer weiß, sie könnte ja die Prophezeiung dafür benutzen, um ihre Ziele selbst zu unterstützen. Sie könnte diese benutzen, um die wichtigsten Menschen um sich zu scharen, nur um diese dann zu töten. Und wenn die richtigen Leute tot sind, ist dann eben die Umsetzung der Prophezeiung unmöglich.

Natürlich könntest Du hier eine Geschichte schreiben, wie die Auserwählte am Ende von Deiner Heldin gerettet wird. Denn nur weil sie zu den Bösen gehört, heißt das noch lange nicht, dass sie dort enden muss. Aber am Anfang könnte sie sich entscheiden, die Welt zu vernichten, weil sie davon überzeugt ist, dass das der richtige Weg ist.

Und was wäre, wenn Deine Auserwählte sich sagt, ist ja schön und gut, dass ich die Auserwählte bin, ich mache trotzdem nicht mit. Also, wenn sie den Ruf der Prophezeiung verweigert. Das kann natürlich ganz schön für Wirbel sorgen. Sie ist absolut notwendig und unverzichtbar, dass sich alles zum Guten wendet und will nicht daran teilhaben.

Das kann natürlich besonders dann interessant werden, wenn zum Beispiel das Leben Deiner Auserwählten auf dem Spiel steht. Wer würde schon freiwillig ihr Leben für eine Prophezeiung zum Beispiel hergeben. Zumal sich die Frage stellt, was Deine Auserwählte davon hat. Ich kenne da nicht gerade viele. Erst recht, wenn sie auch nicht wüsste, ob danach wirklich die Welt gerettet werden könnte.

Wer könnte es ihr verdenken, wenn sie ihre Tasche schnappt und sich auf und davon macht. Dadurch könnte es dann zur Katastrophe kommen, in der dann die Welt zumindest am Abgrund steht. Was Du daraus macht, ist dann letztendlich Deine eigene Geschichte.

In Deiner Geschichte

Es gibt durchaus schon die eine oder andere Geschichte, wo die Auserwählte zu den Bösen gehörte und dann auf die gute Seite gezogen wurde. Dadurch konnte sie auch die Prophezeiung letztendlich erfüllen. Oder die Auserwählte könnte einst zu den Guten gehört haben und dann auf die dunkle Seite wechselten (so wie wir es bei Anakin Skywalker erlebt haben).

Und häufig stürzen sich die Charaktere durchaus in die Geschichte hinein. Vielleicht zögerlich, aber sie stehen dann irgendwann doch dahinter und wollen diese erfüllen. Aber wer verlässt schon gerne einfach das zu Hause und stürzt sich ins Abenteuer? Man weiß ja nie, was eine auf der anderen Seite des Weges erwartet. Daher ist es durchaus verständlich, wenn sich Deine Auserwählte dafür entscheidet, zu Hause zu bleiben und sich unter dem Bett versteckt.

Oder sie läuft davon uns riskiert, dass sie (fast) zu spät zur Erfüllung der Prophezeiung kommt.

Eine weitere Möglichkeit wäre, dass Deine Auserwählte sich erst ins Abenteuer stürzt, weil sie das Abenteuer sucht. Oder sie möchte tatsächlich helfen. Doch dann passiert etwas, vielleicht eine Schlacht, sie muss jemanden töten, irgendetwas in dieser Richtung, was sie regelrecht schockt. Das könnte ein Wendepunkt sein, dass sie erkennt, dass das Ganze doch kein Spiel ist. Und sie haut erst einmal ab.

3. Die Auserwählte ist nicht die Hauptfigur

So gut wie immer wird die Geschichte aus der Perspektive der Auserwählten erzählt. Viele Autorinnen und Autoren sind der Meinung, dass dort wohl die besten Geschichten geschrieben werden können. Und das mag durchaus der Fall sein. Aber ist das wirklich zwingend notwendig?

Doch warum ist das eigentlich so? Denn im Grunde genommen muss die Auserwählte nur die Prophezeiung erfüllen. Das war es auch schon. Warum muss ich ihr dann durch die ganze Geschichte verfolgen? Es könnten auch andere Charaktere der Geschichte durchaus interessant sein.

Die Geschichte, wie die wahre Heldin Deines Romans die Auserwählte findet und mit den Widrigkeiten dieser Figur zu kämpfen hat, könnte durchaus interessant sein. Nehmen wir mal an, Deine Auserwählte will gar nicht ihr Leben opfern (also Punkt 2), weil sie nicht einsieht, warum gerade sie ihr Leben für irgendwelche Idiotinnen hergeben soll (weil die Menschen sie, zum Beispiel, nicht nett behandelt haben).

Und natürlich werden die Gegnerinnen der Prophezeiung nicht dulden, dass Deine wahre Heldin die Auserwählte findet, um damit deren Macht zu brechen. Daher werden sie sich aller Wahrscheinlichkeit Deiner Heldin in den Weg stellen, um sie dann aufzuhalten. Und das kann weitaus schwieriger werden, als die Auserwählte dazu zu bringen, der Prophezeiung zu folgen und diese zu erfüllen.

Deine Heldin könnte es aber auch mit einer Auserwählten zu tun haben, die, gelinde gesagt, alles andere als vernünftig ist. Die Auserwählte kann sich zickig benehmen oder arrogant. Vielleicht wurde sie als reiche Tochter einer Königin geboren und dementsprechend ist sie verzogen. Natürlich wird sie dann begeistert sein, im Wald zu schlafen und sich dort mit Käfern, Spinnen und anderen Kleingetier auseinanderzusetzen. Im Palast würde es ihr sicherlich besser ergehen. Vor allem, dort hat sie ihr weiches Bett und ihre Ruhe.

Und was wäre, wenn Deine Heldin glaubt, sie sei die Auserwählte, um die wahre Auserwählte zu beschützen? Die Idee kam mir schon länger für einen Roman und ich bin der Meinung, diese wurde so ähnlich schon mal in einem Comicheft verwendet.

Es wäre also durchaus möglich eine Geschichte zu schreiben, in der Deine Heldin glaubt, sie sei selbst die Auserwählte, aber eine Begleiterin ist es wirklich. Und ihr Leben wird bedroht und geopfert, um die wahre Auserwählte zu beschützen.

Du könntest schreiben, wie Deine Heldin glaubt, sie sei etwas Besonderes und vielleicht benimmt sie sich auch so. Oder sie hat Angst davor, was ihr alles passieren könnte, weil sie nicht weiß, ob sie überhaupt den Anforderungen entsprechen kann. Gerade dann, wenn sie sieht, dass sie die Aufgaben einer Auserwählten nicht erfüllen kann. In was für ein Loch könnte Deine Heldin da fallen.

Und was könnte dann in ihr vor sich gehen, wenn sie herausfindet, dass ihr Leben nur deswegen in Gefahr gebracht wurde, damit jemand anderes beschützt wird. Das alles, ohne sie entsprechend einzuweihen. Ich glaube, ich wäre, gelinde gesagt, sehr verärgert.

In Deiner Geschichte

Es gibt viele Möglichkeiten, um aus der Perspektive einer anderen Figur zu schreiben, welche nicht die Auserwählte ist. Oben haben ich Dir einige Vorschläge gemacht. Das wäre definitiv eine andere Möglichkeit, um uns die Geschichte einer Auserwählten näher zu bringen. Und zwar, indem Du sie gar nicht in den Mittelpunkt stellst.

Natürlich ist ihre Rolle wichtig, aber nicht unbedingt ihre Geschichte.

Du kannst also schreiben, wie Deine Heldin sie findet und nur der Schluss der Auserwählten gewidmet wird. Oder wie die Auserwählte ein Teil der Geschichte zwar ist, aber nie aus ihrer Perspektive erzählt wird.

4. Die bekannteste / berühmteste Prophezeiung ist nicht die korrekte

Wenn eine Prophezeiung, sagen wir mal, gute 1.000 Jahre alt ist, wer sagt uns, dass sie wirklich korrekt ist? (Siehe weiter oben). Aber weiterhin ist es gut möglich, dass sich im Laufe der Jahre, Jahrzehnte und Jahrhunderte einige Leute weitere Prophezeiungen aufgeschrieben haben.

Und dabei kann es durchaus passieren, dass eine nicht ganz Korrekte oder gar Falsche, schlichtweg die Berühmteste geworden ist, weil sie vielleicht eine sehr schöne Sprache hat oder weil sie von einer berühmten Prinzessin geschrieben wurde. Oder die Prophezeiung wurde dieser Prinzessin zugeschrieben oder es gibt dafür andere Gründe.

Auf alle Fälle ist die berühmteste Prophezeiung nicht zwangsläufig auch die korrekteste. Zum einen eben, wie bereits erwähnt, weil hier vielleicht falsche Übersetzungen vorgenommen wurden. Oder man hat extra eine falsche Prophezeiung geschrieben, um die Gegnerinnen zu verwirren. Und diese wurde dann verbreitet, damit die korrekte Prophezeiung unterdrückt wird und dadurch in Vergessenheit gerät.

Auf diese Weise könnten zwei sich völlig entgegengesetzte Prophezeiungen in Deiner Geschichte eine Rolle spielen. Sagen wir mal, eine spricht davon, dass Deine Auserwählte sich in den Vulkan stürzen muss, um die Feuerkönigin zu vernichten. Die korrekte Prophezeiung spricht aber davon, dass sie die Feuerkönigin, nach einem epischen Kampf, in diesen Vulkan stürzen muss, damit Frieden herrschen kann.

Oder der Vulkan hat gar nichts damit zu tun. Ganz im Gegenteil wird dort jemand hineingeworfen, könnte es zu einer absolut schlimmen Katastrophe kommen. Und das für alle Seiten, woran sich (natürlich) niemand erinnert.

Das bedeutet, dass jemand die wahre Prophezeiung kennen muss. Nur so ist es überhaupt möglich, dass die Korrekte dann in Deiner Geschichte irgendwann mal auftaucht. Denn, wenn ich nicht weiß, dass es gefährlich ist, mich in den Vulkan zu stürzen, dann werde ich es machen. Eben, weil ich es nicht besser weiß.

Es wäre also durchaus möglich, dass es eine alte Frau geben könnte, welche die wahre Prophezeiung kennt, ihr aber niemand glaubt. Vielleicht aufgrund ihres Alters oder weil sie nicht gerade beliebt ist. Oder, weil man sie für verrückt hält. Oder aus einem Grund, der in Deine Geschichte passt.

Doch sie versucht allen die Wahrheit zu sagen und stirbt, bevor man ihr glaubt. Aber ihre Worte hallen in den Ohren der einzelnen Figuren der Geschichte und man versucht nun herauszufinden, war die alte Frau wirklich verrückt oder hat sie vielleicht sogar die Wahrheit gesagt?

In Deiner Geschichte

Hier kannst Du Dir überlegen, welche Prophezeiung bekannter ist und vor allem, warum hat sie die Jahrhunderte überlebt und ist immer noch in aller Munde. Und inwiefern ist die korrekte Prophezeiung anders als die bekanntere.

Das bedeutet natürlich, dass Du Dir nicht nur Gedanken über eine Prophezeiung machen musst, sondern über zwei. Somit ist es durchaus empfehlenswert, dass Du Dir auch über die Ausgestaltung der Worte Gedanken machst, damit Deine Leserinnen auch etwas davon haben.

Aber ich denke, es kann durchaus interessant werden, wenn man es mit zwei Prophezeiungen zu tun hat.

5. Es gibt so viele Prophezeiungen, wie es Kulturen gibt

Die meisten Kulturen in den Fantasyromanen sind total nett. Obwohl sie teilweise gar keinen Kontakt zueinander haben, verschiedene Sprachen sprechen, unterschiedliche Entwicklungen hinter sich haben oder auch völlig anders sind, als die anderen Völker, sie haben alle die gleichen Prophezeiungen.

Dadurch muss sich niemand Gedanken machen, ob es zu einer falschen Übersetzung kommt oder man es missverstehen könnte, weil sich im Laufe der Jahrhunderte die Wortwahl oder die Begebenheiten geändert haben. Man versteht schon, worauf es letztendlich hinausläuft.

Seien wir mal ehrlich, wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass das wirklich passiert?

Wenn Du es geschickt anstellst, dann hat so gut wie jede Kultur und jedes Volk eine eigene Prophezeiung. Und damit kannst Du Deine Heldinnen schön verwirren. Denn an welche sollen sie sich wirklich halten und welche bringt sie an ihr gewünschtes Ziel?

Listen wir mal auf, wie kompliziert die Geschichte am Ende theoretisch werden könnte (Du musst zum Glück nicht alle Punkte nehmen, außer Du möchtest es vielleicht).

  • Jedes Volk hat eine andere Prophezeiung, welche sich auch noch grundlegend unterscheidet.
  • Dazu gibt es noch verschiedene Prophezeiungen in jeder historischen Epoche (also im Mittelalter lautet die Prophezeiung anders, als in der Neuzeit).
  • Weiterhin kann sich die Prophezeiung in den jeweiligen Schichten unterscheiden (also die Unterschicht erzählt sich diese anders, als die Adligen).
  • Und was auch immer Dir einfällt oder in Deiner Geschichte eine Rolle spielen könnte.

Natürlich ist das unglaublich viel Arbeit, wenn Du es wirklich groß aufziehen möchtest. Und ich selbst würde es wohl nur für eine Geschichte machen, die ich als Serie anlege und einige Bände und Seiten beinhaltet. Aber ich kann mir auch gut vorstellen, dass sich diese Arbeit durchaus lohnen kann.

Denn damit kannst Du nicht nur Deine Leserinnen verwirren, sondern letztendlich auch Deine Charaktere. Denn sie können letztendlich nicht darauf vertrauen, was in einer Prophezeiung drinnen steht. Dadurch kann die Zeit in Deiner Geschichte knapp werden.

Denn bis zum nächsten Vollmond muss die Angelegenheit Deiner Auserwählten geklärt sein, da ansonsten die Welt untergeht. Das bedeutet also, dass Deine Charaktere sich anstrengen müssen, um die Auserwählte zu finden und dann zudem noch herausfinden müssen, welche der vielen Prophezeiungen auch noch korrekt ist.

Nur so können sie dann überhaupt ans Ziel kommen. Was natürlich den Schwierigkeitsgrad extremst erhöht, aber die Sache auch ungemein spannend machen kann.

In Deiner Geschichte

Wie oben schon erwähnt, dieser Teil der Auserwähltengeschichte würde ich selbst nur dann anstreben, wenn ich eine längere Geschichte bzw. eine Serie plane und meine Leserinnen so richtig aufs Glatteis bringen möchte.

Das kann natürlich durchaus schwierig werden, aber wenn Du Dir dafür Zeit lässt, dann wird das schon klappen.

Dafür musst Du natürlich wissen, welche Völker Deine Welt besiedeln und auch, welche Epochen es durchlebt hat. Dann musst Du Dir nur überlegen, was zu der jeweiligen Zeit bei dem jeweiligen Volk wichtig war und kannst danach Deine entsprechende Prophezeiung schreiben. Wenn Du das fertig hast, kannst Du Dir alles andere, was dazu noch gehört, entsprechend überlegen und festsetzen.

6. Die Auserwählte ist nicht Weiß

Im Nornennetz hab ich vor einiger Zeit die Frage gestellt, wie viele Auserwählte es gibt, die People of Colors sind. Eigentlich eine blöde Frage, wie mir im Nachhinein klar wurde. Denn um darüber zu diskutieren, müsste es erst einmal genügend Romane oder auch Filme geben, in denen die Hauptrolle von People of Colors übernommen wurde. Und das ist eher selten der Fall.

Daher könnte ich mir vorstellen, wie Deine Charaktere nach einer Auserwählten suchen, die eben weiß ist, nur um festzustellen, dass sie nach der falschen Person gesucht haben. Denn sie hätten die ganze Zeit nach einer Person of Color suchen müssen, damit die Prophezeiung erfüllt werden kann.

Mit einem solchen Charakter könntest Du ohne viel Mühe mehr Diversität in Deine Geschichte holen. Zudem könntest Du auch gleich eine positive Identitätsfigur schaffen. Dazu gehört aber auch, dass Du den Charakter vernünftig anlegst.

Daher gehört hier eine vernünftige Charakterarbeit genauso dazu, wie bei allen anderen Figuren ebenfalls. Und je genauer Du arbeitest, desto interessanter kann die Geschichte werden.

In Deiner Geschichte

Häufig werden People of Colors als Sklavinnen oder sonstige Personengruppen dargestellt. Es ist aber völlig in Ordnung, wenn Du aus ihr eine Königin oder einen anderen hochrangigen Beruf machst, der nicht so klischeebeladen ist.

Erlaube daher Deinen Charakteren, unabhängig von Geschlecht, sexueller Orientierung oder eben Hautfarbe, so zu sein, wie ihre Agenda ist. Darüber misst sich letztendlich Deine Geschichte.

7. Die Auserwählte ist älter

In Jugendbücher kann ich es halbwegs noch verstehen, dass die Auserwählten noch im jugendlichen Alter sind. Aber bei Fantasybüchern hingegen fällt es mir zunehmend schwerer, dass die Auserwählten scheinbar allesamt noch ziemlich grün hinter den Ohren sind.

Auch wenn nicht immer ein Alter angegeben ist, so scheinen sie durchaus zwischen sechszehn und so um die zwanzig zu sein. Also allesamt ziemlich jung. Warum eigentlich? Können nicht Menschen (oder was auch immer) nicht auch erst in den Dreißigern auserwählt werden? Was spricht dagegen?

Immerhin kann es durchaus passieren, dass man quasi zu früh geboren wurde (aus der Sicht der Prophezeiung). Und dementsprechend wächst man heran und ist die Auserwählte und hat bisher noch nie etwas davon erfahren. Dadurch ergeben sich komplett andere Probleme.

Jüngere Auserwählte kann man noch bis zu einem gewissen Grad manipulieren. Immerhin haben sie noch nicht die Erfahrungen im Leben gesammelt, wie ältere Menschen. So kann man ihnen noch einen gewissen Bären aufbinden. Bei älteren ist das bis zu einem gewissen Grad möglich, aber durchaus schwieriger. Zudem haben sie ganz andere Sorgen. Familie, Beruf und Derartiges. Sie können sich nicht mehr ganz so einfach ins Abenteuer stürzen, wie es vielleicht noch Jugendliche könnten.

Für Deine Geschichte

Überleg Dir, wie es wohl wäre, wenn Deine Auserwählte mitten im Leben steht, verheiratet ist, sogar Kinder hat. Wie wäre es, wenn dann jemand vor der Tür steht und sagt, dass sie ihre Tasche packen soll, um die Welt zu retten? Mit welchen Hindernissen müssten hier alle rechnen?

Hier würde sich ein völlig anderes Feld bieten, um mehr Konflikte aufzubereiten. Immerhin hat Deine Auserwählte nicht nur die Welt im Kopf, sondern auch noch ihren Schatz und die Kinder. Aus diesem Grund könnte diese Art von Geschichte noch einmal interessanter werden.

8. Die Auserwählte ist kein Mensch

Genauso wie mit der Hautfarbe, scheint es prinzipiell so zu sein, dass die Auserwählte ein Mensch ist. Oder zumindest ein Halbmensch (Frodo als Hobbit ist hier in der Tat mal eine Ausnahme).

Ansonsten scheinen sich alle einig zu sein, dass nur Menschen die Rolle der Auserwählten übernehmen können. Und ich spreche durchaus von Geschichten, in denen es auch andere Völker gibt (wenn es nur Menschen gibt, erübrigt sich dieser Punkt natürlich).

Natürlich könnte man jetzt argumentieren, dass man sich auch mit der Auserwählten irgendwie identifizieren soll. Daher ist es durchaus wichtig, dass sie zumindest zur Hälfte ein Mensch ist. Aber ich behaupte das Gegenteil, es ist nicht zwangsläufig notwendig.

Denn, wie oben schon erwähnt, muss die Geschichte nicht zwangsläufig aus der Perspektive der Auserwählten erzählt werden. Aus diesem Grund kann diese auch von einem anderen Volk stammen. Wir müssen uns dann nicht mit ihr identifizieren, sondern mit der anderen Heldin, welche die Auserwählte begleitet.

Für Deine Geschichte

Durch die Wahl einer anderen Rasse könntest Du noch mehr Konflikte einbauen. Vielleicht stammt Deine Auserwählte von einem Volk, welche sich, gelinde gesagt, für etwas Besseres hält und daher extremst überheblich sind. Und das macht das Leben der anderen extremst schwer.

Zudem kannst Du noch die Besonderheiten des Volkes einbauen, welche vielleicht schüchtern, überheblich, kriegerisch oder was auch immer ist. Und dementsprechend kannst Du noch mehr Facetten in Deine Geschichte einbauen, ohne viel erklären zu müssen.

9. Die Auserwählte stirbt

Gut, das wäre dann durchaus ein Wendepunkt, der sehr viel Arbeit erfordert. Denn wie soll man eine Geschichte über eine Auserwählte schreiben, in der es keine Auserwählte mehr gibt? Keine Ahnung, interessant dürfte es allemal werden. Sofern sich jemand daran wagt.

Schon Shakespeare hat seine Hauptfiguren in seinen Stücken allesamt getötet (also lange vor George R. R. Martin). Daher ist es völlig in Ordnung, wenn Du das tust. Und das gilt auch für Deine Auserwählte. Du musst nur überlegen, wie Du die Prophezeiung ohne sie erfüllen lassen kannst. Ansonsten dürfte die Geschichte ein wenig schwach werden.

Aber theoretisch könnte das eine interessante Geschichte werden, wenn sich wer daran traut.

Für Deine Geschichte

Deine Auserwählte könnte noch vor der Geschichte gestorben sein (dann sollte es ein eindeutiges Zeichen geben, woran man erkennt, dass sie die Auserwählte war) oder während der Geschichte. Da hast Du die Qual der Wahl.

Dann sollte natürlich noch geklärt werden, ob die Prophezeiung überhaupt noch erfüllt werden kann. Wenn Du das verneinen würdest, wäre die Geschichte vorbei, wie die Auserwählte eventuell wiedergeboren wird. Aber es besteht auch die Möglichkeit, dass Deine Leute die Prophezeiung über Bord werfen und trotzdem das Böse besiegen.

10. Es gibt gar keine Auserwählte

Nein, ich meine nicht damit, dass es eine falsche Auserwählte gibt oder es ein Versteckspiel gibt. Ich meine damit ganz klar, in Deiner Geschichte gibt es gar keine Auserwählte. Damit auch keine Prophezeiungen und so weiter. Was natürlich für diesen Beitrag ein wenig komisch ist.

Deine Heldinnen und Helden können sich also nicht auf jemand anderen verlassen, die oder der für sie die Welt rettet. Das müssen sie schön alleine tun. Egal wie, aber sie sind am Zug.

Und ich denke mir, dass solche Geschichten, nicht ganz so einfach zu erzählen sind. Denn hier benötigt es mehr Fantasie, um die Charaktere in die Geschichte zu bekommen. Ohne das Auserwähltendrumherum.

Für Deine Geschichte

Du musst Dir natürlich sowieso überlegen, warum Deine Charaktere das tun, was sie in Deiner Geschichte tun. Wenn Du aber kein Zugpferd hast (also Deine Auserwählte), ist noch mehr Kreativität gefragt, wie es anfängt und weitergeht. Aber spannend kann es immer noch werden.

Abschlussgedanken

Natürlich kannst Du Dich an die bekannte Variante der Geschichten rund um die Auserwählte halten. Dagegen spricht nichts. Aber es könnte zugleich auch interessant werden, die Sicht auf diese Geschichten zu ändern und eine völlig andere Geschichte zu erzählen.

Ich zumindest würde es durchaus begrüßen.

Und vielleicht hast Du noch andere Ideen, wie man die Geschichte rund um die Auserwählte erzählen kann. Ich würde diese gerne von Dir hören. Bis dahin, ich wünsche Dir viel Spaß beim erzählen Deiner Geschichte.

Vergleiche bekannte Geschichten

Wie sieht es mit den Geschichten rund um die Auserwählten aus, die Du kennst. Nach welchem Schema werden sie geschrieben und ähneln sich diese? Oder gibt es doch weitere Punkte, in denen sich die Geschichten untereinander unterscheiden?

Abwandlungen

Überleg Dir, wie die Geschichten, um die Auserwählten aussehen würden, wenn Du diese mit den oben aufgeführten Punkten abwandeln würdest. Wäre diese eine Geschichte dadurch interessanter oder eher langweiliger? Was meinst Du?

Deine eigene Auserwählte

Wenn Du eine Geschichte rund um eine Auserwählte schreibst oder eine planst, dann kannst Du Dir die oben aufgeführten Punkte mal ansehen. Vielleicht sagen Dir diese ja zu und Du möchtest davon was anwenden.

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Schreibmonat: Mein August 2017

Hei, hallo und herzlich willkommen,

der schön – oder was auch immer – Wonnemonat August ist in ein paar Stunden vorbei. Zeit für einen Rückblick.

Kurze Vorgedanken

Zugegeben, dieser Monat war nicht sonderlich kreativ, weil ich mir eine Auszeit gegönnt habe. Wovon? Das wirst Du gleich lesen. Dafür habe ich geplant, dass der September um einiges aktiver gestaltet wird.

Was hab ich geschafft?

Ganz klar, ich habe meinen Roman beendet. Zwar mit einem sehr miesen Ende und das hurtig und sofort. Aber das ist egal. Die erste Version ist sowieso dafür da, dass die Geschichte erst einmal erzählt wird und nicht zum Veröffentlichen.

Daher habe ich beschlossen, den Roman erst einmal ruhen zu lassen und mir deswegen auch eine kleine Pause zu gönnen. So ganz hat es nicht geklappt, da ich an meinem Sachbuch schon ein wenig gearbeitet habe.

Und ich habe mehr in diesem Monat gelesen, als in den Monaten vorher. Man merkt, dass ich nicht mehr so intensiv für Klausuren lernen muss und mehr Zeit für solche Dinge habe. Jetzt muss ich nur noch in anderen Dingen ein wenig aktiver werden.

Was habe ich nicht geschafft?

Da ich mein Monatsziel erreicht habe, also den Roman vor meinem Geburtstag beendet habe, hatte ich eigentlich für August nichts mehr geplant. Daher fällt dieser Punkt eindeutig minimalistisch aus.

Aussicht für September 2017

Ab morgen plane ich, meinen Roman zu überarbeiten. Da ich nicht weiß, wie intensiv das alles wird, sage ich erst einmal, dass ich zwei Kapitel vollständig überarbeitet haben möchte. Für den Anfang dürfte das erst einmal überschaubar sein. Wenn ich mehr schaffe, freue ich mich natürlich.

Weiterhin versuche ich noch an meinem Sachbuch zu arbeiten und an meinem nächsten Roman. Dort möchte ich vor allem mit dem Plot weiterkommen. Hierbei handelt es sich um den Roman, den ich beim letzten NaNoWriMo angefangen habe. Jetzt habe ich diverse neue Ideen bekommen und die möchte ich nun umsetzen.

Da ich nicht weiß, wie ich das mit der Arbeit alles vereinbaren kann (nächsten Monat wird es ein wenig heftiger), belasse ich es hierbei. Zumal dort dann auch meine VHS-Kurse anfangen. Endlich mal wieder.

Abschlussgedanken

Man muss nicht immer hoch stapeln, um etwas zu erreichen. Auch Tropfen, die stetig auf einen Stein fallen, höhlen diesen irgendwann einmal aus. Aus diesem Grund, einfach dran bleiben. Irgendwann kommt man definitiv ans Ziel.

Wir lesen uns dann am 30. September wieder 🙂

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Plot: Der Bossfight

Hei, hallo und herzlich willkommen,

vielleicht ist es Dir noch gar nicht aufgefallen, aber in vielen Geschichten gibt es kleine Vorkämpfe. Und die alle gipfeln dann in dem sogenannten Bossfight. Was das ist und wieso das interessant sein kann, darüber möchte ich heute schreiben.

Kurze Vorgedanken

Die Gedanken zum Thema Bossfight kamen mir schon vor einigen Jahren, als ich noch gerne das Format Game One gesehen haben. Dort wurden Videospiele vorgestellt (dabei zocke ich noch nicht einmal wirklich gerne) und diverse Dinge erklärt. Unter anderem der Bossfight. Danach sah ich die meisten Filme, Serien aber auch Romane aus einem völlig anderen Blickwinkel.

Zwar werde ich im Folgenden ab und an auf die Videospiele eingehen, aber nur rudimentär. Denn wie erwähnt, ich bin jetzt nicht die Zockerin. Aus diesem Grund bringt es nichts, wenn ich anfangen würde, über ein Medium zu schreiben, mit dem ich mich nicht auskenne.

Und wie so oft gilt, auch wenn ich in diesem Beitrag in erster Linie nur die weibliche Anrede verwende, die Herren sind immer mitgemeint. Vielen Dank.

Was ist jetzt ein Bossfight überhaupt?

Der Bossfight ist der ultimative Endkampf. Wenn Deine Heldin alle Vorkämpfe überwunden hat, kommt sie irgendwann zum Boss. Und diese gilt es dann zu besiegen. Nur das dieser Kampf, der härteste von allen ist.

Aber fangen wir erst einmal klein an.

Der Ablauf

Auch wenn Du keine oder eher selten Videospiele gespielt hast, wir Dir die folgende Beschreibung vielleicht trotzdem vertraut vorkommen.

Du fängst an zu spielen und hast es mit ganz kleinen Zwischengegnern zu tun. Dann wird etwas gesammelt und Du kommst irgendwann zum Ende des Levels oder der Welt oder wie es auch immer aufgebaut wird.

Am Ende des Levels findest Du dann die Levelmeisterin. Also eine Gegnerin, die Dich und Deine Figur daran hindern soll, aufs nächste Level zu kommen. Je nachdem wie gut Du bist, wie viele Skills Du hast und wie gut Du die Kombos kennst, kannst Du diese Gegnerin besiegen. Schaffst Du es nicht, musst Du das Level neu spielen, um wieder gegen diese Gegnerin anzutreten.

Hast Du sie besiegt, kommst Du ins nächste Level. Und dort fängt das Ganze von vorne an. Nur dass die Gegnerinnen stärker werden. Das bedeutet, Du musst mehr üben, mehr Skills bekommen, mehr Waffen und so weiter. Dann kannst Du auch die nächsten Gegnerinnen besiegen.

Und wenn Du lange genug dran bleibst, kommst Du irgendwann ins letzte Level und musst dann die Endgegnerin besiegen. Hier kann es durchaus passieren, dass Du im Spiel gefühlte eine Million mal stirbst, bevor Du endlich den Bossfight für Dich entscheiden kannst.

Übertragung auf die anderen Medien

Wenn Du diese Beschreibung im Hinterkopf hast, werden Dir vielleicht einige Beispiele einfallen, in denen Du das schon einmal gesehen hast. Häufig findest Du diesen Weg in Fantasygeschichten oder Geschichten, in denen man Fantasyelemente findet (aber nicht in dieses Genre direkt einordnen kann).

Das bedeutet, dass Deine Heldin zuerst kleinere Kämpfe austragen muss, um dann am Ende gegen das ultimative Böse anzutreten. Wobei diese kleinen Kämpfe durchaus an die Nieren gehen dürfen. Sie dürfen blutig sein, erschreckend, geliebte Menschen dürfen dabei drauf gehen. Nur dürfen sie niemals den Bossfight überragen.

Und im Idealfall harmoniert alles sehr gut und greif perfekt ineinander.

Negativbeispiele

Vor Jahren hatte ich versucht eine Buchreihe zu lesen, in der es um Magie, Elfen und derartiges ging. Obwohl ich die ersten drei Bücher der Reihe schon hatte, brach ich Band 2 kurz vor Ende ab. Warum?

Weil es in der Mitte des Buches zu einem Levelkampf kam, der wirklich als schwer betrachtet werden konnte. Die Charaktere mussten sich anstrengen und man fieberte mit.

Dann wurde immer wieder gesagt, dass dieser Kampf schon schwer war. Dann würde der Buchendkampf noch schwerer werden. Und das wurde andauernd wiederholt. Und ganz nebenbei haben sie den großen Levelkampf geschafft. Als Leserin hab ich das nicht mitbekommen. Die Charaktere übrigens auch nicht.

Zu diesem Zeitpunkt ist mir aufgefallen, dass es viele Filme und Bücher gab, die nach diesem Prinzip gearbeitet haben. Unglaublich harte Vorkämpfe, doch der Bossfight war eher enttäuschend.

Warum ist das überhaupt wichtig?

Stell Dir vor, Du liest einen Roman und siehst, wie die Charaktere kämpfen und dabei gewinnen oder auch verlieren. Wir wollen natürlich alle, dass sie gewinnen. Doch vorher sollen sie ihren Wert quasi beweisen. Sie sollen zeigen, dass sie es Wert sind, dass wir unsere Zeit mit ihnen verbringen.

Und wie beim Lernen von Lektionen, muss es auch in einer solchen Geschichte der Weg von einfach bis schwer gehen. Wir wollen selbst immer mehr und mehr dazu lernen. Das gilt dann auch für die Charaktere. Sie sollen immer stärker werden und am Ende siegreich aus der Geschichte treten.

Wären die Vorkämpfe schwer und der Bossfight zu einfach, würde das Ganze gar keinen Spaß machen. Das Mitfiebern wäre dann nicht so leidenschaftlich und man fragt sich sogar, was das nun sein sollte. Und spätestens das sollte nicht sein.

Wie kann man am Besten vorgehen?

Schau Dir ruhig einige Filme an, um den Pfad der Kämpfe nachzuvollziehen. Schau aber genau hin, denn nicht alle Kämpfe sind offensichtlich. Denn in einem Krimi wirst Du keinen offenen Kampf mit Schwertern oder Derartiges sehen. Dafür aber den Kampf des Geistes. Bekommt unsere Ermittlerin die Informationen, die sie benötigt?

Dann überleg Dir für Deine Geschichte die verschiedenen Stufen des Kampfes. Von harmlos und leicht zu überwinden bis hin zu, hier muss ich alles zurücklassen, was ich hab und auch nicht. Also es muss wirklich mehr als nur an die Nieren gehen.

Und dann füge diese Schritte in Deinen Plot ein, sodass Du eine Geschichte mit verschiedenen Kämpfen hast. Du kannst diese Schritte in Deinem Plotplan noch besonders markieren, damit Du immer einen Blick darauf werfen kannst, wenn Du Hinweise auf Deinen Kampf brauchst.

Was darf dabei nicht passieren?

Auch wenn es manchmal schwerfällt, es sollte trotzdem alles realistisch wirken. Die Heldin muss den Kampf gewinnen und keine dritte Person. Und die Heldin muss selbst Hand anlegen und nicht per Zufall gewinnen.

Vom schüchternen Mädchen muss sie zur Frau heranreifen und ihre Kämpfe allein bewältigen. Man darf sie gerne von der Seite anfeuern. Aber sie ist alleine im Ring. Und sie allein muss den Kampf bewältigen. Selbst dann, wenn ihre Cheerleaderinnen zum Schweigen gebracht wurden.

Abschlussgedanken

Hier helfen Erfahrungen aus Büchern und Filmen, um zu sehen, was für Dich am besten funktioniert und was nicht. Aber eins solltest Du dabei nie vergessen, trau Dich einfach. Sei realistisch und mutig zugleich. Dann wirst Du einen ordentlichen Bossfight haben.

Viel Spaß dabei.

Recherche

Schau Dir genau an, wie der Bossfight in Filmen oder Büchern vorgestellt wird. Und vor allem, wie der Weg dorthin ist. Das gilt auch für Krimis oder Liebesromanen. Wie sieht es da aus? Mach Dir entsprechende Notizen.

Dein eigener Kampf

Nun schau Dir Deine eigene Geschichte an. Wie sieht der Pfad der Kämpfe aus? Sind sie realistisch oder doch eher abgehoben? Wo findest Du eine Deux ex Machina? Und wo gewinnt Deine Heldin eher per Zufall, anstatt aus eigener Kraft? Korrigier es und schreib die Szenen entsprechend um.

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Grundlagenkenntnisse: Kapitel

Hei, hallo und herzlich willkommen,

im Internet und auch bei Facebook verfolge ich gerne die eine oder andere Diskussion. Und dabei habe ich festgestellt, dass sich viele Autorinnen und Autoren nicht unbedingt die Frage stellen, wie sie ein magisches System erstellen oder Genres mixen können. Es geht ihnen auch um einfache grundlegende Fragen. Fragen, welche bei einigen vielleicht ein Runzeln auf der Stirn verursacht, für andere aber essenziell sind. Wie zum Beispiel die Länge eines Kapitels.

Kurze Vorgedanken

Es mag bei einigen eher ein Augenrollen herbeiführen, wenn sie die Frage lesen, wie lang soll denn bitte schön ein Kapitel sein. Andere hingegen machen sich darüber ernsthafte Gedanken, damit sie auch nichts falsch machen. Und ich finde, daran ist nichts Verwerfliches.

Daher möchte ich heute mal einen Überblick zum Thema liefern, welche sich mit einigen Fragen beschäftigt. Zum Beispiel, wofür man überhaupt Kapitel benötigt, bis hin zu der Länge und wie man die Kapitel auch bezeichnen könnte.

Sollte es notwendig sein, eine Personengruppe anzusprechen, werde ich die rein weibliche Form verwenden, damit der Satzbau einheitlich ist. Die Herren sind dabei immer und zu jederzeit mitgemeint.

Was ist ein Kapitel?

Man kann sagen, dass ein Kapitel eine (hoffentlich) logische Aufteilung eines Romans in mehreren Unterteilen ist. Man kann ein Buch also in mehrere Sinneinheiten aufteilen (eben die Kapitel), sodass sich die Leserinnen an ihnen orientieren können.

Manchmal bezeichne ich die Kapitel auch als ganz kleine Romane innerhalb eines Romans. Oder auch als Kurzgeschichten, auch wenn das so nicht stimmt. Denn ein Roman sollte die Einteilung „Einleitung, Hauptteil und Schluss haben“. Das gilt aber nicht für das Kapitel.

Von der Wortanzahl her hast Du unzählige Möglichkeiten, wie viele Du in einem Kapitel verwenden kannst. Daher kommt es eher auf den Inhalt an, als auf die Wortzahl.

Brauche ich überhaupt Kapitel?

Um es mal klar zu sagen: Nein!

Theoretisch könnte Dein ganzer Roman ein einziges Kapitel sein. Mit anderen Worten, Du machst keine Aufteilung. Und ich hatte in der Tat ein Buch in der Hand gehabt, welche keine Kapitel hatte. Aber auch keine Absätze. Was so dermaßen anstrengend zu lesen war, dass ich es aufgab.

Das andere Extrem wäre, wenn Du nach ein paar Sätzen ein neues Kapitel einfügen würdest. Wobei ich behaupte, dass das sicherlich auch anstrengend wäre zu lesen. Bisher ist mir jedoch solch ein Werk noch nie untergekommen.

Es gibt aber ein ungeschriebenes Gesetz, dass die meisten Romane in Kapitel aufgeteilt sind. Und zwar nach einer gewissen Anzahl von Seiten wird der Schnitt gemacht, damit das nächste Kapitel kommen kann.

Möglich ist es auch, dass man in einem Roman mir gar keinen Kapiteln arbeitet und im nächsten mit ganz vielen. Hier kommt es auch darauf an, was Du erzählen möchtest und vor allem auch, wie Du es tun willst. Das ist völlig Dir überlassen.

Was ist der Sinn eines Kapitels?

In meinen Augen gibt es nicht den einen Sinn, sondern mehrere.

Sinneinheit

Innerhalb eines Kapitels empfehle ich, dass es ein einheitlicher Sinn zu finden ist. Was ich damit meine? Es sollte in sich ein geschlossenes Thema sein. Wenn Du anfängst, von der Bestimmung des Helden zu sprechen, dann über die Macht der Heldin und wohlmöglich noch über die Pläne des Bösen, das wäre auf Dauer doch zu viel. Aber Du kannst das alles, zum Beispiel, in drei Kapiteln unterbringen.

So überforderst Du weder Dich beim schreiben noch Deine Leserinnen beim Lesen. Und es macht die ganze Angelegenheit angenehmer.

Kleine Etappen

Wenn Deine Leserinnen ein wenig so sind wie ich, dann werden sie aller Wahrscheinlichkeit von Kapitel zu Kapitel lesen. Das macht mir persönlich mehr Spaß, wenn ich ein Buch beiseitelegen kann und weiß, dass ich ein kleines Ziel erreicht habe, eben das Ende des Kapitels.

Nicht alle Romane lassen sich innerhalb eines Tages lesen (gerade wenn der Roman um die 1.000 Seiten hat). Aber ein Kapitel ist meistens zu schaffen. Das sorgt bei mir für eine gewisse Beruhigung. Ich hab was gelesen.

Unterstützung der Geschichte

Wichtig ist natürlich auch, dass Kapitel die Geschichte unterstützen können. So kann man bei dem Wechsel der Kapitel auch die Perspektive der Charaktere wechseln. So kann man aus der Perspektive der Heldin schreiben, dann des Helden, dann eines anderen Charakters. Je nachdem, was gerade notwendig ist.

Weiterhin kann man von Ort zu Ort springen, wenn dies notwendig ist. Aber auch zwischen verschiedenen Zeitperioden, wenn das notwendig ist. Natürlich ist das innerhalb eines Kapitels auch möglich. Aber eventuell könnte das hier Deine Leserinnen verwirren, weil sie sich nicht darauf einstellen können. Bei einem Kapitelwechsel sind sie dafür eher empfänglicher. Denn hier kann man eher erwarten, dass man sich ganz woanders befindet. Eben aus der Erfahrung heraus.

Wie lang sollte so ein Kapitel sein?

Das ist der Pudelkern und letztendlich auch der wahre Grund für diesen Beitrag. Aber ich kann Dir jetzt schon mal sagen, dass Du mit der Antwort nicht sonderlich zufrieden sein wirst. Denn es gibt keine Regelung dafür, wie lang oder wie kurz ein Kapitel sein sollte. Genauso wenig, wie Du eine Antwort bekommen kannst, wie lang Dein Roman überhaupt sein soll.

Es gibt einige, die entscheiden, dass ihre Kapitel zwischen 2.000 bis 5.000 Wörter lang sind. Danach versuchen sie, ihr Kapitel zu einem Ende zu bringen und einen Neuen anzufangen. Aber ich lese gerne die Romane von Anne Perry. Und ihre Kapitel sind durchaus bis zu 30 Seiten lang und länger. Und ich behaupte mal, ohne es nachgezählt zu haben, dass das mehr als 5.000 Wörter sind.

Theoretisch könnte Dein Kapitel auch aus einem einzigen Wort bestehen. Nehmen wir an, dass etwas aus der Gefangenschaft befreit wurde (sei es ein Mensch, Monster, was auch immer). Dann könntest Du mit einem Kapitel das Wort „Freiheit“ schreiben. Wenn Du vorher dieses etwas erwähnt und in kursiv über ihn oder sie geschrieben hast, werden sich Deine Leserinnen denken können, was damit gemeint ist.

Es kommt also nicht auf die Wortzahl an, sondern auf den Inhalt. Meine Empfehlung ist ganz klar, konzentriere Dich lieber auf den Inhalt. Wenn Du diesen mit zweihundert Wörtern erzählen kannst, ist das in Ordnung. Benötigst Du dafür 2.000 oder sogar 20.000 Wörter, dann ist das auch in Ordnung.

Natürlich kannst Du mit Unterkapiteln arbeiten. Aber darum geht es nicht. Arbeite so, dass Deine Leserinnen Lust haben, Deinen Roman zu lesen. Alles andere ist Zeitverschwendung, finde ich. Auf den Inhalt kommt es an. Und wenn Deine Leserinnen merken, dass Du Dich damit beschäftigt hast, werden sie kurze oder auch lange Kapitel hinnehmen.

Der Inhalt Deines Kapitels

Wie oben schon erwähnt, hat idealerweise Dein Kapitel einen inhaltlichen Sinn. Das bedeutet, dass Du mit einem Kapitel eine bestimmte Aussage machst und dadurch klar ist, wenn Deine Leserinnen und Leser das Kapitel beendet hat, dass auch die Sinneinheit beendet ist.

Ein Beispiel, damit Du verstehst, was ich meine:

Wenn Du einen Krimi schreibst, könntest Du ein Kapitel dafür benutzen, die Leiche zu finden (oder eine Leiche von mehreren). Dann wäre ein weiterer dafür geeignet, wie die ersten Zeugen und Zeuginnen vernommen werden. Und dann wie der Fall aufgeklärt wird. Und so weiter.

Aber das ist kein Muss.

Wichtig finde ich persönlich, dass Du weißt, was Du in einem Kapitel einfügst. Wenn Du Dir sagst, dass Du diese und jene Informationen einfügen möchtest, dann notiere Dir alles in Deinen Roman.

Wobei ich gelernt habe, dass es immer gut ist, wenn Du mit kleinen Cliffhangern arbeiten kannst. Innerhalb eines Kapitels kannst Du ein Ende des roten Fadens aufklären. Gleichzeitig bindest Du ein neues Teilstück an den roten Faden, sodass Du das Kapitel mit einem kleinen offenen Ende aufhörst. So sorgst Du dafür, dass Deine Leserinnen weiterhin am Ball bleiben und weiterlesen. Das ist es ja letztendlich, was wir Autorinnen wollen.

Definiere Dein Inhalt

Egal was Du in Deinem Kapitel einfügen möchtest, mache Dir den Inhalt klar. Es kann ja sein, dass Du nur ein paar Sachen schreiben möchtest, aber der Inhalt nicht innerhalb eines Kapitels erledigt ist, ist das völlig in Ordnung.

Damit meine ich Folgendes: Deine Polizistin vernimmt gerade eine Zeugin und Du endest die Vernehmung an einer spannenden Stelle. Die Vernehmung kann aber in einem späteren Kapitel fortgesetzt werden. Ich würde das zwar nicht zu häufig machen, aber das ist eine legitime Möglichkeit. Die Angelegenheit muss nicht zwingend innerhalb eines Kapitels abgeschlossen sein. Stichwort: Cliffhanger.

Definiere Deine Länge

Es kann aber auch sein, dass es Dir mehr Sicherheit gibt, wenn Du eine gewisse Wortlänge schreibst, um Dein Kapitel zu beenden. Wenn Du eine bestimmte Wortzahl erreicht hast, dann musst Du Dir halt überlegen, wie Du die Angelegenheit beendest, egal wo Du gerade bist oder was Du noch schreiben möchtest.

Wenn Du für Dich entschieden hast, dass Deine Kapitel maximal 5.000 Zeichen lang werden, dann musst Du Dich daran halten (es ist ja Deine Entscheidung). Das bedeutet, wenn Du siehst, wie sich die Wortzahl immer mehr und mehr an Deine Wunschwortzahl annähert, liegt es an Dir, das Kapitel auf eine sinnvolle Art und Weise abzuschließen. Eben mit einem Cliffhanger oder mit einem runden Ende. Das liegt an Dir und wo Deine Geschichte gerade ist.

Trotzdem empfehle ich Dir, halt Dich nicht sklavisch daran. Manchmal ist es nun einmal so, dass ein Kapitel mehr oder weniger Worte verlangt, als veranschlagt. Das ist auch kein Beinbruch.

Der Vorteil, der bestimmten Wortzahl

Es kann durchaus Vorteile haben, wenn Du eine bestimmte Anzahl von Worten für Dein Kapitel wählst. Auf diese Art und Weise machst Du Dir Gedanken, wie Du die wichtigen Informationen innerhalb der selbst gesteckten Wortzahl sinnvoll unterbringen kannst.

Denn häufig ist es gut, wenn man sich darauf konzentriert, alles klar und strukturiert darzustellen und sich nicht in ewigen Erzählungen auslässt. Es kann nämlich passieren, dass Du das Bedürfnis hast, noch das zu schreiben und dann kommt noch eine wichtige Information und dann ist Dein Kapitel vollgestopft mit irgendwelchen Sachen, die zwar nett zu lesen sind, aber nichts zur Geschichte zu sagen haben.

Und leider kann ich da aus eigener Erfahrung schreiben.

Wie viele Kapitel braucht so ein Roman eigentlich?

Auch dazu gibt es keine einheitliche Regelung. Anne Perry schreibt zum Beispiel Romane mit ca. 500 Seiten. Trotzdem hat sie gerade mal um die 12 Kapitel (mal etwas mehr, mal weniger).

Andere Bücher haben bei 500 Seiten die doppelte oder dreifache Anzahl an Kapiteln. Es kommt halt darauf an, was Du sagen möchtest. Und beide Methoden funktionieren gut (also wenige Kapitel oder viele).

Aber ich kann Dir eines sagen, egal für welche Länge oder für welche Anzahl von Kapitel Du Dich entscheidest. Es wird immer Menschen geben, die sich trotzdem beschweren. Mal sind die Kapitel zu kurz und mal zu lang. Also in dem Sinne entscheide Dich für Deine eigene Länge. Du wirst sowieso Kritik erhalten (ich weiß, das klingt sehr ermutigend).

Kapitelüberschriften

Wenn Du einen Roman aufschlägst, dann wirst Du aller Wahrscheinlichkeit dort eine Kapiteleinteilung finden. Natürlich gibt es Ausnahmen. Doch bei den populären Büchern ist mir das noch nicht untergekommen, dass es fehlt. Gehen wir kurz durch, was Du theoretisch nehmen könntest.

Gar keine Einteilung

Das bedeutet, dass jedes neue Kapitel mit einer Einrückung des Textes anfängt. Oder das die erste Zeile nicht ganz oben ist, sondern das erste Drittel der Seite frei bleibt und dann erst die erste Zeile kommt. Habe ich bisher ein oder zwei Mal gesehen. Ist meiner Meinung nach selten. Aber es funktioniert.

Kapitel 1, Erster Kapitel, 1. Kapitel oder auch 1 und I

Meinen Erfahrungen nach ist die Einteilung der Kapitel anhand ihrer Anzahl vorzunehmen, die wohl am weit verbreitetste. Es dürfte wahrscheinlich sein, wenn Du ein X-beliebiges Buch aufschlägst und dort schaust, wie die Einteilung ist, eine der obigen Varianten findest.

Und warum auch nicht? Sie funktioniert.

Wenn Dir also nichts Extravagantes einfällt oder etwas Entsprechendes einfach nicht zum Stil Deines Romans passt, dann verwende eine dieser Möglichkeiten.

Ort, Datum oder auch die Perspektive

Es gibt auch Möglichkeiten, dass Du den Ort erwähnst, wo sich Deine Figuren gerade aufhalten, das Datum oder auch, dass Du immer schreibst, aus welcher Perspektive wir die Geschichte gerade erleben.

Das hat Vor- und natürlich auch Nachteile. Die Orte solltest Du nur dann verwenden, wenn sich der Ort ändert. Sagen wir mal, Deine Figuren bleiben die ganze Zeit in Dublin, Irland. Und ein Ortswechsel findet zu keinem Zeitpunkt statt. Warum dann bei jedem Kapitel erwähnen? Da reicht es aus, wenn Du es bei Kapitel 1 machst, damit die Leute sofort wissen, wo sie sich befinden und dann lasse es am besten. Wenn sie aber doch mal den Ort wechseln, dann kannst Du das dann gerne erwähnen.

Das gilt auch für die Zeitangaben. Gerade wenn Du einen historischen Roman schreibst, kann es gut sein, dass Du zumindest das Jahr erwähnst. Ansonsten dann nur noch, wenn das Datum sich ändert oder auch große Zeitsprünge stattgefunden haben. Ansonsten können sich Deine Leserinnen und Leser denken, dass es zeitnah alles spielt oder es immer noch der gleiche Tag ist.

Wenn Du die Namen der Personen am Anfang schreiben willst, aus deren Perspektive Du gerade schreibst, müssen natürlich mindestens zwei Perspektiven dran kommen. Ansonsten lohnt es sich nicht. Du kannst jedes Kapitel mit den Namen der Person einleiten, aus deren Sicht wir die Geschichte erleben. Dann musst Du auch nicht am Anfang irgendwie deutlich machen, bei welcher Figur wir gerade sind. Das hat also durchaus gewisse Vorteile.

Gedichte, Zitate, Prophezeiungen, kleine Einleitungssätze

Auch das ist möglich. Ich habe schon Romane gelesen, bei dem jedes Kapitel mit einem Zitat, das zum Thema passte, anfing.

Wichtiger Hinweis: Immer auf das Urheberrecht achten!

Du kannst Dir aber auch Prophezeiungen, die in Deiner Welt eine Bedeutung haben, schreiben und dann als Anfang nehmen. Oder wie bei Jules Vernes „Reise um die Welt in achtzig Tagen“ das Kapitel in einem Satz zusammenfassen.

Kleiner Tipp: Verrate nicht zu viel, sonst macht das Lesen keinen Spaß mehr.

Weitere Möglichkeiten

Sicherlich fallen Dir spontan noch weitere Möglichkeiten ein, wie Du Deine Kapitel einleiten kannst. Probiere sie aus, lasse Testleserinnen darüber schauen, was sie davon halten. Und dann wirst Du schon sehen, ob es auch Dir gefällt.

Weitere Ideen

Du kannst natürlich auch eine kleine Pause einlegen, indem Du die Hauptfigur zu Deinen Leserinnen und Leser sprechen lässt (zum Beispiel Marion Zimmer-Bradley „Die Nebel von Avalon“). Oder, indem Du eine Geschichte aus der Vergangenheit erzählst. Oder ein Brief einfügst. Oder, eine Prophezeiung, eine Legende oder was auch immer zu Deiner Geschichte passt.

In diesem Fall darfst Du Deiner Kreativität gerne freien Lauf lassen. Doch sorge dafür, dass Deine Geschichte am Ende geschrieben wird. Ansonsten kannst Du Dir Deine tolle Kapitelübersicht und Deine herzzerreißende Prophezeiung leider nur an der Wand hängen, aber leitet nichts an Deine Leserinnen und Leser weiter.

Abschlussgedanken

Es kommt immer darauf an, dass Du Dich wohlfühlst mit dem Ergebnis, niemand sonst. Wenn das passt, dann ist alles andere in Ordnung. Mach Dir also keine Gedanken, wie lang oder wie kurz ein Kapitel sein sollte. Schreib ihn einfach und sieh zu, was am Ende daraus wird.

Dabei wünsche ich Dir viel Spaß.

Analysiere andere Geschichten

Sicherlich liest Du gerade einen Roman. Schnapp ihn Dir und schau Dir ein Kapitel an. Was enthält das aktuelle Kapitel, wie lang ist dieser und welche Inhalte hat dieser. Mach dies auch bei den anderen Kapiteln und auch bei anderen Büchern.

Wenn Du erfährst, wie die anderen es machen, findest Du sicherlich Inspirationen für Deine Geschichte.

Wie sieht es bei Dir aus?

Hast Du bisher einfach drauf losgeschrieben? Oder hattest Du schon einen Plan gehabt, wie Du Deinen Roman in Untereinheiten einteilst. Schau nun genauer hin, was Du bisher geschrieben hast und überprüfe, wie Du die Angelegenheit jetzt angehen möchtest.
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  • Erste Version: 09. März 2016
  • Zweite Version: 25. August 2017
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Warum eine Auszeit gut tut

Hei, hallo und herzlich willkommen,

in diesem Jahr hatte ich das Glück öfters aus meiner gewohnten Umgebung herauszukommen. Und ich kann sagen, dass es mir emotional sehr gut getan hat.

Kurze Vorgedanken

Als ich in London war, hatte ich einen fast vollständig anderen Blick auf die Dinge, die Welt und mein eigenes Leben. Es tat gut, die Welt aus einer anderen Perspektive zu sehen und mal mit sich selbst beschäftigt zu sein. Denn ich war ja komplett alleine in London.

Doch schon während der Reise ahnte ich, dass diese Energie nicht so anhalten wird, wenn ich wieder zu Hause bin. Und ich hatte recht gehabt. Zu Hause ist man im alten Trott wieder gefangen und daher kann es passieren, dass man Dinge, die man gerne bewegen möchte, nicht bewegen kann. Dafür ist die Energie irgendwie falsch.

Daher stellte sich mir die Frage, wie kann ich die Energie wieder einfangen? Und darüber möchte ich heute schreiben.

Warum überhaupt eine Auszeit nehmen?

Unter der Auszeit verstehe ich, dass man den Alltag hinter sich lässt und etwas tut, was man sonst nicht macht. Das kann eine Autofahrt ins Grüne sein oder der Besuch einer Therme. Gerne kann das auch ein Fallschirmsprung sein, wenn Du das möchtest. Hauptsache, es ist nicht alltäglich.

Dadurch brichst Du aus dem alltäglichen Trott heraus und siehst eben die Dinge anders. Und zumindest ist es bei mir so, dann kommt der Zeitpunkt, dass ich einfach alles überdenke. Was habe ich erreicht, was will ich erreichen, wer bin ich, wo stehe ich, wohin soll es für mich gehen und all diese Dinge.

Wenn Du jeden Tag das gleiche Ritual durchführst, bleibst Du auch im ewig gleichen Ritual Deines Lebens stecken. Nur wenn Du ab und an und regelmäßig ausbrichst, kannst Du auf Dauer auch aus Deinem aktuellen Leben ausbrechen – sofern Du es überhaupt willst.

Die Ausrüstung

Bevor ich zu den verschiedenen Möglichkeiten komme, wie Du Deine Auszeit gestalten kannst, kommen wir zu der Ausrüstung. Und das ist noch nicht einmal viel.

Im Grunde genommen brauchst Du nur ein Notizbuch und ein Stift. Nenn das Notizbuch Tagebuch oder wie auch immer. Aber in diesem sollst Du dann Deine Gedanken festhalten, die Dir durch den Kopf gehen, während Du Dich mit Dir beschäftigst.

Es geht bei dieser Auszeit nicht darum, dass Du an Deinem nächsten Roman schreibst. Der Sinn dahinter ist, dass Du darüber nachdenkst, warum Du das alles überhaupt tust. Und wie das Ergebnis aussehen soll.

Sollten Dir Gedanken zu Deinem Projekt kommen, kannst Du es gegebenenfalls in einem zweiten Notizbuch gerne festhalten. Aber darum soll es natürlich nicht primär gehen.

Du kannst darüber schreiben, wie Dein perfekter Tag aussehen soll oder wie Du Dir im Allgemeinen Deine Zukunft vorstellst. Das alles kann in Dein Tagebuch notiert werden. Lass Deiner Kreativität freien Lauf.

Weiterhin würde ich Dir empfehlen etwas zu trinken mitzunehmen, eventuell etwas Obst oder Gemüse für den kleinen Hunger und Toilettengeld. Denn man weiß ja nie, ob die nächste Toilette Geld kostet oder Du noch umsonst reinkommst.

Einige Auszeitvarianten

Im Folgenden möchte ich Dir einige Auszeitvarianten vorstellen, die ich Dir empfehlen kann. Und für jeden Geldbeutel ist da definitiv was dabei.

Neue Umgebung

Sicherlich kennst Du noch nicht alle Ecken Deiner Heimatstadt. Daher nehm Dir an einem Samstag oder an einem Urlaubstag einfach einen Tag frei und such Dir einen Ort aus, wo Du noch nie warst. Und dann fahr dorthin.

Zuerst kannst Du Dir die Umgebung näher ansehen, um die kleine Reise auch zu genießen. Und dann setz Dich irgendwohin und schreib Dein Tagebuch. Du kannst bestimmte Themen oder Fragen vorbereitet haben oder einfach drauf losschreiben.

Vermutlich wirst Du nicht alle Themen abarbeiten, die Du Dir vorgenommen hast. Das ist in Ordnung. Diese Auszeit kannst Du jederzeit wiederholen, wann immer Du Zeit und Lust hast. Daher empfiehlt es sich durchaus, diese Auszeit mindestens einmal im Monat zu machen.

Du kannst als kleine Belohnung danach auch in ein Restaurant gehen und dort etwas Essen. Letztendlich ist diese Auszeit auch ein kleiner Urlaub. Daher lohnt es sich durchaus, auch etwas in Dein Wohlbefinden zu investieren.

Wochenendtrip

Sicherlich gibt es eine Stadt in Deutschland oder Europa, die Du schon immer mal sehen wolltest. Wenn Du rechtzeitig planst, dann geht das halbwegs kostengünstig. Aber diese Art der Auszeit ist definitiv teurer, als wenn Du in Deiner Heimatstadt bleibst. Lohnt sich aber definitiv.

Vielleicht kannst Du den Freitag schon freinehmen oder zumindest früher gehen. Dann ab in den Flieger, Zug oder ins Auto und los geht es schon. Wenn Du schon in Deiner Wunschstadt bist, dann solltest Du natürlich auch etwas unternehmen. Also recherchiere gerne, was Du den Vormittag und Nachmittag alles erleben kannst.

Sei jedoch bitte realistisch. In zwei bis drei Tagen kannst Du nicht das Erleben, was man in zwei bis drei Wochen schaffen kann. Daher such Dir für jeden Tag eine Sache aus und eine alternative. Und dann leg los.

Tagsüber kannst Du die Stadt erkundigen und die Art der Menschen vor Ort erleben. Sicherlich werden Deine Gedanken sich unweigerlich um verschiedene Dinge drehen. Um die Lebensart der Menschen vor Ort, Deine eigene und all diese Dinge. Sei offen dafür.

Gegen späten Mittag und Abend kannst Du dann Dein Tagebuch zu Hand nehmen und Deine Erlebnisse notieren. Zugleich natürlich auch, was Du für Dich von diesem Wochenende mitnimmst. Denn Du nimmst Dir ja nicht umsonst diese Auszeit.

Am Sonntag würde ich so spät wie nur möglich die Heimreise antreten. Eben damit Du die Zeit vollends ausnutzen kannst. Es mag sein, dass Du am Montag mit kleineren Augen auf der Arbeit erscheinst. Aber ich hab die Erfahrung gemacht, dass der erste Tag noch geht. Würde ich dann zu Dienstag nur wenig schlafen, bin ich vollends von der Rolle. Daher ruhig am Montag früh schlafen gehen.

Eine Woche Auszeit

Eine Woche Auszeit zu nehmen kommt einem Urlaub schon einmal sehr nahe. Ruhig den Freitag noch mitnehmen, dann das ganze Wochenende, die komplette Woche und natürlich das darauffolgende Wochenende (was natürlich dann keine Woche mehr ist, aber darüber müssen wir uns nicht streiten). Hier hast Du mehr Zeit, zum Erleben und auch mehr Zeit um über Dich nachzudenken.

Der einzige Unterschied zum Wochenendtrip ist hier, dass es natürlich um einiges teurer ist (auch wenn es durchaus alternativen zum Hotel gibt). Und natürlich Du mehr Zeit für Dich hast. Und das würde ich nutzen. Ansonsten gelten hier die gleichen Regeln wie beim Wochenendtrip.

Wobei hier der Vorteil ist, wenn Du mal einen Tag faulenzen willst, ist das hier eher möglich.

Der komplette Urlaub

Vermutlich wirst Du eher zu denen gehören, die maximal drei Wochen Urlaub haben. Vielleicht geht es auch, den ein wenig zu strecken (was natürlich auch eine Kostenfrage ist).

Im Grunde genommen hast Du hier die gleichen Möglichkeiten, wie bei den anderen Urlaubstrips. Nur das hier die Gefahr besteht, dass Du Dich zu sehr in Deinem Urlaub verlierst und nicht mehr mit Deinem Tagebuch arbeitest. Daher empfehle ich Dir, Dich gerade am Anfang immer fleißig hinzusetzen und jeden Tag zu schreiben.

Das kann am Morgen sein oder am Abend. Je nachdem was für ein Typ Du bist. Hinweis: Es kann auch passieren, dass gegen Ende des Urlaubs sich eine gewisse Müdigkeit einschleicht. Bei anderen in der Mitte. Hier heißt es konsequent dran bleiben.

Alleine oder doch mit den Lieben

Wer Single ist, hat hier natürlich den klaren Vorteil unabhängig den Urlaub oder auch mal ein Wochenendtrip zu planen. Du musst niemandem um Erlaubnis bitten, allein verreisen zu dürfen. Eventuell ist es so, dass Du jemanden Bescheid gibst, dass Du nicht da bist.

Bist Du aber in einer Beziehung und/oder hast Kinder, sieht die Sache schon anders aus. Da musst Du natürlich klären, ob das überhaupt geht. Wer kümmert sich um die Kleinen, reicht das Geld und so weiter.

Trotzdem würde ich Dir empfehlen, Dir eine Auszeit zu nehmen. Zum einen, um neue Energie aufzutanken. Und eben, um zu sehen, wohin Dein Weg Dich führen soll. Sicherlich kannst Du Deine Lieben für ein paar Stunden verkaufen und einen Nachmittag mit Dir verbringen. Und vielleicht geht es sogar für ein Wochenende. Alles andere dürfte wohl eher Luxus sein.

Solltest Du dann in den großen Urlaub mit Deinen Lieben reisen, dann gönne Dir vor Ort ein paar Stunden für Dich. Auch wenn Deine Familie Dich unterstützt und alles tut, damit Du schreiben kannst, so ist es auch wichtig, dass Du auf diese Art Energie tankst. Daher zieh Dich für einen Nachmittag zurück, zieh Dein Ding durch und dann kehre zurück. Das wäre zumindest ein Kompromiss.

Die Nachbereitung

Natürlich reicht es auch nicht, dass Du Dir eine Auszeit nimmst und dann darüber schreibst, wie Dein Leben besser wäre, wenn dieses oder jenes eintritt. Du musst das natürlich auch in Dein tägliches Leben übernehmen und dann Stück für Stück daran arbeiten, dass es sich ändert.

Eine allgemeingültige Empfehlung, wie man das erreichen kann, gibt es nicht. Daher ist es wichtig, dass Du Deinen Weg findest. Das kann sein, indem Du ein Mood Board führst. Oder eine Bucket List oder was auch immer sich gut für Dich anfühlt.

Auf alle Fälle solltest Du das nicht einfach so brachliegen lassen. Ansonsten war die Auszeit umsonst (außer, dass Du ein paar hübsche Erinnerungen hast).

Abschlussgedanken

Egal wie Deine ideale Auszeit aussieht, mach es einfach mal. Nimm Dir für das kommende Wochenende ein paar Stunden Zeit und erkundige Deine Stadt. Schreib Tagebuch und sieh, was sich daraus entwickeln kann.

Und wenn Du damit angefangen hast, kann sich daraus eine Eigendynamik entwickeln, die Du gar nicht vorhersehen kannst. In dem Sinne hab Spaß dabei.

Fang klein an …

Such Dir jetzt einen Ort in Deiner Umgebung aus, wo Du noch nie warst. Dann, wie Du dahin kommst, und fahre diesen Samstag hin. Keine Ausreden, dieser Samstag ist Dein Tag. Wenn Du mit Ausreden anfängst, wirst Du wahrscheinlich nie wirklich damit anfangen.

… und denke groß

Und nebenbei recherchiere für ein Wochenendtrip oder sogar für eine längere Reise. Je nachdem was Du Dir leisten kannst und ob Du auch mal alleine wegkannst. Überlege Dir, was Du erleben willst und was Du Dir für Fragen stellen möchtest.

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Gloassar – Was kann da alles rein?

Hei, hallo und herzlich willkommen,

für manche ist es ein Graus, andere sind da regelrecht hinterher. Ein Glossar kann gerade bei Fantasy- oder auch Science-Fiction-Geschichten durchaus ein Gewinn sein.

Kurze Vorgedanken

Zugegeben, da ich momentan eher Fantasyromane lese, kann ich sagen, dass da häufiger ein Glossar am Ende zu finden ist. Manchmal vom Verlag selbst eingefügt, können sie auch von der Autorin oder dem Autor stammen.

Sie sollen eine Orientierung für die fremde Welt bieten, in der wir uns hineinwagen. Und das kann manchmal durchaus eine gute Idee sein. Wobei es immer gilt, wenn man es richtig macht.

Daher habe ich mir heute Gedanken gemacht, wie ich ein Glossar aufbauen würde, was hineinkommt und welche Unterschiede es dabei geben kann. Wobei ich hier nicht zwischen den verschiedenen Genres unterscheiden werde. Letztendlich, ein Glossar ist ein Glossar.

Was verstehe ich unter einem Glossar?

Unter einem Glossar verstehe ich eine Ansammlung von Stichworten, die sich direkt auf die Welt konzentrieren und mir diese kurz und bündig erklären. In erster Linie soll mir das Glossar einen Hinweis geben, mit wem oder was ich es zu tun habe. Und gegebenenfalls auch eine Erinnerungshilfe sein.

Nehmen wir an, Du schreibst an einer längeren Reihe von zehn Romanen. Im ersten Band taucht ein Charakter auf, der im Zweiten verschwindet und erst im Siebten wieder auftaucht. Aufgrund der längeren Veröffentlichungsweise könnte es sein, dass ich mich schon gar nicht mehr an den Charakter erinnere und daher im Glossar nachschlage, mit wem ich es zu tun habe. Und dann erinnere ich mich, ach ja, das war die und der.

Weiterhin kann ein Glossar eine Hilfestellung für Wörter und deren Bedeutung sein. Gerade wenn Du eine Sprache erfindest, kannst Du das eine oder andere Wort benutzen und mir mit dem Glossar die Möglichkeit geben nachzuschlagen, was es bedeutet. Auch wenn Du es im Roman übersetzt hast, kann es sein, dass ich es hundert Seiten später wieder vergessen habe. Daher würde ich selbst es im Glossar nachschlagen und erinnere mich dann, was dieses Wort bedeutet.

In erster Linie würde ich ein Glossar so aufbauen, dass es eine Orientierungshilfe ist und nicht ein Ersatz für die Geschichte. Das bringt es nicht. Daher würde ich auch sehr behutsam mit dem sein, was ich in dem Glossar alles aufnehme und welche Informationen ich preisgebe. Ansonsten würde ich selbst meinen eigenen Roman Spoilern. Und das würde keinen Sinn machen.

Der Inhalt

Welche Punkte kannst Du theoretisch in Deinem Glossar aufnehmen? Eigentlich alles, was Dir wichtig ist. Oder auch das, was Deine Testleser*innen für wichtig erachten. Wenn sie sagen, dass sie das eine oder andere Wort nicht verstanden haben oder es andauernd vergessen, wäre das durchaus ein Hinweis es ins Glossar aufzunehmen.

Personen

Gerade, wenn Du eine Reihe schreibst, wäre ein Personenregister durchaus hilfreich. Dann kann man immer nachvollziehen, wer die Person ist, mit der man es gerade zu tun hat. Zudem kannst Du auch die Rolle aufführen (zum Beispiel, Tochter oder Sohn von XY), zu welcher Familie sie oder er gehört und weitere wichtige Informationen.

Bei erfundenen Namen kannst Du zudem noch die Lautschrift aufführen, also wie man den Namen korrekt ausspricht. Zwar werden die Leute trotzdem eine eigene Art finden, wie man den Charakter anspricht, aber so bietest Du wenigstens eine Lösung an.

Du kannst auch den Lebensweg der Charaktere aufzeigen. So war es beim Rad der Zeit so, dass die Hauptfiguren am Anfang regelrecht minimalistisch aufgeführt wurden. Erst nach und nach wurden die Informationen umfangreicher, je mehr sie erlebt haben und je weiter die Reihe vorangegangen ist. Eventuell wäre das auch etwas für Dich.

Orte

Eventuell wäre es auch interessant eine Landkarte anzubieten. Aber wenn Du die Orte aufnimmst, dann würde ich erklären, wo sich dieser ungefähr befindet, welcher Charakter von dort kommt und was so besonderes an diesem Ort ist.

Auch hier würde ich eher empfehlen, die Informationen wachsen zu lassen. Gerade dann, wenn der Ort noch gar nicht aufgetaucht ist, solltest Du Dir überlegen, den erst gar nicht aufzunehmen.

Gegenstände

Wenn es besondere Gegenstände in Deiner Geschichte gibt, gehören die durchaus ebenfalls in Deinem Glossar. Dazu zähle ich den Namen, wie man es ausspricht und welche Bedeutung es für Deine Geschichte hat. Zudem kannst Du auch noch den Unterschied zwischen magisch und nicht magisch machen, wenn es eine Rolle spielt.

Wobei ich selbst nicht unbedingt jeden Gegenstand aufführen würde, der in Deinem Roman erwähnt wird. Das könnte am Ende zu viel sein. Daher empfehle ich Dir, nur die wirklich Wichtigen zu nehmen. Alles andere kann, wenn es sein darf, eher mit einem Satz abgehandelt werden.

Worte

Also eine Art Duden für Deine Geschichte könnte man das bezeichnen. Da würde ich schon jedes Wort aufnehmen, welche Deine Charaktere sprechen. So können sie sich immer darauf beziehen, wenn Du es in Deinem Roman erwähnst. Und vielleicht möchten Deine Leser*innen auch Deine Sprache lernen. Wer weiß.

Sonstiges

Klar, alles, was noch wichtig für Deine Geschichte ist.

Aufbau

Wie Du Dein Glossar am Ende aufbaust, entscheidet Dein persönlicher Geschmack. So könntest Du jeden der oben genannten Punkte mit einer eigenen Unterkategorie erwähnen. Oder Du packst alles zusammen.

Wichtig finde ich, dass man eine Ordnung erkennen kann. Alles andere verwirrt nur. Und am Ende könnte es passieren, dass man sich so viel Mühe mit dem Glossar gemacht hat und niemand will es lesen. Das fände ich schade.

Überleg Dir, wie Du die Informationen am besten vermitteln kannst.

Dein persönliches Glossar

Wenn Du den Roman schreibst, würde ich Dir empfehlen, ein persönliches Glossar noch zu erstellen. Aus diesem kannst Du dann das Glossar für Deinen Roman herausfiltern. In Deinem persönlichen Glossar kannst Du so ausführlich sein, wie Du willst. Hier geht es darum, dass Du die Informationen hast, die Du brauchst, um Deinen Roman zu schreiben.

Du darfst also jedes noch so kleine Wort aufnehmen, was in Deiner Geschichte auftaucht. Da musst Du Dich gar nicht zurückhalten. Und wenn Du mit dem Roman fertig bist, schaust Du, was Du aus Deinem Glossar herausfiltern kannst, um dem Romanglossar zu schreiben.

Kleiner Tipp, niemals die Unterlagen wegwerfen oder löschen. Es könnte sein, dass Deine Fans noch mehr Infos um Deine Geschichten haben wollen. Da könntest Du auch Dein persönliches Glossar veröffentlichen.

Vorne oder hinten

Ganz ehrlich? Einmal hab ich einen Roman gelesen, da war vorne das Glossar. Und mir wurden Informationen geboten, bei denen ich dachte, cool, das wird ein toller Roman. Am Ende waren die Informationen interessanter als der Roman. Denn das Glossar hat mich so heiß gemacht, dass ich am Ende nur noch enttäuscht wurde.

Daher würde ich selbst das Glossar immer am Ende des Romans packen. Dort gehört er für mich hin und niemals vorne. Keine Ahnung, warum manche das machen. Gilt übrigens auch für ein E-Book.

Abschlussgedanken

Das war jetzt ein kurzer Einblick, wie ich selbst ein Glossar aufbauen würde. Letztendlich kommt es darauf an, ob Du eines schreiben möchtest und ob es sich lohnt. Bei einem kurzen Roman, der nur aus einem Band besteht, mag es überflüssig sein. Hingegen kann es sich bei einem langen Roman oder gar einer Reihe eher lohnen.

Schreib also erst einmal Deinen Roman und Deinen persönlichem Glossar und schau dann, ob und was Du übernehmen möchtest. Dabei wünsche ich Dir viel Spaß.

Fremde Glossare studieren

Ich bin mir sicher, dass Du den einen oder anderen Roman hast, der einem Glossar besitzt. Schau mal rein, wie diese geführt werden. Oder geh in eine Buchhandlung und such aktiv danach. Was möchtest Du davon mitnehmen und was nicht?

Dein Glossar

Egal, ob Du eines in Deinem Roman einfügen möchtest oder nicht, ich kann Dir nur empfehlen, für Dich und Deine Geschichte immer eines zu führen. Damit verhinderst Du, dass Du selbst durcheinander kommst. Und Du kannst Deine Fans immer wieder mit Informationen füttern, welche exklusiv aus Deinem Archiv stammt. Das nennt man halt auch Werbung 🙂

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